Netzwerkfestplatten im Vergleich So bauen Sie Ihre eigene Datenwolke

Schwupps, da waren die Daten weg! Solche Katastrophen müssen nicht sein: Wer regelmäßig Backups auf einer Netzwerkfestplatte anlegt, mindert das Verlustrisiko. Wir haben vier Geräte getestet, mit denen man zu Hause seine eigene Datenwolke aufspannen kann.

Netzwerkfestplatte für zu Hause (Symbolbild): Mit Sicherheit mehr Sicherheit
Western Digital

Netzwerkfestplatte für zu Hause (Symbolbild): Mit Sicherheit mehr Sicherheit

Von Olaf Purwin


Mit der Datensicherung ist es wie mit dem Vorsatz, mehr Sport zu treiben: Jeder findet's wichtig, kaum einer macht's. Bis ein Festplattencrash Urlaubsbilder und Briefe ans Finanzamt ins Datennirvana schickt. Netzwerkfestplatten (Network Attached Storage; NAS) können helfen, sich vor solchen Katastrophen zu schützen, indem sie regelmäßige Backups vereinfachen oder sogar ganz automatisch erledigen. Vier solcher Geräte haben wir ausprobiert und erklären, wo ihre Stärken und Schwächen liegen.

Gemeinsam ist allen, dass sie mit schnellen Gigabit-Netzwerkanschlüssen ausgerüstet sind. Das ist wichtig, damit es beim Umkopieren von Dateien nicht zu Datenstaus kommt. Außerdem bieten sie alle weit mehr als nur eine Backup-Funktion. Sie können auch vernetzten Fernsehern und Lautsprechern als Datenspeicher dienen, von dem aus Musik, Fotos und Filme abgespielt werden.

Damit haben sich aber auch schon die Gemeinsamkeiten. Was die Erweiterungsmöglichkeiten, ihre Tauglichkeit fürs Wohnzimmer und die Einfachheit der Bedienung angeht, gibt es deutliche Unterschiede.

Das gilt auch für die Ausstattung mit Festplatten. Nur die getestete WD myBook Live wird grundsätzlich mit eingebauter Festplatte geliefert, alle anderen Geräte im Test kann man auch selbst mit Speicherplatten bestücken - was oft weit billiger ist als vorkonfigurierte Systeme vom Händler und was auch von Laien meist ohne Werkzeug durchgeführt werden kann.

Lesen Sie im Folgenden, was die besonderen Stärken und Schwächen der vier getesteten Netzwerkfestplatten sind:

Western Digital myBook live

Western Digital

Die Einsteigerlösung mit einer internen Festplatte gibt es mit ein, zwei und drei Terabyte zu Preisen von 110 bis 170 Euro.

Die mitgelieferte Backup-Software WD SmartWare für Windows stellt auf Wunsch automatisch die zu sichernden Dateien zusammen. Bis zu 25 Versionen einer Datei kann die Software speichern. Der Backup läuft wahlweise permanent im Hintergrund oder zu bestimmten Zeiten. Per App lassen sich auch Fotos vom Smartphone auf dem NAS sichern.

Multimediaplayer und Smart-TVs, die den verbreiteten DNLA-Standard beherrschen, können Fotos, Filme und Musik vom myBook live abspielen. Bei iTunes klappt es zumindest mit Musiktiteln. Sichern mehrere Benutzer ihre Daten auf der Festplatte, kann man für jeden davon private Ordner anlegen. Die 1-Terabyte-Version verbraucht im Betrieb nur acht Watt, abgeschaltet genehmigte sie sich allerdings vergleichsweise üppige fünf Watt.

Preis: Mit 1 TB 110 Euro; mit 2 TB 135 Euro; mit 3 TB 170 Euro

Vorteile und Nachteile der WD myBook Live

Leise

Einfache Bedienung

Hoher Stromverbrauch im Ruhezustand

Kein Ein/Ausschalter


Synology Diskstation DS214+

Synology

Das NAS mit Dualcore-Prozessor kostet schon ohne Festplatten rund 300 Euro. Zwei Platten mit maximal je vier Terabyte lassen sich einsetzen. Der Einbau geht fix und ohne Werkzeug. Ist das NAS mit zwei Laufwerken bestückt, können die Daten gespiegelt gespeichert werden. Das bringt Sicherheit: Fällt eine Platte aus, lassen sich die Daten trotzdem wiederherstellen. Allerdings ist das ein teurer Luxus, da nur die Hälfte des installierten Speicherplatzes nutzbar ist. Wer den Speicher komplett nutzen will, kann die Einstellung im Speichermanager des NAS ändern, verzichtet dann aber auf die zusätzliche Sicherheit.

