Aus Taipeh berichtet Matthias Kremp
Worum es auf dieser Computex, der größten IT-Messe Asiens und eine der größten weltweit, gehen wird, das haben zwei Schwergewichte der Branche schon am Tag vor Messebeginn klargestellt: Windows 8 - und was man damit machen kann. Während Acer mit Windows 8 erwartbare Geräte vorstellte, präsentierte Asus eine ganze Reihe ungewöhnlicher, teils einzigartiger Geräte.
Vor allem das Taichi, das Asus-Chef Jonney Shih auf einer Pressekonferenz in Taipeh enthüllte, zeigt, dass es bei Mobilcomputern immer noch viel Raum für Innovationen gibt. Auf den ersten Blick sieht das Taichi aus wie ein Ultrabook, schlank, mit Tastatur und Touchpad. Aber dabei hat es Asus nicht belassen. Der Bildschirm ist ein Doppel-Display und funktioniert von beiden Seiten. Klappt man den Deckel zu, wird aus dem Notebook ein Touchscreen-Tablet.
Das alles funktioniert natürlich nur mit Windows 8 und ist auch speziell dafür entwickelt worden. Es wird kein Zufall sein, dass Microsoft wenige Tage zuvor die sogenannte Release Preview des neuen Betriebssystems veröffentlicht hat, die in Taipeh auf fast allen Show-PC installiert ist. Mit technischen Details zum Taichi ist Asus dagegen noch sehr zurückhaltend. Die neuesten Intel-Prozessoren sollen eingebaut werden, stets eine SSD als Massenspeicher dienen.
Lieber ARM oder lntel
Einen anderen Weg, Notebook und Tablet zu vereinen, geht Asus beim Transformer Book. Genau wie bei den Android-Tablets der Transformer-Serie kann man hier Tastatur und Touchscreen voneinander trennen. Mit dem feinen Unterschied allerdings, dass im Transformer Book weit mehr Rechenkraft steckt. Angetrieben von Intel-Core-i7-Prozessoren und ausgestattet mit 4 GB RAM, Festplatte oder SSD und USB 3.0 ist es laut Hersteller das dünnste und leichteste Tablet mit einem i7-Chip. Von so viel Leistung sind die von ARM-Prozessoren angetriebenen Transformer-Tablets weit entfernt, sie tummeln sich eher auf Netbook-Niveau.
Und doch hat Asus auch eine bemerkenswerte ARM-betriebene Neuheit in Taipeh dabei: das Tablet 600. Es ist der erste Flachrechner von Asus mit Windows-Betriebssystem und ARM-Prozessor. Bislang war eine solche Kombination undenkbar, weil Windows nur auf Intel- und kompatiblen Prozessoren lief. Von Windows 8 entwickelt Microsoft nun die Variante Windows RT. Es wird das erste Windows sein, das auch auf den ARM-Chips läuft. Die Chips der britischen Firma sind bei den Handy- und Tablet-Herstellern so beliebt, weil sie mit moderatem Stromverbrauch viel Leistung bringen.
"Das größte Tablet"
Im Tablet 600 steckt ein ARM-Prozessor von Nvidia, der Quadcore-Chip Tegra 3, der auch in einigen aktuellen Android-Handys wie dem HTC One XL benutzt wird. Wie sich das neue Windows auf einem solchen Chip anfühlt, konnte man bei Asus leider noch nicht ausprobieren, das Gerät war zunächst nur unter Glas zu sehen.
Vollkommen unübersehbar war allerdings der neue PC von Asus, der Transformer All-in-one. Natürlich auch für Windows 8 entwickelt, hat auch er einen Touchscreen, der allerdings 18,4 Zoll groß ist. Auf seinem Schreibtischständer sieht er aus wie ein fast gewöhnlicher, etwas klobiger Desktop-PC im iMac-Look. Wenn man ihn allerdings mit einem Handgriff vom Ständer entfernt, wird er "das größte Tablet", wie Shih scherzhaft lachend sagt, als er das riesige Gerät über die Bühne trägt. Dank eines ausklappbaren Standfußes lässt sich der All-in-one dann auf jeder ebenen Fläche abstellen. Das Tablet 810, ein 11,6-Zoll-Tablet mit Windows 8, 64 GB Speicherplatz und NFC-Funk, fällt bei Asus angesichts solcher Konkurrenz kaum noch auf.
Acers Tri-Mode-Tablet
Dass aber genau solche Mitnehm-Computer eines der Leitthemen der Messe sein werden, sieht man bei Acer. Zwei Windows-8-Tablets hat der Konzern in Taipeh dabei. Nummer eins ist das Iconia W510. Acer bezeichnet es als Tri-Mode-Tablet, weil man es als Tablet, mit einem Tastaturdock als Arbeitsrechner und mit umgedrehtem Tastaturdock als Präsentationsbildschirm - oder TV - verwenden kann. Weil es ein Full-HD-Display in IPS-Technik hat, das eine große Blickwinkelstabilität bietet, ist es für Vorführungen vor mehreren Zuschauern gut geeignet. Acer verspricht zudem sensationelle 18 Stunden Akkulaufzeit für das zehn Zoll große W510.
Nur halb solange hält der Akku des Iconia W700 durch. Dafür soll das 11,6-Zoll-Modell das leistungsfähigste Windows-8-Tablet sein, sagt Acer. Mit einer Dockingstation, die um eine Tastatur ergänzt werden kann, ist es zum Desktop-Ersatz umbaubar. Dass diese Aussage nicht übertrieben ist, konnte man in Taipeh sofort ausprobieren. Dabei fiel auf, was für ein dickes Ding dieses Dock ist (siehe Fotostrecke).
Intel muss es richten
Besser gelungen sind die beiden neuen Ultrabooks, die Acer für Windows 8 mit Touchscreens bestückt hat. Die als Aspire 7 bezeichneten Geräte sind sehr schlank und wirken mit ihrem Gehäuse aus einer Magnesiumlegierung wertig. Laut Acer sind sie die derzeit dünnsten Touchscreen-Ultrabooks und sollen üppige zwölf Sunden auf Akkustrom durchhalten. Dass beide Geräte mit SSD statt Festplatten ausgeliefert werden, war den Acer-Mitarbeitern noch zu entlocken, welcher Prozessor und welche Grafikkarte drinsteckt, dagegen nicht.
Ohnehin wurden Acers Produktmanager ausgesprochen schmallippig, wenn man sie nach genauen technischen Daten fragte. Zum Innenleben der neuen Produkte wurden kaum Angaben gemacht. Datenblätter, die etwa die Behauptung, das Iconia W700 sei das leistungsstärkste Windows-8-Tablet, hätten belegen können, wurden nicht herausgegeben - entsprechende Fragen mit einem "darüber darf ich nichts sagen" abgewiesen.
Über den Grund für diese Geheimniskrämerei kann man nur spekulieren. Naheliegend ist aber die Vermutung, dass es sich bei den verschwiegenen Chips um noch nicht angekündigte Hardware handelt. Intels Auftritt folgt am Dienstag. Vermutlich wird danach oder schon währenddessen der Schleier gelüftet.
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