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W-Lan-Lautsprecher im Test: Kleine Boxen für ordentlich Bass

Von

Heos 7 und SoundTouch 20 im Test: W-Lan-Aktivboxen von Bose und Denon Fotos
Matthias Kremp

Vernetzen statt verkabeln: Moderne Netzwerklautsprecher sollen Tausende Radiosender und Millionen Musiktitel per Knopfdruck abrufbar machen - und dabei noch gut klingen. Wir haben zwei neue Exemplare von Denon und Bose ausprobiert.

Das passiert mir selten: Als ich den Heos 7 von Denon zum ersten Mal ausprobiere, will ich spontan die Bässe runterregeln. Normalerweise mache ich das Gegenteil: Ich mag es gern, wenn ein Lautsprecher richtig tief runtergeht und die Tieftonregister energisch zum Klingen bringt. Von Netzwerklautsprechern bin ich so etwas nicht gewöhnt. Die zahlreichen W-Lan-Boxen von Marktführer Sonos beispielsweise können viel und klingen gut. Doch in den Basskeller steigt bei Sonos nur der Subwoofer Sub hinab.

Denons im Gegensatz zum Sub recht kleine Box haut die Tieftöne so kräftig heraus, dass ich erst einen passenden Platz für sie finden muss. Sie darf nicht zu nah an einer Wand stehen, sonst neigt sie zum Wummern. Ein guter Song, um das auszuprobieren, ist "Follow me" von Muse, mit seinem tiefen Synthie-Bass.

Die Höhen- und Mittenwiedergabe ist dagegen schon fast zahm. Alles ist da, wo es hingehört, ohne besonders aufregend zu sein. Und das gilt auch für die Bedienelemente: Die Box hat eine Lautstärkewippe und einen Stummschalter. Alles andere regelt man per App.

Warten auf die Festplatte

Die App hilft auch dabei, das System einzurichten. Originell: W-Lan-Kennung und Passwort werden per Audiokabel vom Handy auf die Denon-Box übertragen. Ist das erledigt, steuert man die Musik vom Smartphone aus, wie bei Sonos. Im Test dauerte es zwei Minuten, bis ich den Lautsprecher auf diese Weise mit dem Netz verbunden hatte und Musik vom Smartphone und der Netzwerkfestplatte abspielen konnte.

Um Onlinemusikdienste wie Spotify und Deezer nutzen zu können, muss ich zunächst ein Benutzerkonto bei Denon einrichten. Immerhin, auch das geht schnell. Der Umgang mit der App, die es für iOS und Android gibt, ist einfach und selbsterklärend. Nur der Zugriff auf Musik von meiner Netzwerkfestplatte nervt ein wenig, weil die App jedes Mal von neuem die vielen Verzeichnisse des Laufwerks einliest. Bei Sonos geht das besser.

Heos 7 - Vor- und Nachteile

Guter Klang

Kräftige Bässe

Leicht per App steuerbar

Einfache Installation

Langsame Zusammenarbeit mit Netzwerkfestplatten

Bose Soundtouch 20

Die Einrichtung des Bose-Systems dauert erheblich länger. Nachdem ich die Netzwerkverbindung mithilfe der App hergestellt habe, wird zuerst langwierig ein Update heruntergeladen und installiert. Als das erledigt ist, muss ich ein Benutzerkonto bei Bose erstellen, bevor ich zum ersten Mal Musik hören kann. Insgesamt brauche ich fast eine Viertelstunde. Gut, dass man das nur einmal machen muss. Was mich stört: Das Gerät unterstützt nur die W-Lan-Standards 802.11 b und g, nicht aber die modernere Version 802.11 n.

Deezer und Spotify laufen auf Anhieb. Songs, die auf meinem Handy gespeichert sind, kann ich per Airplay vom iPhone aus abspielen, für mein Android-Handy gibt es eine solche Option nicht. Umgekehrt lässt sich meine Netzwerkfestplatte nur über die Android-App in das System einbinden, in der iPhone-App wird sie gar nicht angezeigt. Musik abspielen kann ich von der vernetzten Festplatte anfangs trotzdem nicht. In der App heißt es, ich müsste dafür einen Soundtouch Music Server auf der Netzwerkfestplatte installieren, den es für mein Synology-System aber nicht gibt. Am Ende reicht es, Synologys eigene Musiksoftware zu installieren.

Ohne PC-Software läuft das nicht

Auch meine iTunes-Musiksammlung und meine Windows-Mediaplayer-Bibliothek bleiben mir zunächst verschlossen. Warum das so ist, erkenne ich erst, als ich im Support-Bereich der Bose-Webseite stöbere. Dort wird mir eine SoundTouch-Software angeboten, die anfangs zwingend notwendig war, um Boses-Streaming-Boxen einzurichten. Jedenfalls heißt es dort heute noch zu der Frage, ob man so ein System per Smartphone oder Tablet einrichten könne: "Nein, Sie müssen zurzeit noch Ihren PC oder Laptop verwenden, um Ihr SoundTouch-System einzurichten." Das sollte mal aktualisiert werden.

