Aquaris E4.5 Das erste Ubuntu-Smartphone kommt aus Spanien

Lange hat es gedauert, jetzt kommt das erste Smartphone mit Ubuntu-Betriebssystem auf den Markt. Das Gerät ist günstig, die Ausstattung kann sich sehen lassen.

BQ

Ubuntu für Smartphones hat einen langen Weg hinter sich. Vor kaum mehr als zwei Jahren wurde die Software erstmals auf der Technikmesse CES in Las Vegas gezeigt. Damals lief das System noch auf Galaxy-Smartphones von Samsung und machte bei unserem ersten kurzen Test einen guten Eindruck. Jetzt kommt das erste kommerziell verfügbare Handy mit dem Linux-Betriebssystem auf dem Markt, das Aquaris E4.5 Ubuntu Edition des spanischen Herstellers BQ.

Zuvor war ein Versuch der südafrikanischen Ubuntu-Entwicklerfirma Canonical, ein Ubuntu-Smartphone per Crowdfunding zu finanzieren, furios gescheitert. Der südafrikanische Canonical-Eigentümer Mark Shuttleworth wollte 32 Millionen Dollar für Entwicklung und Herstellung des Ubuntu Edge einsammeln. Stattdessen kamen nur 12,81 Millionen Dollar zusammen - und damit nur rund 40 Prozent der Summe, die für Entwicklung und Bau von 40.000 Telefonen nötig gewesen wäre.

Auf solche Versuche hat BQ verzichtet und das Aquaris E4.5 ohne Crowdfunding entwickelt. Die technischen Daten liegen auf dem Niveau der unteren Mitteklasse. Der Bildschirm ist 4,5 Zoll groß, zeigt 960 x 540 Pixel an. Als Antrieb dient ein 1,3 GHz schneller Quadcore-Prozessor von Mediatek, es lassen sich zwei Sim-Karten einsetzen.

Der Arbeitsspeicher ist ein GB groß, als Massenspeicher sind acht GB eingebaut, die per microSD-Karte um bis zu 32 GB erweitert werden können. Einer Fünf-Megapixel-Kamera auf der Vorderseite steht ein Acht-Megapixel-Modell auf der Rückseite gegenüber. Bluetooth ist in der Version 4.0 eingebaut und es beherrscht die W-Lan-Standards 802.11 b/g/n. Mobil verbindet es sich per HSPA+ mit dem Internet, LTE wird nicht unterstützt.

Harte Konkurrenz

Als signifikanten Unterschied von Ubuntu-Smartphones preist Canonical die sogenannten Scopes an - ein Gegenmodell zum App-System. Statt eines herkömmlichen Homescreens mit einer Vielzahl von App-Symbolen sind Scopes eher so etwas wie eine Vielzahl thematisch gegliederter Sammelbildschirme, über die sich verschiedene Dienste nutzen lassen. So könnten auf einem solchen Scope beispielsweise alle Musikdateien bereitgestellt werden, egal ob man sie bei Apple oder Amazon gekauft, bei Spotify markiert oder selbst aufgenommen hat.

Abzuwarten bleibt, wie gut sich dieses System in der Praxis nutzen lässt. Laut Pressemitteilung soll das Aquaris E4.5 Ubuntu Edition in den nächsten Wochen "in einer Reihe von Flash Sales - also zeitlich begrenzten Angeboten -" über die Webseite des Herstellers verfügbar sein. Der Verkaufspreis soll bei 169,90 Euro liegen.

Das spanische Gerät muss sich allerdings starker Konkurrenz stellen. So hat beispielsweise Microsoft gerade erst das Lumia 435 angekündigt. Das bunte Windows-Smartphone ist ähnlich ausgestattet wie das BQ-Handy, soll aber nur 89 Euro kosten.

mak



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insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
robin-masters 06.02.2015
1. Sehr schön
werde ich mir kaufen (ich versuchs zumindest). Hab lange darauf gehofft. Vorteil ist ganz klar die Unabhängigkeit von Google, Microsoft und co., ein offener AppStore und das System hoffentlich schön schlank ist und nicht so lahm wie Android mittlerweile oder iOs7. (wenig vorinstalliert - nur das nötigste)
mbolten1 06.02.2015
2. Naja....
Klar ist das Microsoftprodukt "günstiger", aber wer sich mal die Nutzungsvereinbarung bei Microsoft durchgelesen hat (die 72! Seiten, die dann oft nur per Internetlink zu erreichen sind), der entscheidet sich dann doch für Ubuntu. Oder wer ist wirklich bereit jedem Microsoftkunden (Originaltext) bei begründetem Interesse seine Daten zur Verfügung zu stellen. Das dürfte ähnlich sein, als ob ich alle meine Daten allen Facebook-Usern (aber nur bei berechtigem Interesse ;)) zur Verfügung stelle. Schade, wenn dann mein Krankenversicherung als Microsoftkunde meine Sonnenbrand-Urlaubsfotos als Grund für einen höheren Tarif einstuft. ... Aber wen interessiert das schon...
gekkox 06.02.2015
3. Ein offener App-Store...
Zitat von robin-masterswerde ich mir kaufen (ich versuchs zumindest). Hab lange darauf gehofft. Vorteil ist ganz klar die Unabhängigkeit von Google, Microsoft und co., ein offener AppStore und das System hoffentlich schön schlank ist und nicht so lahm wie Android mittlerweile oder iOs7. (wenig vorinstalliert - nur das nötigste)
...bringt auch nur was, wenn dann die Apps dort sind - und daran krankt schon WP.
zila 06.02.2015
4. Commandline Tool fuer's Smartphone?
Muss man da bei jeder etwas ausgefalleneren Installation kryptischen Code a la "sudo apt-get install tasksel sudo tasksel install lamp-server" in einem Terminal eingeben? Meine Erfahrung als Ubuntu-User war sehr durchwachsen, ehrlich gesagt hab ich nicht die Zeit, stundenlang nach irgendwelchen Installationskommando und Zusatzprogrammen zu suchen, um irgendwas ans laufen zu kriegen, dass in Desktop-Windows (und meist auch in Android) nach spaetestens 2 Minuten funktioniert. Die Erfahrung hab ich ein paarmal gemacht, und ich hab schon einige Programmierumgebungen installiert. Ubuntu hat doch das gleiche Problem wie Windows Phone: zu wenig Apps oder nicht so gut gepflegt wie auf Android oder gerade iOS.
jepp_besserwisser 06.02.2015
5. Schon mal...
...mit Cyanogen Mod versucht. Ist unabhängig und ausgereift. Und geht wie sau...
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