Surface-Tablet Chinesische Rentnerin will Microsoft stoppen

Der Verkaufsstart von Microsofts Surface-Tablets in China lief anders als geplant: Mitten in einer Tanzvorführung stapfte eine alte Dame auf die Bühne, versuchte die Feier zu unterbrechen. Ihre Aktion begründet die Rentnerin mit der Sorge um ihre Enkel.


China war zuerst dran, aus ganz pragmatischen Gründen. Zusammen mit Windows 8 sollte am 26. Oktober weltweit der Verkauf von Microsofts Surface-Tablets beginnen. China sollte dabei den Anfang machen, weil es in einer Zeitzone liegt, in der schon Stunden früher als in westlichen Ländern das fragliche Datum gilt. Pünktlich um Mitternacht ging es dann auch los: In sieben chinesischen Städten konnten Kunden, die sich rechtzeitig in die Warteschlangen eingereiht hatten, einen der ungewöhnlichen Flachrechner kaufen.

Allein zu der Veranstaltung in einem Geschäft der Elektronik-Handelskette Suning in Peking hätten sich Hunderte Kaufwilligen eingereiht, berichtet das Gadget-Blog "M.I.C.". Begleitet wurde die Veranstaltung von einem sogenannten bunten Rahmenprogramm, zu dem auch musikalische Darbietungen und Tanzvorführungen gehörten.

Einer älteren Anwohnerin und ihrem Mann wurde der nächtliche Lärm offenbar zu viel. Mitten in den Feierlichkeiten stürmten sie die Bühne und versuchten dem Fest ein Ende zu setzen. In einem YouTube-Video, das "M.I.C." veröffentlicht hat, ist zu sehen, wie die Frau mit Gesten versucht, für Ruhe zu sorgen. Während die von ihr gestörte Tanzgruppe versucht, sie zu ignorieren, winkt eine junge Frau das Sicherheitspersonal herbei.

Sekunden später wird die Rentnerin von Männern in dunklen Anzügen mit Armbinden von den Bühne entfernt. Einige Sekunden später folgt ihr Gefährte, der von weiteren vier Männern neben die Bühne gedrängt wird. Die Sicherheitsleute gehen dabei aber nicht rabiat vor: Als die erregte Frau im Getümmel stürzt, helfen ihr die Männer sofort wieder auf die Beine.

Wie es danach weitergegangen ist, klären die Berichte aus China leider nicht auf. Nur die Motivation des älteren Ehepaars wird erklärt. Demnach haben die beiden die Veranstaltung abbrechen wollen, weil ihre Enkelkinder aufgrund des Lärms nicht schlafen konnten.

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Surface: Microsofts Flunder gegen das iPad
Die Unterbrechung trübte ein wenig die Veranstaltung, die Microsoft sonst wohl als gelungen bezeichnen wird. Es ist selten genug, dass Kunden Schlange stehen, um die ersten zu sein, die ein neues Produkt des amerikanischen Konzerns kaufen können. In der Regel gelingt es nur Apple, seine Kundschaft zu teils mehrtägigem Anstehen zu bewegen.

Für das Surface-Tablet jedoch nahmen einige Chinesen die mühselige Warterei auf sich. Die Nummer eins in der Warteschlange war der 25 Jahre alte Chen Shi, der insgesamt 30 Stunden darauf wartete, mindestens 3688 Yuan (456 Euro) für das Microsoft-Gerät zahlen zu dürfen. Für seine Geduld wurde er nicht nur mit einem Surface-Sweatshirt belohnt, sondern auch mit einer Urkunde, die ihm bescheinigt, der erste weltweit zu sein, der ein Surface in Besitz nimmt. Zudem signierten Microsofts China-Chef, der deutsche Manager Ralph Haupter, und der Chef der Kaufhauskette Suning, Jin Ming, auf einer Bühne die Verpackung seines neuen Tablets.

