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Blackberry-Tablet: Das Playbook ist kein Spielzeug

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Es ist kleiner, leichter und leistungsfähiger als ein iPad, soll Business-Tools und Multimedia-Fähigkeiten vereinen: Das Playbook vom Blackberry-Hersteller RIM. Ohne ein Handy vom selben Hersteller ist es aber nur der halbe Spaß.

Blackberry-Tablet: RIM stellt das Playbook vor Fotos
AFP

Die Gerüchte haben sich bewahrheitet, Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) bringt ein eigenes Tablet auf den Markt. Auf der Entwicklerkonferenz Blackberry Devcon in San Francisco stellte einer der RIM-Chefs, Mike Lazaridis, das handliche Gegenstück zum iPad vor, mit dem künftig wohl vor allem Blackberry-User Unterwegs sein sollen. Denn anders als das iPad und viele seiner Nachfolger ist das Blackberry-Tablet nicht als vollkommen autarker Mini-Computer konzipiert, sondern soll vor allem im Duett mit den E-Mail-Handys des kanadischen Konzerns seine Stärken ausspielen.

Einiges am Playbook erinnert an den Foleo, jenen "Kumpel fürs Handy", mit dem Palm vor einigen Jahren einen kurzen Vorstoß wagte, das Gerät dann aber letztlich doch nicht auf den Markt brachte. Wie der Foleo ist auch das Playbook, zumindest vorläufig, unterwegs auf ein Handy als Vermittler angewiesen. Eigenständig kann das Gerät nur via W-Lan eine Verbindung zum Internet aufbauen, unterwegs soll es die Netzanbindung des Blackberry via Bluetooth mitnutzen. RIM verwendet hierzu offenbar ein eigenes Kommunikationsprotokoll, das es ermöglicht, Inhalte des Handys auf dem Tablet anzuzeigen, so wie es auch für den Foleo vorgesehen war.

Über diese Verbindung können auch Blackberry-Mails vom Playbook angezeigt und bearbeitet werden. Gespeichert werden sie auf dem Tablet aber nicht, und auch abrufen kann man sie von dort aus nicht. Durch diesen Trick bleibt die für Blackberry so wichtige Sicherheit gewährleistet. Das System des Herstellers sieht es nämlich vor, dass jeweils nur ein Endgerät, also ein Blackberry, mit einem Account verknüpft werden kann.

Amazon ist schon dabei

Als Betriebssystem dient eine aus dem zugekauften Unternehmen QNX hervorgegangene Software, die RIM als Blackberry Tablet OS bezeichnet. Die soll unter anderem gewährleisten, dass Apps, die für das neue Handy-Betriebssystem Blackberry OS 6 geschrieben wurden, auch auf dem Tablet laufen. Ein wichtiges Detail, um Entwicklern das Programmieren für diese Plattform schmackhaft zu machen.

Das Online-Handelsunternehmen Amazon hat bereits zugesagt, als einer der ersten eine eigene Anwendung für das Blackberry-Tablet zu entwickeln. Demnach will der Konzern eine Kindle-App für das Playbook herausbringen. Damit hätten Nutzer des neuen Geräts vom Start weg Zugriff auf Amazons riesiges Angebot digitaler Bücher. Bereits jetzt bietet Amazon seine Kindle-Lesesoftware für verschiedene Geräte, darunter auch iPad und iPhone.

Unter der Haube alles Top

Die Hardware-Ausstattung des Playbook macht auf dem Datenblatt einen vielversprechenden Eindruck. Das 7-Zoll-Display bietet eine Auflösung von 1024 x 600 Bildpunkten, ist mit einer kapazitiven Touch-Oberfläche ausgerüstet. Den Arbeitsspeicher gibt RIM mit einem Gigabyte an, was ausgesprochen großzügig ist. Zum Vergleich: Das iPad verfügt über nur 256 MB Arbeitsspeicher. Mit wie viel Massenspeicher das Tablet bestückt wird, ist RIMs Datenblättern nicht zu entnehmen. Beobachter entdeckten auf der Blackberry-Konferenz allerdings Geräte mit 16 und mit 32 GB Speicher.

