Randkontrolle bei Panoramaaufnahmen Viel Harmonie an der Elbe

Auch bei Panoramaaufnahmen sollte man auf die Bildränder achten. Zumindest in der Nachbearbeitung sollte man sie bereinigen. Die Bildkomposition kann so deutlich verdichtet werden.

Von fokussiert.com-Autorin Sofie Dittmann


Elbphilharmonie, aufgenommen mit einer Hasselblad H5D-40, 23s, F/11, 50 Millimeter, ISO 100
Fokussiert

Elbphilharmonie, aufgenommen mit einer Hasselblad H5D-40, 23s, F/11, 50 Millimeter, ISO 100

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Sven Mahn aus Hamburg schreibt zu diesem Bild: Bei einem Abendshooting vor ein paar Tagen ist mir die ruhige Elbe und die nun fast ohne Einrüstung stehende Elbphilharmonie aufgefallen. Ich denke, in ein paar Jahren wird sie eines der meisten abgelichteten Objekte in Deutschland werden. Kosten und Mühen des letzten Jahrzehnts werden vergessen sein, wenn sie im Januar eröffnet wird. Das Bild wurde mit eine H5D40 und einem ND Filter geschossen.

Die "fokussiert"-Bildkritik - Einleitende Anmerkungen:

Die Elbphilharmonie in Hamburg reiht sich in eine Liste von baulichen Großvorhaben ein, die anfangs begeisterten, nach Kostenexplosionen, Verzögerungen und anderen Kontroversen aber eher "berühmt-berüchtigt" wurden. Ich bin allerdings wie du der Meinung, dass die Elbphilharmonie in ein paar Jahren zum neuen Wahrzeichen Hamburgs werden wird.

Technische Umsetzung

Als ich las, mit was für einer Kamera du da unterwegs warst, war ich beeindruckt und ein wenig neidisch. Das Ding ist ein "Biest", wie Amerikaner das nennen würden. Schon ohne Objektiv zahlt man schlappe €9000 Euro für eine solche digitale Mittelformatkamera.

Bei den Fähigkeiten dieses Apparats hättest du ohne Weiteres in einem höheren ISO arbeiten können. Bei dieser Auflösung hätte man das kaum bemerkt.

Durch den ND-Filter hast du das vorhandene Licht optimal genutzt und verhindert, dass die Farben zu blass wurden. Er hat auch bewirkt, dass in Verbindung mit dem geringen ISO eine lange Verschlusszeit notwendig wurde, wodurch das Wasser weich verschwamm.

Komposition

Bei näherer Betrachtung sieht man, dass du die drei die Aufnahme dominierenden Gebäude in jeweils (fast) einem Drittel (grün) angeordnet hast.

Fokussiert

Das von dir gewählte Panoramaformat hat alles aus dem Goldenen Schnitt heraus verschoben (rosa), und da der natürliche Horizont sich beinahe in der Bildmitte (hellblau) befindet, wird das Bild durch die Uferlinie in zwei Bereiche zerteilt - oben Himmel, unten Wasser.

Die Elbphilharmonie wird gern entweder von ihrer Umgebung isoliert dargestellt, wie ich bei einer Google-Suche feststellte, oder so, dass man die Bautätigkeit um sie herum so wenig wie möglich wahrnimmt. Letzteres ist dir zwar auch gelungen - man sieht erst beim zweiten Hinsehen die noch vorhandenen Baukräne. Aber du hast das Gebäude im Kontext seiner Umgebung belassen, was ich gut finde.

Durch deinen Aufnahmestandpunkt spielst du mit den Linien im Bild. Erstens einmal mit einer aufsteigenden/abfallenden, die über die Kirchen links zur Elbphilharmonie führt:

Fokussiert

Durch die Spiegelungen im Wasser, aber auch mit den dazugehörigen Vertikalen:

Fokussiert

Das erzeugt genug visuelles Interesse, um aus einem einfachen Stadtpanorama etwas zu machen, das man sich gern länger anschaut. Ich könnte es mir sehr gut als großformatigen Druck vorstellen.

Problemzonen

Es gibt trotzdem eine Anregung, die ich mit dir teilen möchte, deren Umsetzung aber letztlich deine Entscheidung ist. Im Normalfall ändere ich ein paar der Parameter - Farbsättigung, Beschnitt und so weiter - wenn ich sie als mögliche Problemzonen sehe. Das Ergebnis dieser Experimente bestimmt dann, ob ich sie als Änderungsvorschläge anbringe.

Erst habe ich mir überlegt, ob man an der im Foto angelegten warmen Abendstimmung noch etwas verändern sollte, was sich aber als unnötig herausgestellt hat. Durch den ND-Filter hast du aus dem Motiv herausgeholt, was aus ihm herauszuholen war. Alles andere würde zu einer Verschlimmbesserung führen, jedenfalls für mich, denn etwa so könnte das aussehen:

Fokussiert

Ich habe weiterhin mit deiner fast perfekten Zweiteilung gespielt und bin zu dem Schluss gekommen, dass diese hier die richtige Entscheidung war. Wenn man einen klassischen Goldenen Schnitt anlegte, würde das Bild vorhersagbar und damit irgendwo langweilig. Außerdem ist im Wasser nicht genug Spiegelung vorhanden, und so gewönne man unten zu wenig, um den Beschnitt des Himmels oben zu rechtfertigen.

