Sicherheit Hersteller will Drohnen für Flüge über EM-Stadien sperren

Sicherheitsexperten fürchten Angriffe mit Drohnen auf Fußballstadien. Jetzt reagiert der weltweit größte Drohnenhersteller DJI. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sind die Geräte künftig für Flüge über EM-Spielstätten gesperrt.

DJI-Drohne im Flugeinsatz
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DJI-Drohne im Flugeinsatz


Der Drohnenhersteller DJI sperrt seine Geräte für Flüge über die Stadien der Fußball-EM in Frankreich. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE will die chinesische Firma am Montag ihre Software so aktualisieren, dass Piloten ihre Geräte im Umfeld der Stadien nicht mehr aufsteigen lassen können.

Die Drohnen verfügen bereits jetzt über eine Software, die nationale Flugverbotszonen erfasst. Die gesperrten Gebiete werden mit der neuen Version nun stark ausgeweitet.

Damit dürfte der Konzern auch auf die Sicherheitsdebatte rund um die EM reagieren. Neben Hooligan-Randale und konventionellen Terrorangriffen sorgen sich Ermittler auch um Zwischenfälle mit Drohnen.

Zuletzt hatte das Bundeskriminalamt (BKA) vor Drohnenangriffen auf Fußballstadien und andere Großveranstaltungen gewarnt. Gefährdungen durch die Fluggeräte reichten "von Störungen von Veranstaltungen" bis zu "möglichen terroristischen Anschlägen", hatte ein BKA-Sprecher dem Redaktionsnetzwerk Deutschland gesagt. Die Behörde hat eine Stelle eingerichtet, um den Markt für Drohnenabwehrsysteme zu beobachten.

Der Markt für Drohnen boomt

Die Sorge vor Angriffen mit Drohnen ist mit der Verbreitung der ferngesteuerten Quadrocopter in den vergangenen Jahren stark angewachsen. Vom Boom hat insbesondere Marktführer DJI profitiert. Nach eigenen Angaben sowie laut Analysen von Beobachtern hat die chinesische Firma 70 Prozent des Drohnenmarkts in der Hand. Es war beispielsweise eine DJI-Drohne, die nachts im Garten des Weißen Hauses abstürzte. Auch in Deutschland berichteten Piloten von Zwischenfällen mit Drohnen.

Die DJI-Geräte sind mittlerweile mit einem sogenannten "Geofencing"-System ausgestattet, das das Aufsteigen in Flugverbotszonen und den Flug durch diese Gebiete untersagen soll. Nur eigens autorisierte Piloten - etwa akkreditierte Filmemacher - sollen sich über ihr DJI-Konto auch für diese Gebiete freischalten lassen können.

Bislang sind diese Systeme allerdings nicht sehr ausgereift. In der noch aktuellen Version der Flugverbotssoftware sind etwa in Berlin zwar die Flughäfen Tegel und Schönefeld gesperrt, nicht aber das Olympiastadion und das Regierungsviertel.

Auf Anfrage bei DJI heißt es, man würde nun europäische Stadien, die ein Fassungsvermögen von mehr als 25.000 Zuschauern haben, auf die Sperrliste setzen. Das Aufsteigenlassen einer Drohne soll ab Montag in einem Umkreis von 500 Metern um die Stadien untersagt sein.

insgesamt 15 Beiträge
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Delos99 12.06.2016
1. Beeindruckend. Nicht.
Natürlich werden "Terroristen" umgehend die Software auf den aktuellen Stand patchen, weil... ja... also... Der Mehrwert... nicht...
krustentier120 12.06.2016
2. Guter Gedanke
Obwohl ich mir vorstellen kann, dass diese Sicherheitsvorkehrungen besonders schwer zu knacken sein werden. Oder man installiert einfach das nächste Update nicht, wenn man dort fliegen will.
wahrsager26 12.06.2016
3. Überflüge
Es sind doch bereits genug Fluggeräte auf dem Markt und schon verkauft-ein bisschen spät jetzt Stadien auszunehmen!Danke
Moridin 12.06.2016
4. Gibt es keine...
...freie Software für solche Drohnen? Solche Maßnahmen sind absolut unnötig! Freie Menschen brauchen freie Software und können sehr gut selbstverantwortlich entscheiden, wo sie mit ihren Drohnen fliegen.
1lauto 12.06.2016
5. schwarzer sonntag 1977
Ich fand den Film spannend. Fast vierzig Jahre alt und zeigt doch die aktuellen Probleme. Viele alte Filme zeigen die aktuellen Ereignisse erstaunlich gut.
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