Ein Rätsel macht RIM aus dem Prozessor des Playbook. Nur, dass er über zwei Rechnerkerne verfügen und mit einem Gigahertz getaktet sein soll, ließ das Unternehmen verlauten. Von welchem Hersteller der Chip stammt, ob er also beispielsweise von Qualcomm oder Samsung zugeliefert wird, ist bislang offen.

Multimedia aus allen Rohren

Kontakt zur Außenwelt soll das Playbook drahtlos via W-Lan und Bluetooth herstellen. Des weiteren sind je ein microUSB- und microHDMI-Anschluss vorhanden. Letzterer zeigt an, wie sehr RIM das Playbook auch als Multimedia- und Spiele-Maschine sieht. Denn Filme soll es bis zum Full-HD-Format 1080p wiedergeben können, auch auf externen Bildschirmen. Dass es dabei auch das im Internet so beliebte DivX-Format dekodieren kann, dürfte für manchen Videofan schon für sich genommen ein Kaufargument sein. Da es zudem den DLNA-Sandard beherrscht, sollte es recht mühelos beispielsweise mit Netzwerkspeichern (NAS) und modernen TV-Geräten zusammenspielen.

Dass es dazu auch noch alle modernen Web-Standards beherrscht, hebt es deutlich von vielen Konkurrenten, vor allem vom iPad, ab. So soll sein Webkit-basierter Browser nicht nur HTML5 verstehen, sondern auch Multimediainhalte mit Adobes Flash 10.1 abspielen und Online-Applikationen in Adobe Air wiedergeben können.

Etwas übers Ziel hinausgeschossen ist RIM bei der Ausstattung mit Kameras. So verfügt das Playbook über insgesamt acht Megapixel, fünf in der nach hinten und drei in der nach vorne gerichteten Kamera. Damit lassen sich sicher sehr hochwertig aussehende Videokonferenzen ausrichten, doch die generelle Frage bleibt, wer denn bitteschön ein 7-Zoll-Tablet als Schnappschusskamera benutzen will.

Preisfrage ungeklärt

Über diese Frage allerdings wird man noch ein Weile grübeln können. Denn besonders hektisch geht es RIM mit der Einführung des neuen Tablets nicht an. Erst im ersten Quartal 2011 will der Konzern damit beginnen, das Playbook in den USA auszuliefern. Außerhalb Nordamerikas ist der Verkaufsbeginn gar erst für das zweite Quartal kommenden Jahres angedacht.

Die große Unbekannte bleibt dabei allerdings der Preis. Darüber, was das Playbook kosten soll, hat RIM bisher nicht einmal nebulöse Angaben gemacht. Dass es tatsächlich billiger als die Konkurrenz wird, wie sich mancher RIM-Fan wünscht, ist kaum anzunehmen. Schon das Label "Business-Tool" ist immer für einen Aufpreis gut.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
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1. Stimmt... kein Spielzeug
Orinoko, 28.09.2010
... wohl eher ein externer Bildschirm fürs Handy?
2.
mcmercy, 28.09.2010
Ich finde diese Bildschirmabmessungen immer seltsam. Für mich sollte ein Tablet Bildschirm immer anähernd A4 Format haben, da kann man bequem Dokumente und Bücher lesen und quergestellt ordentlich eine Präsentation oder einen Film abspielen, dieses komische Breitwand Format ist imho voll daneben.
3. sdf
kessel 28.09.2010
von den genannten funktionen her scheint es wesentlich attraktiver zu sein, als ein ipad... ist glatt eine kaufüberlegung wert :)
4. Dämliche Namensgebung
SmarterAlsDu 28.09.2010
Mit dem Namen Playbook begibt man sich in die Nintendo-Liga. Der durchschnittliche Blackberry-Nutzer ist jedoch "überaus wichtig" und braucht eher ein Produkt mit einem Namen wie "Manager-Book", "Super Executive Tool" etc. Bei RIM müssen mal wieder geistige Tiefflieger am Werk gewesen sein.
5. !
Wer ich wirklich bin, 28.09.2010
Beim RAM verwechselt Matthias Kremp etwas. Nicht das Playbook ist besonders üppig ausgestattet, sondern das iPad besonders schlecht. (Apple=Spielzeug)
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