Canon Powershot N: Winzige Klappkamera schießt klare Fotos

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Canon Powershot N: So fotografiert die Klappkamera Fotos
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Touchscreen, W-Lan, schlankes Gehäuse: Die außergewöhnlich gestaltete Canon Powershot N macht Smartphones Konkurrenz. Radikale Neuerung: Einen Auslöseknopf gibt es nicht. Wie die winzige Kompaktkamera fotografiert, zeigt der Test.

Bei der neuen Kompaktkamera Powershot N macht Canon vieles anders als bei bisherigen Fotoapparaten: Das Gehäuse ist fast quadratisch, nicht breit und rechteckig. Einen Auslöseknopf gibt es gar nicht mehr, dafür einen Touchscreen und eine Auslösewippe, die kreisförmig um das Objektiv herum liegt.

Mit diesen Neuerungen will Canon das Kompaktkamerasegment beleben. Gerade die günstigen kleinen Fotoapparate leiden unter der Smartphone-Konkurrenz. Vielleicht kann ein völlig neues Konzept Käufer locken.

Klein, leicht und klappbar - wie gut die Powershot N in der Fotopraxis abschneidet, verrät der Test.

Das gefällt: Form, Bildqualität, Display

Kompaktes Gehäuse: Durch die nahezu quadratische Grundform (8 x 6 Zentimeter) wirkt das Gehäuse der Powershot N deutlich handlicher, als es tatsächlich ist. Diese Kamera steckt man sich ohne Bedenken in die Innentasche des Sakkos oder in die Hosentasche. Die Powershot N ist mit knapp drei Zentimetern zwar dicker als ein Smartphone, aber gerade noch taschentauglich.

Bedienung: Die Handhabung ist gewöhnungsbedürftig, aber sie hat durchaus Vorzüge. Den Auslöseknopf ersetzt ein Metallring um das Objektiv, der sich nach oben und unten schieben lässt. Dieser Ring lässt sich mit einem oder mit beiden Zeigefingern schieben, egal wie herum man die Kamera gerade hält. Der Vorteil dieser Konstruktion: Man kann die Kamera weit über den Kopf oder ganz nah an den Boden halten und hat dabei auf dem Klappbildschirm das Motiv immer noch gut im Blick. Hält man die Kamera über den Kopf, dreht man sie dazu einfach um, den Auslöser muss man nicht suchen. Ein weiterer Vorteil der Schiebering-Konstruktion: Wer so auslöst, hält die Kamera konstruktionsbedingt automatisch mit beiden Händen - Verwackelungen durch Einhandfotografieren sind so ausgeschlossen.

Klappbildschirm: Das um 90 Grad nach oben (oder unten, je nach Position der Kamera) neigbare Display ist berührungsempfindlich. Man steuert per Fingertippen durch die Menüs, wischt Fotos beim Betrachten hin und her und tippt auf einer Bildschirmtastatur - das Display registriert Eingaben schnell und präzise. Die Kamera lässt sich auch per Bildschirmberührung auslösen. Der Klappbildschirm ist auch gut als Stativ nutzbar: Man kann die Powershot N zum Beispiel auf eine Fläche stellen und filmen oder fotografieren lassen.

Geschwindigkeit: Die Powershot N löst schnell aus - im Weitwinkel vergehen laut den Messungen von Digitalkamera.de samt Autofokus 0,26 Sekunden vom Auslösen bis zur Aufnahme. Da sind einige deutlich teurere Kompaktkameras langsamer.