Backups vom PC oder Smartphone können per Software automatisiert werden. Synology stellt die Windows-Backupsoftware "Datareplicator 3" zur Verfügung. Sie sichert auf Wunsch auch mehrere Dateiversionen.

Das DS214+ kann per Software um zahlreiche Funktionen erweitert werden. Vom Multimediaserver über einen TV-Server bis zur Überwachungsstation für Netzwerkkameras bietet das System viele Möglichkeiten. Bestückt mit zwei Festplatten verbrauchte es im Test etwa 20 Watt. Im Ruhezustand waren es noch elf, ausgeschaltet knapp ein Watt.

Preis ohne Festplatten: 315 Euro

Vorteile und Nachteile der Synology Diskstation DS214+

Einschalten auch per App möglich

Gute Anleitungen

Umfangreiche Funktionen

Teuer


Netgear ReadyNAS 102

Netgear

Auch das ReadyNAS 102 hat Platz für zwei Festplatten mit maximal vier Terabyte. Beide können zur erhöhten Datensicherheit im gespiegelten Modus (Raid 1) betrieben werden.

Ein klarer Pluspunkt des ReadyNAS: Ohne Festplatten kostet es nur 135 Euro. Eine PC-Software für Backups wird nicht mitgeliefert, Datensicherungen können aber per Browser im NAS eingestellt werden. Dafür müssen die Dateien aber in freigegebenen Ordnern auf dem PC liegen.

Bei den gesicherten Dateien zeigt das ReadyNAS-Dateisystem Btrfs seine Stärken: Es hat eine Schnappschussfunktion. Dadurch kann der Anwender auch ältere Dateiversionen aufrufen, die versehentlich geändert oder gelöscht wurden. Zusatzprogramme wie ein Mediaserver oder eine Kalender- und Kontaktverwaltung sind schnell installiert.

Preis ohne Festplatten: 135 Euro

Vorteile und Nachteile der Netgear ReadyNAS 102

Günstiger Preis

Schnappschussfunktion für Dateiversionen

Einschalten auch per App

Keine Backup-Software mitgeliefert

Kein stromsparender Standby-Modus für die Festplatten


Qnap TS-420

Qnap

Genug Speicherplatz für die Groß-WG oder das florierende Heimbüro: Ins TS 420 passen vier Festplatten. Wer auf Datensicherheit Wert legt, stellt das NAS so ein, dass es die Platten als Raid 5-Laufwerk verwendet. Fällt davon eine Festplatte aus, können trotzdem alle Daten wiederhergestellt werden.

Die Speicherausnutzung dieser Technik ist besser als bei gespiegelten Festplatten nach Raid 1: Von 16 Terabyte bleiben 12 für die Datenablage übrig. So ein Riesenspeicher kostet allerdings auch viel: In der Vollausstattung mit 16 Terabyte kommt man auf fast 1000 Euro. Das Leergehäuse gibt es für wenig mehr als 300 Euro.

Die mitgelieferte Backupsoftware "Netbak replicator" bietet die wichtigsten Funktionen wie eine sofortige oder zeitgesteuerte Datensicherung und ist leicht bedienbar. Mehrere Dateiversionen kann sie aber nicht sichern.

Der Funktionsumfang des TS 420 ähnelt dem der Synology- und Netgear-Geräte: Der Datenabgleich zwischen mehreren Geräten inklusive Smartphones sowie der Zugriff von außerhalb ist möglich. Und auch für das Qnap-NAS gibt es sehr viele Zusatzprogramme. Mit einem passenden DVB-T-USB-Stick kann es sogar als Videorekorder dienen.

