DJI Mavic 2 Pro im Test Die Drohne mit der Edelkamera

Auf der Elektronikmesse Ifa wird man erstmals eine Hobbydrohne sehen, in der eine Kamera der schwedischen Luxusmarke Hasselblad steckt. Ob sich die Investition lohnt, haben wir ausprobiert.

Matthias Kremp

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Die Drohnen der Mavic-Serie von DJI sind ideal für Flugamateure wie mich. Vor zwei Jahren lernte ich mit der ersten Mavic, dass es gar nicht schwierig sein muss, so einen Quadcopter unfallfrei zu fliegen. Anfang 2018 zeigte die Mavic Air, dass man eine Drohne sogar mit in die Luft gezeichneten Gesten lenken kann. Das Gerät war zudem klein genug, dass es in eine Jackentasche passt. Jetzt hat DJI zwei neue Modelle vorgestellt: Die Mavic 2 Zoom mit Zweifach-Zoomobjektiv und die Mavic 2 Pro mit Hasselblad-Kamera.

Ganz überraschend kommt diese Neuerung nicht. Anfang 2017 hatte sich das chinesische Unternehmen eine Mehrheitsbeteiligung an Hasselblad gesichert. Wenig später kündigte DJI eine Profidrohne mit 100-Megapixel-Profikamera von Hasselblad an. Im Handel wird diese Kombination zu Preisen um 46.000 Euro angeboten.

Mit der Mavic 2 Pro kommt jetzt die erste Hobbydrohne mit eingebauter Hasselblad-Kamera auf den Markt. Aber auch die ist keineswegs ein Schnäppchen. Mit einem Preis von 1449 Euro ist sie aber immer noch billiger als eine reguläre Hasselblad. Deren Preise rangieren in der Regel in fünfstelligen Euro-Regionen.

DJI reagiert damit auf den Trend, dass ambitionierte Drohnenpiloten ihre Quadcopter nicht einfach wie Modellflugzeuge durch die Luft steuern wollen, sondern sie eher als fliegende Kameras benutzen. Das ist naheliegend, denn aus der Luft hat man ganz andere Fotografier- und Filmmöglichkeiten als am Boden. Geräte wie die Mavic 2 Pro sind im Grunde fliegende Kamerastative.

Damit man sie auch so nutzen kann, hat DJI die ohnehin schon ausgefeilten Funktionen zur automatischen Flugsteuerung ausgebaut. Insgesamt zehn rundum angebrachte Sensoren helfen dabei, dass die Mavic 2 Pro sich orientieren, Hindernisse umfliegen oder vor ihnen zum Stehen kommen sowie einen vorgegebenen Flugweg abfliegen kann.

Fotostrecke

14  Bilder
DJI Mavic Air im Test: Drohne für die Jackentasche

Das geht so weit, dass man ein Objekt mit der Kamera anvisieren kann, das die Drohne dann automatisch umkreist und dabei filmt. Bewegten Motiven, also etwa einem Radfahrer, kann sie ebenso automatisch und erstaunlich zuverlässig folgen, sogar wenn diese gelegentlich hinter einem Hindernis verschwinden. Die Software der Mavic 2 berechnet, wohin sich das verfolgte Objekt vermutlich bewegen wird, und lässt die Drohne entlang dieses Pfades fliegen.

Und wenn man mal keine Fotos oder Videos machen will, lenkt man sie per Fernsteuerung eben manuell. Sensoren und Automatik überwachen auch den freien Flug und haben bei unseren Tests immer wieder verhindert, dass wir das Testgerät in Büsche oder Bäume jagten.

Kamera

Aber, wie gesagt, eigentlich geht es ja um die Kamera. Die hängt an einem sogenannten Gimbal, einer steuerbaren Aufhängung, die Flugbewegungen ausgleicht, sodass man unverwackelte Fotos und Videos hinkriegt. Der neue Gimbal der Mavic 2 hat gegenüber dem Vorgängermodell etwas Wichtiges dazugelernt: Er kann senkrecht nach unten und ein klein wenig nach oben schauen, was interessante neue Möglichkeiten schafft.

