Black Friday und Cyber Monday Vorsicht vor der Verlockung

Sie werden es schon gemerkt haben: Dieser Tage gibt es im Netz mal wieder Super-Sensations-Sonderangebote. Unser Autor erklärt, wie er damit umgeht und was Sie in der Zeit des Shopping-Irrsinns beachten sollten.

Pakete in einem Amazon-Paketzentrum Großbritannien
DPA

Pakete in einem Amazon-Paketzentrum Großbritannien

Von


Für meinen Kontostand wäre es besser, ich würde jetzt eine Woche Urlaub machen. Vorzugsweise auf einer Insel oder auf einem Berg, ohne Internet, Zeitungen und Postwurfsendungen. Das wäre wohl die einzige Möglichkeit der aktuellen Flut vermeintlicher Schnäppchenangebote zu entgehen. Ich bin einfach anfällig für so etwas, ich bin die Zielgruppe. Wenn ein Gadget plötzlich superbillig angeboten wird, zuckt mein Mauszeiger nervös über dem Bestellknopf.

Aber: Ist denn wirklich alles günstig, was in diesen Tagen als einmalige Gelegenheit angeboten wird? Kann das sein? Schließlich protzt allein Amazon damit, man werde in der Woche vor dem Cyber Monday, das ist der 27. November, "insgesamt über 55.000 Blitzangebote und Angebote des Tages mit bis zu 50 Prozent Rabatt" offerieren. Längst sind es nicht mehr nur Gadgets, die da angeboten werden. In meinem Posteingang wirbt sogar eine Fluggesellschaft mit "Cyber-Week-Angeboten".

Fast jeder Händler will teilhaben an der Bereitschaft von Millionen Menschen, in den Wochen vor Weihnachten etwas mehr einzukaufen. Fällt ja auch leichter, mit Weihnachtsgeld auf dem Konto.

Für den Einzelhandel und Onlinehändler sind der Black Friday am 24. November und der Cyber Monday am 27. November mittlerweile die wichtigsten Ereignisse im Jahr. An diesen Tagen werden zuverlässig Milliardenumsätze generiert. Der Einzelhandel in Deutschland rechnet dieses Jahr "mit zusätzlichen Umsätzen von rund 1,7 Milliarden Euro". Kein Wunder also, dass manche Händler den Zeitraum ausdehnen, um mehr Ware absetzen zu können.

Mitarbeiter in einem Amazon-Lagerhaus
DPA

Mitarbeiter in einem Amazon-Lagerhaus

So macht es auch Amazon. Der Internetkonzern hat den Cyber Monday nach vorn verlängert und daraus eine Cyber-Woche gemacht. Statistisch gesehen stellt das Unternehmen in dieser Zeit fast 300 Angebote pro Stunde ins Netz, vom 4K-Fernseher bis zum Bio-Kokosöl. Doch nicht alles, was von Amazon und all den anderen Händlern in der Zeit vor Weihnachten als günstig angepriesen wird, ist wirklich ein Schnäppchen.

Die Sache mit dem Listenpreis

Um Rabatte möglichst verlockend wirken zu lassen, geben Händler ihre Aktionspreise meist ausgehend vom Listenpreis an. Der aber wird von Herstellern oft weit höher angegeben als der zu erwartende Straßenpreis. Vor allem bei Haushaltsgeräten fällt das auf.

Ein konkretes Beispiel: Am Dienstag war bei Amazon eine Waschmaschine ein "Blitzangebot", für 312,83 Euro. So spare man 241,44 Euro, hieß es. Zudem gab es Zeitdruck: Eine Balkengrafik zeigte, dass das Angebot in wenigen Stunden abläuft, deutlich wurde darauf hingewiesen, wie viel Prozent der angebotenen Waschmaschinen schon von anderen Käufern reserviert worden sind.

Eine kurze Abfrage in Preissuchmaschinen zeigte aber: Bei einem anderen Händler gibt es dieselbe Maschine regulär für 329 Euro. Der Preisvorteil schrumpft somit auf 16,17 Euro, kombiniert mit Stress und Zeitdruck.

Cyber-Monday-Angebot (links) und Vergleichspreis
SPIEGEL ONLINE

Cyber-Monday-Angebot (links) und Vergleichspreis

Egal wie verlockend ein Sonderangebot zum Black Friday oder Cyber Monday also erscheinen mag: Bevor man zuschlägt, sollte man immer zuerst auf Preisvergleichsportalen nach dem aktuellen Straßenpreis für das angebotene Produkt suchen. Bekannte Anbieter sind Billiger.de, Preis.de und Idealo.de, bei Elektronik hilft auch der Heise-Online-Preisvergleich.

Welche Schnäppchen lohnen sich?

Interessanter sind dagegen Rabatte auf Produkte, die sonst keinen großen Preisverfall haben. Apple- oder manche Nintendo-Produkte zum Beispiel haben Straßenpreise, die kaum von den Listenpreisen des Herstellers abweichen.

Wer etwa ein MacBook oder iPad anschaffen will, der tut gut daran, an den Sonderangebotstagen nach Schnäppchen Ausschau zu halten. Aber Vorsicht: Manche Händler bieten zu diesen Gelegenheiten Modelle an, die Apple längst durch neue ersetzt hat. Genau wie bei allen anderen teuren Anschaffungen gilt auch hier: Informieren Sie sich vor dem Kauf auf der Webseite des Herstellers, welches Produkt Ihre Anforderungen erfüllt.

