Kopfhörer Sony WH-1000X M3 im Test Ruhe zum Mitnehmen

Auf der Ifa hat Sony eine neue Version seiner Bluetooth-Kopfhörer mit Noise Cancelling vorgestellt. Das Headset soll vieles besser machen als seine Vorgänger. Wir haben den Vergleich gemacht.

Sonys WH-1000X M3 mit Active Noise Cancelling (Pressefoto)
Sony

Sonys WH-1000X M3 mit Active Noise Cancelling (Pressefoto)

Von


Sony hat auf der Ifa in Berlin die dritte Generation seiner Bluetooth-Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung (Active Noise Cancelling, kurz ANC oder ganz kurz NC) präsentiert. WH 1000X M3 heißen sie. Aber der Name ist das einzige, was an dem Produkt furchtbar klingt.

Seit der Vorstellung des Vorvorgängers MDR 1000X gehört Sony zu den Vorreitern in dieser Produktkategorie. Ich benutze dieses Modell ständig, in Bussen und U-Bahnen, im ICE und im Flugzeug, und wenn ich zum Beispiel in einem Pressezentrum zwischen 100 Kollegen in Ruhe arbeiten will.

Selten hat mir der Kauf eines technischen Geräts dermaßen viel Entspannung und Seelenfrieden verschafft. Die aktive Geräuschunterdrückung des MDR 1000X gehörte schon 2016 zum Besten, was es damals für unter 400 Euro zu kaufen gab. Zudem klingen die Kopfhörer für ein kabelloses Modell dieser Preisklasse ziemlich gut.

Wenig überraschend wurde der Nachfolger 1000X M2 von Testern in vielen Punkten als noch besser bewertet. Nun setzt Sony mit dem neuen Modell noch einen drauf. Als Referenz für diesen Test dient mir hauptsächlich das Modell von 2016.

Ruhe zum Mitnehmen

Im Vergleich zu den Vorgängern hat der neue WH 1000X M3 dickere Polster. Unauffällig ist er damit nicht. Anders gesagt: Er macht ganz schön dicke Ohren. Zudem ist er 20 Gramm leichter als der M2, bringt 255 Gramm auf die Waage. Der Bose-Kopfhörer QC35 II, Sonys wichtigste Konkurrenz, wiegt noch ein paar Gramm weniger.

Wichtiger als die paar Gramm: Der neue Sony-Kopfhörer klingt klar besser als die Version von 2016. Ich empfinde den Klang als ausgewogen, gleichwohl haben die Bässe deutlich mehr Wucht als im alten Modell, ohne aber alles zu vermatschen. Wer's rockig mag, wird das mögen.

Ich habe es in Bus, U-Bahn, S-Bahn, im Ifa-Getümmel und im Büro verglichen, bin zumindest in der Tendenz sicher: Das Noise Cancelling des WH-1000X M3 ist besser als das des MDR 1000X. Schienengerumpel wird noch besser herausgefiltert und auch höhere Frequenzen radiert der Kopfhörer etwas besser aus.

Ifa 2018: Sonys elektronischer Hund hat seinen ersten Europa-Auftritt

SPIEGEL ONLINE

Sony sagt, der für das NC verantwortliche Prozessor sei vier Mal so leistungsstark wie der Vorgänger. Eine derart massive Verbesserung kann ich nicht feststellen, konnte das neue Modell aber noch nicht im ICE oder im Flugzeug testen. Bei der Dämmung von Triebwerksgeräuschen könnte sich der Unterschied stärker bemerkbar machen. In ruhiger Umgebung und ohne Musik fällt auf, dass das typische Rauschen der Geräuschunterdrückung beim neuen Modell weniger geworden ist.

Ausdauernd leise

Sony verspricht bei aktivierter Geräuschunterdrückung und bei mittlerer Lautstärke eine Akkulaufzeit von 30 Stunden, also so viel wie beim Vorgänger, aber zehn Stunden mehr als der MDR 1000X und der Bose QC35 II schaffen.

Dank USB-C lässt sich Sonys neues Model zudem schnell aufladen. Zehn Minuten an der Steckdose sollen für fünf Stunden Laufzeit ausreichen. Eine volle Akkuladung braucht jedoch vier Stunden.

Fotostrecke

6  Bilder
Der Vorgänger: Sony MDR-1000X

Leider taugt der USB-Anschluss nur zum Aufladen. Dabei würden sich Besitzer mancher moderner Smartphones ohne Kopfhörerbuchse über eine USB-Audioverbindung freuen. Stattdessen aber hat der Kopfhörer eine klassische 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse, für die man etwa beim Google Pixel 2 einen Adapter braucht..

Ein Vorteil, wenn man bloß mal seine Ruhe haben will: Den WH-1000X M3 kann man so einstellen, dass er an bleibt, auch wenn man keine Musik hört. Die Vorgänger haben sich in so einem Fall nach fünf Minuten abgeschaltet, blieben erst nach dem dritten Einschalten dauerhaft eingeschaltet.