Auslöseverzögerung Canon Powershot N: Werte unter 0,3 Sekunden sind gut bis sehr gut, bis etwa 0,6 Sekunden sind sie befriedigend Zur Großansicht
digitalkamera.de

Auslöseverzögerung Canon Powershot N: Werte unter 0,3 Sekunden sind gut bis sehr gut, bis etwa 0,6 Sekunden sind sie befriedigend

Bildqualität: Für eine derart kleine Kamera hat die Powershot N eine überraschend hohe Bildqualität. Der Sensor hat das kleinste bei Kompaktkameras verbreitete Format (0,28 Quadratzentimeter Oberfläche) - aber das ist immer noch doppelt so viel wie bei den meisten Smartphones. Bei niedriger ISO-Empfindlichkeit (ISO 80, ISO 100) fallen die Aufnahmen erstaunlich detailreich und klar aus. Bei erhöhter Lichtempfindlichkeit nimmt das Rauschen zu und die Rauschunterdrückung glättet auch Details weg. Dieser Effekt ist schon bei ISO 400 zu sehen, aber nicht übermäßig störend.

Diesen Seheindruck bestätigen die Labortests von Digitalkamera.de. Der Signal-Rauschabstand der Powershot N liegt bei ISO 100 im guten Bereich von über 40 dB - für die Tester im Digitalkamera.de-Labor "eher eine Seltenheit bei so kleinen Bildsensoren".

Für Kompaktkameras ordentlicher Signal-Rauschabstand der Powershot N: Je größer der Wert, desto deutlicher ist das Signal und desto geringer ist das störende Rauschen Zur Großansicht
digitalkamera.de

Für Kompaktkameras ordentlicher Signal-Rauschabstand der Powershot N: Je größer der Wert, desto deutlicher ist das Signal und desto geringer ist das störende Rauschen

Smartphone-Anbindung: Die Powershot N hat ein W-Lan-Modul eingebaut, darüber lässt sich die Kamera leicht mit einem Smartphone verbinden, auf dem eine kostenlose Canon-App (Android und iOS) installiert ist. Diese Software überträgt Fotos von der Kamera, die man dann auf dem Smartphone weiter bearbeiten, benutzen und zu allen Onlinediensten übertragen kann. Das ist eine gute Verknüpfung von Smartphone und App - wenn man unterwegs eine gute Aufnahme wirklich schnell veröffentlichen will, ist das recht leicht möglich, wenn auch nicht so schnell wie mit dem Smartphone selbst.

Nicht so gut: Software, Objektiv, Blitz

Software: Die Powershot N ist eine Kamera, kein Smartphone. Deshalb ist es erstaunlich, dass selbst grundlegende Einstellmöglichkeiten für Blendenöffnung und Belichtungszeit fehlen. Videos lassen sich nicht aufs Smartphone laden - solche Software-Beschränkungen nerven unnötig.

Handhabung: Einige Details der Hardware stören. Der Einschalter der Kamera zum Beispiel ist schlecht zu ertasten. Wegen des nahezu quadratischen Gehäuses dreht man auf der Suche nach dem Einschalter schon mal die Kamera hin und her, bis man den richtigen Knopf gefunden hat. Das wäre leicht zu verbessern: Zum Wechsel zwischen Aufnahmenreihen und Einzelbildmodus ist am Gehäuse ein horizontaler Schiebeschalter eingebaut. Dasselbe Modell in der Vertikalen wäre als Einschalter perfekt.

Ausstattung: Der Blitz sollte heller sein, die Blendenöffnung des Objektivs größer (f/3 ist Durchschnitt) - zu einer wirklich revolutionären Kompaktkamera fehlt der Powershot N noch etwas.

Vorteile, Nachteile, Fazit

für die Sensorgröße gute Bildqualität

durchdachte, innovative Bedienung

klappbarer Bildschirm

schneller Autofokus

W-Lan-Modul

gute Smartphone-Anbindung per App

Bedienung braucht einige Stunden Eingewöhnung

verrauschte Bilder bei Nachtaufnahmen

schwacher Blitz

keine Halbautomatik, keine manuellen Einstellungen

keine RAW-Daten

Fazit: Die Powershot N hat Smartphones einiges voraus. Ein Objektiv mit achtfachem optischen Zoom hat keine Handykamera - Samsungs ausladende Galaxy Camera einmal ausgenommen. Eine vergleichbare Bildqualität bieten bei Smartphones nur wenige Exoten-Modelle wie das Nokia 808 Pureview. Die Powershot N ist eine interessante Alternative für alle Fotografen, die mehr wollen, als ein Smartphone bietet, aber vor Edel-Kompaktkameras und manuellen Einstellungen zurückschrecken. Der Neupreis dürfte nach wenigen Monaten sinken.

