Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

CD in der Mikrowelle: Datenlöschen auf die harte Tour

Von

Das ist mal handfester Daten-Selbstschutz: Auf YouTube finden sich Anleitungen zum absolut sicheren Löschen von Datenträgern. Zimperlich sind die Erfinder dieser Methoden nicht - sie bemühen schon mal 150.000 Volt oder eine Drei-Tonnen-Presse.

Datenschutz: So löscht man CDs endgültig Zur Großansicht

Datenschutz: So löscht man CDs endgültig

Aus dem Off erklärt eine Stimme mit heftigem Cockney-Akzent: "Also Jungs und Mädchen, so löscht man eine CD." Und dann geht die Show los: Zu sehen sind zunächst nur eine beschreibbare CD und eine Neun-Volt-Batterie, die offenbar einen Motor antreibt, von dem der CD-Rohling in Drehung versetzt wird. Doch dann zucken Blitze durchs Bild, und die Beschichtung der CD löst sich durch die Stromschläge langsam von außen nach innen auf.

Die Lichtbögen, mit denen hier die CD malträtiert wird, werden aus 150.000 Volt gefüttert. Genug Energie, um die Metallbeschichtung, in der die Daten auf einer CD gespeichert werden, verdampfen zu lassen. Zurück bleibt nur der nackte Kunststoffkern des Datenträgers, der nun ebenso daten- wie nutzlos ist.

Ausgedacht hat sich die rabiate Löschmethode ein Brite, der schon seit einiger Zeit unter dem Pseudonym Photonicinduction auf YouTube Späße mit Starkstrom zelebriert. Wie wenig ernst es ihm mit seinen Experimenten ist, zeigt schon seine Selbstbeschreibung auf YouTube, in der er sich als verrückten Professor und Erfinder beschreibt. Sein Interesse: Musik von zehn bis 500 Hertz, was ein eher tiefbassiges Gebrummel ergeben dürfte.

Seit einem Jahr vergnügt sich der anonyme Bastler mit elektrischen Spielereien. Zunächst war er noch ein Gesichtloser, zeigte sich nie selbst, sondern lieber, wie sein Hochspannungstrafo im Wohnzimmer Blitze erzeugt oder wie man einer kleinen Batterie 20.000 Volt entlockt. Populär aber wurde er erst, als er begann, seine destruktive Ader auszuleben. Den Anfang machte ein Filmchen mit den Titel " Überladener Akku schreit und pfeift", dem das Video " 100 Ampere auf einer saftigen Feder" folgte, in dem schon heftig Funken sprühten.

Waschmaschine im Todeskampf

Seinen ersten echten Publikumserfolg markiert ein Video, in dem er eine Waschmaschine im Schleudergang gezielt überlastet, so dass sie sich schließlich im Todeskampf durch seine Blumenrabatten wälzt. In diesem Clip ist der anonyme Experimentator auch zum ersten Mal ansatzweise zu sehen, als er einen Ziegelstein in die rotierende Waschtrommel wirft. Knapp 2,5 Millionen Mal wurde die Zerstörungsorgie bis Mitte April angeschaut. Kaputtmachen scheint im Trend zu liegen.

Erst zwei Monate später, als er seinen eigenen YouTube-Channel einrichtet, filmt sich der Hobby-Zerstörer selbst, bedankt sich bei den Abonnenten seiner Videos, prostet ihnen mit einer Flasche Bier zu und bringt zur Feier des Tages eine Wärmflasche mit seinem Kompressor zum Platzen. Von da an ist er selbst immer öfter zu sehen. Sein neuestes Video ist schon jetzt ein Hit.

Löschen mit Küchengeräten

Binnen zwei Tagen wollten 300.000 YouTube-Nutzer sehen, wie man CDs denn nun mit Hochspannung löschen kann. Und - fast selbstverständlich - hat er mit seinem Vorschlag eine Diskussion darüber angestoßen, wie man CDs denn nun wirklich am besten löschen sollte. Anleitungen dafür gibt es im Netz zuhauf. Am bekanntesten dürfte die Methode sein, bei der man die CDs für einige Sekunden in einen Mikrowellenofen legt, sich an dem Lichtspiel erfreut, das die dabei entstehenden Entladungen hervorrufen, und danach vollkommen unbrauchbare, bröselige CDs als Resultat bekommt.

