Von Frank Patalong
Am Morgen des 5. Januar 2012 flackerte der Bildschirm meines PC kurz auf. Für Bruchteile einer Sekunde sah man, wie sich ein Internet-Explorer-Fenster öffnete und dann komplett über den Bildschirm legte. Der produktive Teil meines Arbeitstages war damit beendet.
Ich recherchierte gerade im Web, eine der geöffneten Seiten muss verseucht gewesen sein. Sie schleuste die neueste Version des sogenannten BKA-oder UKash-Virus auf meinem Rechner ein und schoss ihn regelrecht ab. Binnen Sekunden war Windows unbrauchbar geworden, verweigerte mir jeden Zugriff. Den sollte ich gegen Zahlung von 100 Euro wieder bekommen, behauptete die sich als Polizei-Warnung verkaufende Erpressungssoftware. Wer das glaubt und zahlt, wird ärmer, aber nicht selig.
Die Infiltrierungsmethode nennt sich Drive-by, man fängt sich einen Schädling ein, während man sich eine Web-Seite ansieht. Es reicht, dass der Rechner in diesem Augenblick nicht ausreichend geschützt ist, was häufig der Fall ist.
Schutz ist ein relativer Begriff
Der Schutz ist durch Sicherheitslücken der installierten Software begrenzt. Zu jedem gegebenen Zeitpunkt haben wir etliche Programme installiert, die bisher nicht geflickte Sicherheitslecks aufweisen - vom Browser über den PDF-Reader, die Office-Software bis hin zu diversen Skripten (Java, Flash etc.), die das bevorzugte Einfallstor für Viren sind. Und gegen neu auftretende Schadsoftware gibt es so oder so zunächst keinen Schutz - egal, wie gründlich man sich absichert.
Mein PC hängt beispielsweise hinter einem Router, der vieles abfängt. Ich arbeite ohne Admin-Rechte. Der Rechner ist durch Firewall und Virenschutzsoftware abgesichert, die jede Stunde auf neuesten Stand gebracht werden. Sicherheitsupdates der Software sind selbstverständlich. "Mein" BKA-Virus kam trotzdem durch.
Es ist zum Mäuse melken, zum in die Tischplatte beißen, zum aus der Haut fahren. Wir Windows-Nutzer leben mit diesem Mist seit über zwanzig Jahren. Wir haben es als Teil der PC-Normalität akzeptieren gelernt, nehmen es hin wie Schlechtwetter. Warum eigentlich?
Weit über 95 Prozent aller Virenprobleme betreffen einzig und allein unsere Windows-Rechner. Apple-Fans lachen sich eins und behaupten, das läge an schlechter Software. Hauptsächlich liegt es wohl eher daran, dass sich die Verseuchung für Kriminelle lohnt: Windows läuft auf rund 90 Prozent aller PC.
Aber was ist, wenn auf dem von einem Erpressungstrojaner blockierten Rechner einmal wirklich kostbare Daten verschüttet liegen? Dann muss man sich etwas einfallen lassen.
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