Zuerst die Kunden

Aber nicht nur die Verpackung und die Urkunde machen Chen Shis neuen Computer zu etwas besonderem. Schon die Tatsache, dass er überhaupt einen bekommen hat, ist etwas besonderes. In seinem deutschen Onlineshop gibt Microsoft derzeit eine Lieferzeit von drei Wochen für das kleinste Modell an, das für 479 Euro angeboten wird. Aus Großbritannien berichtet "The Verge" von Lieferverzögerungen, für die Erstbesteller mit einem Einkaufsgutschein über 50 Pfund entschädigt werden.

Selbst auf der Presseveranstaltung zur Einführung von Windows 8 in Berlin konnte der Konzern nur ein einziges Surface-Tablet aufbieten - hinter Glas und ohne jede Möglichkeit für die Anwesenden, es auszuprobieren oder auch nur in die Hand zu nehmen. Microsofts Deutschlandchef Christian Illek hat eine einfache Begründung für die Knappheit: Zuerst sollen die Kunden, die eines der Tablets vorbestellt haben, beliefert werden.

mak

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
westerwäller 27.10.2012
1. Das war ...
Zitat von sysopDer Verkaufsstart von Microsofts Surface-Tablets in China lief anders als geplant: Mitten in einer Tanzvorführung stapfte eine alte Dame auf die Bühne, versuchte die Feier zu unterbrechen. Ihre Aktion begründet die Rentnerin mit der Sorge um ihre Enkel. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/china-rentnerin-unterbricht-microsofts-surface-launch-a-863812.html
... eine sogenannte "Apple-Fan-Oma"....
pengli 27.10.2012
2.
"Die Sicherheitsleute gehen dabei aber nicht rabiat vor:..." Das sehe ich anders. Schaut euch mal das Video dazu an. Ich finde, dass ist rabiat. Sie zerren die alte Dame ja völlig von der Bühne. Alte Menschen haben schwachen Knochen. Sie hätte sich leicht etwas brechen können.
Niamey 27.10.2012
3. Lärmschutz in China, hä?
Zitat von sysopDer Verkaufsstart von Microsofts Surface-Tablets in China lief anders als geplant: Mitten in einer Tanzvorführung stapfte eine alte Dame auf die Bühne, versuchte die Feier zu unterbrechen. Ihre Aktion begründet die Rentnerin mit der Sorge um ihre Enkel. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/china-rentnerin-unterbricht-microsofts-surface-launch-a-863812.html
Ich wohne seit 2 Jahren in Peking und seit 2 Jahren wird Tag und Nacht, auch an Wochenenden und Feiertagen lärmend im direkten Umfeld auf Großbaustellen gelärmt. Auch der nie abreißende Verkehr und die damit verbundene Huperei sind ein Fall für sich. Rücksichtnahme auf egal wen, ist hier Fehlanzeige. Hauptsache der Umsatz und Gewinn stimmen, dann kann es gar nicht laut genug sein!
Gaiwa 27.10.2012
4.
a) Sinnlos-Aktion. Was glaubt die Frau? Dass sie die Veranstaltung wirklich abbrechen und alle nach Hause schicken? b) Wer sich durch Krach gestört fühlt: Ohropax oder normale Kopfhörer. Lärmschutz ist nett, aber an manchen Orten halt nicht vorhanden oder nicht machbar, aber die Lösung ist relativ einfach. Kann die Unzufriedenheit ja nachvollziehen, aber das war halt nicht zu Ende gedacht offenbar.
discotieren 27.10.2012
5. Wesentlich eleganter ...
... wäre es gewesen, dem Ehepaar 60 Sekunden zu geben, ihr Anliegen vorzubringen. Nach der Tanzdarbietung. Damit hätte man sie beruhigen und auch sicherstellen können, dass nicht spekuliert wird, was der wirkliche Grund für den Protest war. Denn, wenn ich mir nun vorstelle, dass die lesen müssen, sie wären wegen der Lautstärke dort gewesen und in Wirklichkeit ging es für die Freiheit und gegen das Regime ... dann hat das Regime gewonnen.
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