Von Frank Patalong

Ubuntu 11.10 mit geöffnetem "Dash": Die Unity-Oberfläche hält die Grundfunktionen immer sichtbar, macht Linux nutzbar für Anwender, die von Linux keine Ahnung haben
Hier die augenfälligen Unterschiede zu Windows im Schnelldurchlauf:
Die meisten Programme unter Linux unterscheiden sich kaum von ihren Windows-Versionen oder Entsprechungen. Äußerst komfortabel ist, dass so gut wie alles vorinstalliert scheint. Selbst wenn etwas fehlt, ist die Nachinstallation von Programmen oder Codecs zur Darstellung von Videos ein Kinderspiel. Alle meine unter Windows angelegten Dateien (Texte, Bilder, Filme etc.) sind zugänglich und nutzbar.
Die große Schwäche: Linux ist kein Spielplatz
Was nicht bedeutet, dass Linux aus Verbrauchersicht keine Schwächen hätte. Nach zehnminütiger Einarbeitung probierte meine Tochter die Software für einen Tag aus. Dann fragte sie: "Kann ich damit auch Sims spielen?"
Kommt drauf an, sagte ich und dämpfte damit ihre Begeisterung merklich. Kommerzielle Spiele gibt es nur selten in Linux-Versionen, gerade die populärsten sind nicht darunter. Viele Windows-Programme lassen sich - oft unter Leistungseinbußen - mit Emulatoren (eine Art "Übersetzer-Programm") aus Linux heraus nutzen: Ob das aber klappt oder nicht, ist auch von der eingesetzten Hardware abhängig. Browserspiele laufen natürlich. Generell muss man aber sagen: Linux-Rechner sind nichts für Leute, die PC zum Spielen nutzen.
Arbeitsaufgaben, Internet und "sachliche" Hobbys, aber auch Multimediaanwendungen vom Filmkonsum über Grafiksoftware bis zum DVD-Schnitt bedient Linux dagegen vorzüglich. "Schade", sagte meine Tochter, eigentlich sei dieses Ubuntu "viel besser als mein Windows". Was sie meint: Es ist einfacher - und deutlich schneller.
Domino-Effekte: wenn einer anfängt...
Am Abend rief mich ein Freund an, er ist Schornsteinfeger. "Hör mal", sagte er, "ich krieg' diesen BKA-Mist nicht runter."
"Spielst Du eigentlich an der Kiste?", fragte ich. Er verneinte. Ich machte ihm einen naheliegenden Vorschlag, um ihn (und mich!) von seinem Virenproblem zu erlösen.
"Meinste, das krieg' ich hin?", fragte er zurück.
Vor ein paar Jahren hätte ich gezögert. Egal, was Linux-Fans da behaupten, die meisten Distributionen (so nennt man die verschiedenen Linux-Ausprägungen) sind Stoff für Leute, die wissen, was sie tun - und nicht für normale Anwender. Nach ein paar Tagen Ubuntu sehe ich da aber keine Probleme mehr. Gerade die unter Linux-Fans heiß umstrittene neue Unity-Arbeitsoberfläche ist es, was das System für Normal-User interessant macht: die ist einfach, übersichtlich und intuitiv zu bedienen - das kann locker auch mit Apple konkurrieren.
Ein paar Abende später installiere ich Ubuntu auf dem Laptop meines Freundes, neben der Windows-Partition, die erhalten bleibt. Alles geht ganz einfach, nach 20 Minuten sind wir durch. Wir testen den Rechner, im Internet, dann mit einem 24 Gigabyte großen HD-Video im mkv-Format. Das Bild fließt ruckelfrei und gestochen scharf. Codecs, Nachinstallationen, Probleme? Fehlanzeige.
In den folgenden Tagen warte ich auf den ersten Hilferuf. Er kommt nicht.
"Spitze", sagt mir mein Linux-Schornsteinfeger, als wir uns eine Woche später treffen, "das Ding ist jetzt viel schneller!" Er grinst wie ein Honigkuchenpferd, Probleme hat er offenkundig keine. "Sag mal", sagt Stefan, ein weiterer Freund: "Meinst Du wirklich, man kann das inzwischen versuchen?"
Ich verspreche ihm, eine Installations-DVD mitzubringen. Ein paar Tage darauf fragt der Nächste. Um mich herum entsteht ein kleiner, virenfreier Linux-Cluster. Vielleicht sind meine Tage als ehrenamtliche Viren-Hotline gezählt.
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