Senkrechtes Drohnen-Selfie
Matthias Kremp

Senkrechtes Drohnen-Selfie

Andere Neuerungen werden per Software geliefert. Eine Zeitrafferfunktion beispielsweise.

Die Kamera selbst hat einen Fotosensor, der mit einer Diagonale von einem Zoll ungewöhnlich groß ist, eine Auflösung von 20 Megapixeln und eine Farbtiefe von 10 Bit bietet.

Beim Ausprobieren kamen damit bemerkenswert gute Schnappschüsse heraus, die vor allem durch ihre Klarheit und realistische Farben glänzen. Eine bessere Drohnenkamera wird man in dieser Preisklasse schwerlich finden. Grundsätzlich gilt das auch für Videoaufnahmen, doch die erforderten zumindest im Test mehr manuelles Eingreifen, um die Kameraeinstellungen zu optimieren.

Bemerkenswert war dabei, dass der Akku im Test trotz vieler Flugmanöver und trotz des ständigen Filmens und Fotografierens mehr als 20 Minuten durchhielt. Einen zweiten und besser auch einen dritten Akku sollte man beim Kauf trotzdem gleich mitbestellen, denn auch 20 bis 25 Minuten sind zu wenig, wenn man mit der Mavic 2 richtig Spaß haben will. Pro Akku muss man 119 Euro einkalkulieren.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Sehr einfach zu fliegen

Gutes System zur Vermeidung von Kollisionen

Sehr gute Kamera

Gute Akkulaufzeit

Viele Automatikmodi

Teuer

Mit der Mavic 2 Pro gelingen aus der Luft herausragende Aufnahmen. Dabei ist der Quadcopter dank etlicher Automatikfunktionen leicht zu steuern und dank seiner Rundumsensoren kaum kaputtzufliegen. Die Hasselblad-Kamera hat in diesem kurzen Test einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Schmerzhaft ist nur der Preis. In der sinnvollen Kombination mit zwei Extra-Akkus muss man fast 1700 Euro investieren. Da muss man sich schon sehr für Drohnenfotografie begeistern.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
zeichenkette 29.08.2018
1. Also, Spon...
Wenn hier schon große Worte wie "Hasselblad" und "1 Zoll Sensor" gebraucht werden, wäre es dann nicht angemessen, auch mal mehr als ein Bild zur Verfügung zu stellen und die in voller Auflösung? Wie soll man anhand dieses Fotos in Bildschirmauflösung beurteilen können, ob das was taugt oder nicht? Oder ist das alles eh nur locker-spritzige Unterhaltung mit Null Kalorien? Wahrscheinlich schon. Ich verstehe das nicht. Wo kriege ich jetzt die vier Minuten meines Lebens für das Lesen dieses Artikels und das Schreiben dieses Kommentars zurück?
vhn 29.08.2018
2. Lohnt sich denn nun die Investition?
Auf diese Frage gibt der Artikel leider keine Antwort. Denn der Knackpunkt ist der Abstand in der Bildqualität zu den Drohnen mit kleineren Sensoren (Mavic Air, Pro1 usw)...
Kunstgriffe 29.08.2018
3. Nichts Neues
Ein Foto, welches die Qualität des Sensors deutlich macht, hätte auch mich interessiert. Schade, denn so steht hier nichts, was nicht schon vor Tagen bei anderen Quellen bereits ausführlicher zu lesen war.
tchantchès 29.08.2018
4. Und wer baut die Kamera?
Hasselblad ist es ganz sicher nicht. Ist aber auch egal, denn den Zahnwälten, die ihr Schwarzgeld für sowas ausgeben, reicht es völlig, wenn der Name auf dem Gehäuse steht.
Misi 30.08.2018
5. 1 Zoll
Der Sensor ist übrigens sicherlich nicht „mit 1 Zoll Diagonale ungewöhnlich groߓ. Sensoren der 1 Zoll-Klasse haben vielleicht 16mm Diagonale. Die übliche Größenangabe ist hanebüchen (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bildsensor#Sensorgrößen_und_-formate). Ich wusste das bis vor kurzem auch nicht, aber von einer Technikredaktion sollte man doch erwarten können, dass die Sensorgröße korrekt angegeben wird.
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