Unfallgefahr Wenn die Drohne dem Hubschrauber in die Quere kommt

Wie sehr gefährden private Drohnen den Luftverkehr? Zwischenfälle mit Verkehrsflugzeugen im Ausland machen Schlagzeilen. Aber auch in Deutschland gab es schon brenzlige Situationen - sogar mit Rettungshubschraubern.

Drohne, Helikopter (am 12. Juli beim Papstbesuch in Paraguay): Immer mehr Vorfälle in der Luft
AFP

Drohne, Helikopter (am 12. Juli beim Papstbesuch in Paraguay): Immer mehr Vorfälle in der Luft

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Den Lufthansa-Piloten dürfte das Herz in die Hose gerutscht sein. Mitten im Landeanflug auf den Airport Warschau kreuzte eine kleine Drohne ihre Maschine, beinahe stieß der mit 108 Passagieren beladene Jet am vergangenen Dienstag mit dem Fluggerät zusammen. Fälle wie dieser häufen sich zurzeit. In Kalifornien etwa behinderten am Vortag fünf Drohnen Löschhubschrauber derart, dass diese ihren Kampf gegen ein Buschfeuer für 20 Minuten unterbrechen mussten.

Einen derartigen Fall hat es in Deutschland zwar noch nicht gegeben. Doch nach Informationen von SPIEGEL ONLINE gab es auch hierzulande mehrere brenzlige Situationen mit Drohnen.

Im Anflug auf den Flughafen Frankfurt am Main meldete eine Cessna im Juni eine Begegnung mit einer Drohne in 1500 Fuß, also in rund 450 Metern Höhe. Und in der Nähe des Flughafens Münster/Osnabrück musste im April ein Rettungshubschrauber, der auf dem Weg in eine Herzklinik war, ebenfalls auf 1500 Fuß einer Drohne ausweichen. Nur aufgrund einer schnellen Reaktion konnte er mit seiner Maschine "die Gefahrenzone verlassen", meldete der Helikopterpilot dem Tower.

Diese Meldungen, die bislang nicht veröffentlicht wurden, geben einen Vorgeschmack auf die Begleiterscheinungen des aktuellen Booms von kleinen, ferngesteuerten Fluggeräten: Quadcoptern, die meist schlicht Drohnen genannt werden.

Drohnen sind erschwinglich und ein beliebtes Spielzeug geworden. Mit Kameras bestückt, machen sie beeindruckende Aufnahmen aus der Luft (etwa diese hier), allerdings nerven die Piloten mit ihren Geräten auch immer wieder ihre Mitmenschen - und sie gefährden den Luftverkehr. Die kleinen Geräte werden nicht vom Radar erfasst. Manche ihrer Piloten verletzen Regeln. Flugsicherung und Luftrettung warnen bereits, dass es auch in Deutschland bald ein Unglück geben könnte.

"Hat ganz schön viel Wind gemacht ;-)"

Bei der Luftrettung des ADAC berichten Piloten immer häufiger von Begegnungen mit Drohnen. Eine Kollision gab es noch nicht. "Doch unsere Piloten sehen die kleinen Geräte erst sehr spät", sagt eine Sprecherin. Der ADAC fordert, ebenso wie andere Luftretter, dass die Drohnen künftig mit "Anti-Kollisions-Lichtern" ausgestattet werden.

Erst im Juni hat das Luftfahrtbundesamt die Regeln verschärft. Für Geräte, die schwerer sind als fünf Kilogramm, muss man jetzt eine Flugerlaubnis einholen. Der Umkreis von 1,5 Kilometern um einen Flughafen ist tabu.

Auch außerhalb der kontrollierten Flugzonen müssen Piloten stets direkten Sichtkontakt zu ihrem Gerät halten - sie dürfen sie also nicht sehr hoch steigen lassen. Wie hoch genau, bleibt aber unklar. Verstöße gibt es öfter: Im April meldete ein Ultraleichtflugzeug gar eine Begegnung mit einer Drohne auf 4800 Fuß - das sind knapp 1500 Meter.

Gerade bei Start und Landung von Flugzeugen und Hubschraubern lassen Hobbypiloten ihre Drohnen aufsteigen, um spektakuläre Bilder machen zu können. "Insbesondere Rettungshubschrauber, die bei Notfalleinsätzen auf Straßen, Parkplätzen, Sportflächen oder Wiesen landen müssen, sind durch den leichtsinnigen Einsatz von Drohnen gefährdet", heißt es bei der DRF Luftrettung.

