Start-ups auf der CES Wenn's wächst und wächst - vollautomatisch

Ein computergesteuerter Luxus-Kräutergarten und ein USB-Stick, der nie wieder voll ist: Auf der Hightech-Messe CES zeigen nicht nur die Großen, was sie können. Hier sind drei spannende Projekte kleiner Firmen.

SPIEGEL ONLINE

Aus Las Vegas berichtet


Der unendlich große USB-Stick

Was bekommt man, wenn man die Idee des Kommunen-Lebens in die heutige Zeit überträgt? Das französische Start-up Seed-Up macht mit seinem Hackerhaus einen Vorschlag - und liefert gleich das passende Gadget mit.

In einem Haus in Paris arbeiten die Bewohner an eigenen Projekten oder Aufträgen aus der Industrie. Nach Feierabend wird gemeinsam gekocht, gemeinsam gefeiert, schließlich wohnt man auch zusammen in dem Haus. Seed Up präsentiert auf der Hightech-Messe CES in Las Vegas zudem einen unscheinbar wirkenden USB-Stick. Sie haben ihn nach dem Intel-Gründer Gordon Moore benannt und bezeichnen ihn selbstbewusst als "das letzte Speichersystem, das Sie kaufen werden". Seed Up verspricht "unbegrenzte Speicherkapazität".

Möglich werden soll das, indem der Moore-Stick Daten dynamisch in die Cloud auslagert. So soll man als Nutzer problemlos auch mehrere Terabyte Daten auf dem Stick unterbringen können. Nur sind die dann eben nicht wirklich auf dem Stick, sondern teilweise im Netz gespeichert. Dabei würden sowohl die Übertragung als auch die Lagerung verschlüsselt, verspricht Seed-Up-Mitgründer Paul Poupet auf der CES.

Fotostrecke

9  Bilder
CES 2017: Ein Haus voller Hacker und intelligente Kopfhörer

So soll ein Nutzer mit dem Stick überall und jederzeit Zugriff auf seine Daten haben, sobald man ihn an einen PC oder ein Smartphone anschließt. Eine Softwareinstallation sei nicht nötig. Freilich brauchen Nutzer aber eine Internetverbindung, um die Daten aus der Cloud laden zu können - sonst lässt sich das Versprechen von Seed Up nicht einlösen.

Damit man den Stick beispielsweise auch im Flugzeug benutzen kann, soll er mithilfe maschinellen Lernens erkennen, auf welche Dateien Nutzer regelmäßig zugreifen und welche sie nur sehr selten brauchen. Alle regelmäßig genutzten Daten sollen für die Offline-Nutzung auf dem Stick gespeichert und nicht in die Cloud verfrachtet werden. Laut Toupet funktioniert das in 99 Prozent der Anwendungsfälle. Wer vor einer Reise schon sicher weiß, welche Daten er zum Arbeiten braucht, kann sie auch markieren und so sicherstellen, dass sie auf jeden Fall auch ohne Internetverbindung verfügbar sind. Im Abo soll der unendliche große Speicherstick fünf Euro pro Monat kosten.

Fotostrecke

10  Bilder
CES: Zehn irre Gadgets zum Durchklicken

Der Kräutergarten im Schrank

Das estnische Start-up Natufia hat einen elektronisch gesteuerten Kräutergarten gebaut. Das Gerät sieht aus wie ein ungewöhnlich beleuchteter Weinkühler, im Inneren leuchten kräftige Pflanzenlampen. Denn statt Weine optimal zu lagern, werden in diesem Schrank Kräuter und Salate gezüchtet. Vollelektronisch gesteuert, natürlich, mit einer App - und ganz ohne Erde.

Mit dem mehr als mannshohen Apparat komme man dem steigenden Bedürfnis nach biologischen Lebensmitteln und bewusster Ernährung nach, sagt Firmenmitgründer Gregory Lu auf der CES. Die Kräutergärtnerei funktioniert folgendermaßen: Zuerst muss man bei Natufia gekaufte Samentöpfchen in einem Anzuchtbehälter etwa eine Woche lang wachsen lassen, bis die ersten Triebe zu sehen sind. Dann werden die Töpfchen, jedes so groß wie eine Kaffeekapsel, in Pflanzgefäße aus Keramik umgesetzt.

Fotostrecke

17  Bilder
CES in Las Vegas: Technikmesse im Wandel der Zeit

Von nun an geht alles automatisch: Die Pflanzen werden computergesteuert mit einem Mix aus Wasser und Dünger versorgt. Die Pflanzenlampen sorgen für das nötige Licht, eine Lüftungssystem dafür, dass Luftfeuchtigkeit und Temperatur passen. Bis zu vier Monate könne ein solches System ohne jede Einwirkung von außen arbeiten, so Lu.

Ein Standard-Küchen-Gadget wird der Natufia wohl dennoch nicht werden, schließlich liegt der Preis bei 12.000 Euro. Die Samenkapseln kosten je einen Euro pro Stück. Hauptabnehmer dieses Luxus-Gadgets seien bisher Restaurants, die Wert auf biologische Zutaten legten - und gut verdienende Öko-Enthusiasten. 30 Exemplare des Schranks Natufia wurden seit dem Start 2016 schon verkauft.

