Dell contra Asus: Ultrabook schlägt Notebook
Schön schnell? Oder lieber schön leicht? Mit einer neuen Generation von Ultrabooks will die PC-Branche das MacBook Air von Apple angreifen. Im SPIEGEL-ONLINE-Test tritt ein flottes Notebook alter Schule von Dell gegen einen der Neulinge an: das schlanke Zenbook UX31 E von Asus.
Was für einen Unterschied ein paar Millimeter machen können. Dell bewirbt sein neues Notebook XPS 14z als "das flachste Notebook in Dells Portfolio". 23 Millimeter ist es dick und gilt dem Computerkonzern damit als Flunder. Außerdem soll es mit seinem Gehäuse aus einer Aluminium-Magnesiumlegierung besonders stabil und trotzdem leicht sein. Und doch: Gegen das Zenbook genannte Ultrabook von Asus ist es ein fetter Klopper.
Das Zenbook nämlich erinnert in seiner Form eher an Apples MacBook Air, läuft von hinten nach vorne keilförmig zu, ist am Übergang zum Display neun Millimeter und am Touchpad drei Millimeter dünn. Und es wiegt nur 1,3 Kilogramm, während das Dell rund zwei Kilo auf die Waage bringt.
Dafür ist Dells Pseudo-Flunder leistungsstärker, technisch besser ausgerüstet und mit etlichen Schnittstellen für externe Geräte bestückt. Und sie ist billiger. Asus veranschlagt für sein Zenbook in der getesteten 13,3-Zoll-Version mit 128-GB-SDD-Festplatte 1100 Euro, Dell berechnet für das XPS 14z inklusive 500-GB-Festplatte und DVD-Brenner 950 Euro.
Und so sind die beiden Geräte exemplarisch für die Unterschiede zwischen Notebooks herkömmlicher Bauart und den neuen, superflachen Ultrabooks, die jetzt auf den Markt kommen.
Display-Wirren
Besonders verwirrend ist, was da jetzt mit den Bildschirmen passiert. Sie erscheinen zwar ähnlich groß, haben aber ansonsten rein gar nichts gemeinsam. Dabei haben beide ihre Vorzüge, sind beide besonders, jeder auf seine Art.
So scheint Dell noch alten Standards verbunden, will sich nicht der Riege der 13,3-Zoll-Notebooks anschließen, sondern besteht auf einer 14-Zoll-Diagonale. Früher, und teilweise noch heute, war das eine typische Größe für Business-Notebooks, während 13,3-Zoll-Geräte für Privatanwender vorgesehen waren. Auf die schielten wiederum viele berufliche Anwender, weil die 13-Zöller einfach etwas kleiner und oft schicker waren.
Dell will nun beides verbinden und hat beim XPS14 den Bildschirmrahmen so schmal gemacht, dass der 14-Zoll-Bildschirm nicht mehr Platz braucht als ein 13-Zoll-Modell. Durch ein etwas überlappendes Deckglas entsteht der Eindruck, er würde fast bis zum Rand des Display-Deckels reichen. Tatsächlich endet das Display ein paar Millimeter vor dem Ende des Deckglases. Die Auflösung entspricht mit 1366 x 768 Pixeln allerdings der vieler aktueller 13,3-Zoll-Displays. Die zusätzlichen 1,8 Zentimeter Bildschirmdiagonale liefern also keinen Vorteil in Sachen Auflösung. Nur werden Buchstaben einen Hauch größer angezeigt.
Tastaturwelten
Ganz anders das Display des Zenbook. Asus quetscht 1600 x 900 Bildpunkte auf den 13,3-Zoll-Bildschirm. Symbole und Texte werden dadurch kleiner angezeigt. Dafür sieht man bei Bildern und Filmen mehr Details, schließlich stehen rund ein Drittel mehr Pixel zur Verfügung als beim Dell. Das Resultat ist vor allem bei Videos beeindruckend. Aber auch bei der Arbeit mit Programmen kommt die zusätzliche Bildfläche gelegen, beispielsweise, um schwebende Werkzeugpaletten abzulegen. Keine Frage, das Mehr an Pixeln hat nicht nur erhebliches Protz-Potential, sondern kann im Alltag wirklich hilfreich sein.
