Bose Wave Music System III: Dicker Bass in dünnem Plastik

Von Matthias Kremp

Kleines Radio, großer Sound: Der US-Hersteller Bose protzt bei seinem neuen CD-Radio mit einer Technik, die aus kleinen Lautsprechern mächtige Bässe zaubert. Doch wie zeitgemäß ist so ein Gerät eigentlich noch?

Klein und fett: Bose Wave Music System III
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Matthias Kremp

So heftige Reaktionen lösen meine Testgeräte sonst nicht aus, zumindest nicht bei meinen Töchtern. "Boah, ist das hässlich", sagt die eine. "Wenn es bei Opa stehen würde, wäre es ja noch okay", meint die andere. Die Kommentare gelten dem nagelneuen Bose Wave Music System III. Und sie haben recht: Das 700 Euro teure Bose-CD-Radio erinnert schon sehr an die achtziger Jahre mit seinem silbergrau lackierten Plastik und dem grün leuchtenden Display.

Tatsächlich geht das grundlegende Design auf das Wave Radio zurück, das Bose 1984 einführte. Dessen wuchtige Maße konnte der Konzern im Laufe der Jahre durch technische Weiterentwicklung zwar erheblich schrumpfen, der Look von damals ist aber bis heute erhalten geblieben - sowie die Bose-typische Klangtechnik.

Denn das Besondere an den Wave-Systemen ist Boses Waveguide-Technologie, die den Geräten ihren Namen gab: Exakt berechnete akustische Röhren im Inneren sorgen für eine Art natürliche Verstärkung der Bassfrequenzen. Das Resultat: Obwohl klein und kunststoffbetont, produzieren die Radio-CD-Geräte von Bose satten Bass, sagt man. Vor allem Bose sagt das.

Den neuen Besitzern eines solchen Geräts legt die übersichtliche Aufbauanleitung deshalb nahe, erst einmal die beigelegte Demo-CD einzulegen, die Lautstärke auf einen Wert zwischen 80 und 85 einzustellen und sich berieseln zu lassen.

Bassgewitter von der Demo-CD

Als ich genau das mache, zucke ich bei ersten Ton zusammen: Holla, da kommt ordentlich was raus. Aus Rücksicht auf meine Nachbarn drehe ich vom empfohlenen Pegel 85 ein paar Zehnerstellen herunter. Das reicht immer noch, um mir zu beweisen: Die Sache mit den Bässen stimmt tatsächlich. Es ist schier unfassbar, wie tief und vehement das kleine Kästchen in den Basskeller hineingreift.

Aber genau dafür werden solche Demo-CDs natürlich gemacht: Ähnlich wie Demo-Blu-rays bei Fernsehern sind sie darauf hin produziert worden, das Maximum an Leistung aus dem jeweiligen System herauszuholen. Die Bose-CD etwa ist nicht mit normalen Aufnahmen bestückt, sondern mit solchen, die von und für Bose selbst durchgeführt wurden.

Und die sind, anders als herkömmliche Aufnahmen, gänzlich unkomprimiert auf die Demo-Scheibe gepresst worden. Das Resultat: Statt vom Toningenieur fein nivellierter Dynamik hört man hier den vollen ursprünglichen Dynamikumfang der Aufnahmen. Bose lässt es richtig krachen - mit einem Bassgewitter.

Der typische Bose-Sound kann beeindrucken

Was normal wäre, höre ich, als ich eigene CDs einwerfe. Wobei schon das für mich ein ungewohnter Akt ist. Von CDs höre ich Musik nicht mal mehr im Auto, in dem ein iPod als Zuspieler dient. Zu Hause versorgt längst ein digitales System die Familie mit Musik von der Netzwerkfestplatte. Aber das Bose-System kennt von Haus aus nur zwei Modi: Radio und CD.

