DJI Mavic Pro im Test Diese Drohne passt auf sich auf

Piloten von Hobbydrohnen müssen oft lange üben, bis ihnen vernünftige Manöver gelingen. Mit einer neuen DJI-Drohne soll das Fliegen leichter fallen. Wir haben vergeblich versucht, die Mavic Pro in ein paar Bäume zu jagen.

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Ich bin kein Drohnenpilot. Klar, ich habe schon den einen oder anderen Quadrocopter - so nennt man Hobbydrohnen mit vier Propellern auch - ausprobiert, aber viel Erfahrung mit deren Steuerung habe ich deshalb nicht. Entsprechend skeptisch war ich, als vergangene Woche ein Testgerät der neuen Mavic Pro von DJI geliefert wurde.

Das Problem: Die Test-Drohne war offensichtlich direkt nach deren Präsentation in Portugal verpackt und auf den Weg zu mir gebracht worden - ohne Bedienungsanleitung. Das könnte schwierig werden, fürchtete ich, obwohl der Drohnenhersteller DJI über die Mavic Pro sagt, sie sei "leistungsfähig und gleichzeitig einfach zu bedienen." Das würde durchaus zum meinem Mantra passen, dass gute Technik auch ohne Handbuch funktioniert.

Bei der Mavic Pro hatte ich Glück damit. Zumindest, nachdem ich kapiert hatte, dass man sie nicht einfach einschalten kann, sondern den Einschaltbefehl sozusagen morsen muss. Einmal kurz drücken zeigt den Akkuladestand an, einmal kurz, einmal lang schaltet die Elektronik ein.

Lieber Fernsteuerung oder App?

Genau so funktioniert es auch bei der Fernsteuerung, die mit im Paket liegt. Und mit der fangen auch die Besonderheiten der Mavic Pro an. Schon mit der Fernsteuerung allein lässt sich die Drohne problemlos steuern. Sie ist etwa so groß wie ein Gamecontroller und hat auch eine ganz ähnliche Anordnung von Tasten, Reglern und Schaltern.

Bei meinem ersten kurzen Flug benutze ich aber vor allem die beiden Joysticks, mit denen ich Flugrichtung, - höhe und -Geschwindigkeit bestimmen und die Drohne um ihre vertikale Achse drehen kann. Das klappt schon ganz gut.

Theoretisch könnte ich auch mein Smartphone per App als Fernsteuerung benutzen. Doch der Anreiz, das zu tun, ist gering. Die Reichweite wäre dann auf rund 80 Meter begrenzt. Die mitgelieferte Fernsteuerung hingegen soll auf bis zu sieben Kilometer Entfernung Kontakt zur Drohne halten können.

Live-Videos von anderswo

Damit nicht genug, kann die Mavic Pro auf diese Entfernung auch Live-Videos von der 4K-Kamera, die stabilisiert am Bug hängt, an mein Smartphone senden. Dafür muss ich mein iPhone in eine Haltevorrichtung an der Fernsteuerung klemmen. Ein kleines Kabel sorgt dafür, dass die Fernsteuerung und das Handy Daten austauschen können.

DJI-Fernsteuerung mit Smartphone
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DJI-Fernsteuerung mit Smartphone

Der Effekt ist verblüffend. Auf dem Bildschirm sehe ich gestochen scharf, was die Kamera der Drohne im Blick hat.

Mit einem kleinen Drehregler an der Fernsteuerung kann ich die Kameraausrichtung festlegen. Ein Druck auf den Aufnahmeknopf und es wird entweder ein 12-Megapixel-Foto geknipst oder ein Video aufgezeichnet, wahlweise in Full-HD oder 4K. Gespeichert werden die Aufnahmen auf einer Speicherkarte in der Drohne.

Kollisionswarnung

Beeindruckend ist, wie gut die Aufnahmen im Flug werden. Die Fotos sind scharf, Videos trotz des Hamburger Herbstwindes erstaunlich ruhig. Daran dürfte zum einen der beweglich aufgehängte Kameraarm, ein sogenannter Gimbal, Anteil haben, der die Kamera stabilisiert.