Unter den Luftrettern kursiert ein Foto aus dem Netz, das von einer Drohne geschossen wurde, die über einem gerade abhebenden ADAC-Hubschrauber schwebt. "Hat ganz schön viel Wind gemacht ;-)", lautet der Begleittext. Die Aufnahme ist genau aus der Richtung gemacht, in die ein Helikopter abhebt, schräg nach hinten, Kollisionsgefahr.

Europa will Regeln aufstellen

Die Piloten werden so gut wie nie ausfindig gemacht. Oft verlaufen die Fälle wie kürzlich in Hannover: Mitte Juni meldete ein Kleinflugzeug, gerade auf Schulungsflug über dem kontrollierten Luftraum der Innenstadt, auf 1500 Fuß die "Annäherung an eine Drohne". Unten am Neuen Rathaus lief gerade das "Fun-Kinderfestival". Der Pilot informierte den Tower am Airport Hannover, der dann die Polizei ins Bild setzte, die eine Streife aufs Kinderfest schickte.

Die Polizisten befragten Veranstalter, Besucher, recherchierten im Netz, ob jemand Luftaufnahmen veröffentlicht hatte. Keine Spur vom Drohnenpiloten. Der Fall liegt nun bei der Staatsanwaltschaft, er dürfte eingestellt werden.

Beliebte Drohnen

DJI Phantom 2

Der chinesische Hersteller DJI ist Marktführer. Dieses Modell wird quasi flugfertig geliefert. Flugzeit: 25 Minuten. Die Basisversion ohne Kamera kostet 550-600 Euro, die Version Vision Plus (Abbildung) mit eingebauter HD-Kamera etwa 950 Euro. Eine Nachfolgeversion, die Phantom 3, ist bereits erschienen.

Yuneec Q500 Typhoon

Das Oberklassemodell, ebenfalls aus China, eignet sich für gute Luftaufnahmen. Die Full-HD-Kamera macht Fotos und ruckelfreie Videos. Preis: etwa 980 Euro.

Syma X5C Explorer

Dieser Quadrocopter steht in den Verkaufscharts bei Amazon ganz oben. Einsteigermodell, das aber Manöver fliegen kann und bereits eine HD-Kamera eingebaut hat, die auch den Ton aufzeichnet. Preis: 99 Euro.

Udi U818A

Diese Mini-Drohne hat eine fest verbaute Kamera und ist für zwei Flugmodi, für Anfänger und Fortgeschrittene, ausgelegt. Sie ist ziemlich robust. Flugzeit 7-9 Minuten pro Akku. Preis: etwa 109 Euro.

Ninetec Spyforce1

Ein Billigflieger, der in der Mini-Version bereits ab 69 Euro zu haben ist. Die Kamera hat dennoch eine gute Bildqualität. Das Modell ist aber auch etwas fragil: Bei etwas stärkerem Wind hat es die Mini-Drohne schwer. Flugzeit: 5-6 Minuten.

Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA will in den kommenden Tagen Vorschläge für verschärfte Regeln für den Gebrauch von Drohnen vorlegen. 2016 könnte es dann eine europaweite Regelung geben. Ob die Regeln eingehalten werden?

In Frankreich wurden Drohnen trotz Flugverbots wiederholt in der Nähe von Atomkraftwerken gesichtet. In Großbritannien warnte die Luftfahrtbehörde Drohnenpiloten kürzlich, sie könnten im Gefängnis landen, wenn sie ihre Geräte um startende oder landende Flugzeuge schwirren ließen. 2014 hat es dort sechs "ernste Zwischenfälle" gegeben, bei denen Drohnen sich Flugzeugen bis auf 20 Fuß (sechs Meter) näherten. Außerdem will man einen "Tag zur Sensibilisierung für Drohnensicherheit" ins Leben rufen.

Radikale Ideen aus Kalifornien

In Deutschland fordern Luftrettung und Flugsicherung, dass Händler und Hersteller ihre Käufer aufklären. Bei einem Forschungsprojekt geht es zum Beispiel um die Frage, ob Drohnen von Mobilfunkmasten aus kontrolliert werden könnten, etwa, um No-Fly-Zones für die Flugobjekte zu etablieren oder sie in Notfällen kontrolliert zur Landung bringen zu können.