Beide klingen allerdings ungewöhnlich fett, auch wenn die Dynamik der Demo-CD von anderen CDs nicht erreicht wird. Manche bezeichnen das als den typischen Bose-Sound, und sie haben recht. Irgendwie klingen alle Geräte, die ich von Bose ausprobiert habe, ähnlich: kräftig bassbetont, mit weichen, klaren Höhen und etwas vernachlässigten Mitten. Beeindruckend kann das sein. Mit diesem CD-Radio, da bin ich sicher, könnte ich locker eine Tanzparty beschallen - oder ein Gartenfest, mit dem ich dann meine Nachbarn gegen mich aufbrächte.

Ob man aber den Bose-Sound mag, ist eine andere Frage. Klassische Musik bringt das System ausgesprochen überzeugend rüber, Pop geht auch noch, für Gitarrenrock fehlt ihm der Biss.

Das Zubehör ist teuer

Und das ist nicht das Einzige, was dem Bose-System fehlt: Ein W-Lan-Modul oder eine Ethernetbuchse wäre schön, damit ich auf meine Musiksammlung im Heimnetz zugreifen kann. Auch einen USB-Anschluss, um beispielsweise einen iPod direkt anzustöpseln, vermisse ich. Solche Verbindungen sind hier nur analog per Miniklinke möglich.

Zwar bietet Bose Zubehör an, das vorgibt, diese Fehlstellen teilweise zu füllen, aber das ist teuer. Der iPod-Adapter Wave Connect Kit kostet 150 Euro und unterscheidet sich von Apples 29 Euro teuren iPhone-4-Dock dadurch, dass es den Apple-Player per Fernbedienung steuern lässt. Boses Bluetooth Music Adapter, der drahtloses Musik-Streaming vom Handy oder Notebook ermöglicht, ist genauso teuer: 150 Euro.

Den Bässen zum Trotz muss ich deshalb meinen Töchtern recht geben: In unseren Hightech-Haushalt lässt sich ein Gerät, dessen wichtigste Neuerung die Integration von Digitalradio (DAB+) ist, das aber ansonsten total analog daherkommt, nur schwer integrieren. Aber ich muss auch einschränken: Normal sind wir eben nicht. Ich bin Berufs-Nerd, und meine Familie ist meinem Technikfimmel ausgeliefert; wir sind wohl kaum repräsentativ.

Besser passt so ein Bose-Radio zu meinem total normalen Nachbarn, doch der hat schon eins. Er hat es sich zum Renteneintritt gekauft.

