Consumer Electronics Show: Tanz der Tablets

Von , Las Vegas

Laptops? Smartphones? Wer braucht denn sowas? Bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas - Fachmesse Nummer eins für Gadgets - feiern die Gerätebauer den Tablet-Rechner. Den Auftakt macht Asus mit einem veritablen Tablet-Reigen, darunter ein Mixmodell aus Laptop und Flach-PC.

Tablets von Asus und Co.: Alles, was flach ist Fotos

Asus-Chef Jonney Shih lässt kaum eine Möglichkeit aus, gegen die Konkurrenz zu wettern. Gerade Firmen, deren Name auch mit A beginnt, kommen schlecht weg. Vor allem Apple und Acer müssen also leiden. Der quirlige Manager steht am Dienstnachmittag (Ortszeit) in einem Konferenzsaal des nagelneuen "Aria"-Hotels in Las Vegas und zeigt jene neuen Produkte, mit denen Asus auf der weltgrößten Unterhaltungselektronikmesse Consumer Electronics Show (CES) die Wettbewerber ausstechen will.

Zwar geht die CES erst am Donnerstag richtig los. Doch viele der wichtigsten Produkte werden schon in den Tagen vor der Eröffnung vorgestellt. Auch Asus nutzt, wie so viele andere Hersteller, die Gelegenheit, außerhalb des Messetrubels intensiv für die vermeintlichen Vorzüge der eigenen Neuheiten zu trommeln. Und wie sie setzt Konzernlenker Shih voll auf Tablet-PC, die Mitnehmcomputer mit Fingerbedienung.

Mit dem EeePC hat das Unternehmen fast im Alleingang den neuen Markt für Netbooks geschaffen, jene günstigen, kleinen Mobilrechner, die inzwischen den größeren Laptops substantielle Marktanteile wegnehmen. Jetzt will Asus diesen Trick mit Tablet-Rechnern wiederholen. Damit ist das Unternehmen nicht allein: Zahlreiche Hersteller haben Tablets für die CES angekündigt oder schon präsentiert, Dutzende Modelle wird es auf der Messe zu sehen geben.

Bevor Shih zur Sache kommt, widmet er sich ausführlich der Frage, wie wichtig, erfolgreich und beliebt seine Marke eigentlich ist. Asus habe im vergangenen Jahr Tausende Auszeichnungen gewonnen, viele für Ökotechnik, erklärt er begeistert. Dann widmet er sich der Konkurrenz. Per Powerpoint-Diagramm vergleicht er Innovationskraft und Produktvielfalt von Acer und Apple. Sein Ergebnis: Apple sei innovativ, aber einseitig, Acer biete viel Auswahl, aber nur langweilige Produkte.

Zwischen den beiden klafft auf Shihs Chart eine riesige Lücke, und die soll Asus nun offenbar füllen, mit einer ganzen Reihe neuer Mobilcomputer, die zwar alle dem Tablet-Trend folgen, aber doch sehr unterschiedlich sind - und sich in mancher Hinsicht tatsächlich klar von der Konkurrenz abgrenzen.

Wandelbar: Der Transformer

Für Anwender, die sich nicht zwischen Notebook und Tablet entscheiden können, dürfte etwa das Eee Pad Transformer interessant sein. Als Shih das Gerät auf der Bühne zeigt, wundert man sich zunächst, wo denn das Tablet sein soll. Zusammengeklappt nämlich sieht das Gerät wie ein ordinäres Notebook aus, mit Tastatur, USB, HDMI und allem drum und dran.

Dann aber zieht der Manager Tastatur und Display auseinander und erklärt das Konzept. Die Tastatur ist eigentlich eine Dockingstation, in die das Tablet, beispielsweise zum Textetippen, eingesteckt werden kann. Mit seinem Zehn-Zoll-Bildschirm ist es etwa so groß wie ein Netbook und nutzt ebenfalls Android.

Stolz ist Shih aber vor allem darauf, dass im Inneren Nvidias neuer Dualcore-Prozessor Tegra 2 arbeitet. Sogleich fängt er wieder an, auf Apples iPad einzuprügeln. Viermal so schnell wie der A4-Chip im Apple-Tablet sei Nvidias Doppelkern-CPU. Trotzdem zeige das Gerät mit 16 Stunden Betriebszeit eine sehr beachtliche Ausdauer und sei sogar dünner als Apples Konkurrenzprodukt. Mit zwei Kameras, Flash 10 und diversen Multimediafähigkeiten lässt es das iPad von der Ausstattung her ohnehin weit hinter sich. Im April soll das Eee Pad Transformer für 400 bis 700 Dollar auf den Markt kommen.

Fetter Brummer

Bemerkenswert ist auch das Eee Slate EP121. Mit 12,1 Zoll ist dieses Modell der fetteste Brummer im Asus-Tablet-Portfolio. Doch nicht das Display, der Antrieb ist es, der es von der Konkurrenz abhebt. Denn statt eines der sonst in Tablets üblichen Qualcomm-, ARM- oder Samsung-Prozessoren ackert hier Intels Core-i5-Chip, ein Notebookprozessor, der sonst eher in besseren Mittelklasse-Notebooks eingesetzt wird. Wohl um Hitzeentwicklung und Stromverbrauch in erträglichen Grenzen zu halten, setzt Asus im Eee Slate allerdings die auf Sparsamkeit getrimmte "UM"-Variante des Chips ein.

