Besucherschwund: Warum die Cebit seit Jahren schrumpft

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Die Cebit ist im Jahr 2013 erneut geschrumpft - zumindest, was den Zuspruch des Publikums angeht. Die Cebit hat ihren Status als Leitmesse für alles Digitale verloren. Die Veranstalter aber feiern die Messe dennoch als Erfolg.

Cebit-Ausgang, Besucher auf dem Heimweg: Weniger Besucher, bessere Geschäfte? Zur Großansicht
DPA

Cebit-Ausgang, Besucher auf dem Heimweg: Weniger Besucher, bessere Geschäfte?

Hannover/Hamburg - Es gehört zu den Ritualen des internationalen Messebetriebs, dass am Ende immer alles phantastisch gelaufen ist, egal, was tatsächlich los war. Die Cebit ist da keine Ausnahme, im Gegenteil: Die Veranstalter der einst legendären Computermesse in Hannover haben seit Jahren Routine darin, schrumpfende Besucherzahlen in Zeichen ihres Erfolges umzudeuten. Dieses Jahr hat man sich auf die Formulierung "Klasse statt Masse" geeinigt. So sagte es etwa der Präsident des Branchenverbands Bitkom, Dieter Kempf. Zwar seien neun Prozent weniger Besucher nach Hannover gekommen als noch 2012, dennoch aber sei "die Bilanz, die wir jetzt schon ziehen können, sehr positiv", so der der Cebit-Vorstand der Deutsche Messe AG, Frank Pörschmann. Bitkom-Präsident Kempf sieht "starke Wachstumsimpulse für unsere Branche" aus Hannover.

Dieses Wachstum kann höchstens in den auf der Messe erzielten Abschlüssen liegen, über die aber wurde vorerst nichts mitgeteilt. Die Besucherzahl jedenfalls schmolz weiter, nach 312.000 Gästen 2012 auf vermutlich 285.000 Besucher im Jahr 2013, so Pörschmann. 2011 waren es noch 339.000. Das ist ein Minus von fast 54.000 Besuchern in zwei Jahren.

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Kurioses und Neues: Die Highlights der Cebit 2013
Kempf und Pörschmann verorten die Konkurrenz anderswo, als man das vermuten könnte: Nicht etwa Veranstaltungen wie der Mobile World Congress in Barcelona oder die dauerhaft starke Consumer Electronics Show in Las Vegas wurden als Wettbewerber ausgemacht - sondern das Netz. Vor dem aber habe man keine Angst. "Dass immer mehr Geschäfte im Internet abgeschlossen werden, macht uns keine Sorgen. Keiner würde ein großes Softwaregeschäft online abschließen", sagte Kempf. Die Cebit habe deshalb begonnen, ihr Profil als Schnittstelle zwischen IT-Welt und den klassischen Industrien wie Autobau, Energie oder Gesundheitswesen zu schärfen.

Womöglich ist das tatsächlich die sinnvollste Option für Hannover: Deutschland ist derzeit digital zwar abgehängt, wenn es ums Endkundengeschäft geht, weder im Bereich Web-Business noch im Bereich Elektronik für Verbraucher haben deutsche Unternehmen etwas zu melden. Doch in anderen Industrien wird selbstverständlich digital geforscht, gearbeitet und entwickelt, durchaus auf international konkurrenzfähigem Niveau.

Auf den Feldern, die ein breites Publikum interessieren, kann die Cebit, die einmal die Messe für wirklich alles Digitale war, längst nicht mehr konkurrieren: Für Handys, Tablets und mobile Anwendungen ist der Mobile World Congress die erste Adresse, für Gadgets und die Zukunft der digitalen Unterhaltung die CES, und wer sich für Start-ups und neue Geschäftsideen interessiert, reist eher zur SXSWi, die gerade in Austin, Texas begonnen hat oder zu einer der zahlreichen anderen, kleineren Tech-Konferenzen rund um den Globus. Das Verhältnis der Anzugträgermesse Cebit zur hemdsärmeligen Start-up-Kultur passt gut zu dem von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die am Donnerstag demonstrativ einige junge Netzunternehmen besucht hatte: Man fremdelt.

Zwar präsentierten sich auch auf der Cebit 2013 einige Start-ups, von denen manche sich durchaus über Publikum und Kontakte zu potentiellen Investoren freuen konnten. Und natürlich gab es auch für Gadgetfreunde etwas zu sehen in Hannover, vom 3-D-Drucker bis hin zu einer nahezu unüberschaubaren Flut von Tablets und Smartphones. Doch echte Neuheiten aus diesen Bereichen fand man in Hannover kaum.

