Von Matthias Kremp
Was für ein Start. Kaum hat Amazons erster Tablet-Rechner, der Kindle Fire, die Bühne betreten, schon steht er in der ersten Reihe. Seit seiner Einführung im November 2011 habe der kleine, günstige Touch-Computer bereits mehr als ein Drittel des gesamten Marktes für Android-Tablets übernommen, berechnen die Marktforscher von Flurry Analytics.
Im Januar 2012 habe das Amazon-Tablet bereits einen Marktanteil von 36 Prozent, heißt es im Flurry Blog. Gleichzeitig sei Samsungs bisherige Vorherrschaft auf diesem Gebiet von 63 auf 36 Prozent geschrumpft. Die Zahlen stammen allerdings nicht von den Herstellern selbst. Stattdessen misst Flurry Analytics, wie oft bestimmte Apps auf verschiedenen Tablets aufgerufen werden. Auf diese Weise könne man täglich mehr als 90 Prozent aller Android-Geräte statistisch erfassen.
Amazon hatte Ende Dezember lediglich erklärt, man habe im Dezember eine Million Kindles pro Woche verkauft. Spitzenreiter sei dabei das Kindle Fire gewesen. Genauere Zahlen nannte Amazon nicht.
Dass der Kindle-Fire-Anteil substantiell gewesen sein muss, lässt sich nur ahnen. Laut Flurry hat sich die Nutzung von Apps auf Android-Tablets von November bis Januar mehr als verdreifacht, wobei ein großer Teil der zusätzlichen App-Aufrufe offenbar von den neuen Kindles kommt. Für Samsungs Galaxy Tabs hingegen konnten die Marktforscher nur einen Zuwachs von 50 Prozent feststellen. Insgesamt aber hätten Android-Tablets massive Zuwächse zu verzeichnen.
Noch steckt Windows in der Nische
Wie sich das in realen Zahlen bemerkbar macht, haben die Analysten von Strategy Analytics zusammengetragen. Demnach habe sich der Marktanteil von Android-Geräten am Tablet-Markt von 29 Prozent im Vorjahr auf 39 Prozent im letzten Quartal 2011 gesteigert. Windows-basierte Tablet-PC spielen dagegen keine Rolle im Markt, kamen auf einen Anteil von nur 1,5 Prozent. Apple kommt mit dem iPad dagegen auf einen Anteil von 58 Prozent.
Kein Wunder also, dass Apple-Chef Tim Cook kürzlich erklärte, die Einführung des Kindle Fire habe keinen messbaren Einfluss auf die Verkaufszahlen des iPad gehabt. Umso mehr, als Apple allein im vierten Quartal 2011 15,4 Millionen iPads absetzen konnte, während sämtliche Android-Hersteller zusammen nur auf 10,7 Millionen verkaufte Geräte kamen.
Apple muss nachlegen
Kann Apple sich also auf seinen Lorbeeren ausruhen? Keineswegs. Denn während Apples iPad-Absatz im Weihnachtsquartal um 111 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zunahm, stieg der Absatz an Android-Tablets im selben Zeitraum um 234 Prozent. Zudem steht Apple in diesem Jahr neue Konkurrenz ins Haus. Tablets mit Microsoft-Betriebssystem dürften mit der im Jahresverlauf anstehenden Veröffentlichung von Windows 8 an Signifikanz gewinnen.
Etliche Hersteller die sich jetzt auf Android fixiert haben, dürften dann entweder auf das Microsoft-System umschwenken oder zumindest zusätzlich zu ihrem Android-Angebot auch Windows-8-Tablets anbieten. Microsoft kann hier einfach auf eine treue Nutzerschaft und langjährig gewachsene Beziehungen zu Firmen wie Asus oder HP zählen. Ob Windows-8-Flachrechner erfolgreich sein werden, ist eine andere Frage.
Die Zahlen machen aber klar: Apple muss nachlegen. Das iPad 3, das manche schon für das Weihnachtsgeschäft erwarteten, muss jetzt bald kommen, will der kalifornische Konzern nicht Gefahr laufen, seine Marktführerstellung zu verlieren. Und es muss mehr können als die Konkurrenz, dabei leichter zu bedienen sein und besser aussehen.
Das muss das iPad 3 können
Glaubt man den Gerüchten, die derzeit wieder einmal durchs Netz wandern, hat Apple alles parat, um diese Anforderungen zu erfüllen. Demnach sehen die Eckdaten des iPad-2-Nachfolgers folgendermaßen aus:
Sollte Apple diese eher als Wunschliste zu sehende Gerüchtezusammenstellung zum vermuteten Vorstellungstermin im Februar umsetzen, wäre das nächste iPad ein sicherer Gewinner. Zumindest bei jenen Käufern, die auch beim Preis des iPad 2 nicht schmerzhaft zuckten, sondern zur Kreditkarte griffen. Mit der zunehmenden Popularität von Tablet-Rechnern sinkt allerdings auch die monetäre Schmerzgrenze potentieller Neukäufer. Amazon begegnet diesem Trend beim Kindle Fire mit einem Preis, der mit 200 Dollar drastisch unter dem des iPad 2 liegt.
Marktvorsprung durch Medienkatalog
Der enorme Erfolg des Neulings im Weihnachtsgeschäft zeigt, dass dieser Ansatz aufgeht. Dem Branchendienst iSuppli zufolge zahlt der Versandkonzern bei jedem verkauften Fire ein paar Dollar drauf, in der Hoffnung, sich das Geld später über Medienkäufe von seinen Kunden zurückzuholen. Ein Konzept, das aufzugehen scheint. Flurry zufolge greifen Kindle-Fire-Anwender 2,53-mal so häufig zu Bezahl-Apps wie Nutzer eines Galaxy Tab.
Dass andere Hersteller Amazons Vorbild folgen werden, ist trotzdem kaum anzunehmen. Nur wer wie Amazon ein Mediennetzwerk an seine Tablets bindet, über das Nutzer sich mit Software, Musik, Büchern und Filmen versorgen können, kann den Gerätepreis querfinanzieren. Diese Möglichkeit hat derzeit sonst nur Apple.
Aber den Kaliforniern bietet sich noch eine weitere Option, den Kampf gegen Amazons Niedrigpreis-Tablet aufzunehmen: Ein eigenes Lowcost-Produkt. Dass so etwas funktionieren kann, hat der Konzern selbst längst bewiesen: mit dem iPhone 3 GS, das es in einer einzigen Version bis heute als Einstiegsmodell zum reduzierten Preis zu kaufen gibt. Auf ähnliche Weise ließe sich auch ein iPad 2 mit 16 GB Speicher und ausschließlich in der Farbe Schwarz verwenden, um es den Verfolgern aus dem Lager der Billigheimer zumindest etwas schwerer zu machen.
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