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Kamera Canon Powershot N Nikon S800C Samsung Galaxy Camera iPhone 4s
günstigster Preis * 298,69 164,95 299 503,99
Maße (Gehäuse) 7,9 x 6 x 2,9 11,1 x 6 x 2,7 12,9 x 7,1 x 1,9 11,5 x 5,86 x 0,93
Volumen (Gehäuse-maße), cm³ 137,46 179,82 188,727 62,6727
Gewicht 195 184 305 137
Objektiv f/3 - f/5,9 f/3,2 - f/ 5,8 f/2,8- f/5,9 f/2,4
Objektiv (Brennweite kb.-äquivalent, mm) 28-224 25-250 23 - 483 -
Mindest-abstand (cm) - 10 -
Auflösung (Megapixel) 12,1 16 16 8
Sensorgröße (cm²) 0,28 0,28 0,28 0,155
Megapixel pro cm² 43,21 57,14 58,2 51,61
Display (Diagonale Zoll / cm) 2,8 / 7,112 3,5 / 8,89 4,8 / 12,19 3,5 / 8,89
Display Auflösung (Pixel / Subpixel) 153.333 / 460.000 273.000 / 819.000 921.600 / 2.764.800 614.400 / 1.843.200
Dateiformat JPG JPG JPG JPG
Besonderheiten Touchscreen, Klappbildschirm, Micro-SD, optischer Bildstabilisator, W-Lan-Verbindung zu Smartphone-App Touchscreen, Android 2.3.3, GPS, W-Lan Android 4.1, GPS, Glosnass, 8 Gb interner Speicher, microSD-Card, SIM-Slot, W-Lan Touchscreen, iOS, 3G
* günstigster Preis im deutschen Online-Handel (laut geizhals.at, Stand 14.5.2013

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Guter Bericht
jowinter 16.05.2013
Danke
2. Was für eine Alternative?
whaleryda 16.05.2013
Eine Kamera als Alternative für Smartphones? Fazit Positiv Negativ? Ich persönlich finde den Preis alles andere als winzig.
3. xxx
Schleswig 16.05.2013
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINETouchscreen, W-Lan, schlankes Gehäuse: Die außergewöhnlich gestaltete Canon Powershot N macht Smartphones Konkurrenz. Radikale Neuerung: Einen Auslöseknopf gibt es nicht. Wie die winzige Kompaktkamera fotografiert, zeigt der Test. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/canon-powershot-n-winzige-digitalkamera-im-test-a-899510.html
Kann ich wenigsten damit telefonieren?
4. Nettes Spielzeug...
earl grey 16.05.2013
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINETouchscreen, W-Lan, schlankes Gehäuse: Die außergewöhnlich gestaltete Canon Powershot N macht Smartphones Konkurrenz. Radikale Neuerung: Einen Auslöseknopf gibt es nicht. Wie die winzige Kompaktkamera fotografiert, zeigt der Test. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/canon-powershot-n-winzige-digitalkamera-im-test-a-899510.html
Nettes Spielzeug... Qualitativ liegt die Kamera im Smartphone-Bereich. Also wozu noch die Kamera mitschleppen, wenn man schon ein Smartphone hat? So gesehen reduziert sich die potentielle Käuferschicht...
5.
HuFu 16.05.2013
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINETouchscreen, W-Lan, schlankes Gehäuse: Die außergewöhnlich gestaltete Canon Powershot N macht Smartphones Konkurrenz. Radikale Neuerung: Einen Auslöseknopf gibt es nicht. Wie die winzige Kompaktkamera fotografiert, zeigt der Test. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/canon-powershot-n-winzige-digitalkamera-im-test-a-899510.html
Das Rauschen ist das große Manko der heutigen Knipser. Meine alte Fuji war klasse, meine neue Panasonic ist ein Dr... dagegen.
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Fototechnik-Fachbegriffe
Konrad Lischka
Klicken Sie auf die einzelnen Begriffe, um die Definitionen zu lesen
Brennweite
Konrad Lischka
Die Brennweite gibt eine Entfernung innerhalb des Objektivs einer Kamera an. Genauer: Die Brennweite ist der in Millimetern angegebene Abstand zwischen der Mittelachse der Linse und der Stelle, wo das einfallende Licht auf Sensor oder Film trifft. Relevant ist das für die Bildgestaltung so: Je höher die Brennweite, desto näher wird das abgebildete Objekt herangezoomt.