Fotostrecke

25  Bilder
Sony, Huawei und Co.: Die besten Gadgets der IFA 2018

Eine praktische Funktion des Vorgängers bleibt erhalten: Hält man eine Handfläche auf eine der Ohrmuscheln, wird die laufende Musik ausgeblendet und die Geräuschunterdrückung deaktiviert. So kann man hören, was jemand sagt, ohne die Kopfhörer absetzen oder ausschalten zu müssen. Nimmt man die Hand wieder weg, läuft die Musik weiter.

Billig wird das nicht

Weitere Einstellungen gibt es in der Sony-App "Headphones Connect". Sie enthält unter anderem einen Equalizer und eine Funktion, mit der sich Umgebungsgeräusche richtungsabhängig wahrnehmbar machen lassen. Die Musik klingt dann beispielsweise, als käme sie "von vorne", sonstige Geräusche von hinten werden zum Ohr durchgelassen.

Für wenig Geld gibt es all diese Funktionen leider nicht: 379 Euro soll der WH-1000X M3 kosten, wenn er jetzt in den Handel kommt. Genau so viel wie sein Vorgänger, der M2, bei dessen Einführung. Letzterer wird gerade rund 100 Euro billiger angeboten.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Gutes Noise Cancelling

Guter Sound

Starker Akku

Schnelles Laden per USB-C

Kein USB-C zu USB-C zum Musikhören

Etwas klobig

Teuer

Wer für den Sony WH-1000X M3 entscheidet, wird es kaum bereuen: Ausdauer, Klang und Geräuschunterdrückung positionieren ihn klar in der Spitzenklasse - aber leider auch der Preis. Will man nicht ganz so viel Geld ausgeben, sollte man sich das Vorgängermodell ansehen, das im Abverkauf zum Schnäppchenpreis angeboten wird.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.


insgesamt 34 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
peterle3 03.09.2018
1. Auch dieser Test taugt wieder nichts
Wenn man einen Noise-Cancelling-Kopfhörer sucht, will man in erster Linie wissen, wie die Dämpfungseigenschaften sind. Dazu ist der "Test" sehr ungenau, was darauf hindeutet, dass der Autor wenig praktische Erfahrung mit dem Thema hat. So ist es z.B. häufig ein Problem, dass Sprache zu wenig gedämpft wird, was sie noch aufdringlicher erscheinen lässt. Meine in-ear Dinger lassen z.B. die Ansagen im Flugzeug durch. Der Triebwerkslärm wird gedämpft, aber wird m.E. auch ein wenig höherfrequent. Zu solchen Themen hätte ich gern mehr gelesen. Erst dann kommt die zweite Eigenschaft, die Klangqualität. Also: bitte nochmal.
poveretto 03.09.2018
2.
Eins gilt es anzumerken: Die zweite Generation gibt es zwischenzeitlich regelmäßig um 200 ?. Und ob der Qualitätssprung wirklich den Preisunterschied ausmacht? Ich würde es bezweifeln.
salomohn 03.09.2018
3. Danke
Das Teil werde ich probieren. Die Infos sind ausführlichund praxisorientiert. Schade, daß Sie für diesen Beitrag negative Resonanz bekommen. So hat offenbar der Verfasser des Beitrags 1. den Artikel nicht gelesen, äußert sich aber negativ. Von mir: 5 Sterne.
cborowski 03.09.2018
4.
Der Autor schreibt: "Sony sagt, der für das NC verantwortliche Prozessor sei vier Mal so leistungsstark wie der Vorgänger. Eine derart massive Verbesserung kann ich nicht feststellen, ...". Wie will der Autor denn einen 4x so leistungsstarken Prozessor im Höreindruck feststellen? Soll die Geräuschunterdrückung 4x so besser sein? Und wenn ja... wie hört sich das an? Von einer, vom Hersteller angegebenen Hardwarebeschleunigung auf einen subjektiven Höreindruck zu schließen lässt doch sehr an dem technischen Verständnis des Autors zweifeln. Ein 4x so leistungsstarker Prozessor kann z. B. erst ermöglichen einen besseren oder einen anderen, rechenintensiven Algorithmus auszuführen, der selbst den subjektiven Höreindruck nur um 20% verbessert. 4x mal leistungsstärker bedeutet in den meisten Fällen in der IT nicht 4x besser.
mboeche 03.09.2018
5. Interessanter Test
Ich habe ebenfalls das Modell von 2016 und habe den Kauf nie bereut - der Kopfhörer verschafft einem Ruhe, gerade wenn man viel unterwegs ist. Teuer ist relativ. Wenn man das Gerät wirklich regelmäßig benutzt und viele Stunden in der Woche in Zügen verbringt, weiß man den Top-Klang und das Noise Cancelling zu schätzen. Allerdings empfinde ich die Bedienung als wenig intuitiv und die mitgelieferte Bedienungsanleitung (nur Symbole) angesichts des Preises als Manko. Wenn das verbessert wurde und das neue Modell auch noch mehr Bass hat , könnte ich schwach werden...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.