Preis ohne Festplatten: 310 Euro

Vorteile und Nachteile der Qnap TS-420

Sehr viel Speicherplatz möglich

Stromsparender Festplatten-Ruhezustand

Einschalten auch per App

Relativ laut



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 73 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
caligus 14.12.2013
1. Nicht am falschen Ende sparen!
Die Server der Firma Synology sind ihr Geld absolut wert! Ich habe schon verschiedene Versuche mit anderen Servern hinter mir, bevor ich Synology für mich entdeckt habe. Die Einrichtung ist hier extrem einfach. Ich möchte hierfür auch unbedingt die Videos von iDomiX auf Youtube dringend empfehlen, in welchen die Einrichtung Schritt für Schritt - auch für absolute Laien - gut erklärt wird.
sonntagsbrötchen 14.12.2013
2. Meine Erfahrungen mit NAS
Zitat von sysopWestern DigitalSchwupps, da waren die Daten weg! Solche Katastrophen müssen nicht sein: Wer regelmäßig Backups auf einer Netzwerkfestplatte anlegt, mindert das Verlustrisiko. Wir haben vier Geräte getestet, mit denen man zu Hause seine eigene Datenwolke aufspannen kann. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/backups-netzwerkfestplatten-fuer-die-automatische-datensicherung-a-938739.html
Man kann es sich raussuchen. Entweder Stromsparen und ein NAS mit ARM CPU (meistens eine Kirkwood CPU von Marvell) oder Performance mit einem Atomkern von Intel. Und immer dran denken: Ein RAID System erspart kein Backup. Wer also Daten auf zentral auf dem NAS ablegt sollte sich Gedanken machen wie er das NAS backupen kann. Ich habe seit ein paar Jahren 2 NAS Systeme zuhause die ich gelegentlich auch schon mit neuen Platten aufgerüstet habe. Ein schnelles in meinem Büro mit Atomkern, 2 SSDs (gespiegelt je 128 GB) für die Homelaufwerke und 2 normale Platten (gespiegelt je 1TB) für die Datenhalde und in der Garage (1 GBit Glasfaser durch den Garten) ein stromsparendes langsames mit sehr großen gespiegelten 4 TB Platten für das Backup des Homeserver/NAS und der PCs. Beide jeweils mit einer USV Notstromversorgt. OK ein bisschen Schizophren vielleicht für den Hausgebrauch. Mein Tip: Wer nicht nur seinen PC auf das NAS Backupen will, sondern das Ding als zentrale Datenablage verwendet oder gar per DLNA auch Videos von dem Ding streamen will ohne im Voraus alles passend zu transcodieren sollte zu NASen mit Atomkern greifen.
ColdFever 14.12.2013
3. Synology-Support
Auch ich nutze seit vielen Jahren ein Synlogy-NAS als Medienserver und für die Datensicherung und kann darüber nur Gutes berichten. Vor allem der Softwaresupport ist hervorragend, denn die Firmware wird über Jahre betreut und mit neuen Funktionen aktualisiert. Für mich ist Synology das für NAS, was AVM/Fritz für Router ist: Eine etwas teurere, aber sinnvolle Investition in jede Menge KnowHow und vor allem langfristigen Produktsupport.
mumienschubser, 14.12.2013
4. Billig kann teuer werden
Ich habe erst diese Woche ein NAS in Betrieb genommen (Synology 231 j), die Software ist wohl die beste und umfangreichste , die es zurzeit für NAS gibt, selbst ich als Laie konnte die NAS binnen 1 Stunde komplett montieren und konfigurieren inkl. DynDns um eine feste URL zu haben, mit der ich weltweit meine NAS per PC ansteuern und Daten abrufen oder speichern kann, die dazu gehörigen kostenlosen Apps für das iPad/iPhone sind phänomenal. Weltweit seine Bilder, Musik oder Videos zur Verfügung zu haben ist schon sehr bequem. Selbst das Hosting eines eigenen Forums, Blogs oder einer normalen Webseite auf dem NAS ist möglich.
junglejet 14.12.2013
5. Dropbox!!!!
damit ist alles gesagt und für immer sicher, inkl Zugriff auf alle Versionen Die NSA liest zwar auch mit, aber das ist für die meisten Daten ja zu verschmerzen
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