CES-Neuheiten So sehen die Fernseher von 2019 aus

Fünf Meter große Bildschirme, auf Jahre hinaus übertriebene 8K-Auflösung und künstliche Intelligenz, die eher keine ist: Auf der CES überbieten sich die TV-Hersteller mit Superlativen und Buzzwords.

Aufrollbare TV-Geräte auf der CES
AFP

Aufrollbare TV-Geräte auf der CES

Aus Las Vegas berichtet


Großes wird größer

Der maßgebliche Trend auf der CES ist, dass Bildschirmgrößen, die vor ein paar Jahren noch als gewaltiger Luxus galten, mittlerweile beinahe Standard werden. In den USA habe sich die Zahl der 2018 verkauften TV-Geräte mit Diagonalen von mehr als 75 Zoll im vergangenen Jahr gegenüber 2017 verdoppelt, erklärte ein LG-Manager auf der Pressekonferenz des Unternehmens. Bei anderen Herstellern sieht es ähnlich aus, wie man in Gesprächen mit Managern erfährt. Geräte mit 55 Zoll sind in Deutschland derzeit der Durchschnitt, zunehmend mehr Käufer greifen aber zu größeren Geräten.

Dieser Nachfrage kommen die Firmen gern nach, schließlich spülen XL-TVs mehr Gewinn in die Kasse als kleine Geräte. Sonys neue Topmodelle der ZG9-Serie sind 85 und 98 Zoll groß, LG hat mit dem Z9 ein 88-Zoll-Modell im Angebot. Samsung geht mit seinem "The Wall"-Fernseher noch weiter, bietet den Riesen-TV mit bis zu 219 Zoll, das sind fast 5,6 Meter, an. Es ist nicht lange her, dass die Grenze noch bei 85 Zoll lag.

Noch sind die ultragroßen Formate den teuren Topmodellen vorbehalten, es wird aber nicht lange dauern, bis mehr als 75 Zoll große Fernseher auch für Normalverdiener bezahlbar werden.

Fotostrecke

9  Bilder
Mit KI und Micro-LED: Samsungs Kachelfernseher

8K muss sein

Mit den neuen XL-Formaten hält auch die 8K-Technik Einzug. Darüber mag man sich wundern, schließlich gibt es selbst für die zusehends populäreren 4K-Fernseher noch recht wenige Filme, Serien oder Übertragungen in echtem, also nicht nachträglich hochgerechnetem 4K. Bis man Fernsehinhalte in echter 8K-Auflösung ansehen kann, werden noch Jahre vergehen.

Trotzdem kann es sinnvoll sein, Fernseher mit einer solchen Auflösung zu bauen. Denn je größer ein Fernseher ist, desto mehr Pixel braucht man, um zu verhindern, dass einzelne Pixel sichtbar werden und das Bild grobkörnig wirkt. Darüber, ab welcher Bildschirmdiagonalen das sinnvoll ist, haben die Hersteller allerdings sehr unterschiedliche Ansichten. Bei Sony fängt man mit 8K erst bei den ganz großen Modellen mit mindestens 85 Zoll an, LG bietet 8K-TVs schon ab 65 Zoll an und Samsung sogar schon in den vergleichsweise kleinen 55-Zoll-Modellen.

Künstliche Intelligenz

Damit ein Fernsehbild, das in 4K, Full-HD oder gar dem alten SD-Format verbreitet wird, auf einem solchen 8K-Fernseher gut aussieht, muss es digital aufbereitet werden. Skalieren heißt dieser Prozess, bei dem der Prozessor des Fernsehers versucht, zu den Pixeln, aus denen das Videomaterial aufgebaut ist, noch möglichst geschickt weitere hinzuzufügen, sodass das resultierende Bild nicht pixelig wirkt, sondern so, als wäre es in der Auflösung des Fernsehers produziert worden.

Die Technik ist nicht neu, muss aber immer mehr leisten, je größer die Fernseher werden. Ein Full-HD-Film muss für einen 4K-Fernseher auf das Vierfache seiner ursprünglichen Pixelzahl hochgerechnet werden. Für einen 8K-TV muss dasselbe Video auf das Sechzehnfache seiner eigentlichen Größe skaliert werden.

Fotostrecke

21  Bilder
Gadgets auf der CES: Bier, Brot und Autofahrten mit Automaten

Früher ist so etwas von Algorithmen erledigt worden. Samsung aber beschreibt die Technik bei seinen neuen Fernsehern so: "8K AI Upscaling skaliert Inhalte in 4K oder geringerer Auflösung mithilfe künstlicher Intelligenz hoch". LG schlägt in die gleiche Kerbe, sagt, die neuen TVs böten "eine auf künstlicher Intelligenz basierende, weiter gesteigerte Bild- und Klangqualität". Darüber, ob es sich dabei aber wirklich um sogenannte künstliche Intelligenz handelt, kann man streiten. Denn tatsächlich vergleichen etwa LGs Geräte den jeweiligen Bildinhalt mit einer Datenbank von Referenzbildern und passen ihre Einstellungen entsprechend an.

