Parfüm-Automat ausprobiert Meinen Duft habe ich per App gemacht

Jeden Tag eine neues Parfüm? Je nach Lust und Stimmung ein anderes? Ein Unternehmer aus Saudi-Arabien will das möglich machen, mit einer per App steuerbaren Duftmischmaschine. Wir haben sie ausprobiert.

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An dem kleinen Messestand, den Abdullah Bahabri auf der CES in Las Vegas aufgebaut hat, drängen sich Hunderte Besucher vorbei. Nur selten bleibt jemand spontan stehen. Zu unscheinbar ist das kleine Maschinchen, das auf seinem Tresen steht. Es blinkt nicht, macht keine Geräusche und keine Musik.

Aufmerksamkeit bekommt Bahabri nur, wenn er mit seinen kleinen Papierstreifen wedelt. Dann nämlich strömen für einen kurzen Augenblick feine Düfte durch den Gang, einige Sekunde lang, bevor es wieder riecht, wie es auf einer überlaufenen Messe eben riecht.

An seinem Stand, der nicht größer ist als eine Flohmarktparzelle, führt Bahabri vor, wie man sich sein eigenes Parfüm mischen kann. Nicht etwa mit vielen kleinen Fläschchen und Pipetten, sondern mit einer unauffälligen Maschine, gesteuert per App, vernetzt übers Internet.

Die Idee hinter dem Gerät, das den Namen Nota Nota trägt: Besitzer der Maschine sollen sich eigene Düfte kreieren können, jeden Tag neu, jeden Tag anders, ganz, wonach ihnen gerade ist.

Vom 3D-Druck zum Duftmixer

Europäern mag das merkwürdig erscheinen. Hier sei es nicht üblich, sich regelmäßig zu parfümieren, erklärt Bahabri, gerade Männer würden eher selten zur Duftflasche greifen. In den Golfstaaten sei das ganz anders. In Saudi-Arabien etwa würde man mindestens zweimal täglich einen Duft auflegen, Männer und Frauen gleichermaßen.

Deshalb bietet er seine Maschine zunächst auch nur in seinem Heimatland an. Nach Europa, in die USA und Asien wolle er erst später expandieren, sagt Bahabri, vielleicht aber noch in diesem Jahr.

Die Idee zu seinem Projekt kam Bahabri eher zufällig. Eigentlich hatte er sich auf einen Trend der vergangenen Jahre stürzen wollen. Sein Plan war, irgendetwas mit 3D-Druck anzufangen. Doch dann lernte er in Riad einen italienischen Parfümeur kennen, mit dem er sich ausführlich über die Kunst der Düfte unterhielt. Das brachte ihn auf die Idee, die Technik des 3D-Drucks mit der der Parfümherstellung zu verbinden. Bis aus diesem Gedanke die Duftmaschine wurde, dauerte es freilich noch.

Im Duftnetzwerk ist es noch einsam

Das Prinzip der Nota Nota ist im Grunde einfach: In der Maschine stecken zwölf Kartuschen mit Grundsubstanzen, die Düfte wie Bergamotte, Sandelholz, Vanille oder das arabische Oudh enthalten. Die Behälter sind luftdicht verschlossen. Zum einen, damit nichts verloren geht, zum anderen, damit die Bude nicht wie eine Parfümerie riecht. Schließlich ist die Duftmaschine für zu Hause gedacht.

Nachdem er mir kurz die Apparatur erklärt hat, legt mir Bahabri sein iPhone in die Hand. Auf dem Smartphone läuft die Nota-Nota-App, die quasi als Fernbedienung für die Duftmischmaschine dient. Mit wenigen Klicks stelle ich meinen Wunschduft zusammen. Ohne Bahabris Hilfe wäre ich freilich aufgeschmissen. Schließlich habe ich keine Ahnung, wie man Düfte zusammenstellt, wie die Essenzen zusammenwirken.

Ohnehin muss man sich bei der Nota Nota von der romantischen Vorstellung verabschieden, die Düfte würden aufwendig, wie etwa im Bestseller "Das Parfüm" beschrieben, aus Rosenblüten oder Bergamottefrüchten extrahiert. Spuren natürlicher Duftöle finden sich in den Duftgrundstoffen zwar schon. In erster Linie hat der Parfümeur der jungen arabischen Firma jedoch synthetische Duftstoffe verwendet. Das sei nötig, um dauerhaft gleichbleibende Duftmixturen zu ermöglichen, heißt es.