Der KI-Kopfhörer

Einfach nur Kopfhörer bauen können viele Firmen. Gute Kopfhörer immerhin noch einige. Aber einen Kopfhörer, der vollkommen unabhängig von anderen Geräten Musik spielt und auch noch einen virtuellen Assistenten eingebaut hat, gibt es bisher wohl nur von dem amerikanischen Start-up Vinci.

Die Technologie ist faszinierend: Der Vinci-Kopfhörer lässt sich fast vollkommen sprachgesteuert bedienen, hat 32 GB Speicher für Musik und kann sich per WLAN, Bluetooth und UMTS vernetzen, um auch Streaming-Musik direkt von Spotify abzuspielen. An einer Seite ist der Kopfhörer mit einem Touchscreen bestückt. Darüber können Träger verschiedene Einstellungen vornehmen und zum Beispiel die Lautstärke per Wischgeste ändern.

Kopfhörer-Test aus dem Archiv

Mithilfe von Amazons Sprachtechnologie Alexa kann man den Kopfhörer auch nutzen, um sich beispielsweise Routenanweisungen geben zu lassen, einen Tisch im Restaurant zu reservieren oder einfach nur die Wettervorhersage vorlesen zu lassen. Die künstliche Intelligenz (KI) des Systems soll unter anderem in der Lage sein, zur jeweiligen Situation passende Musik vorzuschlagen oder bei Verspätungen im öffentlichen Verkehr alternative Routen vorzuschlagen. Auch ein Pulsmesser ist eingebaut.

Beim kurzen Ausprobieren auf der CES war es aber vor allem der Klang, der uns begeisterte. Die Vinci klingen nicht unbedingt neutral, sondern eher bassbetont. Das tun sie aber ausgesprochen druckvoll und ohne muffig zu wirken.

Angesichts dieser Funktionsvielfalt ist der Preis erstaunlich: 200 Dollar kostet die Standardversion, 300 die Pro-Variante mit aktiver Geräuschunterdrückung und drahtloser Ladefunktion. Auf Indiegogo kann man die beiden Modelle derzeit allerdings noch viel günstiger, ab 129 Dollar, bestellen.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.


insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
murksdoc 08.01.2017
1. Hochinnovativ
Ohrhöhrer mit Touchscreen finde ich revolutionär, gibt es dazu passend auch eine Brille mit Lautsprecher? Kann man in den Gemüsegärtchen auch Dinge züchten, bei denen Anonymität des Betreibers, im Falle die Zucht würde von staatlich bezahlten Pflanzenfeinden mal ausgehoben, eine der wichtigsten "Assets" wäre? Das würde den Preis fast zur Nebensache machen und während der Erntezeit sollten die Dinger bitte automatisch auf "Stealth Mode" schalten, damit man sie nicht orten kann. Dann hätte ich noch zwei Verbesserungsvorschläge: könnte man auf den seitlichen Kopfhöhrerscreens das Musikstück anzeigen, das einem in der UBahn vom Nachbarsitz aus die Ohren vollspamt? Oder einen Schriftzug: "Sorry, bin schwerhörig, brauche diese Lautstärke?" oder einfach nur Werbung, weil man als Sitznachbar sowieso nicht mehr schlafen kann? Und was wäre, wenn ich wie schon so oft, den USB-Stick ("Leaky" wäre ein schöner Name) mal verliere oder wenn er (wie immer) nach 10 Benutzungen von niemandem und nichts und schon garnicht von meinem Laptop mehr erkannt wird, ist dann mein unbegrenzter und 128-Bit verschlüsselter Datenaccount weg?
B!ld 08.01.2017
2. wir haben fertig
Wenn den Menschen wirklich nur noch technologischer Stuss und computerunterstützte Selbstverblödung einfällt, ist es vielleicht ein Zeichen, dass seine Zeit bald zu Ende ist.
bronck 09.01.2017
3. Öko-Enthusiasten?
Wer meint es sei Öko Gemüse in einem Schrank mit stromfressenden Pflanzenlampen/Ventilatoren/Computern zu ziehen, statt schlicht in einem Topf in der Sonne auf der Fensterbank, ist in einem Umfang dumm der mich ehrlich verblüfft zurücklässt. Und von der Energie/den Ressourcen für die Herstellung solcher Schränke im Vergleich zu einem normalen Blumentopf fange ich lieber erst gar nicht an...
GoaSkin 09.01.2017
4. die Cloud-Verblödung
Schade, dass die nach wie vor nichts dazu lernen und glauben, dass es besonders attraktiv sei, seine Daten in der Cloud eines Unternehmens abzulegen - und es vor allem immernoch nicht kapiert haben, dass es trotz noch so guter Verschlüsselung während der Übertragung niemandem klar sein kann, was der Cloud-Anbieter dann wirklich mit den Daten macht. Auf dem Server verschlüsselt gespeichert, ohne dass der Schlüssel dem Anbieter bekannt ist? Ein Cloud-Anbieter kann viel erzählen, wenn der Tag lang ist. Überprüfen kann es niemand. Aber Speichermedien kosten heutzutage nicht mehr viel und eine Cloud kann man z.B. auch auf einem heimischen Server bequem aufsetzen und unterwegs nutzen, wenn man nur ein bisschen Ahnung hat. Von Unternehmen, die ihre Daten im großen Stil Cloud-Anbietern anvertrauen, sollte man allenfalls so viel Ahnung erwarten. Doch Clouds scheinen so trendy zu sein, dass niemand mehr nach dem Sinn fragt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.