Von Matthias Kremp
Da muss das Schutzbedürfnis groß sein: Satte 2,1 Kilogramm wiegt das iPhone-Case, mit dem der japanische Hersteller Marudai iPhones gegen äußere Einflüsse schützen will. Wobei die äußeren Einflüsse in diesem Fall schon sehr brutal sein können, bevor es dem iPhone an den Kragen geht. Denn dieses Case schützt nicht gegen Kratzer oder versehentliches Herunterfallen. Es soll das Handy kugelsicher machen, direkten Beschuss mit 12,7-Millimeter-Munition aushalten.
Wer so etwas kaufen und wofür es gut sein soll, weiß allerdings nicht einmal der Hersteller selbst. Es gebe "keinen praktischen Nutzen" erklärt das Unternehmen auf seiner japanischen Website.
Diese Aussage darf man wörtlich nehmen, schon weil die schwere Schutzhülle nur in einer Richtung wirklich verlässlich Protektion biete, nach hinten. Die Rückseite, in die ein iPhone 4 oder 4S eingelegt werden kann, besteht aus einer zweieinhalb Zentimeter dicken Stahlplatte, die zu durchdringen einige Energie erfordern dürfte. Gegen diesen Panzer wirkt der Frontschutz geradezu lächerlich. Um den Bildschirm herum wird das Apple-Handy nur von einer vergleichsweise dünnen eloxierten Aluminiumhülle geschützt, der Bildschirm bleibt ungepanzert.
Ähnliche Schwachstellen findet man rund um das Handy herum: Sämtliche Anschlüsse versinken in zwar tiefen aber dennoch schutzlosen Öffnungen. Kein Wunder also, dass der Hersteller für die bestimmungsgemäße Funktion der kugelsicheren Schutzhülle keine Garantie geben will. Sollte man aber tatsächlich einmal in die missliche Lage kommen, dass Gewehrkugeln auf einen zufliegen, dürfte die Panzerung des iPhones die letzte Sorge sein, die seinen Besitzer plagt.
Im Alltag dagegen werden Nutzer der iPhone-Panzerung mit ganz anderen Problemen zu kämpfen haben. Versucht man beispielsweise durch die Kameraöffnung hindurch mit dem Handy zu fotografieren, zeigt sich auf den Bildern ein kleines kreisrundes Bild inmitten tiefer Schwärze. Eine Zusatzlinse, die in die Öffnung gesteckt wird, soll dieses Vignettierungsproblem beheben. Zudem sollte man vorsichtig damit umgehen und darauf achtgeben, es nicht versehentlich auf einen Glastisch fallen zu lassen. Von der Wirkung auf Hosen-, Jacken- und sonstige Taschen ganz zu schweigen.
Wer sich von all diesen Einschränkungen nicht bremsen lässt, muss nur noch tief genug in die Tasche greifen, um sich so ein Apple-Gadget zu sichern. Mit 52.500 Yen, umgerechnet 496 Euro, ist der Preis angesetzt, zu dem man noch Versandkosten sowie Einfuhrumsatzsteuer addieren muss. Nicht gerade ein Schnäppchen, aber das weiß man auch bei Madurai - und legt den ersten Bestellern als Bonus eine Dummy-Patrone im 12,7-Millimeter-Format bei.
mak
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