Alexa und Google Assistant

Mit einem guten Fernseher muss man heute sprechen können, egal ob man bloß das Programm wechseln, bei Amazon ein Buch bestellen oder wissen will, ob Rihanna gerade einen Freund hat. Damit es klappt, integrieren immer mehr Hersteller sowohl Amazons Alexa, als auch den Google Assistant in ihre Fernseher. Der feine Unterschied etwa zu einem Echo-Lautsprecher von Amazon: Die digitalen Assistenten fangen in der Regel erst dann an mitzuhören, wenn man eine Taste auf der Fernbedienung drückt.

Apple, Apple, Apple

Obwohl Apple nicht auf der CES vertreten ist, wird dort viel über das Unternehmen gesprochen. Denn so ziemlich jeder größere TV-Hersteller, der etwas auf sich hält, bietet in seinen neuen TV-Geräten Apples AirPlay-2-Technik an. Die ermöglicht es, Filme und Musik kabellos vom iPhone oder iPad aus auf dem TV abzuspielen. Dass Apples Marketingabteilung hier ein Wörtchen mitzureden hatte, merkt man schon daran, dass alle Unternehmen, die so etwas anbieten, mit demselben Bild dafür werben - einer Szene aus "Game of Thrones". Apple liebt es, Werbung zu vereinheitlichen.

Fotostrecke

52  Bilder
Fotostrecke: 50 Gadgets von der CES 2018

Während AirPlay künftig also fast zum Standard bei neuen TV-Geräten gehören dürfte, ist der Zugang zu Apples iTunes Store allein Samsung vorbehalten. Nur auf Samsung-TVs kann man also Filme aus Apples Angebot kaufen und leihen oder bereits gekaufte und geliehene Titel ansehen. Wie lange der koreanische Konzern diese Exklusivität für sich hat, ist unklar.

Immer neue Buzzwords

Im Übrigen pflegt die TV-Branche auch in diesem Jahr ihre Vorliebe, sich immer wieder neue Begriffe für ihre Technologien auszudenken. Samsung etwa hat seine Micro-LED-Technologie herausgestellt, die auf dem Markt bisher so gut wie keine Bedeutung hat. Weiter verbreitet sind Bezeichnungen wie QLED, Nanocell und Triluminous. Sony etwa ergeht sich zudem in Kunstworten wie "Backlight Master Drive" und "Sound-From-Picture-Reality".

Nanocell-TV auf der CES 2019
AFP

Nanocell-TV auf der CES 2019

Wer sich nicht sowieso gern mit TV-Technik und den Begriffen der Branche beschäftigt, dürfte davon nur verwirrt werden. Oder können Sie sich etwas unter "Calibrated beam LED design" vorstellen?



insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
neurobi 10.01.2019
1.
8K, 88 Zoll und ITunes Unterstützung? Brauche ich alles nicht. Ein 37 Zoller mit FHD und Netzwerkunterstützung würde mir reichen. Gibt es nicht mehr. Aber für meine 85cm TV-Slot in der Schrankwand ist ein 40 Zoller zu groß und ein modern 32 Zoller zu klein.
billibumbler 10.01.2019
2. Raus damit !
Nun, die Zeit von kleinen Bildschirmdiagonalen und Schrankwänden sind sind eben schon lange vorbei, da werden Sie an einem Umstyling nicht vorbei kommen.
katj.steinb 10.01.2019
3. chaotisches Sammelsurium...hauptsache "digital"
Eine Messe für im Uberfluss lebender , gesättigter Konsumenten, die vor lauter langeweile , nicht mehr weiß , was sie noch konsumieren solll....diese Messe liefert die Antwort und Inspiration. Viel nutzloser "Müll" , aber kreativ sind die Aussteller schon. Mit allen möglichen und unmöglichen Dingen kann man auf der CES vertreten sein , von Autos bis zur Unterhose oder Shorts für Männer , wie die Fotostrecke zeigt,...genial.
PolitBarometer 10.01.2019
4.
Ganz ehrlich, das meiste Neue davon ist SchnickSchnack, den kein Mensch auf dieser Erde wirklich braucht. Die Notwendigkeit für 4K war ja gerade bei Diagonalen jenseits der 55"-Zoll noch irgendwie nachvollziehbar, aber alles weitere darüber hinaus ist Unfug im Quadrat. Technisch revolutionär wäre es gewesen, die Technologie der Plasma-TVs vor etwa 6 Jahren nicht einfach so zu begraben, sondern konsequent weiterzuentwickeln. Das Potential war ja da. Aber da meisten ja alle, auf den LCD-Zug mit all seinen immer noch unerreichten Verheissungen aufspringen zu müssen, nur, weil damit auch die Produktion von Billigst-TVs möglich ist.
unky 10.01.2019
5. Völlig überdimensioniert!
Wieso sollte ich mir derartig ausgefeilte technische Neuheiten kaufen, wenn das Fernsehprogramm seit Jahren so unterirdisch ist? Für die wenigen Sendungen, die ich mir im Fernsehen ansehe, reicht mein kleiner billiger Flachbildfernseher für 175,00 € völlig aus.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.