Klage in den USA Bose-App späht angeblich Hörverhalten der Kunden aus

Die Software hört mit: Bose will offenbar genau wissen, welche Lieder die Kunden hören. Ein Nutzer hat den Konzern nun verklagt und will für Kopfhörer-Käufer Schadensersatz in Millionenhöhe herausschlagen.

Kopfhörer von Bose
REUTERS

Kopfhörer von Bose


Der Käufer eines Bluetooth-Kopfhörers hat im US-Bundesstaat Massachusetts den Hersteller Bose verklagt. Er zeigt sich überzeugt, dass das Unternehmen seine Privatsphäre verletzt hat. Laut Klageschrift hat der Konzern mit der kostenlosen App Bose Connect ausgespäht, welche Songs, Hörbücher und Radiosender der Nutzer sich anhört, und die Informationen an Drittanbieter weitergeleitet.

Anhand der Informationen könnten den Gerichtsakten zufolge pikante Details über die Kunden ermittelt werden. So seien etwa die Religion, die sexuelle Neigung und Krankheiten von Kunden leicht daran zu erkennen, welche Podcasts sie sich anhörten. Diese Informationen verletzten das Recht auf Privatsphäre und dürfen nach Ansicht des Klägers nicht ausgespäht werden. Der Kläger fordert Schadenersatz in Höhe von mehr als fünf Millionen Dollar und ruft andere Kunden dazu auf, sich der Sammelklage anzuschließen.

Die Bose-Connect-App funktioniert mit Bluetooth-Kopfhörern wie dem QuietComfort 35 und mit kabellosen Lautsprechern wie dem SoundLink Color II. Auf eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE am Donnerstag hat Bose nicht reagiert.

In der App kann man unter anderem einstellen, wie stark Umgebungsgeräusche mit dem Kopfhörer unterdrückt werden und zu welchem Zeitpunkt die Geräte sich automatisch ausschalten. Außerdem kann der Nutzer auswählen, auf welchen Lautsprechern und Kopfhörern in der Nähe die Musik abgespielt werden soll.

Datenschutzbestimmungen müssen nicht bestätigt werden

Dabei speichert die Anwendung offenbar auch, welche Musik gerade läuft. Die Daten sollen unter anderem an den kalifornischen Marketing-Konzern Segment.io verschickt worden sein, der Nutzerinformationen speichert und weiterverkauft. In der Klageschrift heißt es: "Bose scheitert daran, die Kunden davor zu warnen, dass Bose Connect in Echtzeit die Musik und Audiodateien mithört und speichert, die mit den Bose-Wireless-Produkten abgespielt werden."

Die App fordert Nutzer nach dem Download zwar nicht aktiv dazu auf, die Datenschutzbestimmungen zu bestätigen. Allerdings weist Bose durchaus darauf hin, dass die App gewisse Informationen speichert und weiterleitet. Bose Connect sammle "automatisch Informationen des Smartphones, Tablets oder eines anderen Geräts, mit dem Sie die App benutzen", heißt es in den Datenschutzbestimmungen.

Der Hersteller erfährt zum Beispiel die Version des Betriebssystems und etwas über die Art und Weise, wie Anwender die App benutzen. Die Daten würden vor allem deshalb gesammelt, um die App zu verbessern und Berichte zu erstellen, heißt es. Was genau mit den Informationen passiert und wer darauf Zugriff hat, darauf wird nicht konkret eingegangen. Bose schreibt nur: "Wir teilen die Informationen, die wir sammeln, mit verschiedenen Drittanbietern." Die Nutzer würden aber anonym bleiben.

rtr/jbr



insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
observerlbg 21.04.2017
1. Und?
Welche App ruft denn nicht zu hause an? Meint der Kläger bei Bose mehr rausschlagen zu können, weil sich Bose nicht so gute Anwälte wie Apple, Google ect. leisten kann? Naja, man kanns ja mal versuchen.
mantrid 21.04.2017
2. Datengier fördert Handeslbilanzüberschuss
Wenn die Werbefritzen mit den Daten viel Geld verdienen und Produkte unter das Volk bringen können, müsste AmiLand doch einen gigantischen Handeslbilanzüberschuss haben! Hat es aber nicht. Ich will mich nicht ausspionieren lassen und verzichte deswegen nach Möglichkeit solche Produkte. So sorgt die Datengier dafür, dass ich einen Beitrag zum deutschen Handeslbilanzüberschuss leiste.
Volker_41 21.04.2017
3. Schreck lass nach...
...woher sollen die Empfehlungen in der Musik-Software denn sonst stammen, die vermutlich die meisten Nutzer bereits dankend annehmen. Vielleicht sollte der Kläger sein eigenes Urteilsvermögen hinterfragen. Es gibt aber auch sehr wenige autarke Systeme am Markt, die ohne Bluetooth und WLAN funken. Da "hört" dann keiner mit.
huz6789 21.04.2017
4. Wer Apps vertraut
Ich finde die Klage richtig und kann nur hoffen, dass Bose kräftig dafür bluten muss. Die Konzerne können und wollen sich der Versuchung des Datendiebstahls nicht entziehen. Als "Mehrwert" getarnte Spähsoftware wird für schamloses Ausspähen genutzt. Wenn man im Freundes- oder Kollegenkreis darüber diskutiert, trifft man oft auf eine unglaubliche Sorglosigkeit. Man könnte auch sagen: Dummheit. Weil aus Bequemlichkeit vergessen wird, dass Wissen = Macht ist. Aber die Leute werden auch weiter Bose kaufen. Weil`s cool ist - oder so was. Uns do geht das Unheil weiter und Grenzen gibt es kein.
keksguru 21.04.2017
5. denen gehört das Herz rausgerissen....
wirklich, Bose produziert sehr teure und sehr gute Geräte und das auch mit hohen Gewinnspannen. Zur Querfinanzierung oder gar Subventionierung ist Bose nicht drauf angewiesen, Daten der Kunden weiterzuverkaufen, nein das ist eher die Gier noch das letzte Quentichen aus den Kunden herauszupressen was noch möglich ist. Anders als bei Alexa und Cortana ist dem Nutzer nicht bewußt daß er damit einen Teil seines Privatlebens veröffentlicht, und anders als etwa bei Einschaltquoten-Testern (die dafür Geld kriegen) versucht man das vom Bose-Kunden nebenbei abzuzweigen. Allerdings ist die Rechtsposition eines Kunden bezüglich der Privatsphäre in den USA deutlich schwächer als in Deutschland - hier ist eine Datenschutzinformation verbindlich vorgeschrieben. Andererseits ist die Lösung absolut simpel - der Bose Kopfhörer kann auch mit Bordmitteln benutzt werden, nur sind dann Zusatzfeatures wie Noise cancelling nicht schaltbar.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.