Bildbearbeitung mit Lightroom: So entwickeln Sie knackige Schwarzweißfotos

Von Christian Öser

Starke Kontraste, klare Formen: Gut gestaltete Schwarzweißfotos haben ihren ganz eigenen Reiz. Das Fachmagazin für Bildbearbeitung "Docma" zeigt, wie Sie Farbfotos mit der Software Lightroom richtig umwandeln.

Schwarzweißbild: Klare Formen dank gelungener Umwandlung Zur Großansicht
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Schwarzweißbild: Klare Formen dank gelungener Umwandlung

Schwarzweißfotos ziehen den Betrachter durch Reduktion auf Formen und Kontraste in ihren Bann. Das sehr weitverbreitete Bildverwaltungs- und Bearbeitungsprogramm Lightroom 4 bietet viele Werkzeuge, um Farbfotos knackig und kontrastreich umzuwandeln.

1. Schwarzweiß per Mausklick

Die schnellste Möglichkeit, Fotos mit Lightroom in Schwarzweiß umzuwandeln, ist ein Klick auf den Text "Graustufen" in den "Grundeinstellungen " oder auf den Text "S/W" im "HSL"-Bedienfeld.

Wie die Umwandlung zu Beginn aussieht, hängt von einer Voreinstellung ("Strg-/Befehl-U") ab, die sich unter dem Reiter "Vorgaben" befindet und "Beim ersten Konvertieren in Schwarzweiß automatische Mischung anwenden" heißt.

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2. Automatische Mischung anwenden

Deaktivieren Sie diese Option, bleiben nach der Umwandlung die Regler zunächst auf dem Wert 0 (Bild unten). Standardmäßig ist das Häkchen aber aktiv, wodurch Lightroom die Helligkeitswerte der einzelnen Farben selbstständig festlegt und so für eine knackigere Umwandlung sorgt. Die vorgeschlagenen Werte hängen vom "Weißabgleich" ab. Verändern Sie diesen und klicken auf den Button "Autom.", erhalten Sie ein alternatives Ergebnis.

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3. Verringerte Sättigung

Die zweite Möglichkeit für eine Schwarzweißumsetzung: Setzen Sie im "HSL"-Bedienfeld alle "Sättigung"-Regler auf -100. Da dieser Schritt auf Dauer mühselig ist, erstellen Sie sich am besten eine Vorgabe. Der große Vorteil dieser Methode ist, dass Sie weiterhin Zugriff auf die "Dynamik"- und "Sättigung"-Regler in den "Grundeinstellungen " haben. Auch wenn anscheinend keine Farbe mehr im Spiel ist, können diese Regler einen großen Unterschied bewirken.

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4. Schwarzweiß durch Vorgaben

Ein weiterer, sehr bequemer Weg sind die zahlreichen Presets, die Lightroom bereits von Haus aus zur Verfügung stellt. Fahren Sie einfach im Bedienfeld "Vorgaben" mit der Maus über die einzelnen Einträge und beurteilen Sie bereits im Navigator, ob ein passendes Aussehen für Ihr Foto dabei ist. Mit einem Mausklick weisen Sie die Vorgabe zu und können sie danach als Ausgangspunkt für weitere Anpassungen verwenden

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5. Das Werkzeug für Zielkorrekturen

Die benutzerdefinierte Anpassung der Helligkeitswerte mit dem Zielkorrekturwerkzeug ist eine wahre Freude. Aktivieren Sie das Werkzeug und klicken Sie auf eine beliebige Stelle im Bild. Lightroom erkennt automatisch, welche Farben betroffen sind, und ändert die Helligkeit der entsprechenden Bereiche durch Nach-oben- oder Nach-unten-Ziehen. Zum Vergleich: In der linken Abbildung sehen Sie die recht flache Standardumwandlung Lightrooms.

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6. Feinabstimmung mit Farbreglern

Bevor Sie mit dem Zielkorrekturwerkzeug oder per "HSL"-Schieberegler detaillierte Anpassungen durchführen, sollten Sie zwei andere Bedienfelder genauer ansehen. Sowohl der "Weißabgleich" als auch die "Kamerakalibrierung" haben direkten Einfluss darauf, wie Ihr Bild in Schwarzweiß dargestellt wird. Das Beispielbild (unten) wurde allein durch die Änderung des Weißabgleichs und der Kamerakalibrierung deutlich kontrastreicher als die automatische Umwandlung .

