Asus Transformer Prime Sprinter-Tablet kann auch Langläufer-Laptop

Mit schnellem Chip, extrahellem Bildschirm, Zusatz-Akku und Kampfpreis soll ein neues Asus-Tablet begeistern. Das auf der Elektronikmesse CES vorgestellte Transformer Prime wird per Andock-Tastatur zum schlanken Notebook. Matthias Kremp hat es getestet - und ging dabei in die Luft.

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Hamburg/New York/Las Vegas - Quad-Core klingt gut: Bei Desktop PC und Notebook steht der Begriff für Hochleistung, denn er bezeichnet Prozessoren, in denen sich vier Kerne die Rechenarbeit teilen und so bei gleicher Taktfrequenz mehr schaffen als Ein- oder Zweikernprozessoren. Mit Nvidias Tegra 3 hält jetzt der erste Quad-Core-Chip in Tablet-Rechnern Einzug. Welchen Unterschied vier Kerne bei den Streichelrechnern machen, habe ich mit dem Asus Transformer Prime getestet.

Es ist das erste Quad-Core-Tablet auf dem Markt, das Asus als sein Messehighlight auf der Unterhaltungselektronikmesse CES, der Consumer Electronics Show vom 10. bis 13. Januar in Las Vegas, vorstellt. Tablets werden, neben internetfähigen Fernsehern und sogenannten Ultrabooks, einmal mehr ein großes Thema der Messe sein. Asus eröffnet mit seinem Transformer Prime, ausgestattet mit einem Android-Betriebssystem, den Reigen. Und legt sich mit einem ungewöhnlichen Gegner an: Der SpielzeugkonzernHasbro hat ein Problem mit dem dann doch sehr an den Transformer Optimus Prime erinnernden Namen des Geräts - und will das nun vor Gericht klären.

Was die vier Kerne zu leisten vermögen, merke ich gleich auf der ersten Teilstrecke meiner Reise zur CES in Las Vegas, einem Neun-Stunden-Flug von Hamburg nach New York. Spiele nämlich können darauf mit wirklich beeindruckender Grafik glänzen - wenn sie die entsprechenden Funktionen des Tegra 3 unterstützen. Denn bei Spielen helfen den vier Prozessorkernen weitere zwölf Kerne in der Grafikeinheit des Geräts.

Das Resultat sind zum Beispiel beim Jetboot-Rennspiel "Riptide GP" sehr realistisch schwappende Wellen und beim Arcade-Spiel "Glowball" beeindruckende Lichteffekte. So kann man schon mal ein paar Stunden Flugzeit mit lockerem Gedaddel verbringen. Als dann auch ein unplanmäßiger Tankstopp im kanadischen Goose Bay ansteht (die Boeing 757-200 von Continental hatte mit schwerem Gegenwind zu kämpfen) kommt die 8-Megapixel-Kamera zu Ehren, macht gute, aber keine beeindruckenden Bilder. Bei näherer Betrachtung ist oft ein leichtes Rauschen zu sehen.

18 Stunden Akkulaufzeit

Einen guten Eindruck macht das Display. Seine 1280 x 800 Bildpunkte sind nicht sensationell, produzieren aber ein schönes, klares Bild. Beim Vergrößern und Verkleinern von Web-Seiten kam es im Test regelmäßig zu sekundenlangen Wartezeiten. Ein Effekt, den man angesichts der Rechenleistung nicht erwartet hätte. Umso weniger, als das Transformer Prime mit einem Gigabyte Arbeitsspeicher gut bestückt ist. Sehr gut kommt der Bildschirm dagegen mit hellem Umgebungslicht klar. Im sogenannten Outdoor-Modus wird die Display-Beleuchtung auf fast das Doppelte des normalen Werts erhöht, so dass man auch bei praller Sonne noch Texte lesen kann. Die Akkulaufzeit ist dann allerdings deutlich geringer.

Auf dem zweiten Teil der Reise, einem sechsstündigen Inlandsflug von New York nach Las Vegas, kommt das Tastaturdock zum Einsatz, in das man das Tablet einstecken kann, um es zum Mini-Notebook zu machen. Abgesehen davon, dass es das Tablet um eine recht gute Kleintastatur ergänzt, steckt im Tastaturdock ein zweiter Akku, der die netzunabhängige Laufzeit auf bis zu 18 Stunden verlängern soll. Ohne Dock sollen, je nach Anwendung, zwischen neun und zwölf Stunden drin sein.

Mach mir das Netbook

Beim Testflug mit dem Transformer Prime hielt der Akku nicht so lange. Allerdings war das auch eine Extremsituation, denn ich habe versucht, die Chips möglichst intensiv zu belasten. Die zusätzliche Laufzeit verschaffte mir dann aber die Möglichkeit, mir die Pause bis zum Weiterflug mit ein paar Filmen zu vertreiben. Ein echter Vorteil für Vielflieger, muss man bei einigen US-Fluggesellschaften doch mittlerweile sogar die Bordunterhaltung extra bezahlen.

Im Übrigen macht die Tastatur das 10-Zoll-Tablet zum Netbook, mit dem ich versuchen werde, in den nächsten Tagen auf der CES meine Texte zu schreiben. Viel vermissen dürfte ich dabei eigentlich nicht, denn im Tablet selbst stecken schon ein Micro-SD-Kartenleser, ein Micro-HDMI- und ein Kopfhöreranschluss. Das Dock hat zusätzlich eine USB-Buchse und einen normalen SD-Kartenleser, über den ich Bilder meiner Kamera einlesen kann.

