Drohnen für Hobby-Flieger Die neuen Überflieger

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2. Teil: Verstörende Raubvogelperspektive


Der Schockeffekt der rasenden Tiefflüge speist sich aus einem Überrumpeln der Sehkonventionen. Längst ist die Öffentlichkeit mit dem Blick aus Flugzeugen, Helikoptern oder gar Raumschiffen vertraut. Doch dabei wurde bislang eine Flughöhe von 50 Metern selten unterschritten. Nun tut sich der Blick in eine neue Zwischenwelt auf.

Die Flugdrohnen zischen oft zwischen Augen- und Firsthöhe durch die Straßenzüge. Die Kamera zeigt, wie Passanten sich umdrehen, Hunde aufschrecken und Kinder staunen, wenn der eigenartige Tiefflieger herbeischießt wie ein Falke. Diese Raubvogelperspektive ist ungewohnt und verstörend für die Zuschauer.

Pirker gehört dabei zu so etwas wie dem Modellsport-Adel, seit 1993 fliegt er mit Spielflugzeugen, damals war er acht Jahre alt. Sein Onkel Reinhard Hafele hatte ihn als Kind in den Modellsportverein Arlberger Adler in St. Anton geholt. Doch vor einem Jahr schmissen ihn die Arlberger Adler aus dem Nest, weil er die Modellfliegerei als Extremsport betrieb: Er flog zum Beispiel zwischen den Strängen einer Seilbahn hindurch - zum Entsetzen der anderen Clubmitglieder, die strengere Auflagen der Gemeinde fürchteten. Seinem Onkel Reinhard missfällt der "illegale touch". Er bewundert die Videoqualität, findet aber, dass sein Neffe sich zu sehr auf YouTube und Vimeo selbst inszeniert.

Nun rast Pirker eben als Einzelgänger durch enge Canyons oder zwischen den Kabeln von Telefonmasten hindurch, oft mit mehr als 100 Kilometern pro Stunde, während er selbst kilometerweit entfernt steht.

Monat für Monat erzählt Trappy neue Flugabenteuer

Immer wieder bricht er die inoffiziellen Weltrekorde für FPV-Weitflüge: Erst schaffte er die Steuerung über zehn Kilometer hinweg, dann sogar über 20 Kilometer. Im April stellte er dann seine Antennen auf, einen gemütlichen Campingstuhl, etwas zu essen und zu trinken. Dann flog er 40 Kilometer weit und wieder zurück: erneut Weltrekord. Ein Bodenteam verfolgte die Drohne dabei im Auto - das ist vorgeschrieben in vielen Ländern, auch in Deutschland.

Monat für Monat erzählt Trappy neue Flugabenteuer, und zwar im Internet, in Form von neuen Videos: Mal gerät sein Flugzeug in ein Gewitter, dann streift es einen Baum, oder er verfolgt einen Gleitschirm.

Auf einem Video jagt Trappy ein herkömmliches Modellflugzeug, und rammt es, bis es abstürzt und ausbrennt. Beim Versuch, die Eiger-Norwand hinabzufliegen, zerlegte es das Flugzeug bei 200 Kilometern pro Stunde, weil eine Windbö die Batterien hinausschleuderte. Das Wrack liegt noch irgendwo in der Wand. Lange Zeit lieferte sich Trappy eine Art transatlantisches Videoduell mit "Gabriel2584" um den Rang des kaltblütigsten FPV-Piloten. Gespannt verfolgt die Szene das Wettfliegen der beiden Rivalen.

Gabriels Spezialität ist es, die Flugzeuge auf sich selbst zuzusteuern, um sie dann aus der Luft zu fangen. Das gelingt sogar auf dem Dach eines Wohnwagens oder am offenen Fenster in einem Hochhaus. Dann legte Gabriel die Latte noch höher, und flog mit seinem ferngelenkten Flugzeug durch die Autotunnel von Rio de Janeiro, mitten im Feierabendverkehr.

"Gabriel2584", hinter diesem Pseudonym verbirgt sich Gabriel Klabin, ein Mittzwanziger aus Rio. Mittlerweile beliefert und trainiert er die brasilianische Armee und Mitarbeiter der Vereinten Nationen.

Gabriels Tunnelflug in Rio brachte Raphael unter Zugzwang. Als Antwort umkreiste er die Brooklyn Bridge und die Freiheitsstatue in New York. "Das Riskanteste waren nicht Hubschrauber oder Wind, sondern die vielen Sendemasten, die meine Funkverbindung stören könnten", erzählt er.

Als eine Polizeipatrouille stoppte, stöpselte er ihnen eine zweite Co-Piloten-Brille ein und ließ sie zuschauen, wie er im Sturzflug an Hochhauswänden entlangglitt. Sie waren so begeistert, dass sie ihn laufen ließen. Sein Video bekam über 1,1 Million Klicks.

"Das war kein Crash, das war ein...Ausweichmanöver"

Inzwischen versucht Trappy, seinen halblegalen Ruhm in eine Marke zu verwandeln. Unter dem Label "Team Blacksheep" verkauft er Flugzeugbausätze, der Preis einschließlich Kameras und Fernsteuerung liegt über 1500 Euro. Doch Pircher hat noch hochfliegendere Pläne. Als nächstes möchte er die Raubvogelperspektive noch spannender machen: durch 3-D-Kameras.

