Cebit Bitkom fordert schnellere Digitalisierung

Vor dem Start der Cebit bedrängt der Hightech-Verband Bitkom die deutsche Wirtschaft. Die Unternehmen müssten die Digitalisierung schneller vorantreiben.

Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer der Bitkom
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Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer der Bitkom


Der Hightech-Verband Bitkom beklagt mangelnde Anstrengungen der deutschen Unternehmen für die Digitalisierung. Zwar hätten die meisten Manager erkannt, "dass sie digitalisieren müssen", doch wüssten nur die wenigsten, wie das gehe, sagte Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder am Sonntag in Hannover vor Beginn der Computermesse Cebit. Zugleich warnte er, dass es an Fachkräften mit der nötigen IT-Kompetenz fehle.

Als Beispiel für mangelnde Digitalisierung führte Rohleder eine Umfrage im Auftrag von Bitkom an, derzufolge noch 79 Prozent der Firmen häufig oder sehr häufig per Fax kommunizieren.

Anwendungen für Online- oder Videokonferenzen verwenden demnach nur 40 Prozent häufig oder sehr häufig. Befragt wurden gut 1100 Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern.

Ein Problem ist nach Rohleders Darstellung der Mangel an Angestellten, die sich mit Fragen der Digitalisierung gut auskennen. Lediglich gut die Hälfte (58 Prozent) der befragten Firmen gaben an, dass sie über die nötigen Mitarbeiter verfügen, um die Digitalisierung voranzutreiben.

Schlüsselrolle Bildungssektor

Die notwendige Technikkompetenz für solche Fragen sicherzustellen, sei "mit das dickste Brett, dass wir in Zukunft zu bohren haben", zeigte sich Rohleder überzeugt. Hier spiele der Bildungssektor eine Schlüsselrolle. Die förderale Organisation von Schul- und Hochschulbildung in Deutschland sei aber in diesem Zusammenhang "schwierig". Bitkom fordere deswegen eine Abschaffung des sogenannten Kooprationsverbots, damit der Bund anders als heute auch Schulen gezielt fördern kann.

An der weiteren Digitalisierung der Wirtschaft führt nach Auffassung des Verbands kein Weg vorbei. Beispielsweise müssten Industriebetriebe ihre Produktionsanlagen vernetzen, sagte Rohleder. Ein Unternehmen, das dies nicht tue, werde "seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren".

Als wichtigen Aspekt der Digitalisierung hob Rohleder auch die IT-Sicherheit hervor. Hier gebe es ebenfalls noch viel zu tun. "Sehr viele" Unternehmen verfügten noch nicht einmal über entsprechende Notfallpläne, etwa für einen möglichen Systemausfall. "Einen IT-Notfallplan aufzustellen, kostet so gut wie gar nichts, und nicht mal das wird gemacht", kritisierte Rohleder.

Schäden durch Cyberkriminalität

Auf der Cebit sind Fragen der IT-Sicherheit ein zentrales Thema, wie Messe-Chef Oliver Frese sagte. Mehr als 500 der rund 3300 Aussteller würden dazu Lösungsansätze präsentieren.

Die Schäden für die deutsche Wirtschaft durch Cyberkriminalität seien enorm, mahnte Rohleder. Laut einer Bitkom-Schätzung aus dem vergangenen Jahr sei von etwa 51 Milliarden Euro im Jahr auszugehen - und das sei noch konservativ gerechnet.

Die Cebit öffnet am Montag ihre Tore für Besucher. Die Digitalisierung der Wirtschaft steht im Mittelpunkt der Messe, die bis einschließlich Freitag läuft. Partnerland ist in diesem Jahr die Schweiz.

AFP

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