DJI Osmo im Kurztest Diese Drohnenkamera bleibt am Boden

Ruckelfreie Aufnahmen, während man läuft - geht das? Drohnenhersteller DJI versucht es und bringt mit dem Osmo eine Anti-Wackel-Kamera auf den Markt. Der Test.

Matthias Kremp

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Viele Kollegen haben in den vergangenen Tagen gerätselt, mit was für einem Gadget ich da durch die Redaktionsflure spazierte, lief und hopste. Meine Erklärung, dass es sich um eine Kamera handelt, die normalerweise unter einer Drohne hängt, sorgte nur für noch mehr Verwirrung.

Aber genauso ist es: Das Gerät, das ich durch die Gegend trug, war eine Zenmuse-X3-Kamera. Normalerweise baut die chinesische Firma DJI sie unter ihre Highend-Drohne Inspire 1, Stückpreis 3200 Euro.

Die Besonderheit: Die Kamera ist an drei Achsen beweglich aufgehängt. Die aufwendige Konstruktion gleicht so Wackelbewegungen der Drohne aus und ist im Grunde ein großer Bildstabilisator.

Genau diese Konstruktion bietet der Hersteller jetzt leicht modifiziert und ohne Drohne für den bodennahen Gebrauch an, unter dem Namen Osmo. Statt unter einer Drohne zu hängen, steckt die Kamera nun auf einem Handgriff. Der enthält den Akku und ein paar Steuerelemente, die ihn aussehen lassen wie einen Joystick.

Matthias Kremp

Mit diesem Joystick hält man die Kamera nicht nur, sondern steuert sie auch. Neben den Auslösern für Video- und Fotoaufnahmen fällt der runde Steuerknopf auf, über den man mit dem Daumen das Objektiv fernsteuern kann. Das geht zwar auch manuell, aber per Joystick sieht es cooler aus - und sorgt wiederum für ruhigere Aufnahmen und gleichmäßige Schwenks.

Schöner mit Smartphone

Vorn am Griff gibt es einen weiteren Knopf, wie unsere Fotostrecke zeigt. Drückt man ihn einmal, fixiert sich die Kamera auf ein Motiv und gleicht Bewegungen, die vom Motiv wegführen würden, weitgehend aus. Nach zweimaligem Drücken fährt das Objektiv in eine Art Nullposition und richtet sich horizontal aus. Drückt man die Taste schließlich dreimal, dreht sich die Kamera zum Filmer: ein Selfie-Modus.

Weil die Kamera selbst keinen Bildschirm hat, sollte man sie per WLAN mit einem Smartphone mit Android oder iOS verbinden. Am Stick gibt es dafür eine Halterung, die Geräte bis sechs Zoll stabil festhält. Mithilfe der DJI-Go-App wird das Handy so zum Display und zur Steuerungszentrale für die Kamera. Hier kann man Dinge wie den ISO-Wert und das Bildformat einstellen

Leider stürzte die App während des Tests mehrfach ab oder zeigte statt des Sucherbilds der Kamera nur einen blauen Bildschirm an. Das mag damit zusammenhängen, dass ich ein Vorserienmodell des Osmo mit einer Betaversion der App getestet habe. Bis zur Auslieferung der Seriengeräte sind diese Mängel hoffentlich behoben.

Profivideos und Amateurfotos

An der Bildqualität der mit der DJI-Kamera aufgezeichneten Videos gibt es nichts zu meckern, im Gegenteil. Die bewegliche Aufhängung gleicht Stöße und Ruckeln sehr effektiv aus. Ich habe die Kamera im Gehen ausprobiert, beim Laufen und bin damit auch ein wenig gesprungen. Die dabei gedrehten Videos wirkten trotzdem fast immer ruckelfrei.

Für Schnappschüsse gilt das nicht ohne Einschränkung. Die Kamera braucht oft lange, um zu fokussieren. Im Gegensatz zu den Videos wirken die Standfotos manchmal blass und verwaschen.