In Kalifornien machen nun radikalere Ideen die Runde. Nachdem die Kleinflugkörper vergangene Woche die Löscharbeiten behinderten, fordern Einsatzkräfte, in solchen Fällen künftig die Fluggeräte abschießen zu dürfen.

Amazon hingegen fordert eine Aufteilung des Luftraums. Auf einer Konferenz der Nasa schlug ein Manager des Konzerns am Dienstag vor, Drohnen sollten nur in einer Höhe von 200 bis 400 Fuß (61 bis 122 Metern) fliegen - reguläre Flugzeuge mit einem Sicherheitsabstand dann ab 500 Fuß. Amazon plant, künftig im großen Stil Pakete mit Lieferdrohnen zu Kunden zu fliegen, Google experimentiert ebenfalls mit Drohnen. Am Himmel dürfte es also noch ein bisschen enger werden.

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Was es alles gibt: Kuriose Drohnen
Selfie-Drohne Airdog

Wer zu kurze Arme für einen Selfie hat, kann auch die Kameradrohne Airdog in die Luft schicken. Die Drohne folgt ihrem Nutzer von alleine und wird über seinen Sender gesteuert. Airdog kann fotografieren und filmen.
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Drohnenflug mit Videobrille

Sehen wie ein Vogel: Die Bilder der Kameradrohne Bebop lassen sich mit einer Videobrille in Echtzeit mitverfolgen. Gesteuert wird die Drohne über eine Smartphone-App.
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Paketkopter, die Drohne der Deutschen Post

Die Deutsche Post bezeichnet ihren „DHL-Paketkopter“ noch als Forschungsprojekt. Die Paket-Drohne wird testweise verwendet, um zum Beispiel dringend benötigte Medikamente vom Festland auf eine Nordseeinsel zu bringen. Auch Unternehmen wie Amazon testen Paketdrohnen.
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Disneys Puppenspieler-Drohne

Zurzeit gibt es nur ein Patent für diese Drohne - gebaut wurde sie noch nicht. Das Patent beschreibt Drohnen, die große Disney-Puppen auf Paraden oder in Freizeitparks steuern können. Dünne Drähte sollen die Drohnen mit den Armen und Beinen der Puppen verbinden.
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Pizza-Drohne statt Pizza-Bote

Um Fastfood noch schneller ausliefern zu können, haben bereits mehrere Entwickler Drohnen getestet. Schließlich eigenen sich solche Tests auch sehr gut als PR-Maßnahme. Das Bild zeigt den Drohnen-Testflug der Schnellrestaurantkette Domino’s.
Mehr zur Pizza-Drohne lesen Sie hier

Aufklärungsflüge durch Polizei-Drohnen

Mit Kameradrohnen lassen sich nicht nur Selfies und Naturfilme machen. So verwendet auch in Deutschland die Polizei seit einigen Jahren Polizeidrohnen zu Aufklärungszwecken. Die Drohnen könnten bei Hochwasser und Bränden hilfreiche Bilder liefern – sind aber bei Datenschützern umstritten.
Mehr zu den Polizei-Drohnen lesen Sie hier

Drohnen als Lichter-Spektakel

Für eine eindrucksvolle Werbeaktion sorgte vor zwei Jahren ein Drohnenschwarm am Londoner Nachthimmel. 30 Drohnen formten zum Kinostart des neuen Star Trek Films das vielen Science-Fiction-Fans bekannte Logo über der Tower Bridge.
Mehr zum Formationsflug über London lesen Sie hier

Drohnen aus dem Drucker

Künftig wird man sich Drohnen vielleicht nicht mehr fertig kaufen müssen, sondern sich zuhause das Grundgerüst per 3D-Printer ausdrucken. Steuerungstechnik und Motoren müssten freilich von Hand darauf montiert werden. Forscher der University of Virginia haben das schon mal ausprobiert
Mehr zu der gedruckten Drohne lesen Sie hier

Wartungs-Drohnen im Profi-Einsatz

Das Unternehmen Microdrones bietet verschiedene Drohnentypen für den kommerziellen Einsatz an. Dieses Exemplar wird zur Überprüfung von Stromleitungen eingesetzt. Die Geräte können bis zu 70 Minuten in der Luft bleiben und kosten fünfstellige Summen.
Mehr zu den Highspeed-Drohnen - und anderen Modellen - lesen Sie hier

