Fitness-Tracker im Test Tausend Schritte sollst du gehen

Tun Sie genug für Ihre Fitness? Eines der Top-Themen auf der Hightech-Messe CES in Las Vegas sind Messgeräte, die man am Körper trägt. Wir haben vier Geräte ausprobiert und festgestellt: Die Körpermesser können sich leider nicht einigen.

SPIEGEL ONLINE

Aus Las Vegas berichtet


Die CES 2014 ist die Messe der Fitness-Tracker. Die kleinen Geräte beobachten ihren Träger tagein, tagaus, mahnen zu mehr Aktivität oder mehr Schlaf. Den neuen Modellen ist gemein, dass man ihre Messdaten drahtlos per Smartphone-App auslesen und auswerten kann. Außerdem gibt es zu fast allen Trackern Webportale, auf denen man seine Messwerte mit denen anderer Nutzer vergleichen, sich gegenseitig motivieren, Ziele setzen oder digitale Schnitzeljagden veranstalten kann. Vier solcher Geräte haben wir im Messealltag in Las Vegas eine Woche lang getestet.

Fitbug Orb

Der Orb ist der neueste der getesteten Fitness-Tracker, wurde gerade erst auf der CES vorgestellt. Mit einem Preis von 50 Dollar ist er auch der billigste, und das sieht man ihm an. Er steckt in einem einfachen Plastikgehäuse, wird mit einem klobigen Gummiarmband und einer Gürtelhalterung geliefert. Das einzige Bedienelement ist ein Knopf, Zustandsmeldungen gibt der Orb über eine blinkende LED wieder. Die Stromversorgung erfolgt über einen Knopfbatterie, die laut Hersteller fünf bis sechs Monate halten soll.

Die App zum Verwalten der Messergebnisse gibt es für iOS und Android. Letztere ist aber nur mit wenigen Geräten von Samsung, Motorola, Google und HTC kompatibel. Zur direkten Datenübertragung an einen PC kann man einen USB-Dongle kaufen.

Preis: 50 Dollar
App für: iOS, Android, (PC per USB-Dongle für 15 Dollar)


Withings Pulse

Der Pulse ist gut doppelt so teuer wie der Orb, sieht mit seinem matten Plastikgehäuse auch besser aus und hat mehr Funktionen. So befindet sich auf der Vorderseite ein Display, dessen blau leuchtende Ziffern und Buchstaben neben der Uhrzeit auch Messwerte und den Ladezustand des Akkus anzeigen. Außerdem kann man per Touch-Befehl beispielsweise den integrierten Pulsmesser starten, der auf der Rückseite eingebaut ist und einzelne Pulsmessungen durchführen kann. Die Funktion eines Pulsgurtes übernimmt er nicht.

Der integrierte Akku wird über ein USB-Kabel aufgeladen. Er liefert nach unserer Erfahrung für fünf bis sieben Tage Strom. Die Withings-App dient als Sammelstelle für alle von dem Hersteller angebotenen Fitnessgeräte, zu denen auch eine elektronische Waage zählt, die ihre Messwerte via W-Lan an die Withings-Webseite schickt. Das muss man mögen.

Preis: 100 Euro
App für: iOS, Android


Misfit Shine

Der Shine ist der Fitness-Tracker mit dem besten Design. Das Gehäuse ist aus Aluminium, soll laut Hersteller bei bis zu 100 Meter Tiefe wasserdicht sein. In die Rückseite ist ein Magnet eingebaut, der in Kombination mit einem Magnetclip zum Befestigen beispielsweise an den Schürsenkeln von Sportschuhen oder am T-Shirt-Kragen genutzt werden kann. In das Gehäuse ist ein Ring winziger LEDs eingelassen, die anzeigen, welchen Prozentanteil seines Tagesziels man schon erreicht hat. Außerdem dienen sie dazu, auf originelle Weise die Uhrzeit darzustellen. In Kombination mit dem mitgelieferten Armband oder einem optional erhältlichen Lederarmband lässt sich der Shine auch als Armbanduhr und mit dem Magnetclip als Brosche tragen. Die Laufzeit der Knopfbatterie gibt der Hersteller mit vier Monaten an.

Preis: 120 Euro
App für: iOS, Android

Fitness-Gadgets im Videospezial


Nike+ Fuelband SE

Das Fuelband SE ist eine Kombination aus Fitness-Tracker und Armbanduhr. Anders als das ähnlich gebaute Jawbone Up ist es starr. Ein Knopf auf der Oberseite dient als Bedienelement. Je nachdem wie oft man darauf drückt, werden auf dem integrierten Display verschiedene Messwerte oder die Uhrzeit angezeigt. Über die zugehörige App kann man die Ausrichtung der Anzeige einstellen.

