Aus San José berichtet Matthias Kremp
Der Unterschied ist bemerkenswert: Zuerst nehme ich ein iPad der vierten Generation (iPad 4) in die Hand, danach das neue iPad mini. Das kleinere Modell wiegt nur 308 Gramm, das iPad 4 625. Den Unterschied spürt man deutlich. Das Mini-iPad ist ein Gerät zum Mitnehmen, so viel ist schnell klar.
Mit der kleinen Version des iPad stellt sich Apple der wachsenden Konkurrenz im boomenden Markt für Tablet-Computer. Das am Dienstag im kalifornischen San José präsentierte Gerät soll nach Angaben des Konzerns nächste Woche auch in Deutschland auf den Markt kommen.
Aber so leicht wegstecken, wie man es gerne hätte, lässt es sich dann doch nicht. Verglichen mit den Nexus 7 von Google ist das Gerät um einiges breiter. So breit jedenfalls, dass es nicht in die Innentasche meines Sakkos passt. Das Nexus hingegen flutscht da ganz locker hinein. Zum Mitnehmen muss ich mir also etwas anderes ausdenken. Zum Surfen unterwegs scheint mir das kleine iPad aber gut geeignet zu sein, eben weil es so wenig wiegt. Fast fühlt es sich billig an, so leicht ist es. Doch der Aluminiumkorpus vermittelt Wertigkeit und Stabilität.
Legt man ein iPad 4 mit Retina-Display daneben, verstärkt sich der Eindruck, dass man hier weniger bekommt als bei den großen Modellen: Schriften werden eben doch nicht so scharf abgebildet, Bilder zeigen nicht so viele Details. Jemandem, der nicht an Retina-Displays gewöhnt ist, wird das aber kaum auffallen.
Kleiner heißt auch weniger
Ebenso verhält es sich mit der Leistung. Das kurze Hands-on in San José gab keine Gelegenheit für ausführliche Leistungsprüfungen oder gar Benchmark-Tests. Bei den Dingen, die ich ausprobieren konnte, gab es weder Wartezeiten noch Ruckeleffekte. Ich musste nie auf eine Reaktion des Geräts warten. Auch die Videos, die ich zum Test abspielen ließ, liefen geschmeidig über den Bildschirm.
Nur manchmal wird klar, dass im iPad mini ein etwas betagter Prozessor arbeitet: der A5, der schon dem iPad 2 als Antrieb dient. Im direkten Vergleich mit iPad 3 und 4 sieht man Unterschiede. Etwa, wenn der Bildschirminhalt beim Drehen des Displays nicht augenblicklich rotiert, sondern sich erst anpasst, wenn das Gerät bereits in seiner neuen Position steht. Aber das ist wohl Jammern auf hohem Niveau. Über das iPad 2 gab es auch keine Klagen, bis das iPad 3 auf den Markt kam und seinen Vorgänger zum Einstiegsmodell degradierte.
Doch ein Einstiegsmodell ist das iPad mini wohl kaum, jedenfalls nicht für Normalverdiener. Mit 329 Euro in der W-Lan-Version mit 16 GB Speicher ist es 130 Euro teurer als Amazons
Kindle Fire HD mit derselben Speicherausstattung. Doppelt so viel Speicher kostet beim Kindle Fire 50 Euro Aufpreis, beim iPad mini sind es 100 Euro. In Vollausstattung, mit LTE und 64 GB Speicher werden 659 Euro fällig. Günstig geht anders. Es wird sich zeigen, ob Apple
sich mit seinen Vorstellungen gegen die preiswerteren Android-Modelle, die technisch oft nicht schlechter sind, wird durchsetzen können.
Allerdings werden Apple-Produkte bekanntermaßen nicht immer nach rationalen Erwägungen gekauft. Und so war in Apples Hands-on-Bereich in San José schon die Frage zu hören: "Wer braucht denn noch ein normales iPad?" Genau dieser Frage - und vielen anderen, die sich jetzt noch nicht beantworten lassen - werden wir nachgehen, sobald wir ein Testgerät in der Hand haben.
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