Computermesse Cebit Alles in 3D und zum Anfassen

Die Vorbereitungen laufen bereits: In nicht mal zwei Wochen beginnt in Hannover die Cebit, die größte Computermesse der Welt. 3-D-Technik, Touchscreens, Netbooks - und Fachbesucher stehen im Mittelpunkt. Ihren Rang als exklusive Neuheiten-Show hat die Messe auch deshalb verloren.

Cebit-Fahne (Archivfoto): Die Hightech-Messe soll vor allem Fachpublikum begeistern
ddp

Cebit-Fahne (Archivfoto): Die Hightech-Messe soll vor allem Fachpublikum begeistern


Die Cebit, einst wichtigster Versammlungsort deutscher Computerfans, strebt zu neuen Ufern. Nachdem im vergangenen Jahr ein Besucherrückgang von rund 20 Prozent verzeichnet worden war, wollen die Macher unter dem Titel "Cebit Sounds!" einen neuen zentralen Treffpunkt für die internationale Musikindustrie schaffen. "Die Wertschöpfungskette der Musikindustrie ist mittlerweile komplett digitalisiert. Diese Entwicklung wird die Cebit aufgreifen und mit Unterstützung namhafter Experten aus der Musikbranche eine innovative, interdisziplinäre Musikmesse starten", sagt Cebit-Vizepräsident Reinhold Umminger.

Schwerpunktthema der Messe wird diesmal allerdings "Connected Worlds" sein, das Zusammenwachsen unterschiedlicher Technologien und der weltweiten Märkte. Wie schon der Messeslogan "Push your Business" sagt, geht die Tendenz weiter hin zum Fachpublikum. Neuheiten wie etwa das iPad von Apple werden in Hannover womöglich gar nicht zu sehen sein, und auch der DVD-Nachfolger Blu-ray-Disc spielt keine große Rolle. "Man muss wirklich suchen, um neue Technik zu finden", sagt Redakteur Andreas Brohme von der Zeitschrift "Computerbild". So werde etwa Acer nur im Bereich für Wiederverkäufer Notebooks und Beamer mit 3-D-Technik vorstellen.

Dabei widmet die Messe dem Thema gleich eine Sonderpräsentation mit dem Titel "Next Level 3D". Die dort vorgestellten stereoskopischen Hard- und Softwarelösungen für Kino, Zuhause und Büro sollen einen Blick in die Tiefe der Technik erlauben. Deshalb wird auch die Eröffnungsfeier im Hannover Congress Centrum erstmals mit Hilfe von 3-D-Technik gestaltet.

USB 3.0 in homöopathischen Dosen

Wie das Internet künftig aussehen könnte, zeigen beispielsweise das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und die Universität des Saarlandes im future parc. Das Zauberwort dabei lautet XML3D. Das ist eine Technologie, die das Internet-Format HTML um 3-D-Fähigkeiten erweitert. So sollen Internetnutzer in virtuelle dreidimensionale Welten eintauchen können.

Schon Realität dagegen ist der neue Übertragungsstandard USB 3.0. Mit Datenübertragungsraten bis zu 4,8 Gigabit pro Sekunde ist er zehnmal schneller als das bisher gebräuchliche USB 2.0. "Es wird auf der Cebit erste Produkte in homöopathischen Dosen geben", sagt Brohme. So zeigten etwa Western Digital und Buffalo externe Festplatten mit USB 3.0. Ein Problem sei bisher noch die Hardware-Unterstützung, denn es gebe erst wenige Mainboards, die das neue Protokoll unterstützen.

Kleiner wäre möglich, theoretisch

Großes Thema werden in Anlehnung an das iPhone von Apple auch wieder die Touchscreens sein. Anknüpfend an den Erfolg des Apple-Gerätes präsentiert etwa Hyundai einen 15-Zoll-Bildschirm, der auf Berührung reagiert, MSI bietet ebenso ein komplettes Touchscreen-System an wie der Hersteller Shuttle, dessen All-in-One-PC auf der neuesten Intel-Atom-Plattform basiert.

Diese Atom-Prozessoren sollen leistungsfähiger und sparsamer sein, was sich speziell bei den Netbooks durch längere Akkulaufzeiten auszahlen soll. Da ein Grafikchip direkt im Prozessor steckt, können Nutzer ersten Tests zufolge damit hochauflösende Filme ruckelfrei ansehen. "Theoretisch wäre es damit auch möglich, die neuen Netbooks kleiner zu machen", sagt Experte Brohme. Bisher griffen die Hersteller aber noch meist auf die alten Gehäuse zurück.

Ein iPad-Antipode von Asus?

Nur eine Nebenrolle wird das iPad von Apple nach Ansicht von Brohme auf der Neuheitenschau spielen. "Man wird es höchstens als Pappmodell sehen, zum Beispiel bei den Zubehör-Herstellern." Ähnlich wie Apple seien viele Hersteller aber inzwischen dazu übergegangen, Neuheiten bei eigenen Hausmessen zu präsentieren, was der Attraktivität der Cebit natürlich schade. Zudem würden wichtige Neuheiten rund um Handys und Spiele inzwischen eher auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin oder dem Mobile World Congress in Barcelona gezeigt. "Den ganz großen Überblick bekommt man deshalb in Hannover nicht."

Er ist allerdings auch sicher, dass die Hersteller vor der Messe noch nicht komplett die Katze aus dem Sack gelassen haben. "Es wird sicher noch einige Überraschungen geben", sagt Brohme. So gebe es das Gerücht, dass ASUS auf der Cebit einen Konkurrenten zum iPad vorstellen wird.

Ralph Bauer, ddp

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