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Übernahmekandidat Beats: Was will Apple mit dieser Firma?

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Guter Klang: Die besten Kopfhörer im Test Fotos
HTC

Apple will angeblich Beats Electronics übernehmen. Den Kaufpreis könnte der Konzern aus der Portokasse zahlen. Aber die Kopfhörer mit dem "b" im Logo haben einen gravierenden Nachteil.

Die Meldung kam unerwartet: Apple wolle den Kopfhörerhersteller Beats Electronics übernehmen, meldeten mehrere amerikanische Medien in der Nacht zum Freitag. Als Kaufsumme seien 3,2 Milliarden Dollar im Gespräch. Angesichts von mehr als 150 Milliarden Dollar Bargeldreserven fast schon Kleingeld für den Konzern. Und doch wäre der Deal etwas Besonderes: Zwar kauft Apple sich regelmäßig Know-how und Ideen ein, hat sich dabei in der letzten Dekade aber stets auf vergleichsweise kleine Unternehmen beschränkt, keine Milliardenübernahmen abgewickelt.

Die Kopfhörer mit dem roten "b"-Logo sind vor allem bei jungen Käufern populär. Gründe, den Hersteller in den Apple-Konzern aufzunehmen, gibt es einige. Vor allem natürlich den kommerziellen Erfolg von Beats Electronics. Beats-Kopfhörern werden erstaunliche Gewinnmargen nachgesagt, mit Elektronikzubehör lässt sich Geld verdienen. Schon jetzt gibt es die bunten Kopfhörer in jedem Apple Store, sie sind auch online bei Apple bestellbar. Zum Beispiel die In-Ohr-Variante Tour für 150 Euro oder das große Modell Studio für 300 Euro.

Auch am Musik-Streaming-Dienst Beats Music soll Apple Interesse haben. Angeblich, weil es mit dem eigenen Angebot, iTunes Radio, nicht so richtig läuft und man nicht den Anschluss zu Anbietern wie Spotify verlieren will.

Und schließlich gibt es offenbar auch persönliche Verbindungen zwischen Beats und Apple. Der Designer Robert Brunner, der bis 1997 Apples Designabteilung leitete, entwickelte später mit seiner Firma Ammunition den Look der Beats-Kopfhörer. Brunner war es auch, der den britischen Designer Jonathan Ive zu Apple holte. Der wiederum hat nicht nur alle heute erfolgreichen Apple-Produkte gestaltet, sondern gilt auch als die Nummer zwei bei Apple, gleich nach CEO Tim Cook.

Man muss Bässe mögen, um Beats zu mögen

Trotzdem gibt es berechtigte Zweifel daran, dass die Übernahmegerüchte Substanz haben. Apple hat sich selbst auf die Fahne geschrieben, stets das Beste zu liefern, will der Konkurrenz immer einen Schritt voraus sein. Ob das tatsächlich immer funktioniert, ist eine andere Frage. Doch mit Beats würde sich der Konzern nicht das Beste, sondern das Populärste einverleiben, sich also dem Diktat der Masse beugen - was bisher undenkbar war.

Denn so beliebt die knalligen Kopfhörer sein mögen, an denen der Rapper Dr. Dre publikumswirksam beteiligt ist, so durchwachsen ist deren Ruf bei Audio-Liebhabern. Als dumpf und viel zu basslastig werden sie oft beschrieben.

Zu einem ähnlichen Ergebnis führten auch SPIEGEL-ONLINE-Tests: Immer wenn man sich Beats-Kopfhörer auf oder in die Ohren drückte, schoben die Bässe zwar gewaltig, aber eben auch so dominant, dass vieles andere dahinter verschleiert wurde. Musikalische Details sind ihre Sache nicht. Sie sind dafür gemacht, laute Musik in lauter Umgebung zu hören, draußen, unterwegs, aber nicht auf dem Sofa zu Hause.

Es gäbe bessere Kandidaten

Offenbar ist das eine Einschätzung, der sich letztlich auch der Handy-Hersteller HTC beugte, als er sich 2013 von seiner substanziellen Beteiligung an Beats Electronics trennte. Die Beigabe von Beats-Headsets zu HTC-Smartphones, samt spezieller Klangformung-Software im Handy, brachte nicht die erhofften verkaufsfördernden Impulse. Insofern ist Beats - unabhängig von kommerziellen Erfolgen - ein Übernahmekandidat von der Resterampe.

Für Apple gäbe es Audio-Unternehmen, die besser geeignet wären, ein Highend-Sound-Image auf die Marke mit dem Apfel zu übertragen. AKG und Sennheiser wären Kandidaten für ein solches Unterfangen. Nur haben die eben nicht das Image der Marke mit dem Rapper. Mehr oder weniger schlechte Kopien von Beats-Kopfhörern findet man in asiatischen Reiseländern zuhauf, von Sennheiser lässt sich das nicht sagen.

Es gibt also viele Argumente, die für eine Beats-Übernahme durch Apple sprechen, aber ebenso viele, die dagegen sprechen. Sicher ist bei dem angeblichen Deal ohnehin noch nichts. Selbst die "Financial Times", von der die Gerüchte zuerst ausgingen, dämpft die Aufregung: Ihre Tippgeber hätten gewarnt, das Abkommen könnte immer noch scheitern, weil einige Details noch nicht geklärt seien.

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insgesamt 79 Beiträge
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1. Sennheiser???
Mastermason 09.05.2014
Nix da. Sennheiser ist ein typisches deutsches Familienunternehmen aus der Region Hannover mit hervorragenden Produkten und einem tollen Ruf als Arbeitgeber. Da sollen mal alle Elektro-Multis die feuchten Flossen weglassen. Bringen Sie Apple oder Wenauchimmer bloß nicht auf komische Gedanken...
2. Made in China
der_franzose 09.05.2014
Maximaler Profit mit Minimalqualität von Beats. Die Jugend sollte sich mal AKG und Beyerdynamic anhören...anstatt auf das geile US-Marketing abzufahren.
3. Sennheiser auch nicht überall gut
jtrch 09.05.2014
Also die Produktserie für Gamer von Sennheiser hat etwas dasselbe Problem wie die Beat Kopfhörer. Populäre Produkte die sich besser verkaufen als ihre Qualität sind, haben inzwischen leider viele auch namhafte Traditionsunternehmen. Die Studio Linie von Sennheiser ist aber immer noch über jeden Zweifel erhaben, das muss auch gesagt sein.
4. alter Hut
david-39 09.05.2014
Die Dinger warn vor 3-4 jahren mal aktuell. Abgesehn davon sind die Jungs schon immer mit Kopfhörern rumgelaufen. Apple will Geld ausgeben solang es noch was wert ist. Es kracht spätestens 2015.
5. beats-kopfhörer
treisernr.1 09.05.2014
Werden total überbewertet. Viel zu viel Bass und sonst nix. Meine Sonys für 30€ haben nen guten klang. Die restlichen 270 landen wohl bei Dre :-)
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