Cebit-Eröffnung: Kanzlerin trifft künstliche Intelligenz
Watson ist auch da: Bei ihrem Besuch zum Auftakt der Computermesse Cebit in Hannover hat Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht nur den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan getroffen - sondern auch einen cleveren Großrechner, der Menschen in Quizshows schlagen kann.
Hannover - Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU) muss in diesen Tagen vom Internet beeindruckt sein, ob sie will oder nicht. Bei ihrer Rede zur Eröffnung der weltgrößten IT-Messe Cebit sagte sie am Montagabend: "Wir haben in diesen ersten Tagen des Jahres 2011 erlebt, wie Informations- und Kommunikationstechnologien gesellschaftlichen Wandel, gesellschaftliche Veränderungen fördern." Damit meinte sie nicht die digital organisierte Jagd auf Abgeschriebenes in der Doktorarbeit ihres Verteidigungsministers Karl Theodor zu Guttenberg( CSU), sondern "den Umbruch in vielen arabischen Ländern" wie Tunesien und Ägypten.
Im Beisein des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan hat Merkel die Cebit am Montagabend offiziell eröffnet - in einem historischen Umfeld, das tatsächlich die gesellschaftliche Relevanz digitaler Technologien deutlicher erlebbar macht als je zuvor, im In- wie im Ausland. Rechner schlagen Menschen in Quizshows, junge Menschen organisieren Revolutionen mit Hilfe des Netzes, die Internetplattform WikiLeaks wirbelt mit radikaler Veröffentlichungspraxis Diplomatie und US-Außenpolitik durcheinander - und auch die deutsche Politik sieht sich einer neuen Öffentlichkeit gegenüber, die sich mit den alten Aussitz-Mechanismen für politische Skandale nicht mehr zufrieden geben will.
Liberale Haltung zum Urheberrecht
Merkels Union hat zu Informations- und Kommunikationstechnologie traditionell ein durchaus gespaltenes Verhältnis. Da werden echte oder vermeintlich Bedrohungen oft intensiver politisch beackert als die enormen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Chancen, die im rasanten technologischen Wandel stecken. Bürgerbeteiligung übers Netz sehen Unions-Politiker skeptisch, das Internet als Ganzes betrachten viele von Ihnen als eine Gefahrenquelle, die reglementiert, überwacht und kontrolliert werden muss. Gerade in diesen Tagen tobt innerhalb der Unionsfraktion wieder eine heftige Debatte darüber, ob man nun eine Infrastruktur braucht, mit der sich vor Websites mit Kinderpornografie digitale Stoppschilder aufstellen lassen oder nicht. Und manchem in der Union wäre es zweifellos lieber gewesen, wenn die sogenannte Netzgemeinde irgendwann wieder aufhgehört hätte, den Verteidigungsminister wegen seiner liberalen Haltung zum Urheberrecht vor sich herzutreiben - bis zu seinem Rücktritt.
Zu ein paar Terminen im Jahr aber hat sich noch jeder Bundeskanzler der vergangenen Jahrzehnte zum Herold der verändernden Kraft der Technik aufgeschwungen. Die Eröffnung der Cebit gehört seit jeher dazu. Wenigstens dort muss einmal im Jahr der Technologiestandort Deutschland beschworen werden - auch wenn das, wie in diesem Jahr, wieder mit viel internationaler Hilfe geschieht. Stargast bei der Eröffnung war ein Amerikaner: Der Hochleistungscomputer Watson, der vor einigen Wochen zwei Quiz-Champions in der TV-Show "Jeopardy" schlug.
Am Dienstagmorgen brach Merkel zum traditionellen Kanzlerrundgang über das Messegelände auf. Merkel wollte unter anderem die Stände der Telekom, von Vodafone und von IBM besuchen. Erdogan sagte seine Teilnahme an dem Rundgang jedoch ab, um in der Türkei an der Beisetzung des früheren türkischen Ministerpräsidenten Necmettin Erbakan teilzunehmen. Er wurde beim Rundgang von seinem Wirtschaftsminister vertreten.
Zur weltgrößten Ausstellung der Informations- und Telekommunikationsbranche haben sich erstmals seit zehn Jahren wieder mehr Aussteller als im Vorjahr angemeldet. Bis einschließlich Samstag präsentieren sich mehr als 4200 Unternehmen aus über 70 Ländern. Nach Angaben der Veranstalter sind 20 Messehallen und damit zwei mehr als im Vorjahr belegt. Im vergangenen Jahr hatte die Cebit 4157 Aussteller - die geringste Zahl in 20 Jahren. Auch die Besucherzahl ging von 400.000 im Jahr 2009 auf 334.000 zurück.
cis/dapd
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