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Ich will nicht verkennen, dass Bose in der Akustik irgendwann mal Massstäbe gesetzt hat (Stichwort Subwoofer) und dies möglicherweise jetzt immer noch tut. Anders als die Asiaten sind die Amis aber bei der Umsetzung in konkrete [...]
Zitat von sysopDoch wie zeitgemäß ist so ein Gerät eigentlich noch?
Ich will nicht verkennen, dass Bose in der Akustik irgendwann mal Massstäbe gesetzt hat (Stichwort Subwoofer) und dies möglicherweise jetzt immer noch tut. Anders als die Asiaten sind die Amis aber bei der Umsetzung in konkrete Produkte viel zu arrogant, um sich an den Bedarf außernationaler Märkte anzupassen. Meine letzte Bose AV Kompaktanlage (ca. 10 Jahre alt) hatte nicht mal einen Euro-Scart Anschluss, nur dieses Cinch/Component-Gelumpe. Sowas ist - angesichts der nicht gerade bescheidenen Preise - gegenüber einem europäischen Markt schlicht ignorant. Und in den vom Autor bemängelten Designfragen erwarte ich von Amis sowieso schon lange nichts mehr. Man denke nur an das Design amerikanischer Autos, Möbel, Telefone ... dann weiß man, was man aus dieser Ecke zu erwarten hat, nämlich nichts als das nackte Grauen.
t.meyer 19.05.2012
...ist hier nicht nur das neue Gerät von Bose, sondern vor allem die Schreibe...Naja, wenn man Innovation einfordert, sollte man vielleicht selbst vorangehen. Wie langweilig, unnötig und wahrscheinlich sogar noch ausgedacht die [...]
...ist hier nicht nur das neue Gerät von Bose, sondern vor allem die Schreibe...Naja, wenn man Innovation einfordert, sollte man vielleicht selbst vorangehen. Wie langweilig, unnötig und wahrscheinlich sogar noch ausgedacht die Side-Story mit dem Nachbarn ist...Hat man irgendwie alles schon zig Mal gelesen. Innovativ ist auch insofern was anderes.
7eggert 19.05.2012
Vielleicht haben sie diese fehleranfällige SCART-Schnittstelle bewußt weggelassen, weil sie eh nur VHS unterstützen und Chinch einen besseren Kontakt hat? ---Zitat--- Und in den vom Autor bemängelten Designfragen erwarte [...]
Zitat von wühlmaus_reloadedIch will nicht verkennen, dass Bose in der Akustik irgendwann mal Massstäbe gesetzt hat (Stichwort Subwoofer) und dies möglicherweise jetzt immer noch tut. Anders als die Asiaten sind die Amis aber bei der Umsetzung in konkrete Produkte viel zu arrogant, um sich an den Bedarf außernationaler Märkte anzupassen. Meine letzte Bose AV Kompaktanlage (ca. 10 Jahre alt) hatte nicht mal einen Euro-Scart Anschluss, nur dieses Cinch/Component-Gelumpe. Sowas ist - angesichts der nicht gerade bescheidenen Preise - gegenüber einem europäischen Markt schlicht ignorant.
Vielleicht haben sie diese fehleranfällige SCART-Schnittstelle bewußt weggelassen, weil sie eh nur VHS unterstützen und Chinch einen besseren Kontakt hat? ---Zitat--- Und in den vom Autor bemängelten Designfragen erwarte ich von Amis sowieso schon lange nichts mehr. Man denke nur an das Design amerikanischer Autos, Möbel, Telefone ... dann weiß man, was man aus dieser Ecke zu erwarten hat, nämlich nichts als das nackte Grauen. ---Zitatende--- Wenn man ein Radio mit Retro-Look baut, dann hat es meistens ... Retro-Look. Eher unverständlich finde ich nach einem kurzen Blick auf die Homepage, daß die Home-Cinema-Systeme so gestaltet sind, daß sie nicht stapelbar sind. Man kann sie nur im eigenen Regalfach ausstellen. Wahrscheinlich hat Bose Kunden, die genau das mit ihren Geräten machen, weil sie den Platz haben ... Ebenso überrascht bin ich, daß Bose keinen Verstärker außer dem WMS anbietet.
radio.engineer 19.05.2012
Mag ja sein, dass Sie das so sehen, aber die 'Schreibe' gibt's gratis, für die altbackene Bose Kiste muss man jedoch 700 € hinlegen. Insofern hat sich der Artikel für viele Unwissende, die sich so einen trash kaufen [...]
Zitat von t.meyer...ist hier nicht nur das neue Gerät von Bose, sondern vor allem die Schreibe...Naja, wenn man Innovation einfordert, sollte man vielleicht selbst vorangehen. Wie langweilig, unnötig und wahrscheinlich sogar noch ausgedacht die Side-Story mit dem Nachbarn ist...Hat man irgendwie alles schon zig Mal gelesen. Innovativ ist auch insofern was anderes.
Mag ja sein, dass Sie das so sehen, aber die 'Schreibe' gibt's gratis, für die altbackene Bose Kiste muss man jedoch 700 € hinlegen. Insofern hat sich der Artikel für viele Unwissende, die sich so einen trash kaufen wollten und jetzt doch lieber die Finger davon lassen, gelohnt. Dank SPON.
steelbruch 19.05.2012
Kann man wenigstens einen Plattenspieler anschließen?
Kann man wenigstens einen Plattenspieler anschließen?
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  • Samstag, 19.05.2012 – 07:39 Uhr
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