Computer-Historie Der Schlepptop wird 30

Er hatte eine Taktfrequenz von vier Megahertz, wog elf Kilo und nutzte Diskettenlaufwerke als Massenspeicher: Als 1981 der Osborne 1 auf den Markt kam, war er eine technische Sensation - und ein Verkaufsschlager. Trotzdem brachte er seinem Hersteller den Konkurs.

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Ur-Laptop Osborne 1: Der große Monitor war ein Zubehör für die Arbeit im Büro
Corbis

Ur-Laptop Osborne 1: Der große Monitor war ein Zubehör für die Arbeit im Büro


Aus heutiger Sicht wirken die technischen Daten des Osborne 1 anachronistisch. Jedes beliebige Smartphone liefert mehr Rechenleistung, mehr Speicher - und manchmal sogar einen größeren Bildschirm. Und doch war der Osborne-Koffercomputer eine Sensation, als er 1981 vorgestellt wurde. Denn er war der erste Computer zum Mitnehmen, der erste Rechner, der nicht an einen festen Arbeitsplatz gebunden war, auch wenn er seinem Anwender kräftige Arme und einen robusten Rücken abverlangte.

Der Grund: Als der Osborne 1 vor 30 Jahren entwickelt wurde, bedeutete Miniaturisierung noch, dass man es schaffte, einen Computer in ein Gehäuse von der Größe eines Pilotenkoffers zu stopften. Dass der Mobil-Rechner es auf ein Gewicht von gut elf Kilogramm (24,5 Pfund) brachte, störte da wenig. Zu sehr überwogen die Vorteile und die neuen Möglichkeiten, die der erste Laptop mit sich brachte. Zum ersten Mal konnten Außendienstler ihr Arbeitswerkzeug zum Kunden und Manager die Bildschirmarbeit mit ins Wochenende nehmen.

Der Umgang mit dem Ungetüm dürfte dabei aus heutiger Sicht ausgesprochen umständlich gewesen sein. Nach dem Einschalten musste man zunächst das Betriebssystem CP/M - Windows kam erst 1985 - laden, um danach vom zweiten Laufwerk aus die Textverarbeitung WordStar oder die Datenbank-Software dBase zu laden. Einen Akku gab es zur Markteinführung nicht, ohne Steckdose war der Rechner nur totes Metall. Erst im Nachgang wurde ein Akku-Pack angeboten, mit dem man immerhin eine Stunde netzunabhängig arbeiten konnte.

Zehntausende Vorbestellungen

Vom Start weg war der 1795 US-Dollar teure Koffercomputer ein Erfolg. Nicht nur, weil er tragbar war, sondern vor allem der mitgelieferten Software wegen. Allein das Programmpaket, heute würde man dazu Office-Software sagen, hätte im Einzelkauf in etwa so viel gekostet wie bei Osborne der Computer samt Software.

Kein Wunder also, dass binnen acht Monaten nach der Einführung die ersten 11.000 Exemplare verkauft und Bestellungen für weitere 50.000 Geräte eingegangen waren. Schon im zweiten Jahr erwirtschaftete der Newcomer Osborne mit seinem einzigen Produkt einen Umsatz von 70 Millionen Dollar. Das Unternehmen war ein Senkrechtstarter der Computerszene.

Deshalb nahm Firmengründer Adam Osborne auch gleich die Entwicklung eines Nachfolgemodells in Angriff. Aufbauend auf dem Erfolg des Erstlings hätte eigentlich auch der ein Verkaufserfolg werden müssen. Zwar war er nicht schneller, dafür aber drei Kilo leichter. Außerdem hatte er einen höher auflösenden Bildschirm (80 statt 53 Zeichen pro Zeile) und sollte sogar 500 Dollar billiger werden.

Was ist Osborning?

Dann aber beging Osborne einen Fehler und kündigte den Vixen genannten Nachfolger in der Presse bereits 1983 an. Ausgeliefert werden sollte das Gerät aber erst 1984. Das Resultat: Das Interesse am Osborne 1 erstarb fast augenblicklich. Wer sich einen Mobilcomputer kaufen wollte, wartete lieber auf das Nachfolgemodell. Trotz massiver Preissenkungen blieben die Lager voll. 1983 ging Osborne in Konkurs.

Jahrzehnte später bestritten Ex-Mitarbeiter von Osborne diese Version der Geschichte. Schuld am Umsatzeinbruch sei die Konkurrenz durch besser ausgestattete, aber günstigere Koffercomputer von Apple und Kaypro gewesen. Am Schicksal der Firma änderte das freilich nichts mehr. Vor allem aber kamen die Widersprüche zu der lange gepflegten Geschichte vom Niedergang des Osborne 1 viel zu spät, um zu verhindern, dass der Name Osborne bis heute synonym für übereilte Produktankündigungen verwendet wird.

