Coole Kamera-Hacks: Tuning für die Digicam

Von Mirco Lang

Es kostet nichts und der Aufwand hält sich in Grenzen: Mit Firmware-Hacks oder gleich einer kompletten Alternativsoftware kann man versteckte Funktionen von Digitalkameras freischalten - oder ganz neue hinzufügen. Wir zeigen die coolsten Hacks.

Die Funktionalität einer Kamera wird durch zwei Aspekte beschränkt: die Hardware und die Software. Allerdings müssen die beiden nicht übereinstimmen; die Hardware kann oft mehr, als der Hersteller ihr zugesteht - eine Beschränkung, realisiert über die vorinstallierte Software. Dies kann absichtlich geschehen, etwa wenn Hersteller verschiedene Modelle mit ähnlicher Hardware und der gleichen Firmware-Grundlage vertreiben und das günstigere Modell künstlich drosseln.

Ein Beispiel dafür ist etwa die Canon 300D, die 2004 mit einem kaum schlagbaren Preis die Digicam-Welt aufrüttelte, hochtrabend als "Digital Rebel" vermarktet. Mit wenigen Kniffen ist es einem Hacker gelungen, Funktionen freizuschalten, die ansonsten nur der wesentlich teureren D10 vergönnt sind. Mehr dazu später. Ein anderer Grund für absichtlich eingebaute Grenzen ist die Stabilität, denn wenn die Firmware die Hardware bis zum Letzten ausreizt, leiden unter Umständen sogar mechanische Teile, auch Systemabstürze könnten durchaus vorkommen.

Eine Beschränkung durch Software kann aber auch unabsichtlich sein, etwa wenn ein Hersteller ein Feature schlicht vergessen hat, das sich die Nutzer jedoch wünschen. Oder wenn Kameras komplett anders genutzt werden sollen: Mit der Stereo-Data-Maker-Software beispielsweise können Sie zwei Canon-Kameras parallel betreiben, um Bilder für stereografisches 3-D zu erstellen. Dass Canon keine entsprechenden Features eingebaut hat, kann man dem Hersteller wohl kaum anlasten.

Aber das Schöne an Software ist: Irgendwo auf der Welt findet sich für jedes Quentchen interessanten Codes ein Hacker, der anfängt, damit herumzuspielen. Das bringt uns auch zum Anfang von Firmware-Hacks und -Alternativen: Per Reverse Engineering wird in der Regel der Code der Firmware aufgedeckt, Änderungen werden eingespielt, das Ergebnis wieder in das originale Firmware-Format gebracht, und schon kann diese auf der Kamera genutzt werden. Das Resultat ist leistungsfähig, aber nicht immer unproblematisch, und Hersteller sehen es ungern.

Potenzial und Gefahr

Die nachfolgend vorgestellten Hacks und Tools gehen grundsätzlich auf zwei verschiedene Arten vor: Die alternative Canon-Software residiert ganz harmlos auf der SD-Karte und wird beim Start der Kamera geladen, die Original-Firmware bleibt unangetastet - funktioniert etwas nicht, oder wollen Sie einfach wieder die Originalsoftware nutzen, reicht das Entfernen der Karte. Ähnliches gilt für die Version Green Lantern. Andere gehackte Firmware-Versionen wie UnDutchables für die 300D ersetzen die Originale, sodass zumindest ein theoretisches Risiko besteht, dass gar nichts mehr läuft und Sie manuell die ursprünglichen Versionen einrichten müssen.

Ein Risiko ist beiden Arten gemein: das theoretische Risiko, dass die Hardware Schaden nimmt. Auch wenn dies bei den vorgestellten Hacks, die seit langem etabliert sind, nicht bekannt ist, bedeutet das natürlich, dass die Herstellergarantie erlischt. Zwar ist in vielen Fällen für den Reparaturservice nicht erkennbar, dass alternative Firmware aufgespielt wurde (sofern sie deinstalliert wurde, versteht sich), doch selbst wenn, scheinen die Hersteller laut Nutzerberichten Garantiefälle anzunehmen.

Nachdem wir nun hoffentlich ein wenig Respekt vor Firmware-Updates gestreut haben, möchten wir aber auch klarmachen, warum sich das Ganze lohnt. Ein populäres Beispiel ist die HDR-Thematik. Für die spektakulären High-Dynamic-Range-Bilder benötigen Sie Belichtungsreihen, aber nicht alle Kameras beherrschen Auto Bracketing, können also nicht automatisch drei (oder mehr) Bilder herstellen, die unter-, über- und normal belichtet sind. Mit dem CHDK (Canon Hackers Development Kit) spendieren Sie Canon-Knipsen dieses enorm wichtige Feature. Auch ein D40-Benutzer ist dieses Problem angegangen und hat es mit einer PC-Steuerung gelöst, die zwar einen Laptop oder Ähnliches benötigt, für HDR-Profis aber extrem interessant ist.

Aber auch direkte Einflussnahme auf Hardware ist möglich, beispielsweise das Realisieren kürzerer Verschlusszeiten oder höherer Datenraten bei Videoaufnahmen. Ein Blick auf die verfügbaren Lösungen lohnt sich jedenfalls für jeden ambitionierten Hobbyfotografen, oft ist es ein einzelnes Feature, das ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Übrigens: Glauben Sie bitte nicht, wir seien ein reiner Canon-Fanclub, aber bezüglich alternativer Firmware gibt es nicht allzu viel anderes. Wirklich erwähnenswert ist eigentlich nur der Ansatz für die Panasonic GH1. Die meisten anderen Geschichten, die sich zum Teil schon seit Jahren im Netz verbreiten, thematisieren eher Wünsche, Gerüchte, Möchtegernprojekte und Ähnliches, bringen aber keinen Mehrwert.

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insgesamt 39 Beiträge
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1. hmmm
spatenheimer 13.08.2011
Wo soll man bitte diesen komischen Webcode eingeben? In der Suche funktioniert der schon mal nicht. Hätte ein ganz normaler Link nicht gereicht?
2. Chdk
johndo89 13.08.2011
Da muss ich wirklich sagen, da haben die Jungs was wirklich feines auf die Beine gestellt. Kann mir gut vorstellen, das darum gebrauchte Kameras der Marke Canon immer noch sehr gute Preise erzielen und auch die Anzahl der zum verkauf stehenden sich in doch überschaubaren Grenzen hält, gegenüber anderen Herstellern.
3. Tolle Sache
Zorak 13.08.2011
Ich hab bis jetzt nie so ganz verstanden, warum es Kamerahersteller nicht schaffen längere Belichtungszeiten und Selbstauslöserzeiten in ihren Kompakt-Kameras zuzulassen. Vielleicht kümmert sich da ja jetzt mal ein Hacker drum...
4. kann mich nur anschliessen
luxp 13.08.2011
Zitat von spatenheimerWo soll man bitte diesen komischen Webcode eingeben? In der Suche funktioniert der schon mal nicht. Hätte ein ganz normaler Link nicht gereicht?
was soll so ein blödsinniger code? wer schlauer ist möge bitte hier antworten was man damit anfangen kann! thx mfg
5. Code? Wohin?
murksi-spandau 13.08.2011
Jau, begreife das mit dem Code auch nicht wirklich, wäre über ne kleine Hilfestellung dankbar.
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