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Darpa Robotics Challenge: Südkoreaner gewinnen den Roboter-Wettkampf

Arbeit an einem Schlauch: Der Roboter von Team Kaist aus Südkorea hat die DRC gewonnen Zur Großansicht
AFP

Arbeit an einem Schlauch: Der Roboter von Team Kaist aus Südkorea hat die DRC gewonnen

Er soll in Zukunft bei Katastrophen Menschenleben retten: Der humanoide Roboter des südkoreanischen Teams Kaist hat die Robotics Challenge der US-Forschungsbehörde Darpa gewonnen. Selbst die Geheimaufgaben löste er richtig.

Er ist Auto gefahren, Treppenstufen hinaufgestiegen, hat ein Ventil geöffnet, ein Loch in eine Wand gebohrt und auch alle anderen Aufgaben erfolgreich zu Ende gebracht. Zum Teil eigenständig, denn die Verbindung zu seinem Team war manchmal schlecht. So wie bei einer echten Katastrophe.

1,80 Meter groß, 80 Kilogramm schwer, zwei Arme, zwei Beine, eine Art Kopf: Der Gewinner ist kein Mensch, er ist ein humanoider Roboter, der Menschenleben retten soll. Team Kaist aus Südkorea hat im kalifornischen Pomona das Finale der Robotics Challenge der US-Militärforschungsbehörde Darpa gewonnen.

In 44 Minuten und 28 Sekunden haben die Koreaner als schnellstes Team den Hindernisparcours geschafft. Sie nehmen ein Preisgeld in Höhe von zwei Millionen Dollar mit nach Hause.

Auf Platz zwei landete nach 50 Minuten und 26 Sekunden Team IHMC Robotics aus Florida, Platz drei erreichte Tartan Rescue von einer Uni aus Pennsylvania. Sie erhalten eine Million beziehungsweise 500.000 Dollar Preisgeld. Alle Platzierungen sehen Sie hier.

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Darpa Robotics Challenge: Alle Teilnehmer der Robo-Olympiade
Die Inspiration für den Wettbewerb mit 25 Teams, der schon vor drei Jahren begann, war die Reaktorkatastrophe von Fukushima: Roboter hätten dort, wären sie einsatzbereit gewesen, das Schlimmste verhindern können, wenn sie im Inneren des Reaktorgebäudes bestimmte Ventile geöffnet hätten. Menschen hätten dabei eine tödliche Strahlendosis abbekommen. Solche Aufgaben sollen Multifunktionsroboter künftig wahrnehmen können.

Deshalb wurde nun getestet: Können sich die Roboter nach einem Sturz von selbst wieder aufrichten? Können sie sich einen Weg durch Schutt bahnen? Kommen sie klar ohne Kabelverbindung zu einer Stromquelle oder zu ihrem menschlichen Konstruktionsteam?

Zwei Aufgaben waren bis zuletzt geheim gehalten worden: So mussten die Roboter auch einen Hebel ziehen und einen Stecker aus einer Steckdose ziehen und in eine andere einstöpseln.

Darpa Robotics Challenge: Die Aufgaben Zur Großansicht
DARPA

Darpa Robotics Challenge: Die Aufgaben

Viele Finalisten kamen aus den USA, Japan und Südkorea, einige stammten aber auch aus Deutschland: Das Team Hector, das einen Roboter namens Johnny 05 ins Rennen schickte, und das Team Nimbro Rescue mit seinem Roboter Momaro. Das Team Vigir mit seinem Finalisten Florian setzte sich aus Deutschen und US-Amerikanern aus dem Bundesstaat Virginia zusammen. Informationen über alle Finalisten findet man hier.

Der Atlas ist der Wettkampfathlet unter den Boston-Dynamics-Robotern. Er kann Arme, Beine, Kopf und Torso bewegen, in den Kopf sind Stereokameras und ein Laser-Entfernungsmesser integriert. Als Teil der sogenannten Darpa Robotics Challenge haben Atlas-Roboter beispielsweise eine verschüttete Tür freiräumen oder eine Leiter besteigen müssen – ohne externe Stromzufuhr oder direkte Steuerung von außen. Version Eins von Atlas ist 1,88 Meter groß und wiegt 159 Kilogramm. Das neue Modell Atlas Next Generation wiegt nur noch die Hälfte und ist deutlich agiler.

Der Petman ist ein Roboter mit menschlichen Körpermaßen, der entwickelt wurde, um Schutzkleidung gegen chemische Waffen für Soldaten zu testen. Um entsprechende Schutzanzüge realistisch zu belasten, kann die Maschine nicht nur erstaunlich menschlich laufen, sie beherrscht auch Kniebeugen, Grätschen und kann ihren Torso und ihre Arme sehr menschenähnlich drehen und bewegen. Der Petman simuliert darüber hinaus menschliche Körpertemperatur und sogar Schweiß.

