Nach etlichen Flops Commodore kommt zurück - diesmal als Handy

Erinnern Sie sich noch an den legendären Brotkasten, den Commodore C64? Zwei Italiener versuchen nun, die Marke wieder aufleben zu lassen - ein Ziel, an dem schon viele gescheitert sind.

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Commodore-Werbefoto: Marken-Neustart im Mobilfunkmarkt

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Ein Commodore-Smartphone? Das passt gut in die Zeit, Zombies sind ja gerade hip. Seit der Computerhersteller Commodore 1994 Insolvenz anmeldete, werden die Reste der Kultfirma alle paar Jahre von anderen Protagonisten wiederbelebt - immer in der Hoffnung, von dem Ruf des PC-Pioniers zu profitieren, nie wirklich erfolgreich.

Als jemand, der mit dem C64 das Computern gelernt hat, hätte ich mir für die Firma, die meinen ersten Rechner gebaut hat, ein rühmlicheres Ende gewünscht. Der C64 immerhin gilt bis heute als der meistverkaufte Heimcomputer der Welt. Man schätzt, dass bis zu 30 Millionen Exemplare verkauft worden.

Genützt hat es der Firma nichts. Seit Jahren werden die Markenrechte mal hierhin, mal dorthin verkauft. 2007 etwa tauchte plötzlich die Firma Commodore Gaming mit einem Spiele-PC auf der Cebit auf. Mit einem Listenpreis von 4000 Euro fand der aber nicht genug Käufer, um das kleine Unternehmen am Leben zu halten.

In den folgenden Jahren gab es immer wieder ähnliche und ebenso erfolglose Commodore-Projekt. Einmal wurde sogar versucht, neue PC-Hardware in einem Gehäuse zu verkaufen, das nach den Bauplänen des Original-C64 konstruiert war. Natürlich floppte das Projekt. Und es gab die Bastler, die mit der alten Hardware experimentierten. So wie Benjamin Heckendorn, der aus einem C64 einen Laptop baute.

Der Name ist fast 40 Jahre alt

Und jetzt gibt es schon wieder eine Firma, die sich Commodore nennt. Das Magazin "Wired" berichtet, zwei italienische Unternehmer hätten im März die Commodore Business Machines Limited in Großbritannien registriert. Damit hätten sich die beiden die Rechte an der Marke Commodore im Mobilfunkbereich für 38 Länder gesichert.

Das erste Produkt, dass das neue Unternehmen nun angekündigt hat, ist das Commodore PET. Die älteren unter uns werden bei diesem Namen stutzig. Bevor es PET-Flaschen gab - und sogar vor dem C64 - bot Commodore einen Computer mit genau diesem Namen an. 1977 war der PET, was für Personal Electronic Transactor steht, der erste Computer, den man über ein Versandhaus bestellen konnte.

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Commodore 64: 30 Jahre Brotkasten
Das neue PET-Smartphone dagegen ist ein typisches Android-Handy, mit 5,5 Zoll Full-HD-Display, 13-Megapixel-Kamera, LTE und Octocore-Prozessor. Von außen zeichnet es sich in erster Linie durch das Commodore-Logo und den PET-Schriftzug aus.

Ein Fan-Phone

Trotzdem ist das Gerät kein Allerwelts-Smartphone. Neben Android 5.0 installiert der Hersteller zwei Emulator-Apps auf dem Gerät. Die sollen es möglich machen, C64- und Amiga-Software abzuspielen. Grundsätzlich könnte man die entsprechende Software auch selbst installieren, aber hier sind sie eben schon drauf. Außerdem will das neue Commodore offenbar einige Spiele von damals mitliefern, darüber verhandelt das Unternehmen gerade mit einigen Softwarefirmen, schreibt "Wired".

Auf den Markt soll das Gerät bereits in Kürze kommen, auch in Deutschland. Die Preise sollen - je nach Speicherausstattung - zwischen 270 und 330 Euro liegen. Damit konkurriert das Commodore PET mit erfolgreichen Geräten wie dem OnePlus One, dessen Nachfolgemodell in Kürze erwartet wird.

Ob das PET sich gegen solche Smartphones behaupten kann, bleibt abzuwarten. Bei Commodore-Fans jedenfalls dürfte das neue Modell leichtes Spiel haben. Aber ob das ausreicht, um der Marke wirklich noch einmal neues Leben einzuhauchen?

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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
Ambermoon 15.07.2015
1.
Ach, das nehm ich doch mit. Gegenüber einem technisch gleichwertigen Handy zahle ich vielleicht 50 Euro drauf, die verteilen sich dann über 2-3 Jahre, bis ein neues Handy fällig wird - kleines Geld für ein Commodore-Logo, das mir bei jedem Anschauen ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Außer wenn der Akku leer ist. ;-)
kw16 15.07.2015
2. Zwei Italiener kleben den Namen auf ein Billig-Handy.
So kommt Commodore niemals wieder zurück.
Airkraft 15.07.2015
3. Das
Das "Handy" sieht ja fast aus wie ein Smartphone ;-)
spon_3007871 15.07.2015
4.
Als großer Commodore C64 und Amiga500 Fan werde ich das Teil bestimmt kaufen. Egal ob es tolle Hardware hat oder nicht.
dani216 15.07.2015
5. Das wird doch nichts.
Die Smartphones sind doch hardwareseitig heute nahezu alle gleichwertig in ihrem Segment. Den Unterschied macht doch nicht mehr die Hardware, sondern das Betriebssystem. Das ist doch auch der Grund, warum das überteuerte iPhone so erfolgreich ist. Nicht weil es so gut ist, nein - weil es das einfacher zu bedienende Betriebssystem hat. Wer braucht denn noch ein weiteres Android-Handy? Kein Mensch. Das Betriebssystem ist das Geheimnis und gleichzeitig die Killer-Applikation, die über Erfolg oder Mißerfolg eines Smartphones entscheidet, nicht der Name Commodore, den sowieso kaum noch einer der heutigen Smartphonegeneration kennt.
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