Ebenso drastisch wie bei den Bildschirmen unterscheiden sich die Kontrahenten bei den Tastaturen. Beide Hersteller haben offensichtlich sehr darauf geachtet, sich durch Design hervorzuheben - mit unterschiedlichen Ergebnissen. Asus hat die Zenbook-Tastatur passend zum Gehäuse aus Aluminium gefertigt. Das sieht super aus, macht beim Tippen aber nur bedingt Spaß. Der Anschlag ist hart und kurz.
Dells Tastatur hingegen zeichnet sich durch große Leerräume aus. Die Tasten haben einen ordentlichen Hub und weichen Anschlag. Als besonderes Goodie ist die Tastatur von unten beleuchtet. Mac-Anwender kennen das schon länger: Sitzt man auf der Langstrecke in einem abgedunkelten Flugzeug oder bei einer Veranstaltung in einem dunklen Auditorium, kann man auch als Nicht-Blindschreiber trotzdem tippen.
Leistungsunterschiede
Während das Rennen der beiden Mobilrechner bisher unentschieden ist, muss sich das Asus dem Dell im Benchmark-Test geschlagen geben. Mit den Testprogrammen Cinebench, 3DMark06 und 3DMark11 überprüften wir, ob und wie sehr sich die Leistung der beiden Rechner unterscheidet. Von den Datenblättern lässt sich das nur schwer ablesen. Im Dell arbeitet ein Core-i5-Prozessor von Intel mit 2,5 GHz, im Asus der im Intel-Portfolio höher platzierte Core-i7-Chip, allerdings mit nur 1,8 GHz.
Das erstaunliche Ergebnis der CPU-Tests: Beide Rechner arbeiten im Grunde gleich schnell. Allerdings nur, wenn es um reine Rechenleistung geht. Kommt Grafik ins Spiel, womöglich in 3D, bei Spielen, ledert das Dell seinen flachen Konkurrenten locker ab. Sowohl im Cinebench als auch bei 3DMark06 kommt es zu rund doppelt so hohen Ergebnissen wie das Zenbook. Im 3DMark11 steht es gar allein da, denn das Zenbook beherrscht die dafür notwendige Grafiktechnik DirectX 11 nicht.
Richtig gravierend werden die Unterschiede, wenn man die Leistung der Massenspeicher vergleicht. Im Dell dreht eine herkömmliche Festplatte mit 500 GB Kapazität ihre Runden, im Asus ist eine Flash-Speicher-Festplatte (SSD) mit 128 GB eingebaut. Wie drastisch sich die beiden unterscheiden, zeigt ein Vergleich der Startzeiten. Das Dell braucht rund 80 Sekunden vom Druck auf die Einschalttaste, bis der Windows-Desktop bereit ist, Benutzereingaben anzunehmen. Das Zenbook ist nach maximal einem Viertel dieser Zeit betriebsbereit. Dasselbe gilt für das Starten von Anwendungen, die auf dem Asus-Rechner flinker Betriebsbereitschaft melden als auf dem Dell. Im Ergebnis fühlt sich das Zenbook durch die SSD schneller an als Dells XPS 14z.
(K)ein bisschen Zubehör
Neben dem für Gamer wichtigen DirectX 11 liefert Dell allerdings noch so manches Extra, das dem Zenbook fehlt. Einen DVD-Brenner beispielsweise, eine höher auflösende Webcam (1,3, statt 0,3 Megapixel) und diverse Anschlüsse, die dem Asus fehlen. Aber ansonsten liefert Dell das XPS 14z mit demselben Zubehör aus, das jedem Dell-Notebook beiliegt: einem Netzteil. Und das ist, typisch Dell, funktionell und klobig.