Zum anderen sorgt eine von DJI Flight Autonomy genannte Technik für ein ruhiges Flugverhalten. Fünf Kameras, Ultraschallsensoren, GPS und Lagesensoren liefern einem Prozessor Daten, aus denen dieser Ausgleichbewegungen berechnet. Mir hilft die Technik außerdem, meine Testdrohne nicht gleich beim ersten Testflug zu Schrott zu fliegen. Denn die Sensordaten werden auch genutzt, um Kollisionen zu verhindern.

Kameras und Sensoren verhindern Zusammenstöße
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Kameras und Sensoren verhindern Zusammenstöße

Aus bis zu 15 Metern Entfernung erkennt das System, wenn man das Gerät beispielsweise auf einen Baum zusteuert, und leitet entweder einen Bremsvorgang ein oder umfliegt das Hindernis. Testweise habe ich versucht, die Mavic Pro mutwillig gegen einen Laternenpfahl zu lenken. Statt zu zerschellen stoppte sie und schickte mir eine Reihe von Pieptönen, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

Mit 65 Sachen durch den Luftraum

Leider funktioniert dieses System nicht, wenn man den Sportmodus aktiviert, in dem Geschwindigkeiten von bis zu 65 Stundenkilometern möglich sind. Dafür aber, wenn man die automatische Rückkehrfunktion aktiviert. Die sorgt per Knopfdruck dafür, dass die Drohne zu ihrem Startpunkt zurückfliegt und landet. Das ist sehr bequem, klappte im Test aber nicht ganz so exakt, wie von DJI versprochen. Statt genau am Startpunkt landete die Mavic Pro eher in einem Bereich von etwa vier Metern um diesen Punkt herum.

Man sollte sich also lieber einen geräumigen Start- und Landeplatz suchen. Aber auch das ist mit der Mavic Pro kein Problem. Denn was dieses Modell neben all der Technik besonders macht, ist seine Konstruktion. Die vier Motorausleger mit den Propellern können sekundenschnell eingeklappt werden. So wird die Drohne von der Größe einer Familienpizza auf das Format eines dicken Buchs reduziert und passt in Umhängetaschen und Rucksäcke.

Fazit

Bisher konnte ich der Drohnenfliegerei nicht viel abgewinnen. Mit der Mavic Pro war das anders. Das Gesamtpaket passt: Man kann sie leicht überallhin mitnehmen, sie zu fliegen ist einfach, und sehr gute Videos lassen sich dabei auch noch drehen. Nur die Kosten stören: Mit knapp 1200 Euro ist die Mavic Pro nicht gerade ein Schnäppchenartikel.

