Windows-Alternative China will eigenes Betriebssystem entwickeln

Mit einem eigenen Betriebssystem will sich China von Microsoft unabhängig machen. Doch die Software für PC, Tablets und Smartphones müsste sich erst gegen eine Vielzahl von Raubkopien durchsetzen.

China Operating System (Archivbild): Varianten für Handys, Tablets und PC geplant
Youku

China Operating System (Archivbild): Varianten für Handys, Tablets und PC geplant


Peking - Das Geschäft in China wird für Microsoft immer schwieriger. Nachdem die Firma seit Jahren gegen massenhaft illegal kopierte Windows-Software in dem Land vorgeht, gerät sie nun auch noch ins Visier von Chinas Kartellwächtern. "Microsoft hat Informationen zur Verknüpfung von Windows und Office nicht vollständig bekannt gegeben", sagte der Chef der staatlichen Verwaltung für Handel und Industrie, Zhang Mao, bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Peking. Bei den Untersuchungen gehe es um die Kopplung an Produkte zum Abspielen von Musik und Filmen sowie den Webbrowser Internet Explorer.

Ähnliche Vorwürfe erhoben europäische und amerikanische Wettbewerbshüter bereits vor mehr als zehn Jahren. Weil Microsoft sein Betriebssystem Windows im Paket mit Internet Explorer und dem Media Player angeboten hatte, verhängte die EU-Kommission eine Strafe von knapp 1,4 Milliarden Euro.

Obwohl Microsoft auf dem riesigen chinesischen Markt nur unterdurchschnittliche Lizenzverkäufe verzeichnet, dominiert Windows wegen der hohen Raubkopierrate auch in China das Bild. Die Hälfte der PC läuft in China allerdings noch immer mit dem veralteten Windows XP, wie der Branchendienst cnzz.com ausgerechnet hat. Windows 7 ist auf knapp einem Drittel der Rechner installiert, das aktuelle Windows 8 nur auf zwei Prozent. Linux kommt auf kümmerliche 0,1 Prozent.

Rote Fahne 2.0 war ein Flop

Aber das soll sich ändern: "China wird sein eigenes Betriebssystem im Oktober starten", sagte Ni Guangnan kürzlich in einem Interview. Er ist Chef einer staatlich geförderten Entwicklungsallianz, die eigens ins Leben gerufen wurde, um ein chinesisches Betriebssystem zu programmieren. Bislang sind jedoch nur wenige Details zu dem auf Linux basierenden System bekannt. Erste Hinweise auf das Projekt hatte es im Januar gegeben.

Im Jahr 2000 hatte es bereits einen ähnlichen Versuch mit dem Betriebssystem Rote Fahne 2.0 gegeben. Allerdings konnte sich das ebenfalls auf Linux basierende System nicht in China durchsetzen.

Der Umstieg wäre teuer

Das neue chinesische System könnte Microsofts Windows innerhalb der kommenden zwei Jahre in China ablösen, meint Ni. Kurz nachdem die Entwicklerallianz im Mai gegründet worden war, war der Einsatz von Windows 8 auf Behördencomputern in China verboten worden. Die amtliche Nachrichtenagentur nannte zur Begründung Sicherheitsbedenken.

Branchenbeobachter sind skeptisch, ob der massenhafte Schwenk auf ein anderes System überhaupt gelingen kann. "Es ist sehr schwierig, ein Betriebssystem abzulösen", sagte IT-Analyst Charlie Dai der Zeitung "China Daily": "Windows wird seit Jahren in allen möglichen Branchen eingesetzt." Ein Wechsel auf ein neues Betriebssystem verursache den Unternehmen hohe Kosten. Selbst wenn Firmen mit Windows nicht komplett zufrieden seien, müssten sie einen enormen Aufwand für eine Umstellung einkalkulieren.

Ein Multimilliardenmarkt

Der Branchenkenner Wang Jingwen formuliert es noch drastischer: "Die führende Position von Microsoft ist nahezu unumkehrbar", sagte der Experte der Beratungsfirma Canalys "China Daily". "Das Unternehmen hat ein gut etabliertes Ökosystem geschaffen."

Chinas Markt für Software legt rasant zu. Im vergangenen Jahr wuchs das Geschäft mit Computerprogrammen um 23,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zahlen des nationalen Statistikamts zufolge wurde in China 2013 Software im Wert von drei Billionen Yuan (369 Milliarden Euro) verkauft.

mak/dpa

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
Berufskritiker 26.08.2014
1. Waaaaaaas, Raubkopien in China?
Jetzt lasst aber mal die Kirche im Dorf. In China gibt es keine Raubkopien, Dissidenten oder Plagiate ausländischer Produkte. Auch Tian An Men oder die Selbstverbrennung von Mönchen nicht! Nie, nirgends, ganz sicher! Schwör ich auf..... hmmm... vielleicht doch lieber nicht!
quark@mailinator.com 26.08.2014
2. Offen ?
Wäre es quell-offen und nachweislich keine Spyware, würde ich morgen umsteigen. Linux ist ganz OK, aber es gibt einfach zu viele Varianten jedes einzelnen Details und keine zentrale Linie. Der GUI-Schwenk bei Ubuntu z.B. piept mich immer noch an.
hacebe 26.08.2014
3. Schon wieder...
... oder immer noch? Ich habe jedenfalls gerade ein Déjà vu.
mario_b 26.08.2014
4. Ich schnall es nicht!
Warum musste MS für die Kopplung der Produkte damals diese Strafe zahlen? Es ist doch niemand gezwungen diese Produkte (Windows) zu kaufen?!? Die Automobilhersteller werden ja auch nicht abgemahnt weil sie ihr Radios fest in die Autos integrieren und damit Zubehörlieferer keine Chance haben ihre Produkte zu verkaufen. Wie ist das begründet worden?
saywer,tom 26.08.2014
5.
Zitat von quark@mailinator.comWäre es quell-offen und nachweislich keine Spyware, würde ich morgen umsteigen. Linux ist ganz OK, aber es gibt einfach zu viele Varianten jedes einzelnen Details und keine zentrale Linie. Der GUI-Schwenk bei Ubuntu z.B. piept mich immer noch an.
Ist die Spionage durch die Chinesen schlimmer als die durch die Amerikaner?
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