In den Griff integriert ist auch ein Stereomikrofon. Das funktioniert theoretisch sehr gut, wäre da nicht der Lüfter. Der in den Rücken der Kamera eingebaute Propeller kühlt die Elektronik mit hoher Drehzahl, sobald die Kamera läuft.

Matthias Kremp

Das dabei entstehende hochfrequente Geräusch ist ausgesprochen nervig und auch auf den Videoaufnahmen gut zu hören. Empfehlenswert ist es deshalb, den Miniklinken-Mikrofonanschluss zu verwenden und ein externes Mikrofon zu benutzen. Für manche Gelegenheiten disqualifiziert sich die DJI-Kamera mit diesem Gedröhne allerdings. Selbst in unserem Großraumbüro beklagten sich einige Kollegen über das Lüftergeräusch. Hoffentlich taucht dieser Mangel bei den Serienmodellen nicht mehr auf.

Fazit

Der DJI Osmo ist eine tolle Videokamera, die professionell wirkende Kamerafahrten ermöglicht. Die Bedienung ist einfach, die Videoqualität prima. Man bekommt eindrucksvolle Schwenks hin, die mit einer nicht stabilisierten Kamera oder einem Smartphone kaum möglich wären.

Bleibt die Frage, wofür man das Ding benutzen soll. Auf einer Hochzeit, während der Brautvater eine Rede hält, möchte man das gespannte Zuhören der Gäste sicher nicht mit dem Lüftergeräusch der Kamera stören. Auf Reisen dagegen könnten die sperrigen Abmessungen stören.

Und richtig billig ist der DJI Osmo auch nicht: 749 Euro kostet er im Onlineshop des Herstellers. Viel Geld für eine sehr spezielle Kamera. Das Zubehör dagegen gibt es zu vergleichsweise günstigen Preisen, einen Lenkeradapter etwa für 55 Euro, einen Selfie-Stick für 59 Euro. Mit solchen Extras wird der Osmo zumindest zur Edel-Alternative zu Action-Cams wie denen von GoPro.



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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
fatherted98 14.10.2015
1. Viel...
...zu groß. Müßte wie bei der Polizei auf die Schulter passen...so wie ein Go Pro....aber so....
SirRidleyScott 14.10.2015
2. @fatherted98
Die Kamera soll IMHO keine direkte Konkurrenz zur GoPro sein. Sondern viel eher eine Steadicam für die Handtasche. Die Videos auf der DJI-Website sehen recht beeindruckend aus. So wackelfrei kann man ohne Schwebestativ mit eine GoPro sicherlich nicht filmen. Schön wäre es gewesen, wenn Herr Kremp einige technische Daten zur X3 geliefert hätte. Aber das wurde wohl versäumt. :-P Das Objektiv hat laut Website eine 35mm Brennweite mit 2.8er Blende. 4K-Video ist auch möglich. Full HD mit bis zu 120 fps. Also diese Daten sprechen für sich. Eine GoPro mag billiger sein (auch u.u. mit einem Schwebestativ), aber diese Kamera scheint mir auch nicht gerade schlecht zu sein. ;-) Zumal eine GoPro mit Schwebestativ auch nicht kleiner ist ...
Gerdd 14.10.2015
3. Was soll's?
Wer Wert darauf legt, seine ganz spezielle eigene Kamera zu verwenden, der holt sich die Stabilitaet eben bei Herstellern wie Steadicam - als Zubehoer. Da dieser Osmo ja auch nicht gerade billig ist, koennen die sicher konkurrieren.
Flying Rain 14.10.2015
4. Ich sehe
Ich sehe schon wie SpOn bald Modellflugzeuge als Drohnen mit Flügeln bezeichnet - Kopf -> Tisch
ahhcrap 14.10.2015
5.
Bei B&H bestellt kostet das Ding mit Versand und Zoll rund 100.-? weniger.
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