Nur die eigenen Rezepturen

Diese nämlich können, zumindest theoretisch, über die App zwischen Nota-Nota-Nutzern getauscht werden. So könnte man Freunden ein Duftrezept schicken oder einen besonders gelungenen Duft, der vielen Nutzern gefällt, selbst ausprobieren. Noch ist das aber reine Fiktion, schließlich gibt es noch keine Nutzer, die mit den Maschinen arbeiten. Die Erstauslieferung der Nota Nota war zwar für Dezember 2017 versprochen, geklappt hat das aber nicht. Und so finde ich auf dem Handy des Gründers nur dessen eigene Rezepturen.

Mein persönliches Duftrezept habe ich binnen weniger Minuten zusammengeklickt. Auf die Möglichkeit, erst nur einen Tropfen zum Testen mischen zu lassen, verzichte ich, der nächste Messetermin wartet schon. Bis die Maschine aus meinem Rezept ein Fläschchen mit fünf Millilitern Parfüm gemischt hat, vergehen freilich auch nur wenige Minuten - und ich bin zufrieden. Frisch und orientalisch duftet mein persönliches Parfüm. Nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe, aber doch sehr angenehm.

Kaufen würde ich mir die Nota Nota trotzdem nicht. Könnte ich auch gar nicht, denn vorläufig wird sie ja nur in Saudi-Arabien angeboten, für umgerechnet 700 Euro. Nachfülldüfte kosten zwölf Euro je 15 Milliliter, Parfümflaschen im Zehnerpack 13 Euro. Ganz billig ist das selbst gemischte Parfüm also nicht. Und schaue ich meinen durchschnittlichen - westeuropäisch geprägten - Verbrauch an Duftwässerchen an, müsste ich die Nota Nota schon viele Jahre intensiv nutzen, bevor sie sich rechnet.

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
retourenpaket 22.01.2018
1. Jean Pütz reloaded
Prinzip wurde in der hobbythek ausführlich vorgestellt und erklärt. App und Robo-Mischer sind neu. Aber es geht aus ohne und viel günstiger, wenn man denken und sich einlassen kann und sich nicht nur als Konsument betrachtet.
rainer_d 22.01.2018
2. Ok
Die Leute zahlen ja auch 1000+ Euro für 'ne Thermomix.
frankfurtbeat 22.01.2018
3. wenn ...
wenn ich synthetische Duftstoffe lese bekomme ich "Kopfschmerzen" und ein laues Gefühl im Magen. Ein Besuch in einer Filiale von Parfümerieketten reicht aus zu erahnen wie es "duften" wird - nichts für mich. Teilweise finde ich es es schon penetrant wenn Kollegen mit ihrem neuen satt aufgelegtem Duft durch die Büro´s wandeln ... wird mir fast schlecht dabei. Zu intensiv, zu toxisch für meine Geruchsorgane ... Fazit: wer´s mag ...
bacillus.maximus 22.01.2018
4. Der nächste Trend
Wenn der Hype um fotografiertes Essen und Entenschnuten-Selfies vorbei ist, dann fangen die Leute wahrscheinlich an ihre mobilen Desktops mit ihren Lifestyle-Apps zu posten. Zahnbürsten-Daten, Statistiken der Waschmaschine, Lagerlisten des Kühlschrankes mit den ganzen "Superfoods" und dem Designer-Mineralwasserer, Andruckwerte vom Klopapier und halt eben auch die Apps für die Bedienung einer 5.000€-Kaffeemaschine oder eines Parfümmischers.
mama_arbeitet 22.01.2018
5. Pure Pauschalisierung
Zitat von frankfurtbeatwenn ich synthetische Duftstoffe lese bekomme ich "Kopfschmerzen" und ein laues Gefühl im Magen. Ein Besuch in einer Filiale von Parfümerieketten reicht aus zu erahnen wie es "duften" wird - nichts für mich. Teilweise finde ich es es schon penetrant wenn Kollegen mit ihrem neuen satt aufgelegtem Duft durch die Büro´s wandeln ... wird mir fast schlecht dabei. Zu intensiv, zu toxisch für meine Geruchsorgane ... Fazit: wer´s mag ...
Die Nase von Otto Normalverbraucher nimmt normalerweise keinen Unterschied zwischen einer synthetischen und natürlichen Duftnote ;-) Das Herstellverfahren natürlicher Duftnoten ist eben weitaus aufwendiger und die Rohstoffe teuer. Das sagt jedenfalls nichts darüber aus, wie es duften wird.
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