Was das bringt, lässt Asus am Dienstag aber im Unklaren. Angaben zur Akku-Betriebsdauer machen weder Shih noch seine Angestellten, was befürchten lässt, dass es damit nicht weit her ist. Aber Ausdauer hat bei der Entwicklung dieses Geräts offensichtlich nicht im Fokus gestanden, Leistung war gefordert.

Und daran lässt Shih auch keinen Zweifel, als er, während er das Tablet vor die Reporterkameras hält, immer aufs Neue zwei Worte wiederholt: "No compromise", "Keine Kompromisse". Mit dem Eee Slate soll man arbeiten können wie mit jedem PC dieser Prozessorklasse.

Dass dieses Versprechen eingelöst wird, soll Marketing-Manager Gary Key beweisen. Während er drahtlos einen Film in Full-HD auf einem Fernseher abspielt, bearbeitet Key in Photoshop ein Bild mit Filtern und Effekten. Dass dabei auf dem drahtlos verbundenen TV gar nichts zu sehen ist, bekommt er in seiner Begeisterung gar nicht mit. Erst als er schon wieder von der Bühne abtritt, ist der Film zu sehen. Das überlastete W-Lan-Netz im Saal soll schuld gewesen sein.

An Windows 7, das auf dem Eee Slate läuft, soll es jedenfalls nicht gelegen haben. Vielmehr solle das Gerät mit seinem großen Bildschirm, schnellen Prozessor, HDMI und Bluetooth 3.0 "das volle Windows-Erlebnis bringen". Dass eben dieses Betriebssystem nicht ideal für die Bedienung per Finger geeignet ist, hat man auch bei Asus erkannt und legt dem Tablet einen Digitalisierstift von Wacom bei, mit dem sich das System wohl besser steuern lässt. Schon im Januar soll das Eee Slate kommen, zu Preisen zwischen 1000 und 1100 Dollar.

Auch mit Android

Auch sonst scheint Asus seinen Kunden keine übermäßige Fingerfertigkeit zuzutrauen. Als Shih das kleinste Asus-Tablet, das nur sieben Zoll große Eee MeMo vorführt, benutzt er einen solchen Stift, um seine Unterschrift auf das berührungsempfindliche Glas zu kritzeln. Ansonsten aber passt das MeMo mit seinem Qualcomm-Chip schon besser in die Riege bekannter Tablets - wäre da nicht das Betriebssystem.

Hier zeigt Shih Googles Android-OS in der als "Honeycomb" (Honigwabe) bezeichneten Variante. Ob die nun die Versionsnummer 3.0 oder - wie es jüngst die Runde machte - 2.X trägt, ist dabei belanglos. Wichtiger ist, dass Asus sein Gerät naturgemäß nicht verkaufen kann, bevor Google die neue Software freigegeben hat. Wann das so weit sein wird, ist unklar. Aktuell ist von Februar die Rede. Erst im Juni soll das Eee Pad MeMo dann auf den Markt kommen. Die Preise sollen, je nach Ausstattung, zwischen 500 und 700 Dollar liegen.

Nachfolger der Communicators?

Eine ganz andere Kategorie von Mobilgeräten lässt dagegen das Eee Pad Slider hinter sich: die sogenannten Slider-Phones. Das berühmteste Beispiel dafür sind Nokias Communicator-Smartphones - Handys, bei denen sich im Querformat eine Tastatur unter dem Bildschirm hervorschieben lässt und die so zur Mini-Schreibmaschinen werden. Mit dem Vormarsch der Touchscreen-Handys haben solche Geräte freilich massiv an Bedeutung verloren.

In diese Lücke soll jetzt offenbar der ebenfalls zehn Zoll große Slider stoßen. Genau wie bei jenen Smartphones kann man auch hier eine Tastatur hervorschieben. Das Resultat ist ein schlanker Mini-Mobilrechner, der sich bequem per Touchscreen steuern und zum Arbeiten auf Tastaturbedienung umstellen lässt.

Die übrige Ausstattung orientiert sich am Transformer. Allerdings ist das Slider mit 886 Gramm Gewicht und nur 16,7 Millimetern Dicke noch leichter zu transportieren. Kosten soll das Gerät 500 bis 800 Dollar, anbieten will Asus es ab Mai.

Wie es allerdings um die Qualität der superflachen Tastatur bestellt ist, lässt sich bisher nicht einschätzen. Denn genau wie alle anderen Asus-Tablets verschwand auch der Slider nach seiner Vorstellung sofort hinter der Bühne. Nach dem Motto "Angucken ja, anfassen aber nicht".

Insgesamt aber macht die Asus-Präsentation klar, dass Apples iPad nunmehr echte Konkurrenz erwächst. Neben Samsungs Galaxy Tab wird es künftig viele Geräte geben, die Ähnliches und manchmal sogar einiges besser können als Apples Tablet. In den kommenden Tagen dürften auf der CES noch etliche innovative oder wenigstens ungewöhnliche Modelle gezeigt werden. Billiger als der Marktführer werden die aber überwiegend wohl nicht sein.