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7. Kontraste optimieren

Wenn Ihnen das grundsätzliche Aussehen Ihres in Schwarzweiß umgewandelten Fotos gefällt, können Sie sich in den "Grundeinstellungen" darum kümmern, einen knackigen Gesamteindruck zu kreieren. Am schnellsten geht dies mit den "Kontrast"-, "Schwarz"- und "Klarheit"-Reglern. Aber auch der Wert für "Weiß" spielt eine große Rolle, da Schwarzweißfotos erst durch "echtes" Schwarz und Weiß im Bild voll zur Geltung kommen.

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8. Abwedeln und Nachbelichten

Die Photoshop-Werkzeuge "Abwedler" zum Aufhellen und "Nachbelichter" zum Abdunkeln von Bildteilen gibt es in Lightroom zwar nicht, aber mit dem Korrekturpinsel lässt sich im Grunde derselbe Effekt erzielen. Stellen Sie zunächst die "Belichtung" auf einen erhöhten oder abgesenkten Wert und achten Sie auf einen nicht zu starken "Fluss". Dadurch können Sie vorsichtig mit mehreren Pinselstrichen Bildbereiche hervorheben.

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9. Vergleich durch virtuelle Kopien

Durch die Vielzahl an Reglern, die Sie miteinander kombinieren und mit denen Sie somit ein immer neues Aussehen erzielen können, bietet sich als Alternative zu Schnappschüssen der Einsatz von "Virtuellen Kopien" ("Strg-/Befehl-T") an. Dadurch erstellen Sie Instanzen der Originaldatei, die Sie individuell bearbeiten können, ohne nennenswerten Speicherplatz auf der Festplatte zu benötigen. Ein Vergleich von verschiedenen Einstellungen wird dadurch kinderleicht.

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10. Schwarzweißfotos einfärben

Schwarzweißbilder haben zwar schon von Grund auf einen Charme, richtig attraktiv werden sie jedoch mit einer dezenten Tonung. Erhöhen Sie zuerst im "Teiltonung"-Bedienfeld die Sättigung des "Lichter "- und "Schatten"-Reglers, um die gewünschten Farbtöne auszuwählen. Danach verringern Sie die Sättigung - im direkten Vergleich sehen Sie, dass bereits ein eher niedriger Wert für eine subtile, aber ansehnliche Änderung sorgt.

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11. Zwei Tonungen in einem Bild

Während sich der im letzten Schritt vorgestellte Weg nur für eine Färbung des gesamten Fotos eignet, können Sie mit Hilfe des Verlaufsfilters eine kreative Tonung mit mehr als einer Farbe erzielen. Legen Sie dazu in den Einstellungen eine beliebige Farbe fest (im Beispiel zuerst Blau) und ziehen Sie von oben zur Mitte. Wiederholen Sie diesen Schritt mit einer anderen Farbe (hier Orange) und ziehen Sie von unten nach oben - schon haben Sie eine zweigeteilte Färbung.

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12. Kreative Entsättigung

In Schritt 3 haben Sie im "HSL"-Bedienfeld alle Sättigung-Regler auf 100 gesetzt, um Ihr Foto komplett zu entfärben. Sehr interessante Effekte können Sie aber auch erzielen, wenn Sie durch Sättigungserhöhung einzelner Farben diese teilweise ins Bild zurückholen - diese Technik findet auch beim Colorkey-Effekt Verwendung, dort aber nur mit einem Regler. Im Beispiel wurden der Orange-, Gelb- und Blau-Regler eine Spur erhöht, was ein metallenes Aussehen ergibt.

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Dieser Artikel stammt aus DOCMA, DocBaumanns Magazin für Bildbearbeitung 4/2013.