Hondas Asimo ist vermutlich der derzeit bekannteste humanoide Roboter, und sei es nur, weil es ihn schon so lange gibt. Das aktuelle Modell kann laufen, Treppen steigen, Menschen in seiner Umgebung ausweichen, Flaschen öffnen und Getränke einschenken und sogar auf einem Bein hüpfen. Das aktuelle Modell ist 1,30 Meter groß, wiegt 54 Kilogramm und kann bis zu 6 km/h schnell rennen – mit dem typischen, irgendwie niedlich aussehenden Schmidtchen-Schleicher-Gang, für den der Roboter bekannt ist.

Pepper ist ein Produkt der Firma Aldebaran, die wiederum zum japanischen Telekommunikationsriesen Softbank gehört. Der niedlich wirkende humanoide Roboter wird in Japan bereits in Ladengeschäften eingesetzt, um Kunden zu begrüßen, er soll aber zu einem Haushaltsroboter für Privatkunden weiterentwickelt werden. Der Roboter soll mit Menschen in Interaktion treten, etwa Fragen beantworten oder Wegbeschreibungen geben. Der Bildschirm auf seiner Brust soll die – simulierte – Gefühlswelt des Roboters zeigen. Pepper ist 1,20 Meter groß und wiegt 28 Kilogramm. Aldebaran hat sich den Aufwand einer zweibeinigen Bewegung gespart – Pepper steht auf drei in alle Richtungen beweglichen Rädern.

Baxter von der Firma Rethink Robotics ist ein Roboter für den professionellen Einsatz. Er soll in Fabriken und kleineren Betrieben variable Aufgaben übernehmen können. Die zwei Arme des Roboters lassen sich von einem menschlichen Trainer nahezu beliebige Bewegungen beibringen, verschiedene Aufsätze sollen ihm ermöglichen, unterschiedliche Arten von Objekten aufzuheben und zu bewegen. Er soll beispielsweise eingesetzt werden, um Produkte in Kartons zu verpacken. Sich von der Stelle bewegen kann Baxter nicht: Er muss von einem Menschen von Einsatzort zu Einsatzort gerollt werden. Baxter ist mit seinem variablen Standfuß 1,78 bis 1,90 Meter hoch und wiegt 75 Kilogramm. Das Standardmodell kostet 25.000 Dollar.

Der LS3 von Boston Dynamics ist einer aus einer ganzen Serie von Vierbeinern, die primär für militärische Zwecke entwickelt wurden. Die militärische Forschungsbehörde Darpa und das Marine Corps der USA haben die Entwicklung finanziert. Er soll Soldaten das Schleppen von Ausrüstung abnehmen. Ein LS3 kann bis zu 180 Kilogramm Gewicht tragen und dank seiner vier Beine auch in unwegsamem Terrain vorwärtskommen.

Der RiSE, ein weiteres Produkt der Google-Tochter Boston Dynamics, kann an Wänden laufen. Mit seinen sechs Beinen und Mikro-Krallen klammert sich das Gerät an senkrechten Wänden fest, sofern die keine allzu glatte Oberfläche haben. Ein RiSE ist 25 Zentimeter lang, wiegt zwei Kilogramm und kann sich bis zu 30 Zentimeter pro Sekunde fortbewegen.