Bedenkenlos zugreifen kann man dagegen oft bei Black-Friday- und Cyber-Monday-Angeboten der Hersteller selbst. Amazon beispielsweise bietet während seiner Cyber-Monday-Woche einige Kindle-E-Reader, Fire-Tablets und Echo-Lautsprecher zu reduzierten Preisen an.

Die wichtigste Regel bei all den vorweihnachtlichen Angeboten aber lautet: Lassen Sie sich nicht hetzen. Die Erfahrung zeigt: Es gibt kaum ein Angebot, das einmalig ist, keinen Preis, der nicht noch weiter sinken kann. Wenn Sie die folgenden fünf Regeln beachten, kann kaum etwas schiefgehen:

Fünf Tipps für die Online-Schnäppchenjagd
Denken Sie lieber zweimal nach
Der wichtigste Rat bei all den angeblichen Super- oder Sonderangeboten, die in den kommenden Wochen auf uns einprasseln werden: Denken Sie lieber zweimal nach, bevor Sie auf "Kaufen" klicken. Brauchen und wollen Sie das angebotene Produkt wirklich? Oder ist es bloß der scheinbar so günstige Preis, der einen Kaufreflex auslöst?
Ist das wirklich ein Schnäppchen?
Womit wir beim Preis wären, der bei Weitem nicht immer so günstig ist, wie es scheint. Machen Sie einen Preisvergleich! Viele Onlineshops vergleichen ihre Angebotspreise mit den unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller (UVP), die oft weit über den tatsächlichen Marktpreisen liegen. So schrumpfen angebliche 950 Euro Preisvorteil schnell auf 350 Euro zusammen. Preisvergleichsportale und eine schlichte Google-Suche können dabei helfen.
Achten Sie auf Feinheiten
Vor allem bei großen Ketten findet man regelmäßig Angebote für Geräte, zu denen man kaum Informationen findet. Dabei handelt es sich oft um Sonderserien, die der jeweilige Hersteller nur für eine bestimmte Handelskette produziert hat. Solche Produkte sehen oft genau so aus und haben ähnliche Bezeichnungen, wie die vergleichbaren Serienprodukte, sind aber nicht selten um wichtige Funktionen beschnitten. Informieren Sie sich in solchen Fällen genau, worin die Unterschiede bestehen.
Bewahren Sie Ruhe
Viele Onlineshops versuchen den Druck auf potentielle Käufer zu erhöhen, indem sie auf ihren Angebotsseiten eine rückwärtslaufende Uhr mitlaufen lassen oder in einem Kasten herunterzählen, wie viele der verfügbaren Exemplare eines Produkts schon verkauft sind. Lassen Sie sich davon nicht hetzen. Recherchieren Sie in Ruhe alle Informationen zusammen, die Sie brauchen.
Bezahlen Sie mit Bedacht
Am Besten bezahlen Sie online per Kreditkarte oder PayPal, notfalls auch per Lastschrift. Lassen Sie die Finger von einem Schnäppchen, wenn der Verkäufer auf eine Vorabüberweisung besteht. Die kann man nämlich nicht mehr zurückholen, wenn sie einmal erfolgt ist. Bei PayPal und Kreditkartenzahlungen hingegen gibt es in der Regel die Möglichkeit, eine Zahlung innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens zurückbuchen zu lassen.


insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kotzgott 23.11.2017
1. Warum nicht 39.723 Experten fragen, die gerade live sind auf mydealz?
SPON, warum wieder so ängstlich und warum nicht einmal einen Blick auf mydealz werfen. Von den 666755 Nutzern sind gerade 39723 live und bewerten Deals die andere Nutzer eingestellt haben und die Tipps sind wesentlich besser, als im Artikel.
oldman2016 23.11.2017
2. Geduld bewahren
Nach meinen bisherigen Erfahrungen sind vernünftige Preisnachlasse im Elektronikbereich bei anstehenden Modellwechseln zu erwarten. Bei Smartphones, Computern und Fernsehgeräte kann man für gute Qualität so einige Euro sparen, wenn es denn nicht unbedingt das neueste Modell sein soll. Aber auch manche Aktionen der großen Elektonikketten lohnen sich durchaus. So hat ein Bekannter von mir dort vor zwei Monaten bei dem Kauf eines Samsung Galaxy S8 fast 200 Euro weniger bezahlt als er in den Wochen davor oder danach hätten zahlen müssen. Bei Haushaltsgeräten lohnt sich nach meinen Erfahrungen ein Preisvergleich im Internet auch. Ggf. ist es ratsam, die Preise für ein Wunschgerät über einen längeren Zeitraum zu beobachten.
Bürger Icks 23.11.2017
3. Sie werden es schon gemerkt haben:
Dieser Tage gibt es im Netz mal wieder Super-Sensations-Sonderangebote. Nö! Hab ich nicht gemerkt! Als ich mal kurz TV eingeschaltet hatte vor ein paar Tagen, war da irgendne Werbung. Aber im Netz kann man das Werbebombardement ja gut umgehen, denn nicht jeder Adblocker-Blocker funktioniert, liebe Werbebomber!
ichmal 23.11.2017
4. Wenn vergleichen, dann richtig...
Beim Vergleichen nicht die Versandkosten vergessen... Im Waschmaschinenbespiel: Amazon - kostenlose Lieferung, Wettbewerber - 39,90 EUR. Damit steigt der Preisvorteil auf 56,07 EUR. Immer noch weit weg von den 241,44 EUR, aber dennoch ein Betrag, für den es sich lohnen kann zuzuschlagen...
ansv 23.11.2017
5.
Rabatt, Rabatt, das lass Dir sagen, wurde immer vorher draufgeschlage
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.