Bis heute sorgt die Angst vor dem sogenannten Osborning bis heute dafür, neue Produkte oder auch nur Produktideen so gut wie nur möglich vor Fremden zu verbergen. Ein Meister der Produktverschleierung dürfte heute Apple sein. Das iPhone-Unternehmen verteilt Neuentwicklungen so auf von einander unabhängig arbeitende Teams, dass selbst die beteiligten Entwickler oft bis kurz vor der Einführung keinen Schimmer davon haben, woran sie eigentlich arbeiten. Das klingt paranoid, hat aber sicher nicht unerheblich Anteil daran, dass der Konzern immer wieder mit unerwarteten Details überraschen kann.

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insgesamt 49 Beiträge
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Uncle_Sam 04.04.2011
1. .
Was hat der letzte Abschnitt mit dem Laptop zu tun? Das ist doch bloß wieder ein Schleichwerbung für Apple. Schämen sollte sich der Spiegel.
Emmi 04.04.2011
2. Nix Laptop!
Zitat von Uncle_SamWas hat der letzte Abschnitt mit dem Laptop zu tun? Das ist doch bloß wieder ein Schleichwerbung für Apple. Schämen sollte sich der Spiegel.
Der ganze Artikel hat nix mit Laptops zu tun. Den Osborne 1 hat garantiert niemand auf den Schoß genommen...
founder 04.04.2011
3. Meine Notebook Geschichte
1993: erster Sub Notebook 2 MB RAM, 60 MB Harddisk, 1 kg, 5 AA Mignon Akkus. 1994: Letzter Desktop Computer wird verkauft, seitdem nur noch mit Notebooks unterwegs. 1994: erstmals mit dem Notebook am Strand mit einer Photovoltaik zur Stromversorgung.
seikor 04.04.2011
4. 1985?
also, "Windows kam erst 1985" suggeriert, dass es dann so richtig losging. Pustekuchen. Erst ab Windows 3.1 (1990) war Microsoft in dieser Technik halbwegs marktfähig. (am Rande: den Macintosh gabs mit Maus und s/w-Bildschirm ab 1984..., von dieser Softwaretechnik war MS damals meilenweit entfernt) Im Übrigen ging damals das Laden des Betriebssystems von Diskette deutlich schneller, als das Hochfahren von Windows heute... Und die Ladezeit einer Textverarbeitung von Diskette war auch nicht wirklich ein Problem. Wenn ich mir heute anschaue, wie lange das dauert, bis man in Word mal schreibfähig ist, dann ist da kein großer Unterschied verspürbar. Hat übrigens nicht mit Laptop zu tun, damals funktionierten alle Rechner so. Und - CPM-86 war besser als MSDOS. Also wirklich kein Grund, hier von "aus heutiger Sicht ausgesprochen umständlich" zu reden! Klingt ja fast so, als ob die Geräte damals völlig nutzlos waren. Ob hier ordentlich recherchiert wurde? Es hätte schon genügt, einen über 40-Jährigen Mitbürger zu fragen. Faszinierend finde ich, dass man mit dem Ungetüm damals schon 1 Stunde mobil mit Akku arbeiten konnte. Da hat sich nun auch nicht so waaahnsinnig viel getan........
infoseek, 04.04.2011
5. Unsinn
Was hat Apple hier schon wieder zu suchen? Der von Apple als "Portable" bezeichnete IIc kam erst 1984 auf den Markt und hatte mit Osborne oder Kaypro nicht das Geringste zu tun. Es handelte sich beim IIc lediglich um einen etwas geschrumpften Apple II - der dazugehörige klobige Monitor war ebenso ein separates Gerät wie die Floppy-Laufwerke, und insofern war das Etikett "Portable" ein alberner Euphemismus und diese Kiste keinerlei Konkurrenz für Osborne oder Kaypro. Der erste echte Portable von Apple war 1989 der total missratene "Macintosh Portable". Ich war damals selbst stolzer Besitzer eines Osborne I und damit jahrelang viel unterwegs. Die "Nähmaschine" hat meine Produktivität als Journalist und Texter deutlich erhöht, zumal ich noch eine kleine Typenrad-Schreibmaschine mit einem Interface versehen hatte und so nicht nur vor Ort blitzartig alle Korrekturen einarbeiten, sondern auch gleich die satzfertigen Manuskripte abliefern konnte. Diese Kombination war damals der absolute Hingucker.
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