Preisgünstiger als ein iPad 2

Der einzige Nachteil, den ich dafür in Kauf nehmen muss: Tablet und Tastaturdock bringen es zusammen auf mehr als 1100 Gramm Gesamtgewicht. Das ist schwerer als ein Macbook Air mit 11,6 Zoll Bildschirmdiagonale. Gegenüber dem Apple-Ultraleicht-Notebook hat die Asus-Kombi aber einen Preisvorteil: 949 Euro kostet das Macbook Air in der Grundausstattung, 599 Euro das Transformer Prime samt Tastaturdock in der 32-GB-Version.

Bei der Preisgestaltung hat sich Asus allerdings nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Das Modell mit 64 GB Speicher kostet genau so viel wie das 32-GB-Modell. Nur fehlt ihm das Tastaturdock, das man bei Interesse für 129 Euro hinzu kaufen muss. Warum nicht beide Modelle mit Dock verkauft werden, ist unverständlich. Aber immerhin ist das Asus damit billiger als Apples iPad 2 - wenn auch nicht sehr viel.

Was das Transformer Prime attraktiv macht, ist aber nicht sein Preis, sondern die Kombination aus Leistung und Laufzeit, die man mit dem Tastaturdock bekommt. Die Leistung allerdings können derzeit nur wenige Anwendungen, meist Spiele, ausnutzen. Denn immer dann, wenn genügsame Apps im Einsatz sind, wenn man also im Web surft, E-Mails oder E-Books liest und Videos anguckt, werden die vier Hauptrechenkerne des Tegra 3 zum Stromsparen abgeschaltet und es kommt der sogenannte Companion Core, der Kumpel-Kern, zum Einsatz.

Wirklich lohnend ist das laut der deutschen Amazon-Seite ab Februar/März verfügbare Transformer Prime vorerst also nur für Spieler, allen anderen reichen derzeit noch Tablets mit ein oder zwei Prozessorkernen. Aber die sind leider auch nur selten billiger als die Turbo-Flunder von Asus.



insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
celsius234 09.01.2012
1. Es eerschließt sich mir bei aller Technikfreude eben gerade nicht
Zitat von sysopMit schnellem Chip, extrahellem Bildschirm, Zusatz-Akku und Kampfpreis soll ein neues Asus-Tablet begeistern. Das auf der Elektronikmesse CES vorgestellte Transformer Prime wird per Andock-Tastatur zum schlanken Notebook. Matthias Kremp hat es getestet - und ging dabei in die Luft. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,807919,00.html
wieso ich für "beschmadderte" Bildschirme mit Knoblauchbutterfingern ohne Abdeckschutz und haptischem Tastenclick mehr bezahlen soll als für einen x-beliebigen Laptop. So ein CD/DVD-LW ist auch ganz nett. Nette Idee, die Überproduktion an LCD Displays zu verkaufen, aber ehrlich, dann bitte nur mit 30 Brillenputztüchern für den ständig "beschmadderten" Bildschirm (Bin Norddeutscher: Beschmaddert=beschmiert")
Kashban 09.01.2012
2. Displayfolie
Zitat von celsius234wieso ich für "beschmadderte" Bildschirme mit Knoblauchbutterfingern ohne Abdeckschutz und haptischem Tastenclick mehr bezahlen soll als für einen x-beliebigen Laptop. So ein CD/DVD-LW ist auch ganz nett. Nette Idee, die Überproduktion an LCD Displays zu verkaufen, aber ehrlich, dann bitte nur mit 30 Brillenputztüchern für den ständig "beschmadderten" Bildschirm (Bin Norddeutscher: Beschmaddert=beschmiert")
Dagegen hilft die passende Displayfolie. Sie entspiegelt nicht nur den Bildschirm, sondern ist auch fettabweisend. Ich habe eine solche auf meinem Archos 101it und da sind niemals Fingerabdrücke drauf. Zustimmung aber bei der Kritik an verspiegelten Bildschirmen bei Tablets: Das ginge auch anders und wäre deutlich ergonomischer. Ein normales Laptop mit bis zu 18 Stunden Laufzeit und 1,1kg kostet deutlich über 1000 Euro.
visualc 09.01.2012
3. Zombie Bilder
Gruselige Produktfotos. Hat die Netzweltredaktion mal wieder keine Ahnung, wie man eine gute Kamera bedient? Von Gestaltung und Bildaufbau will ich erst gar nicht reden. Es sollen bitte keine inszenierten Studio-Bearbeitungen vom teuren und eitlen Mac-Profi sein, aber etwas mehr Gefühl und weniger stumpfe Automatik wären schon wünschenswert. Oder könnt ihr nur Screenshots?
hladik 09.01.2012
4. Dr.
Zitat von visualcGruselige Produktfotos. Hat die Netzweltredaktion mal wieder keine Ahnung, wie man eine gute Kamera bedient? Von Gestaltung und Bildaufbau will ich erst gar nicht reden. Es sollen bitte keine inszenierten Studio-Bearbeitungen vom teuren und eitlen Mac-Profi sein, aber etwas mehr Gefühl und weniger stumpfe Automatik wären schon wünschenswert. Oder könnt ihr nur Screenshots?
Noch nicht gewusst? Kremp macht Fotos grundsaetzlich nur mit seinem eiFohn. Er ist zu cool, um Equipment ohne Obstlogo zu benutzen. Wenn Steve Jobs gewollt haette, dass die Menschheit mit Kameras fotgrafiert, haette er ihr eine eiCam geschenkt...
willi2007 09.01.2012
5. Pfiffig
Mir gefällt, dass man den Asus Transformer Prime an eine Tastatur andocken kann und dank dort eingebauten zweiten Akkus die Laufzeit merklich verlängern kann. Das könnte Schule machen.
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