Training mit Runtastic und Oculus Rift Virtueller Sport, echter Schweiß

Brille auf - und dann den Kommandos der Sportlerin folgen: Runtastic zeigt auf der Elektronikmesse CES, wie ein Training mit der Virtual-Reality-Brille aussehen könnte. Wir haben den Workout ausprobiert.

SPIEGEL ONLINE

Aus Las Vegas berichten und (Video)


Binnen weniger Jahre hat sich das Start-up Runtastic zu einer festen Größe im Fitness-Segment entwickelt. Die Apps der Firma haben ein Millionenpublikum erreicht. Nebenbei hat das Unternehmen eigene Hardware entwickelt, wie den Fitness-Tracker Orbit. Auf der CES in Las Vegas zeigen die Österreicher ein neues Projekt, das reales Training und virtuelle Realität verbinden soll.

Die Runtastic-Programmierer haben die bekannte Virtual-Reality-Brille Oculus Rift mit einer Kamera kombiniert, die die Bewegungen des Anwenders registriert.

Als ich die Brille aufsetze, sehe ich zunächst ein virtuelles Weltall, in dem einige Icons schweben, die verschiedene Trainingsräume symbolisieren. Eine grüne Wiese ist dabei, die Terrasse eines Hauses am See und ein Kaminzimmer. Indem ich einen der Räume fixiere, wähle ich ihn aus. Das ist die derzeit bei Oculus übliche Art, Menüs zu bedienen.

Ganz tief in die Knie gehen

Ich wähle das Kaminzimmer, das Sekunden später vor meinen Augen erscheint. Vor mir meine Trainerin, die mir vormacht, welche Übungen ich ausführen soll. Eine kleine Grafik am rechten Rand meines Blickfelds zeigt an, ob ich mich richtig bewege, ob ich etwa tief genug in die Knie gehe.

Wirklich frei bin ich dabei nicht. Die klobige Datenbrille zwingt mich dazu, meine Bewegungen so anzupassen, dass das schwere Gerät mir nicht vom Kopf rutscht. Versuche ich, mich etwas zu enthusiastisch zu drehen, erinnert mich der kräftige Zug des Verbindungskabels zum Computer daran, dass ich mich mitten in einer lauten Messehalle voller Zuschauer befinde.

Seekrank beim Probetraining

Auch die grafische Qualität ist alles andere als beeindruckend. Alles wirkt wie in einem älteren Computerspiel, obwohl es längst realistischere Darstellungsmöglichkeiten gibt. Schwerer wiegt noch, dass mir bei den Übungen schwummerig wird. Das liegt weder am ausgefallenen Frühstück, noch an der Intensität des Trainings.

Vielmehr ist die geringe Bildwiederholrate schuld, mit der die virtuelle Trainingswelt vor meinen Augen flimmert. Die Rate hat zur Folge, dass es eine leichte Verzögerung zwischen meinen Bewegungen und den entsprechenden Änderungen in der Anzeige gibt. Das Gehirn kann dadurch reale Bewegungen und virtuelles Bild nicht miteinander synchronisieren, was ähnliche Folgen hat wie Seekrankheit.

Runtastic-Mitgründer Florian Gschwandtner erklärt mir, dieses Problem lasse sich damit erklären, dass die Software noch ein reines Entwicklungsprojekt sei und keineswegs optimiert. Schließlich sei man ja noch weit davon entfernt, aus dem Projekt ein kommerzielles Produkt zu machen. Erst 2016 soll es soweit sein.

Schlechtwettertechnik

Potenzielle Nutzer für die Fitnesstechnik sieht Runtastic beispielsweise in Asien, wo die Wohnungen in Ballungsgebieten oft klein, Outdoor-Sportmöglichkeiten selten sind. Aber auch in Europa und den USA könnte man ein solches virtuelles Training gebrauchen, beispielsweise wenn das Wetter schlecht ist, so wie dieser Tage in Deutschland.

Noch ist das System, wie Runtastic es in Las Vegas zeigt, nicht viel mehr als eine Absichtserklärung, irgendwann einmal etwas in dieser Art kommerziell anzubieten. Bis dahin ist allerdings noch reichlich Arbeit zu erledigen, nicht nur bei Runtastic.

Zuallererst müsste Oculus seine VR-Brille serienreif machen und zu einem bezahlbaren Preis auf den Markt bringen. Noch besser wäre es freilich, wenn Oculus, oder ein anderes Unternehmen, eine mindestens ebenso gute Brille entwickeln würde, die kleiner und leichter ist und vor allem drahtlos arbeitet. Bis es soweit ist, dürften freilich noch ein paar Jahre ins Land ziehen. Bis dahin muss weiter normal Sport gemacht werden.

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insgesamt 1 Beitrag
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tharian 10.01.2015
1. runtastic hat auch mich
zum Sport bewegt! Als eingefleischter Computernerd hab ich früher nur mit Mühen den Weg vom Bett bis zum Rechner geschafft. Heute jogge ich - meißt draußen, mache Situps, Liegestütze, Kniebeugen und forme mein Sixpack... oder das was mal eins werden soll. Ich freu auf virtuelle TrainerInnen die anschnautzen, weil ich die letzte Einheit vergessen hab... :-)
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