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1. pseudoschwarzweiss, mehr ist es nicht...
spargel_tarzan 11.07.2013
Zitat von sysopStarke Kontraste, klare Formen: Gut gestaltete Schwarzweißfotos haben ihren ganz eigenen Reiz. Das Fachmagazin für Bildbearbeitung "Docma" zeigt, wie Sie Farbfotos mit der Software Lightroom richtig umwandeln. Bildbearbeitung mit Lightroom: So entwickeln Sie knackige Schwarzweiß-Fotos - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/bildbearbeitung-mit-lightroom-so-entwickeln-sie-knackige-schwarzweiss-fotos-a-910281.html)
dieses digigeschwurbel taugt eh nicht für nen sechser. da nimmt man besser einen film, allenfalls eine M monochrom.
2. Geschwurbel?
HansKlartext 11.07.2013
Die digitale Nachbearbeitung als "nicht tauglich" abzutun wäre wohl etwas zu einfach. Es ist für mich vielmehr eine Erweiterung der Gestaltungsmöglichkeiten. Es ersetzt weder den Blick des guten Fotografen noch die nötige Kreativität. Einzig die Umsetzung ist erleichtert, was vielen "Amateuren" den Zugang zu dieser Kunstform ermöglicht. Vor vielen Jahren gab es auch Leute die gesagt haben, dass sich digitale Fotografie nicht durchsetzen wird... ;o)
3.
muhzilla 11.07.2013
Zitat von HansKlartextDie digitale Nachbearbeitung als "nicht tauglich" abzutun wäre wohl etwas zu einfach. Es ist für mich vielmehr eine Erweiterung der Gestaltungsmöglichkeiten. Es ersetzt weder den Blick des guten Fotografen noch die nötige Kreativität. Einzig die Umsetzung ist erleichtert, was vielen "Amateuren" den Zugang zu dieser Kunstform ermöglicht. Vor vielen Jahren gab es auch Leute die gesagt haben, dass sich digitale Fotografie nicht durchsetzen wird... ;o)
Hier kann ich nur zustimmen. Insbesondere ist es eben oftmals nicht so, dass man hinterher "nur mal ausprobiert", wie es in schwarz-weiß aussieht, sondern das Motiv bereits mit diesem Gestaltungselement betrachtet, die Aufnahme aber trotzdem in Farbe macht. Warum auch nicht, Informationen nachträglich entfernen geht immer, pseudoschwarzweiß hin oder her...
4.
mcx 11.07.2013
Zitat von spargel_tarzandieses digigeschwurbel taugt eh nicht für nen sechser. da nimmt man besser einen film, allenfalls eine M monochrom.
Klar, es ist pseudo-schwarzweiß und Digigeschwurbel, außer man hat eine Kamera für 7.000,- € (ohne Objektiv). Wir wissen ja alle, dass es allein auf die Ausrüstung ankommt, nicht auf den Fotografen.
5.
schnuffschnuff 11.07.2013
Zitat von sysopStarke Kontraste, klare Formen: Gut gestaltete Schwarzweißfotos haben ihren ganz eigenen Reiz. Das Fachmagazin für Bildbearbeitung "Docma" zeigt, wie Sie Farbfotos mit der Software Lightroom richtig umwandeln.
Knackige Schwarz-Weiß-Fotos mache ich noch mit Kodak-TriX in XTol. ;-) Und so lange es den Film und den Entwickler noch gibt (Habe umfangreiche Reserven im Tiefkühler) kommt meine Fuji GW690III nicht auf's Altenteil.
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Tipps und Tricks
Schwarzweiß oder Farbe?
Wenn Sie während der Bearbeitung von Hunderten Fotos schnell klären wollen, ob sich ein Bild für die Umwandlung in Schwarzweiß eignet, können Sie sowohl im „Bibliothek“- als auch im „Entwickeln“-Modul einfach die Taste „V“ drücken, um zwischen Farbe und Graustufen hin- und herzuwechseln.
Vorsicht beim JPEG-Format
Fotografieren Sie ausschließlich im JPEG-Format? Falls ja, nutzen Sie den kamerainternen Schwarzweißmodus besser nicht. Die Farben werden dabei komplett gelöscht, und in Lightroom haben Sie anschließend nur noch sehr begrenzte Möglichkeiten, um das Optimum aus dem Foto herauszuholen.
Geeignete Fotos
Für Schwarzweiß eignen sich Fotos mit hohem Grundkontrast am besten. Dieser kann zum einen von vorherrschenden Formen, Flächen und Strukturen, zum anderen von Helligkeitsunterschieden herrühren.

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