Aber es gab auch schon etliche andere Nutzer, die sich daran versuchten, den Daten mit Strom den Garaus zu machen. Nur gingen die meist nicht ganz so forsch und videogen zu Werke wie jener zerstörungswütige Brite. Der Versuch, die CD-Oberfläche mit 15.000 Volt zu braten, die ein Transformator für Neonröhren hergibt, braucht wesentlich länger, britzelt aber auch ganz schön.

Bei so viel Strom und Spannung wundert es kaum, dass es auch reichlich Kritiker gibt, die darauf hinweisen, dass sich eine CD doch eigentlich auch ganz einfach mechanisch unbrauchbar machen lässt, indem man sie zerbricht. Den Einwand kann man gelten lassen, aber wo würde denn da der Spaß bleiben, wenn es nicht auch jemand gäbe, der sich auch für die mechanische Zerstörung einer CD etwas ausgedacht hat, das über simple Gewalt hinausgeht - und ein wenig Elektronik bedingt. Etwa so, wie es The Cat Guy, der eigentlich nur Katzenvideos bei YouTube veröffentlicht, mit seiner Anleitung "How to really erase a CD" vormacht.

Lochen oder Shreddern?

Bleibt die Frage, was man mit Festplatten machen sollte, die man ausmustern will. Einfach formatieren ist nicht wirklich sicher, weil dabei nur das Inhaltsverzeichnis der Platte, nicht aber deren Inhalt gelöscht wird. Zwar bietet etwa Apples Festplatten-Dienstprogramm die Option, die Datenspuren mehrmals mit Nullen zu überschreiben, doch das ist enorm zeitaufwendig und kann bei großen Speicherkapazitäten etliche Stunden dauern. Schneller kommt man zum Ziel, wenn man die Methode nutzt, welche die " PC Professionell" vorschlägt: Man nehme einfach einen Ideal 101 HDP Festplattenlocher. Der kann einen Druck von 2,5 bis 3 Tonnen erzeugen und durchbohrt ausgemusterte Datenträger mit einem fingerdicken Stahl-Dorn. Verkauf bei Ebay unmöglich, Auslesen verbliebener Datenreste nur mit erheblichem Aufwand.

Und wem das noch nicht sicher genug ist, bietet das schwedische Unternehmen Daprex eine noch endgültigere Lösung an: den Festplatten-Schredder. Der lässt von den eingeworfenen Magnetspeichern nur noch kleine Metallsplitter übrig. Und wer weiß, vielleicht kann man sich die ja auch zu kleinen Würfeln pressen lassen, wie man sie von Autoschrottplätzen her kennt.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Cutter-Messer
weltbetrachter 20.04.2011
Mit einem Cutter-Messer habe ich eine CD einfach mehrfach eingeritzt. Beim Einlegen in den PC bekam ich außer "gemecker" nichts. . Scheint somit als Löschmethode zu funktionieren.
2. Das ist der Hammer!
triple-x 20.04.2011
Festplatten: Gehäuse öffnen, Lautsprechermagnet drüber und mit zwei, drei Hammerschlägen nachsetzen. Das war's CD/DVD: ab in den Aktenschredder (in der Klasse etwas oberhalb der Ramschqualität gibt's extra CD-Einwürfe), der zerteilt die Scheiben in kleine Schnipsel. Mit beiden Methoden dürfte wohl ausreichend Datensicherheit gegeben sein :-) Man kann's halt nicht mehr auf Ebay verticken.
3. Es gibt auch verschiedene Methoden,...
Holledauer, 20.04.2011
... eine Glasflasche zu zerstören: Man kann sie in ein Bad mit flüssigem Eisen werfen oder ganz einfach mit einem Hammer draufhauen. Ich zerstöre meine CDs und DVDs mit einer handelsüblichen und zudem wohlfeilen Schere. Und oh Wunder: Die Scherben kann tatsächlich kein Laufwerk der Welt lesen.
4. CD verwerten - nicht im Hausmüll
weltbetrachter 20.04.2011
Die Reste aber bitte nicht in den Hausmüll. Man kann die CD an verschiedenen Stellen abgeben. Es wird dann dafür gesorgt, das die wertvollen Bestandteile getrennt und wieder verwertet werden.
5. Destruktiv....
Jonny_C 20.04.2011
...aber egal. CDs/DVDs kommen in den Aktenshredder. HDs werden mit FF überschrieben, dann aufgeschraubt, ich bastel gern, dann halte ich eine Lötlampe dran bis es schön knusprig wird.... ;-) Die kleinen Motörchen und Magnete sowie die eigentlichen Platten und Gehäuse können dann kreativ verbastelt werden.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: