Fotografen-Tricks So digitalisiert man Dias mit der Digitalkamera

Um Dias zu digitalisieren, muss man nicht unbedingt einen speziellen Scanner kaufen. "Docma"-Autor Michael J. Hußmann zeigt, wie er diese Aufgabe mit Digitalkamera und Baumarktartikeln erledigt hat.

Zubehör zur Dia-Digitalisierung
Michael Hußmann/ DOCMA

Zubehör zur Dia-Digitalisierung


Der vermutlich beste Weg, Dias oder Negative zu digitalisieren, ist ein spezieller Diascanner. Der Kauf lohnt sich aber nur, wenn man eine größere Zahl von Bildern scannen will. Und selbst dann steht das Gerät am Ende herum - neue zu digitalisierende Analogaufnahmen fallen bei den meisten Fotografen nicht an. Den Scanner verkauft man also nach Gebrauch am besten sofort weiter. Eine Alternative wäre, die aufwendige Digitalisierung einem Dienstleister zu überlassen. Billig ist auch das nicht.

Allerdings haben aktuelle Kameras durchweg eine so hohe Auflösung, dass Sie Ihre analogen Bilder auch einfach abfotografieren können. Der Dynamikumfang moderner Sensoren reicht meist aus, um selbst kontrastreichen Diafilmen gerecht zu werden.

Was Sie brauchen

Zum Digitalisieren eines Dias mit der Digitalkamera ist nur ein Objektiv nötig, das ein Kleinbild formatfüllend abbildet, ein Halter für das Dia sowie eine Lichtquelle, die es gleichmäßig ausleuchtet.

Eine Vollformatkamera erfordert ein Makro-Objektiv mit einem Abbildungsmaßstab von 1:1, das ein Kleinbilddia exakt auf einen Kleinbildsensor projiziert. Einer Micro-FourThirds-Kamera genügt ein Abbildungsmaßstab von 1:2, aber deren vom Kleinbild abweichendes Seitenverhältnis von 4:3 bedeutet, dass nicht die volle Sensorauflösung genutzt werden kann.

Gefunden in

Nikon und Ricoh/Pentax bieten Diaduplikator-Vorsätze für ihre DSLRs an; im Programm des Zubehörherstellers Kaiser findet sich eine Lösung für beliebige Kamerasysteme. Eine Bastellösung für die gleichmäßige Beleuchtung lässt sich mit einfachen Mitteln aber auch improvisieren. Ein dediziertes Makro-Objektiv können Sie, wenn es nicht bereits vorhanden ist, auf verschiedene Weisen ersetzen.

Aus der Bastelkiste

Der Gesamtaufbau zur Dia-Digitalisierung. Bücherstapel bringen die Komponenten auf eine einheitliche Höhe.
Michael Hußmann/ DOCMA

Der Gesamtaufbau zur Dia-Digitalisierung. Bücherstapel bringen die Komponenten auf eine einheitliche Höhe.

Im hier gezeigten Aufbau zur Digitalisierung 40 Jahre alter Ektachrome-64-Dias von einer Portugal-Reise habe ich eine LED-Lampe genutzt, die mit ihrem kugelförmigen Schirm bereits ein diffuses Licht erzeugt. Eine Mattscheibe aus der Bastelecke eines Fotohändlers - wohl ursprünglich für eine 9 ×12-Fachkamera gedacht - machte die Ausleuchtung noch gleich mäßiger und erlaubte mir, Dias mit Klemmen aus dem Baumarkt darauf zu fixieren.

Die gerade und bildfüllende Ausrichtung des Dias lässt sich am einfachsten auf dem Display überprüfen, bei einer DSLR also mit aktiviertem Live-View.

Das Dia lässt sich in der Halterung durch die Klemmen leicht ausrichten
Michael Hußmann/ DOCMA

Das Dia lässt sich in der Halterung durch die Klemmen leicht ausrichten

Als Makro-Objektiv konnte ich auf ein älteres Sigma 105 mm f/2,8 zurückgreifen, mit dem sich ein Abbildungsmaßstab von 1:1 erreichen lässt, passend zu meiner Pentax K-1 mit Kleinbildsensor.

Daneben habe ich eine weitere Bastellösung erprobt, basierend auf einem Vergrößerer-Objektiv. Das Schneider-Kreuznach Componon-S 50 mm mit M39-Gewinde ist ein Überbleibsel aus meiner Dunkelkammer.

Das Vergrößerungsobjektiv. Eine Fokussierschnecke ermöglicht die Scharfeinstellung.
Michael Hußmann/ DOCMA

Das Vergrößerungsobjektiv. Eine Fokussierschnecke ermöglicht die Scharfeinstellung.

Für den fotografischen Einsatz waren noch ein mechanischer Adapter für das K-Bajonett und eine Makroschnecke oder ein Balgen nötig, denn das Objektiv selbst lässt sich nicht fokussieren. Ich habe einen nur noch antiquarisch zu findenden Schneckengang von Pentax gewählt. Eine Alternative zu einem echten Makro wäre ein Nahvorsatz - am besten ein gegen Farbfehler korrigierter Achromat -, der manchen Diakopiervorsätzen beiliegt. Damit ließe sich auch ein gewöhnliches Objektiv verwenden.

Bei genauerer Inspektion des Bildes nach der Aufnahme zeigte sich ein Nachteil des simplen Abfotografierens: Der Schmutz auf dem Dia, das sich nach langer Lagerung nicht mehr so einfach reinigen ließ, war unübersehbar.

Anhaftender Staub auf dem Dia erfordert ein nachträgliches Ausflecken mit der " Bereichsreparatur"
Michael Hußmann/ DOCMA

Anhaftender Staub auf dem Dia erfordert ein nachträgliches Ausflecken mit der " Bereichsreparatur"

In Lightroom können Sie Flecken mit dem "Bereichsreparatur"-Werkzeug entfernen. Je nach Verschmutzungsgrad nimmt es einige Zeit in Anspruch, bis das Bild makellos ist. Diascanner bieten meist die Option, mit einem zusätzlichen Infrarot-Scan Fremdkörper auf dem Dia oder Farbnegativ zu erkennen und die dadurch hervorgerufenen Flecken automatisch herauszurechnen.

Michael Hußmann/ DOCMA

Bei Schwarzweiß-Negativen versagt auch diese Methode, da das darin enthaltene metallische Silber genauso wie Staub für Infrarotlicht undurchlässig ist. Dann wird Handarbeit nötig.

insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
freejack75 16.02.2019
1. "nimmt es einige Zeit in Anspruch"
Genau das ist der Punkt -- die Nachbearbeitung ist unglaublich aufwändig. Ein guter Diascanner mit IR-Kanal (z.B. Digital ICE) kann das zumindest bei Farbmaterial automatisch machen. Für mehr als Einzelstücke taugt daher diese Methode nicht. Sein Archiv rettet man so nicht ins digitale.
dt1011047 16.02.2019
2. Alternative: digilightbox
Ich setze diese Lösung ein: http://digilightbox.de/index_a.php?section=p_80. Kommt mit einer guten Beleuchtung und Legosteinen :) Übrigens auch mit einer Pentax, mit dem Tamron 90mm Macro-Objektiv.
peter_rot 16.02.2019
3. Mein Vorschlag: Von der Leinwand abfotographieren
Habe alle meine Dias in einem verdunkeltem Raum auf eine Dia-Leinwand produziert und mit einer Spiegelreflexkamera abfotographiert und danach mit einem Fotoprogramm (Picasa) nachbearbeitet. Ein nicht opitmales aber relativ schnelles Procedere bei knapp 5000 Dias. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden und der Prämisse ab und zu mal in den alten Urlaubsbilder zu stöbern.
nochnestimme 16.02.2019
4. Leider nur Expertengeschwafel
Was soll der Artikel (und auch die Kommentare)? Das gehört in ein Foto-Fachmagazin. Welcher Amateur, der aus alten Zeiten eine Riesensammlung an Dias gelagert hat, soll damit zurecht kommen?
sikasuu 16.02.2019
5. Ja! Und diese teile gib es in der Bucht für klienes Geld, wenn...
Zitat von freejack75Genau das ist der Punkt -- die Nachbearbeitung ist unglaublich aufwändig. Ein guter Diascanner mit IR-Kanal (z.B. Digital ICE) kann das zumindest bei Farbmaterial automatisch machen. Für mehr als Einzelstücke taugt daher diese Methode nicht. Sein Archiv rettet man so nicht ins digitale.
... man die nicht leiht. . Hinterher wieder weiterverkaufen, denn: Wenn das letzte Dia/Negativ gescannt ist, bracht man die nicht mehr. . Es sei denn, man arbeiten mit der Analogausrüstung, parallel weiter! . Wahlweise gibt es auch so was wie "Dia-Duplikator". mit Filtergewinde & Bühne zu denen man nur noch einen kleinen Blitz. . Geht also mit sehr viel weniger Koste&Bastelei:-)
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