Die Brennweite verändert auch die Bildwinkel der Aufnahme. Hier spielen aber auch die verschiedenen Aufnahmeformate (sprich: Wie groß ist das auf den Sensor der Kamera einfallende Bild?) eine Rolle. Deshalb geben Hersteller meistens die sogenannte kleinbildäquivalente Brennweite (Equiv.135) an.

Kleinbildbrennweiten werden mit Werten wie zum Beispiel 24-60 mm bei digitalen Kompaktkameras angeben. Wenn ein solches Objekt den Bereich zwischen 17 und 35 mm umfasst (siehe Foto: links 35 mm, rechts 28 mm), sind Weitwinkelaufnahmen möglich (hilfreich, um zum Beispiel Menschengruppen oder Bauwerke aus nicht allzu großer Entfernung aufzunehmen), ab 50 mm ist man schon im leichten Telebereich.
Blendenöffnung
Für eine Kamera ist die Blende, was die Iris für das Auge ist: Diese Öffnung hat eine veränderbare Größe, und je größer sie ist, desto mehr Licht fällt ein. Bei kompakten Digitalkameras kann die Blende manchmal, bei Spiegelreflexkameras meistens auf Wunsch manuell eingestellt werden. Angegeben wird sie dabei mit der sogenannten Blendenzahl (wie um Beispiel 8, 5,6 oder 2,8).

Je größer die Blendenzahl (oft angegeben mit f/Blendenzahl), umso kleiner ist die Blendenöffnung. Konkret: Bei der Blendenzahl 4 ist die Blendenöffnung doppelt so groß wie bei der nächst höheren Blendenzahl 5,6. Die Blendenzahlen beruhen auf einer mathematischen Formel, nach der sich die sogenannte Blendenreihe berechnet. Hier verkleinert sich von Stufe zu Stufe die Blendenöffnung (0,5 / 0,7 / 1 / 1,4 / 2,8 / 4 usw.

Mehr Licht durch eine große Blendenöffnung ermöglicht eine kürzere Verschlusszeit. Eine möglichst kurze Verschlusszeit ist nötig, um sich schnell bewegende Objekte möglichst scharf aufzunehmen. Wer zum Beispiel einzelne Szenen eines Basketballspiels einer nicht allzu hell beleuchteten Sporthalle aufnehmen will, kann eine kleinere Blendenzahl (also eine größere Blendenöffnung) wählen und dafür die Verschlusszeit verkürzen. Als Richtwert gilt dabei: Ein Stufe abwärts in der Blendenreihe erlaubt eine gleichzeitige Halbierung der Belichtungszeit.

Gleichzeitig beeinflusst die Größe der Blendenöffnung die sogenannte Schärfentiefe. Grundregel: Je kleiner die Blendenzahl (und je größer somit die Blendenöffnung), desto geringer die Schärfentiefe. Geringe Schärfentiefe bedeutet: Das Motiv im Vordergrund ist scharf, der Hintergrund ist unscharf. Große Schärfentiefe bedeutet, dass die Partien im Vorder- und Hintergrund scharf auf dem Bild erscheinen.
Verschluss-/ Belichtungszeit
Wie lange die Blende geöffnet ist, wie lange also Licht auf den Sensor der Kamera fällt, gibt die Belichtungszeit an. Je länger diese Verschlusszeit ist, desto mehr Licht fällt auf den Sensor.