Die Hochgeschwindigkeits-Drohne

Die meisten Drohnen, die man so zu Gesicht bekommt, bewegen sich eher langsam. Die Plexidrone ist da ganz anders. Bei einer Maximalgeschwindigkeit von bis zu 70 km/h könnte man sie durchaus verwenden, um sogar fahrenden Autos nachzustellen.
Mehr zur Plexidrone lesen Sie hier

Diese Drohne spinnt

So etwas können sich nur Forscher ausdenken: Ein kleiner Roboter umfliegt zwei gespannte Seile. Immer wieder stoppt er und schwebt auf der Stelle. Er beginnt vorsichtig, neue Seilverbindungen zu spannen, bis sich langsam ein stattliches Spinnennetz herausbildet. Erdacht und entwickelt wurde der Netze spinnende Flug-Roboter von Forschern und Architekten der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich.
Mehr zu der spinnenden Drohne lesen Sie hier



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insgesamt 154 Beiträge
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Seite 1
Hinrich7 30.07.2015
1. jeder Schwachsinn
wird umgesetzt, jetzt sind es auf einmal Drohnen. Wie bei jeder anderen Erfindung, oder Anwendung sollte es zu Sicherheitsüberprüfungen kommen - aber nein der Markt wird es richten. Wenn dann der erste Airbus, oder der Rettungshubschrauber abstürrzen sollte wird das Geschrei groß sein. Warum gibt eigentlich keine Registrierungsmerkmale? Ach ja, der Markt wird es richten.
Wofgang 30.07.2015
2.
Man möchte meinen, fliegen ist so wahnsinnig gefährlich, die Flugzeuge/Hubschrauber so sehr fragil. Wenn dem so wäre, müsste viel mehr passieren bei dem Flugaufkommen. Lange Zeit dachte man, dass Flugzeuge abstützen, wenn auch nur ein Handy oder am Laptop läuft. Der Laptop musste heruntergefahren werden. Mittlerweile hat man gemerkt, dass deswegen kein Flugzeug vom Himmel fällt. Für Drohnen gilt das gleiche. Es gibt die Sperrzonen um Flughäfen und ansonsten sollte der Kontakt selten vor kommen. Und wenn so eine kleine Drohne Bekanntschaft mit dem Rotor eines Hubschraubers macht, dann war's das halt für die Drohne. Gedanken würde ich mir machen, wenn so eine amerikanische Bewaffnete Drohne auf mich zu kommt. die machen ja bekanntermaßen selbst vor Hochzeitsgesellschaften nicht halt.
walter kuckertz 30.07.2015
3. Ende
Dieser Dronen-Unsinn muss ein Ende finden, bevor er überhaupt richtig begonnen hat. Wie will man sonst den Gefahren und dem Missbrauch anders begegnen. Eine Drone über meinem Grundstück, vor meinem Fenster oder sonst wo erreichbar in meinem persönlichen Umfeld dürfte wohl meiner Luftbüchse zum Opfer fallen. Der Eigentümer möge sie sich dann bei mir persönlich abholen.
Augustus99 30.07.2015
4. Verbieten
Drohnen sollten verboten werden. Sie stören nicht nur den Luftverkehr, sie können Fußgänger verletzen und gegen fahrende PKWs prallen. Sie können auch gezielt als Waffe und zur Bespitzelung eingesetzt werden, ohne dass der Halter ermittelt werden kann. Für die Polizei mögen die Dinger hilfreich sein, in private Hände gehören sie nicht.
lupenreinerdemokrat 30.07.2015
5. Ganz zu schweigen....
.... von den bedrohlichen Situationen für den zivilen Luftverkehr, die durch militärische Drohnen entstanden. Beinah-Unfälle gab es auch hier schon genug. Es wird nicht zu umgehen sein, dass es auch für Drohnen Regeln und Gesetze geben muss wie sie im Straßenverkehr üblich sind, um ein geregeltes und risikoarmes Miteinander zu ermöglichen. Flugverbotszonen für Drohnen sollten selbstverständlich sein da wo es zu Kollisionen mit richtigen Flugzeugen kommen kann und wenn Rettungshubschrauber in der Nähe sind, sollte ebenfalls ein Flugverbot für Drohnen in einem bestimmten Umkreis selbstverständlich sein.
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