Ich denke allerdings, dass man links und rechts ein paar - für mich störende - Elemente entfernen kann:

Fokussiert

Bruce Barnbaum nennt die besondere Aufmerksamkeit, die man Bildrändern widmen sollte, "border control", was in der deutschen Übersetzung mit "Grenzkontrolle" etwas verloren geht. Im Englischen ist es ein Wortspiel, denn "border" kann sowohl "Grenze" als auch "Rand" bedeuten.

Im Allgemeinen bedeutet es folgendes: als Fotograf ist man grundsätzlich so mit dem eigentlichen Bildgegenstand beschäftigt, dass sich oft Störfaktoren, insbesondere am Bildrand, einschleichen, die man bereits bei der Aufnahme, jedenfalls aber in der Nachbearbeitung, hätte vermeiden können.

Änderungsvorschläge

In diesem Fall tragen für mich die Fragmente links und rechts nichts zum eigentlichen Motiv bei, und ich würde sie daher durch einen Beschnitt entfernen. Das bedeutet NICHT, dass man das Panoramaformat in ein normales Querformat zurückquetschen muss:

Fokussiert

Die ursprüngliche mittige Anordnung von Gebäuden und Uferlinie bleibt erhalten, nur die Ränder werden entfernt.

Meines Erachtens verdichtet das die Komposition, bleibt aber dennoch deiner künstlerischen Intention treu. Natürlich verliert man auch oben und unten etwas, aber das lässt sich nicht verhindern, will man das Seitenverhältnis nicht beeinflussen. Letztlich kommt es jedoch darauf an, was du entscheidest.

Mit Beschnitt sähe dein Bild dann etwa so aus:

Fokussiert

Fazit

Auch wenn man aus der Ferne Panoramen aufnimmt, sollte man die Bildränder berücksichtigen und notfalls in der Nachbearbeitung bereinigen. Bei einer hochklassigen, mittelformatigen 40-Megapixel-Kamera fällt ein Beschnitt dem Betrachter kaum auf.



insgesamt 9 Beiträge
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smartphone 17.07.2016
1. Objektabhängig
Offen gesgat , was ist an dem Layout besonderes ? . Es ist eher Zufall , dass die relevanten Objekte derart plaziert sind - Das Abschneiden von "Rändern" ist ein Thema für sich und speziell des Beschnittes von Oben und Unten generiert eher ein Pseudopanorama. Ansonsten sehe ich typische ( oder gewollte )? ) Anfängerfehler auf dem Foto. Dazu benötigt man keine Hasselblad , das schafft man auch mit einer dreistellig kostenden ( die auch bei pixelpeepig ähnliche Detial bietet. Stichwort , zur falschen Zeit am richtigen Ort ;-)
xenoxx 17.07.2016
2. Anfänger
Zitat von smartphoneOffen gesgat , was ist an dem Layout besonderes ? . Es ist eher Zufall , dass die relevanten Objekte derart plaziert sind - Das Abschneiden von "Rändern" ist ein Thema für sich und speziell des Beschnittes von Oben und Unten generiert eher ein Pseudopanorama. Ansonsten sehe ich typische ( oder gewollte )? ) Anfängerfehler auf dem Foto. Dazu benötigt man keine Hasselblad , das schafft man auch mit einer dreistellig kostenden ( die auch bei pixelpeepig ähnliche Detial bietet. Stichwort , zur falschen Zeit am richtigen Ort ;-)
Welche typischen Anfängerfehler erkennen Sie? Ihre konstruktiven Verbesserungsvorschläge würden mich sehr interessieren.
b.lindgens 17.07.2016
3. Einfach !
Sollten dies die besten Aufnahmen dieser Skyline sein,möchte ich einmal die schlechtesten sehen. Zumindest hätte ich auf der linken Seite die Kirchtürme gerade gestellt,sie drohen umzufallen. Auch der fade Himmel ist nicht gerade der grosse Hit. Für so eine Aufnahme braucht man wirklich keine Hasselblad.Die Aufnahmen sind immer nur so gut,wie das Auge,welches in den Sucher schaut.
alfred_leobold_seelburg 17.07.2016
4. Wunderbares Foto-Bullshit-Bingo!
und dann noch der Spruch vom "in einem höheren ISO arbeiten können" ... Erstens eine Sprachverhunzung und zweitens fotografischer Vollblödsinn, wo der Fotograf doch schon ein ND benutzt hat, um die Wellen wegzukriegen ... da ist dann "in einem höheren ISO arbeiten" natürlich super zielführend, nicht wahr?
alfred_leobold_seelburg 17.07.2016
5. Beeindruckt
Soso, der SPIEGEL-Autor ist also beeindruckt, wenn einer eine Hasselblad hat. Ich hingegen lasse mich lieber von Fotos beeindrucken. Die Kamera ist sehr egal, wenn das Ergebnis stimmt. Aber gut ...
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