Asus gibt sich da spendabler und stilsicher. Das Netzteil des Zenbook ist zwar lange nicht so flach wie das Ultrabook selbst, aber wenigstens recht klein, erinnert von Maßen und Form an die Netzteile der Apple-MacBooks. Außerdem legt Asus dem Zenbook eine schicke braune Schutzhülle und zwei Adapter bei, die ansonsten fehlende Schnittstellen nachliefern: einen Ethernet-Adapter für den USB-Anschluss und einen VGA-Adapter für den Mini-VGA-Anschluss.
Tausche Notebook gegen Ultrabook
Aber auch ohne diese Beigaben fiele mir die Entscheidung nicht schwer. Dells XPS 14z mag ein Notebook sein, das viele Fähigkeiten in sich vereint, einen PC-Arbeitsplatz mobil macht und dabei recht gut aussieht. Wer so ein Notebook hat, braucht außer einer Steckdose und einem Netzwerk kein Zubehör.
Das modernere Konzept und das aufregendere Design hat aber Asus mit seinem Zenbook verwirklicht. Das Zenbook realisiert, was Intel für Ultrabooks versprochen hat. Es ist schlank, leicht und sein Prozessor ist schnell genug für die meisten Aufgaben. Und es profitiert von seiner SSD-Festplatte, die auf Windows und Software wie ein Nachbrenner wirkt. Die 150 Euro Aufpreis gegenüber dem Dell sind gut angelegt - außer man will mit dem Rechner spielen. Für aktuelle 3-D-Titel ist das Zenbook schlicht ungeeignet.
Wer es sich leisten kann, sollte weitere 200 Euro investieren. Für 1299 Euro bekommt man das Zenbook mit einer 256-GB-SSD-Festplatte. Zum Datensammeln ist das natürlich immer noch viel zu wenig. Aber umfangreiche Film- und Musiksammlungen sollte man heutzutage ohnehin lieber auf einer externen Festplatte, am besten mit Netzwerkanschluss (NAS) auslagern, damit man sie auch mit TV-Gerät und Stereoanlage nutzen kann.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Dienstag, 15.11.2011 – 14:00 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 84 Kommentare
| Dell XPS 14z vs. Asus Zenbook | ||
| Hersteller | Dell | Asus |
| Bezeichnung | XPS 14 | Zenbook |
| Prozessor | Intel Core i5 | Intel Core i7 |
| Taktfrequenz | 2,4 GHz | 1,8 GHz |
| Arbeitsspeicher | 6 GB | 4 GB |
| Massenspeicher | 500 GB | 128 GB SSD |
| Optisches-Laufwerk | DVD+/RW | Nein |
| Displaygröße | 14 Zoll | 13,3 Zoll |
| Displayauflösung | 1366 x 768 | 1600 x 900 |
| W-Lan | 802.11 b/g/n | 802.11 b/g/n |
| Bluetooth | Version 3.0 | Version 4.0 |
| Ethernet | Ja | Ja (via Adapter) |
| USB 2.0 | Ja | Ja |
| USB 3.0 | Ja | Ja |
| Firewire | Nein | Nein |
| Thunderbolt | Nein | Nein |
| Mini DisplayPort | Ja | Nein |
| HDMI | Ja | Ja |
| Speicherkarteleser | Ja | Ja |
| Kopfhörer | Ja | Ja |
| Mikrofon | Ja | Nein |
| Webcam | Ja | Nein |
| Gewicht | Ab 1,98 kg | 1,3 kg |
| Dicke | 23 mm | 18 mm |
| Besonderheiten | Beleuchtete Tastatur | Aluminiumgehäuse |
| Preis in der getesteten Ausstattung | 949 Euro | 1099 Euro |
| Alle Daten sind Herstellerangaben | ||
MEHR AUS DEM RESSORT NETZWELT
-
Best of Web
Netz-Fundstücke: Was Sie im Internet unbedingt sehen müssen -
Silberscheiben
Das lohnt sich: Die besten CD- und DVD-Schnäppchen -
Bilderwelten
Bessere Fotos: So holen Sie ganz einfach mehr aus Ihren Bildern raus -
Angefasst
Gadget-Check: Handys und anderes Spielzeug in Matthias Kremps Praxistest -
Angespielt
Game-Tipps: Spiele für Computer und Konsole im SPIEGEL-ONLINE-Test