Diese Verschlusszeit wird meistens in Sekundenbruchteilen angegeben. 1/1000 ist zum Beispiel eine tausendstel Sekunde. Bei Kompaktkameras kann die Verschlusszeit manchmal, bei Spiegelreflexkameras immer auch manuell eingestellt werden. Angeben wird sie in Zeitstufen (wie 0,5"; 1/4; 1/8; 1/15; 1/30; 1/60; 1/125 usw.). Je größer die Zeitstufe, umso länger ist der Verschluss geöffnet.

Bei einer kurzen Verschlusszeit erscheinen auf dem Bild sich schnell bewegende Objekte scharf, bei längeren Verschlusszeiten wirken sie verwischt, das ist die sogenannte Bewegungsunschärfe. Verwendet man bei solchen Aufnahmen mit längeren Belichtungszeiten kein Stativ oder zumindest eine feste Unterlage für die Kamera, verwackeln die Aufnahmen oft durch die Bewegung der Hand. Ruht die Kamera auf einer festen Unterlage, kann man mit längeren Belichtungszeiten zum Beispiel Autos auf Fotos verwischt erscheinen lassen, während alle statischen Objekte in der Umgebung scharf erscheinen.

Bei sehr kurzen Belichtungszeiten ist eine starke Beleuchtung oder eine entsprechend große Blendenöffnung nötig, um ausreichende Belichtung zu gewährleisten. Grundregel: Stellt man eine Zeitstufe größer ein, kann man eine Blendenzahl weniger einstellen.
Schärfentiefe
Konrad Lischka
Schärfentiefe meint den Bereich in einer bestimmten Entfernung der Kamera, der auf dem Foto als scharf erscheint - je größten dieser Entfernungsbereich ist, umso größer ist die Schärfentiefe.

Konkret: Geringe Schärfentiefe bedeutet, dass das Motiv im Vordergrund scharf, der Hintergrund aber unscharf ist. Große Schärfentiefe bedeutet: Die Partien im Vorder- und Hintergrund erscheinen auf dem Bild scharf. Die Schärfentiefe eines Bildes hängt unter anderem von der Größe der Blendenöffnung ab, aber auch von der Brennweite des Objektivs und dem Bildformat beziehungsweise der Sensorgröße.
Sensorgröße
Die Größe des Fotosensors einer Digitalkamera beeinflusst neben anderen Faktoren die Qualität der Fotos. Angegeben wird die Größe oft in Standardgrößen wie 1/2,3 Zoll oder 1/1,7 Zoll. Diese Größen sind von einem Format für TV-Kameras aus den fünfziger Jahren übernommen, haben keinen direkten Zusammenhang mit der Oberfläche des Sensors.

Einige Beispiele für Sensorgrößen:

- 1/2,3", z.B. Pentax Q: 0,28 cm²
- 1/1,7", z.B. Canon G12, Canon S100: 0,43 cm²
- 2/3", z.B. Fujifilm X10:0,58 cm²
- 1", z.B. Nikon J1, Sony RX100: 1,16 cm²
- 4/3", z.B. Panasonic GF3: 2,25 cm²
- Canon G1X: 2,62 cm²
- Canon APS-C, z.B. 7D: 3,32 cm²
- Nikon DX, z.B. Nikon D90: 3,72 cm²
- Sony APS-C, z.B. Nex-5n: 3,81 cm²
- Kleinbild-Vollformat, z.B. Canon 5D Mark II, Nikon D700, Sony A900: 8,64 cm²
- Mittelformat, z.B. Pentax 645D: 17,28 cm²