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insgesamt 55 Beiträge
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MisterD 19.10.2016
1.
Ich glaube man muss niemandem erklären, was solche Drohnen mit 4k Kamera, automatischer Rückkehrfunktion usw. anrichten können, wenn sie in die falschen Hände geraten... Man kann nicht nur in den heimischen Garten automatisch zurückkehren... und die Drohne kann mehr tragen als "nur" eine Kamera, mit der man irgendwelchen Personen nachstellt... Insgesamt wird das Drohnenproblem immer beängstigender. Die Hersteller täten nun langsam gut daran ihren kleinen Fliegern eine Intelligenz zu verleihen, die Missbrauch erkennt und sich verweigert...
muellpost 19.10.2016
2. Kein Spielzeug - Kein Schnäppchen
Ein Quadcopter ist auch kein Spielzeug, sondern ein Hobby oder gar professionelles Werkzeug für Videografen und Fotografen. Auch wenn im Promotionvideo des Herstellers irgendwelche "Hey, ich hab keinen Job und mein Leben besteht nur auf Outdoor und Sport"-Bubis mit der Drohne rumhantieren, ist und bleibt es kein Spielzeug. Ich habe die Phantom 3 Pro und filme und schieße damit gezielt Landschaftsbilder/-videos, welche ohne Drohne gar nicht möglich wären. Ein tolles Gerät. Die Mavic Pro habe ich bereits bestellt und bin gespannt darauf, was die so leistet im Gegensatz zur Phantom 3 Pro. Missbrauch geht mit allem. Autos kann man auch dazu missbrauchen, Leute umzufahren. Computer Monitore ebenfalls, um Menschen damit zu verletzen (wenn man sie als Wurfgeschosse missbraucht). Allen Sorgenden sei gesagt, dass man ab einer gewissen (sogar ziemlich kleinen) Höhe Menschen am Gesicht, etc. kaum noch erkennt und dass alle Häuser von oben eigentlich fast gleich aussehen. Das Problem des Nachstellens sehe ich hier wirklich nicht. (Die sind auch verdammt laut die Copter). Skepsis, Angst... ganz normal... Aber solange es kein Rich Kid's Toy wird und sich die Leute im klaren sind, dass zu jedem Copter auch eine Versicherung GESETZLICH NOTWENDIG ist, sollten wir auf der sicheren Seite sein.
Bueckstueck 19.10.2016
3. Was diesem Artikel fehlt:
Etwas Durchblick wofür diese Sportdrohne eigentlich gedacht ist. Mavic ist ein Fahrrad-Sportartikelhersteller, der mit diesem von DJI produzierten Quadrocopter eine Trägerplattform für den seit Jahren boomenden ActionCam Markt, vorallem im Bereich Mountainbike, am Start haben will um sich ein Stück vom Kuchen zu sichern wenn Drohnen für diese Art der Filmerei durch Laien so richtig durchstarten. Dafür spricht das kleine Packmass, der Kollisionsschutz, die aktive kardanische ("Gimbal") Kameraaufhängung, welche übrigens massgeblich für das ruhige Bild verantwortlich ist und nicht die automatische Fluglagekorrektur, und ganz wichtig: Die Rückkehr zum Ausgangspunkt wenn der Kontakt verloren geht. Solche Videos werden nämlich nicht im Vorgarten gedreht, sondern draussen zwischen Hügeln und Bergen. Und deshalb kostet das ding auch über tausend Steine. Es ist halt etwas über dem Segment "Spielzeug" angesiedelt.
wahrsager26 19.10.2016
4. An MisterD. Nr1
Genauso gut könnten Sie Feuerzeuge verbieten( sollen die auch intelligent werden?)Zuerst würde ich versuchen,den Nutzer aufzuklären,gut wäre eine Funktion die in der Nähe eines Flugplatzes einen Start unmöglich macht-Ansätze gibt es dazu.Modellflieger haben diesen Käufern etwas voraus :Sie wissen um das Gewicht Ihrer Modell und können sich die Schäden im Falle eines Absturzes ausmahlen.Bei einem Sechsmetersegler können je nach Typ schnell bis zu fünf Kilogramm Blei in der 'Nase' sein...bitte weiterdenken.Es ist wie mit allen Dingen:Sie lassen sich missbrauchen und die hübsche Nachbarin die in der Sonne liegt,kann ein Opfer der fliegenden Kamera werden.Den Rest erledigen dann die Gerichte,hoffentlich.Wie vom DMFV vorgeschlagen ,sollten Quadrokopter nur bis zur Sichtgrenze betrieben werden dürfen,ohne optische Sehhilfe-soviel zum Thema Flughöhe und Weite!Danke
polltroll 19.10.2016
5. Drohnenproblem?
Wie bei jeder modernen Technik üblich, gibt es Menschen die sie rechtswidrig missbrauchen. Da von einem grundsätzlichen Drohnenproblem zu reden halte ich für völlig übertrieben. Das Internet wird auch für Pornographie und Betrügereien genutzt. Die wirtschaftlichen Schäden jährlich sind beträchtlich. Ich halte das Internet Problem für schwerwiegender! Raserei mit PS starken Autos kostet hunderten jährlich das Leben. Trotzdem gibt es bis heute kein grundsätzliches Tempolimit in Deutschland. Die Strafen sind lächerlich. Also Vorsicht, dass hier nicht aus Angst vor einer neuen Technologie Vorverurteilungen und Ablehnung greifen. Ich weiß! Das ist ein gut kultivierter deutscher Reflex. Darum diskutieren wir ja auch noch über WLAN an Schulen und Störerhaftung.
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