Website "DoNotPay" Mit dem Robo-Anwalt gegen Knöllchen

Des Rasers Freund und Helfer: Wer in Großbritannien einen Strafzettel bekommt, kann sich an einen Chatbot wenden. Demnächst könnte "DoNotPay" auch deutsche Autofahrer im Kampf gegen Knöllchen unterstützen.

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Brauche ich wirklich einen teuren Anwalt, um gegen ein Knöllchen fürs Falschparken vorzugehen? Vor dieser Frage stand auch Joshua Browder. Kaum hatte der Brite mit 18 seinen Führerschein gemacht, begannen die Bußgeldbescheide wegen Falschparkens hereinzuflattern. Da er ungern dafür bezahlen wollte, fing er an, Einspruch gegen die Bescheide einzulegen - zu seiner Überraschung in vielen Fällen mit Erfolg.

Als er merkte, wie oft die Einsprüche helfen, nutze Browder seine Programmierkenntnisse und entwickelte die Website "DoNotPay" ("Zahl nicht"). Sie hilft nun auch Fremden beim Knöllchen-Einspruch, mit einem Chatfenster, über das die Nutzer einem Bot ihr Problem schildern können. Danach werden sie gratis beraten.

Ein Algorithmus stellt auf der Basis einiger abgefragter Schlüsselbegriffe (Selbst gefahren? Auto gestohlen?) weitere Fragen. Mit den Informationen produziert das Programm ein zum jeweiligen Einzelfall passendes Einspruchsschreiben. Die Einspruchsverfahren würden sehr formalisiert ablaufen, sagt der heute 19-jährige Browder, das habe die Erstellung des Skriptes erleichtert.

Die Erfolgsrate der "DoNotPay"-Einsprüche soll angeblich bei 47 Prozent liegen, ein beachtlicher Wert. Seit Browders Website 2015 online gegangenen ist, sollen mit ihrer Hilfe 150.000 Nutzer umgerechnet mehr als vier Millionen Euro an Strafgeldern gespart haben.

Auch deutsche Version geplant

"DoNotPay" hilft mittlerweile auch Reisenden, die sich wegen übermäßiger Verspätung von einem Flugunternehmen eine Entschädigung erhoffen. Im Moment steht die Website allerdings nur Nutzern in Großbritannien offen.

Ende März soll sie um eine Fassung erweitert werden, die auch Gesetze aus den USA berücksichtigt. Browder, der inzwischen im kalifornischen Stanford Informatik studiert, hat für sein Projekt aber noch weitergehende Pläne. Derzeit sei er in ersten Gesprächen mit deutschen Anwälten, um eine den hiesigen Gesetzen angepasste Version seines Knöllchen-Bekämpfers zu erstellen, erzählt er.

Daneben möchte Browder einen Bot programmieren, der Flüchtlingen bei ihren Asylanträgen hilft. "Das ist eine ziemliche Herausforderung", sagt er. "Das Programm muss Arabisch verstehen, aber Dokumente auf Deutsch produzieren." Er sei aber zuversichtlich, den Service bis zum Sommer anbieten zu können.

Browder hofft, dass Algorithmen wie sein "DoNotPay"-Bot eines Tages ein normaler Teil des Gerichtswesens sein werden. Gerade kleine juristische Probleme würden sich vor allem zum Schaden ohnehin Benachteiligter auswirken. "Sobald die Technologie perfektioniert wird, könnte sie zu einem gerechteren Justizsystem beitragen", sagt Browder, "zu einem System, in dem alle gleich behandelt werden, unabhängig von ihrem Reichtum."

Mit Blick auf das Thema Knöllchen gäbe es übrigens auch in Deutschland jede Menge Bußgeldzahlungen, denen Autofahrer gern entgehen würden: Laut einer Erhebung des Verbandes für bürgernahe Verkehrspolitik (VFBV) - (hier als PDF) - nahmen die Kommunen durch Strafzettel allein 2013 rund 850 Millionen Euro ein.

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insgesamt 20 Beiträge
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fahrgast07 24.02.2016
1. Egoisten
Die Behörden mit sinnlosen Einsprüchen fluten - und der Steuerzahler zahlts? Wie wärs, sich einfach an Verkehrsregeln zu halten, die Herren Egoisten?
vlado13 24.02.2016
2. Ich wäre ja dafür...
... jedem Fahrzeughalter, der einen Verstoß auf eine andere Person abwälzt, die er nicht nennen möchte oder kann, ein Fahrtenbuch aufzuerlegen. Der Trick "ich war's nicht, das war ein Bekannter, den ich nicht belasten muss" würde umgehend in der Versenkung verschwinden.
and_over 24.02.2016
3. ich wäre ja dafür
alle schwachsinnigen Ver- und Gebote abzuschaffen, dann wäre es auch viel einfacher, sich an die wenigen verbliebenen Vorschriften zu halten.
globalundnichtanders 24.02.2016
4.
Zitat von vlado13... jedem Fahrzeughalter, der einen Verstoß auf eine andere Person abwälzt, die er nicht nennen möchte oder kann, ein Fahrtenbuch aufzuerlegen. Der Trick "ich war's nicht, das war ein Bekannter, den ich nicht belasten muss" würde umgehend in der Versenkung verschwinden.
Das ist in D schon lange gängige Praxis.
QPDO 24.02.2016
5.
Guter Ansatz, es gibt viele Verfahren, die nach einem sehr ähnlichen Schema laufen. Allerdings wäre eine Prüfung der Erfolgsaussichten aus dem Fall heraus noch besser. Es gibt ja eindeutige Knöllchenfälle, in denen z.B. der SLR auf den Sperrstreifen geparkt wird. Hier bietet sich neben den Knöllchen wohl am meisten noch eine Rolle Klebeband an, das sich wie Vignetten nur in winzigen Einzelteilen entfernen lässt. Dieses Klebeband mit der Aufschrift "Falschparker" zweimal quer über die Windschutzscheibe gezogen sollte einen deutlich stärkeren Lerneffekt hervorrufen als das 0,05%-des-Tagessatzes-Knöllchen.
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