Pirker sagt, seine Flugmanöver seien nicht riskant - allerdings rät er auch jedem davon ab, sie nachzumachen, denn nur wenige haben so viele Flugstunden Erfahrung wie er. Und wenn er doch einmal einen Passanten mit seinem "Zephyr" rammt? "Nein, ich hab die mal auf die Rübe bekommen", sagt er, "das ist ungefähr wie ein Fußball bei einer hohen Flanke."

Sein "Zephyr" gleitet durch den Himmel über Berlin. Plötzlich, als er das Russische Ehrenmal am Brandenburger Tor überfliegt, krisselt sein Bild, er verliert die Kontrolle. Ob es daran liegt, dass am Adlon-Hotel gerade der Konvoi von Mahmud Abass aufbricht, der zum Staatsbesuch in Berlin ist? Möglicherweise setzen die Personenschützer Störsender ein, um das Zünden von Sprengfallen zu verhindern. Pirker kreist hilflos über dem Tiergarten, dann sucht er sich einen hohen Baum aus und rauscht beherzt ins Blätterwerk. Ganz entspannt streift er seine Cyberbrille ab. Man spürt, dies ist nicht sein erster Absturz - und nicht sein letzter.

"Das war kein Crash", sagt Pirker und lächelt unschuldig. "Das war ein...Ausweichmanöver."



insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
moby-dick 01.07.2011
1. ***
Zitat von sysopModellflugzeug-Piloten stoßen in neue Dimensionen vor: Mit fliegenden Kameras rasen sie unter Brücken hindurch, stürzen Felswände hinab und fliegen bis zu 80 Kilometer weit - ihr Lohn sind spektakuläre Videos. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,771654,00.html
iosono3 01.07.2011
2. zu spät
solche drohnen wären ideal in misurata gewesen oder jetzt in syrien.mit leichtigkeit hätte man feststellen können wie menschen von gaddafi zusammengeschossen werden. wie will man diese mini-drohnen abschiessen? und wenn,die kosten wären wahrscheinlich höher als die drohne selbst. und wieso schweben nicht solche drohnen ein paar meter (100m?) über einer patroullie die gerade in afghanistan unterwegs ist? die kann sich automatisch mit den soldaten mitbewegen usw.,mann könnte sofort sehen woher man beschossen wird u.ä. ps: bin totaler amateur-eigentlich nicht mal amateur also nicht so streng beurteilen was ich geschrieben hab.
obacht! 01.07.2011
3. Das ist vielleicht der Beginn
einer neuen technischen Revolution, nach PC und Mobilfunk? Wenn sich die Nutzlast noch erhöhen lasst, das wird nur eine Frage der Zeit sein, sich genügend Nerds finden und die Behörden nicht alles blockieren, dann werden wir in Zukunft das Haus nicht mehr verlassen müssen um beispielsweise Einkäufe zu erledigen. Wir fliegen mit unserem Gyrocopter zum Supermarkt, das Personal füllt den Laderaum. Es wird neue Berufe geben. Expressflieger fliegen Waren innerhalb von max. 8 Stunden zu jedem einzelnen Kunden. Objektschutz-Firmen fahren nicht mehr selbst mit dem Auto von Objekt zu Objekt sondern lassen Mietflieger von zu Hause aus die Objekte anfliegen. Panne mit dem Auto? Kein Problem, innerhalb kürzester Zeit wird das vom Adac-Mann benötigte Ersatzteil per Drohne geliefert. Geflogen wir das Ding von einem Heim-Piloten für paar Euro fuffzisch. Ich muss nicht mehr selbst irgendwo hin gehen um live bei einem Ereignis "dabei" zu sein. Ich fliege mit meinem Gyrocopter ins Stadion und schaue mir das Spiel aus verschiedenen Perspektiven an. Es wird Fluggeräte für verschiedene Zwecke geben. Vielleicht sogar neue "Sportarten".
fm1304 01.07.2011
4. Wirklich beeindruckend,
Zitat von sysopModellflugzeug-Piloten stoßen in neue Dimensionen vor: Mit fliegenden Kameras rasen sie unter Brücken hindurch, stürzen Felswände hinab und fliegen bis zu 80 Kilometer weit - ihr Lohn sind spektakuläre Videos. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,771654,00.html
und in 3D muss es unglaublich sein!
extremsportler 01.07.2011
5. Schlecht recherchiert
Der Artikel ist nicht besonders sorgfältig recherchiert. Jeb Corliss ist nicht mit "einem speziellen Raketenantrieb" den Matterhorngrat hinabgeflogen, sonder mit einem Wingsuit. Unterschied: Es gibt keinen Antrieb und damit auch keine Möglichkeit, Hindernissen nach oben auszuweichen. Verliert der Pilot zuviel Höhe, kommt es zur Kollision, die unweigerlich tödlich ist. Deswegen ist das Video zu Corliss Matterhorn-Stunt auch alles andere als langweilig - man sieht seinen Kopf und weiß, sobald er einer der Felszacken nicht ausweichen kann, wars das - nicht nur ein bißchen Elektroschrott wie bei unserem Modellflieger. Tipp: BBC-Doku "The Human Bird" anschauen. Eventuell hat der Schreiberling auch Corliss und den Schweizer Yves Rossy durcheinandergebracht, der fliegt tatsächlich mit einem auf den Rücken geschnallten Flügel mit Antrieb - allerdings nicht das Matterhorn runter, das war Corliss.
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