lgr

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1. cover up
KommenTatort 07.06.2015
Es scheint, dass unter dem "humanitären" Deckmantel militärische Forschung öffentlich verkaufbar gemacht wird. Situationen wie Fukushima sind sehr selten (schlimmstenfalls Jahrzehntereignis) und schon bessere Katastrophenvorsorge (Erdbeben/Tsunamis sind in der Region häufig aber führten nicht zu angemessener Vorbereitung der Anlagen und Arbeitskräfte) hätte jeglichen Rettungseinsatz von vornherein unnötig oder zumindest einfacher handhabbar gemacht. Darpa arbeitet vorrangig für die Rüstungsindustrie. Kriegsroboter machen vielen Menschen zu recht Angst. Also verkauft man die Forschung als humanitär - angeblich um Leben zu retten, obwohl es so gut wie keine humanitäre Organisation in der Welt gibt, die um derartige Forschung/Unterstützung gebeten hat. Tatsächlich fehlen in allen großen humanitären Krisen der Welt Helfer. Aber nicht weil keine Roboter da sind, sonder weil nicht genügend Geld in Katastrophenprävention und Katastrophenhilfe investiert wird. Die Darpa Challenge ist ein cover up und missbraucht die gute Reputation von Katastrophenhilfe um die öffentliche Akzeptanz von Rüstungsforschung zu erhöhen. Clever aber sehr problematisch für die künftige Akzeptanz humanitärer Helfer, wenn dann die gleichen Kreationen, die jetzt angeblich Leben retten leicht modifiziert und bewaffnet auf Menschen losgelassen werden. Ein wenig kritische Beobachtung und Analyse hätte ich mir von Spon gewünscht und nicht nur einen unreflektierten Artikel...
2. schön wie wir darüber lächeln könnnen
jupiter_jones 07.06.2015
aber der Bereich AI und Robotics wird mal DER Absatzmarkt!
3.
studibaas 07.06.2015
Zitat von KommenTatortEs scheint, dass unter dem "humanitären" Deckmantel militärische Forschung öffentlich verkaufbar gemacht wird. Situationen wie Fukushima sind sehr selten (schlimmstenfalls Jahrzehntereignis) und schon bessere Katastrophenvorsorge (Erdbeben/Tsunamis sind in der Region häufig aber führten nicht zu angemessener Vorbereitung der Anlagen und Arbeitskräfte) hätte jeglichen Rettungseinsatz von vornherein unnötig oder zumindest einfacher handhabbar gemacht. Darpa arbeitet vorrangig für die Rüstungsindustrie. Kriegsroboter machen vielen Menschen zu recht Angst. Also verkauft man die Forschung als humanitär - angeblich um Leben zu retten, obwohl es so gut wie keine humanitäre Organisation in der Welt gibt, die um derartige Forschung/Unterstützung gebeten hat. Tatsächlich fehlen in allen großen humanitären Krisen der Welt Helfer. Aber nicht weil keine Roboter da sind, sonder weil nicht genügend Geld in Katastrophenprävention und Katastrophenhilfe investiert wird. Die Darpa Challenge ist ein cover up und missbraucht die gute Reputation von Katastrophenhilfe um die öffentliche Akzeptanz von Rüstungsforschung zu erhöhen. Clever aber sehr problematisch für die künftige Akzeptanz humanitärer Helfer, wenn dann die gleichen Kreationen, die jetzt angeblich Leben retten leicht modifiziert und bewaffnet auf Menschen losgelassen werden. Ein wenig kritische Beobachtung und Analyse hätte ich mir von Spon gewünscht und nicht nur einen unreflektierten Artikel...
Was erwarten sie von einer Zeitschrift, die regelmäßig über linke Krawallbrüder berichtet, die friedlichen Linken Demos verschweigt und bei selbst bei weitgehend friedlichen Großdemos lediglich genau Berichtet, das sie weitgehend friedlich waren aber nie über Inhalte Berichtet. (Beispiele: Maidemos in Hamburg, immer eine Vielzahl, bekannt ist nur Krawall Schanze. Großdemos wg. G7. Mehrere 10.000 Demonstranten, wissen sie wofür die kämpfen? Für verschiedene Sachen? Ja, welche denn?)
4. Deutsche auf Platz 4
tommahawk 07.06.2015
Deutsche auf Platz 4 - immerhin. Ich hätte aber von deutschen Ingenieuren mehr erwartet als eine Art Schreibtischstuhl auf vier Doppelröllchen. Wie sollen die denn bei Katastrophen zum Unfallort kommen, wenn da kleine Steinchen herumliegen. Trotzdem ein Achtungserfolg. Bessere Zeit und nur eine gelöste Aufgabe weniger gelöst als der Sieger. In 25 Jahren laufen die humanoiden Androiden durch unsere Städte und passen auf, räumen auf und überwachen uns. Eine verstörnde Vorstellung. Wird aber kommen. Wetten dass?
5. Wollen Sie uns linken?
tommahawk 07.06.2015
Zitat von studibaasWas erwarten sie von einer Zeitschrift, die regelmäßig über linke Krawallbrüder berichtet, die friedlichen Linken Demos verschweigt und bei selbst bei weitgehend friedlichen Großdemos lediglich genau Berichtet, das sie weitgehend friedlich waren aber nie über Inhalte Berichtet. (Beispiele: Maidemos in Hamburg, immer eine Vielzahl, bekannt ist nur Krawall Schanze. Großdemos wg. G7. Mehrere 10.000 Demonstranten, wissen sie wofür die kämpfen? Für verschiedene Sachen? Ja, welche denn?)
Und was nochmal hat Ihr Beitrag mit dem Thema zu tun? Nix - garnix. Er ist lediglich ein weiteres Zeichen dafür, dass die Linke in Deutschland eine Organisation ist, über die eine konstruktive Berichterstattung mangels inhaltlicher Substanz der Forderungen nicht lohnt. Vielleicht, um zum Thema zurück zu kommen, werden künftig ja Roboter auf acht Rollen Ihre Demos begleiten, Videos von Ihnen drehen, Sie identifizieren und Sie kurz vor dem Werfen von Pflastersteinen dingfest machen. Fänd' ich gut!
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