Die Stromversorgung erfolgt über einen Akku, der per USB geladen wird. Ein Kabel braucht man dafür nicht, man öffnet einfach das Armband und stöpselt den integrierten Stecker ein. Im Test kamen wir mit einer Ladung mühelos über eine Woche.

Preis: 140 Euro
App für: iOS, Mac, PC


Die Ergebnisse

Alle vier Tracker haben wir mehrere Tage lang durchgehend getragen. Als Referenztag legten wir den 8. Januar fest und verglichen die Ergebnisse. Dass sich dabei Unterschiede zeigen würden, hatten wir erwartet, dass sie so drastisch ausfallen würden, nicht:

Fitbug Orb: 12.123 Schritte, acht Kilometer, 3033 Kalorien

Withings Pulse: 13.194 Schritte, 11,25 Kilometer, 2653 Kalorien

Misfit Shine: 14.202 Schritte, 9,3 Kilometer, 2905 Kalorien

Nike+ Fuelband SE: 11.452 Schritte, keine Kilometerangabe, 913 Kalorien

Acht oder elf Kilometer, 900 oder 3000 Kalorien - das sind ganz ordentliche Differenzen. Zu 100 Prozent sollte man sich auf die Messungen der kleinen Geräte augenscheinlich nicht verlassen. Die von ihnen gesammelten Angaben sind Schätzungen, die einen Einblick geben, wie viel man sich am jeweiligen Tag ungefähr bewegt hat. Aber viel mehr ist vielleicht auch gar nicht nötig.

In Kombination mit den Zielvorgaben, die man sich selbst setzt, geben sie einen guten Überblick und können motivieren, tagsüber vielleicht doch öfter die Treppe statt des Fahrstuhls zu nehmen oder abends zu Fuß statt mit dem Bus von der U-Bahn nach Hause zu kommen.

Wenn das klappt, hat man sein Ziel erreicht, die vielen bunten Statistiken, die man aus den Messwerten errechnen kann, sind dann nur noch buntes Beiwerk.



insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
Frequent Traveller 10.01.2014
1. schon doof
wenn man meint, sowas als Statussynmbol(?) ueberhaupt brauchen zu muessen und dann die Fettringe nicht weg bekommt. Jetzt kann man es darauf schieben, dass die Dinger falsch messen.
Holperik 10.01.2014
2. Oha
Auf die paar Kilometer 2500-3000 kcal? 200-250 wär da wohl passender. Aber es gibt ja Leute, die glauben solche Werte.
MoorGraf 10.01.2014
3. ich find die klasse
na klar ist es albern, wenn ich so tue, als ob ich mein FitBit BRAUCHE, um zu wissen, dass ich mich mehr bewegen soll. Aber Fakt ist: wenn ich auf dem Gerät sehe, dass ich "erst" bei 7.000 Schritten bin, nehm ich meinen Hund und geh nochmal um die Häuser. Und seit ich sehe, wieviele Stockwerke ich laufe, nehme ich tatsächlich seltener den Aufzug. Ich hab so ein Ding seit 8 Woche, hab knapp 5 Kilo abgenommen und mir ist es egal, ob mich andere für eine willensschwachen Dummkopf halten: bei mir hat es bis jetzt funktioniert und ich hab die 100€ sehr gerne ausgegeben! Die Genauigkeit: ja klar ist das nicht vergleichbar mit einem GPS gestützten Wegzähler, aber darum geht´s ja auch gar nicht. Und ob das 8 oder 11km sind, spielt gar keine Rolle, hauptsache dass die Vergleiche zwischen den Tagen halbwegs stimmen und bei mir persönlich stimmen die sehr gut!
Soordhin 10.01.2014
4. optional
Ich hab mir letztes Jahr im Frühjahr einen Fitbit zugelegt. Als Statussymbol sehe ich das Ding keineswegs, aber die Motivationswirkung ist ohne Zweifel da. Hab seitdem über 20 kg abgenommen, meine kompletten Blutwerte in den Normalbereich gebracht und konnte drei viertel meiner Blutdruckmittel absetzen. Ganz abgesehen davon dass ich nicht mehr Diabetes habe. Klar, das geht auch ohne, aber so ein kleines externes schlechtes Gewissen hilft durchaus. Was die Weglänge angeht sollte man aber schon hin und wieder die durchschnittliche Schrittlänge anpassen, einfach mal den nächsten längeren Spaziergang mit dem Smartphone aufzeichnen und das mit der Schrittanzahl verrechnen. Dann ist auch die Streckenangabe des Fitbit deutlich zuverlässiger. Aber es sollte einem natürlich klar sein dass es immer nur eine berechnete Strecke, keine gemessene ist, das geht besser mit einer GPS-Uhr oder halt dem Smartphone das die meisten eh mit sich rumschleppen.
kreativsinn 11.01.2014
5. besser und billiger ist es...
... das gleich nur mit einer App zu machen. Ich verwende auf Android "WalkTheDog". Das funktioniert bestens und kostet nichts.
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