Ein Problem bei der Sensorgröße entsteht, wenn auf der gleichen Fläche immer mehr Fotodioden untergebracht werden. Sprich: Eine digitale Kompaktkamera mit derselben Auflösung (gemessen in Megapixel) wie eine Spiegelreflexkamera bringt dieselbe Menge an Fotodioden auf einer kleineren Oberfläche unter. Eine Folge: Auf der kleinen Fläche erreicht weniger Licht jede einzelne der Fotodioden, das Signal muss daher verstärkt werden, was wiederum mehr Störungen, das sogenannte Bildrauschen, mit sich bringt.
Lichtempfindlichkeit / ISO-Wert
Konrad Lischka
Wie lichtempfindlich Filmmaterial ist, wird unter anderem mit den sogenannten ISO-Werten angegeben. Ein Film mit ISO 200 ist doppelt so lichtempfindlich wie ein ISO-100-Film, bei ISO 400 verdoppelt sich die Lichtempfindlichkeit gegenüber ISO 200 und so weiter.

Bei Digitalkameras haben die Hersteller diese Skala übernommen, um die Empfindlichkeit anzugeben. Wenn in einem dämmrigen Umfeld die Verschlusszeit wegen Verwacklungsgefahr nicht stark genug erhöht werden kann und eine allzu große Blendenöffnung wegen des Verlusts an Schärfentiefe nicht erwünscht ist, kann die Empfindlichkeit erhöht werden, um eine ausreichende Belichtung zu gewährleisten. Hebt man die ISO-Stufe um einen Schritt an, kann die Verschlusszeit zum Beispiel um einen Schritt vermindert werden.

Bei Digitalkameras verstärkt die Software das auf dem Sensor eingehende Signal. Dabei verstärkt die auch die Störungen, das sogenannte Bildrauschen nimmt zu.
Megapixel
Der Megapixel-Wert gibt die Auflösung einer Digitalkamera an, also wie viele Bildpunkte der Sensor erfasst. Ein Megapixel entspricht einer Million Bildpunkte. Aus der Pixelmenge resultiert die Rasterung beim Druck der Fotos - je höher die Auflösung, desto größer können die Fotos gedruckt werden, ohne dass die Pixel sichtbar werden.

Laut Kodak genügt für einen Ausdruck in A4-Format (20x30 cm) in guter Qualität eine Auflösung von 1920 x 1280 Pixeln (2,4 Megapixel), für optimale Qualität ist eine Auflösung von 2160 x 1440 Pixeln (3,1 Megapixel) nötig.

Eine digitale Kompaktkamera mit derselben Auflösung wie eine Spiegelreflexkamera bringt dieselbe Menge an Bildpunkten auf einer kleineren Sensoroberfläche unter. Eine Folge: Auf der kleinen Fläche erreicht weniger Licht jeden einzelnen der Bildpunkte, das Signal muss daher verstärkt werden, was wiederum mehr Störungen durch das sogenannte Bildrauschen mit sich bringt.
Bildrauschen
Konrad Lischka
Die Ursache für das Bildrauschen sind physikalische Effekte auf dem Bildsensor und den dort untergebrachten Fotodioden, vor allem den sogenannten Dunkelstrom. Wie stark diese Effekte im Foto sichtbar (siehe Foto mit 1600 ISO) sind, hängt von mehren Faktoren ab:

- Bei gleicher Auflösung rauschen Sensoren mit kleinerer Oberfläche stärker als größere.

- Je stärker die Lichtempfindlichkeit der Kamera eingestellt ist, umso stärker ist das Rauschen, da das vom Sensor eingehende Signal verstärkt wird - einschließlich der Störungen.

- Je wärmer der Sensor ist, umso stärker ist das Bildrauschen.

Digitalkameras nutzen diverse Software-Routinen, um das Bildrauschen schon beim Abspeichern einer Aufnahme herauszurechnen. Die Hersteller nutzen verschiedene Verfahren mit unterschiedlichen Ergebnissen. Manchmal beeinträchtigt die Rauschunterdrückung wiederum die Schärfe eines Bildes sichtbar.

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