Dass man diese Software außerdem braucht, um seine Musikbibliothek zu streamen, erwähnt der Bose-Support nur am Rande: "Wenn Sie Ihr System bereits eingerichtet haben, können Sie die App auf Ihren Computer herunterladen, um Ihre Musikbibliothek auf Ihr SoundTouch-System zu streamen." Hier sollte wohl das "können" durch ein "müssen" ersetzt werden.

Stationstasten f ü rs Streaming

Boses Smartphone-App ist ähnlich einfach zu bedienen, wie die von Denon. So beschränkt sich die Klangregelung auf die Möglichkeit, die Bässe zu reduzieren. Im Gegensatz zur Denon-Box ist das bei der SoundTouch 20 aber nicht nötig. Sie tönt weniger druckvoll und kräftig und schon gar nicht so basslastig wie das Denon-Gerät. Die Lautstärke lässt sich ziemlich weit aufdrehen, ohne dass der Lautsprecher zerrt. Den Klang der Bose-Box könnte man als sauber und aufgeräumt beschreiben.

Ein Vorteil für alle, die die Musik nicht immer mit dem Smartphone einschalten wollen, sind die sechs Preset-Tasten, über die man beispielsweise Internetradiostationen oder einzelne Alben schnell abrufen kann. Außerdem liefert Bose eine Fernbedienung mit, wie man sie von klassischen Bose-Radios kennt.

Soundtouch 20 - Vor- und Nachteile

Ausgewogener Klang

Dank Stationstasten ohne Handy bedienbar

Fernbedienung

Umständliche Installation

Keine Unterstützung für moderne W-Lan-Standards

Fazit zu beiden Geräten

Den beeindruckenderen Sound liefert eindeutig die 600 Euro teure Denon Heos 7. Angesichts des größeren Volumens und der größeren Lautsprecher, ist das keine Hexerei. Das Denon-Gerät spielt die viel kleinere Bose ebenso locker an die Wand wie den 200 Euro billigeren Play 5 von Sonos. Die Bedienung per App ist einfach und logisch, nur die Anbindung von Netzwerkfestplatten könnte besser sein.

Boses SoundTouch 20 kann im Vergleich weder vom Sound noch von der Funktionalität mithalten. Dafür ist sie mit 400 Euro günstiger und kann dank Stationstasten auch ohne App und PC bedient werden. Der Klang ist gut, funktionell aber bekommt man bei Sonos mehr.

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insgesamt 16 Beiträge
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    Seite 1    
1. Teufel Raumfeld
jmanzana 25.11.2014
Hallo Spiegel Redaktion, was ist mit ein bisschen Lokalpatriotismus? Wieso bleib das Teufel Raumfeld System gänzlich unerwähnt?
2. Teufel Raumfeld
Matthias Kremp 25.11.2014
Zu den Raumfeld-Anlagen kommen wir noch. Aber die stehen etwas außen vor, weil sie - im Gegensatz zu fast allen anderen Streaming-Systemen - fast immer Stereo ausgelegt sind.
3. ...
o.b.server 25.11.2014
Bose ist eine Abkürzung: Buy other sound equipment. Im Ernst: Wenn bei Bose die Technik nur halb so gut wäre wie das Marketing.... Bose baut völlig überteuerte Produkte, die IMHO noch nie einen Test in einer Fachzeitschrift gewonnen haben. Und dieser Artikel bestätigt es wieder.
4.
Oberleerer 25.11.2014
Wenn ich in meinem Zimmer Musik hören will, dann ist das eine sehr private Angelegenheit. Wieso muß ich bei Denon und Bose ein Konto anlegen? Wo sind in dem Test Frequenzgang-Diagramme? Wieviel Strom verbrauchen diese Geräte im Standby?
5. Teufel schlägt Bose und Denon
cherylontheweb 25.11.2014
Wir haben seit ein Paar Tage 3 Teufel Geräte im Haus, 2 davon nicht Stereo (One M), und anhand dieses Artikels kann ich nur sagen, dass die Teufel Geräte anscheinend besser sind. Sie ersetzen unsere Squeezeboxes und arbeiten einwandfrei mit Synology DLNA (Music Server), Spotify, Internet Radio, Line-In (gar mit Sync), und Musik am Handy. Das ohne "Teufel Konto" oder so. Bin mit allem voll zufrieden, nichts zu klagen.
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