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insgesamt 102 Beiträge
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1. ...
felisconcolor 05.01.2011
wenn ich die Bilder so betrachte, hat anscheinend nur Asus begriffen das ein Tablet mehr ist als nur ein Bespassungsgerät mit anderen Mitteln. Sollten die Versprechen halten... Dann hat Asus schon einen potentiellen Kunden. endlich ein tragbares Gerät was mir meine Nutzersoftware dahin bringt wo ich sie brauche. Ohne viel schnickschnack und nicht immer nach dem dritten Arm ausschauhaltend wenn ich mal wieder was in/an meinen Lappi eintippen oder bedienen will. Denn nicht überall gibt es eine Möglichkeit etwas abzustellen.
2. Frage
archie 05.01.2011
Zitat von sysopLaptops? Smartphones? Wer braucht denn sowas? Bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas - Fachmesse Nummer eins für Gadgets - feiern die Gerätebauer den Tablet-Rechner. Den Auftakt macht Asus mit einem veritablen Tablet-Reigen, darunter ein Mixmodell aus Laptop und Flach-PC. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,737866,00.html
So so, das Ding soll ein Notebook ersetzen und wird deshalb mit Tastatur ausgeliefert. Und damit es nicht umkippt hat es eine Stüze. Warum? Ein Notebook kann ich zuklappen, der Bildschirm ist vor Zerkratzen und Verschmieren geschützt und es steht selbständig auf dem Tisch oder auf dem Schoß (LAP-Top). Warum in 3 Teufels Namen muss ich so ein Pad besitzen, was kann es, was ein Notebook nicht kann?
3. Was soll denn das werden?
scsimodo 05.01.2011
Ein Notebook-Prozessor in einem Slate-PC? Da wünsche ich schon mal viel Spaß mit nervenden Lüftern. Windows 7? Ein OS, das nachweislich so gut wie gar nicht auf Fingerbedienung ausgelegt ist? Soll man da nen Maus anschliessen, oder wie? Grundsätzlich ist Konkurrenz und Vielfalt ja gut, aber ich fürchte das werden keine Slate-PCs sondern Notebooks ohne Tastatur und Trackpad. So pinkelt man Apple vermutlich nicht ans Bein. Und die Preise sind ja auch nicht so wahnsinnig gut.
4. Sie
Besserwisser1970 05.01.2011
Zitat von scsimodoEin Notebook-Prozessor in einem Slate-PC? Da wünsche ich schon mal viel Spaß mit nervenden Lüftern. Windows 7? Ein OS, das nachweislich so gut wie gar nicht auf Fingerbedienung ausgelegt ist? Soll man da nen Maus anschliessen, oder wie? Grundsätzlich ist Konkurrenz und Vielfalt ja gut, aber ich fürchte das werden keine Slate-PCs sondern Notebooks ohne Tastatur und Trackpad. So pinkelt man Apple vermutlich nicht ans Bein. Und die Preise sind ja auch nicht so wahnsinnig gut.
fürchten falsch. SPON zeigt wieder seine brutale Ahnungslosigkeit, oder Apple-fixiertheit. Die hier beschriebenen Teile sind alle mit Android, also mit Touchscreen-OS. Und die Prozessoren sind vergleichbar mit denen aus Top-Smartphones, da werden Sie keinen Lüfter hören. Wenn der Preis jeztt so stimmt, es werden zwischen 400 - 600$ berichtet, sind die Teile dem Ipad konkurrenzfähig.
5. Tastaturen und Ständer
peterbruells 05.01.2011
Zitat von archieSo so, das Ding soll ein Notebook ersetzen und wird deshalb mit Tastatur ausgeliefert. Und damit es nicht umkippt hat es eine Stüze. Warum? Ein Notebook kann ich zuklappen, der Bildschirm ist vor Zerkratzen und Verschmieren geschützt und es steht selbständig auf dem Tisch oder auf dem Schoß (LAP-Top). Warum in 3 Teufels Namen muss ich so ein Pad besitzen, was kann es, was ein Notebook nicht kann?
Müssen Sie doch nicht. Meine Güte, rennen Sie auch durch die Geschäfte und fragen Sie, warum sie einen Spargelschäler, einen Konzertflügel oder ein Kajak besitzen sollen? Das Gerät ist halt dazu gedacht, daß man eine Tastatur anschließen kann, wenn man es brauchen kann. In allen anderen Fällen, läßt man sie eben weg. Kann ich als iPad-Benutzer gut nachvollziehen, wobei das iPad konzeptionell bedingt gar keinen "richtigen" Rechner ersetzen soll, was beim Asus eine Option wäre. Es ist ganz selten, daß ich mal eine Tastatur anschließen würde. Selbst für einen solchen Text ist die virtuelle Tastatur "gut genug". Dafür kann man das Ding wirklich in die Hand nehmen und auch stehend benutzen, was bei Laptops eben nicht so gut geht.
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