Pörschmann verwies denn auch lieber darauf, dass "die Entscheiderdichte" auf der Messe zugenommen habe. Die Rückmeldungen der Aussteller seien "durchgehend positiv". Es gebe mehr Fachgespräche als vorher und es gehe häufiger um konkrete Investitionsvorhaben. Besucherzahlen seien im Vergleich dazu weniger wichtig. "Aufgabe der Cebit ist es in erster Linie, die Interessen der Aussteller zu unterstützen. Das funktioniert gut."

Die Zeiten aber, zu denen die Cebit ein Magnet für alle war, die sich für den digitalen Fortschritt im Allgemeinen interessieren, sind vermutlich auf Dauer vorbei.

Mit Material von dpa

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insgesamt 52 Beiträge
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1. Die CeBIT ist völlig überflüssig...
zephyroz 09.03.2013
... geworden. Das einzig interessante wäre, wenn ich meinen Job wechseln will, das dann als Podium zu benutzen. Alle Neuheiten sind im Internet oder in der c't zu lesen.
2. Zurückgefallen
Liberalitärer 09.03.2013
Zitat von sysopDPADie Cebit ist im Jahr 2013 erneut geschrumpft - zumindest, was den Zuspruch des Publikums angeht. Die Cebit hat ihren Status als Leitmesse für alles Digitale verloren. Die Veranstalter aber feiern die Messe dennoch als Erfolg. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/cebit-verliert-neun-prozent-besucher-a-887856.html
Früher war ich oft da, aber der Artikel verortet die Ursache richtig. Deutschland und Europa haben im Bereich Consumer Electronics nicht viel zu bieten. Die Trends kommen aus anderen Volkswirtschaften. Zurück zur Hannover Messe Industrie lautet das Motto. Oder man macht eine reine Kosumentenmesse für den EU Absatzmarkt. Das ginge vielleicht, aber dann bitte ohne Eintritt.
3. Bei Deutschlands Web-Angst wen wundert's
nadworks 09.03.2013
Ich lebe im Ausland, bin aber nach wie vor über die Medien sehr verbunden mit meinem Heimatland. Wenn ich Nachrichten höre, TV Programme (zB. ARD Ratgeber Internet) sehe oder die Tagespresse lese, stößt es mir regelmäßig übel auf, wenn ich mit der übertriebenen Internet Sicherheits Panikmache konfrontiert werde. Die einzigen Themen, die dort besprochen werden, sind "Wie kann ich mich "davor" schützen?" - Was ist das sicherste Passwort, welche Apps und Plugins sind schon wieder gefährlich, Internetbetrüger, Hacker, vorsicht Viren. Sicherheitslücken im Browser und Betriebssystem. Und dann Google. Die sind sowieso das schlimmste und gemeinste: Google Street View gehört verboten und wenn mir jemand meine Website in Suchergebnissen anzeigt ohne zu bezahlen, dann hole ich sowieso sofort die Polizei. Im online Konsum liegt Deutschland europaweit hinten, weil alle Menschen natürlich bei der Verwendung von Kreditkarten sofort eine komplette Kontoleerräumung erwarten. Klar, denn das Internet ist ja eigentlich nur eine Ansammlung von Gangstern. Am besten nicht mehr vor die Tür gehen, keine Geräte mehr einschalten und auf jeden Fall NICHT das Internet benutzen. Ist einfach zu gefährlich. Wen wundert's dass es Innovationen schwer haben in Deutschland wenn sich Neues immer erst mal durch die Betonwand der Negativ-Skeptiker, Ewig-Warner und Dauer-Abrater kämpfen muss.
4.
barlog 09.03.2013
Vermutlich sollte die Formulierung im dritten Satz "Klasse statt Masse" lauten ?
5.
tpro 09.03.2013
Zitat von sysopDPADie Cebit ist im Jahr 2013 erneut geschrumpft - zumindest, was den Zuspruch des Publikums angeht. Die Cebit hat ihren Status als Leitmesse für alles Digitale verloren. Die Veranstalter aber feiern die Messe dennoch als Erfolg. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/cebit-verliert-neun-prozent-besucher-a-887856.html
Vielleicht liegt es auch an den hohen Eintrittspreisen? 40,-€ für eine Tageskarte sind kein Pappenstiel. Und nicht jeder kann den Eintrittspreis steuerlich geltend machen.
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