Abschaltung von DVB-T So können Sie ab Ende März weiter fernsehen

Im März beginnt die Umstellung auf den TV-Standard DVB-T2 HD: Einige Millionen Fernsehzuschauer brauchen dafür neue Geräte. Hier erfahren Sie, ob Sie vom Wechsel betroffen sind und wie er funktioniert.

TV-Fernbedienung
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Die gute Nachricht zuerst: Wenn Sie ihr TV-Programm per Satellit oder Kabel empfangen, sind Sie von dem Umstieg auf das neue digitale Antennenfernsehen DVB-T2 HD nicht betroffen. Die Umstellung betrifft nur Menschen, die das digitale Antennenfernsehen DVB-T nutzen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie dazu gehören, rufen Sie in den Programmen Das Erste oder RTL die Teletextseite 199 auf. Dort sollte die entsprechende Information zu finden sein.

Und es gibt noch einen zweiten Indikator dafür, dass Sie per DVB-T fernsehen: Wenn in Ihr TV-Bild seit Wochen Hinweise eingeblendet werden, in denen sie auf die baldige Abschaltung von DVB-T hingewiesen werden, gehören Sie ebenfalls zu jenen, die das sogenannte terrestrische Fernsehen nutzen. Doch stimmt es wirklich, dass der Fernsehbildschirm bald schwarz wird, wenn man nicht schnell aktiv wird, so wie es in den Hinweisen oft heißt?

Im Folgenden beantworten wir Fragen wie diese. Wir erklären, warum es die Umstellung gibt, was man als Betroffener machen muss, damit man weiter fernsehen kann, und welche Alternativen es zum neuen Standard gibt:

Warum erfolgt die Umstellung?

Der Umstieg auf DVB-T2 HD erfolgt aus ähnlichen Gründen wie 2008 der Wechsel vom analogen Antennenfernsehen zum digitalen Antennenfernsehen DVB-T: Die Bildqualität der neuen Technologie ist besser als beim Vorgänger und es können mehr Programme angeboten werden. Außerdem werden bisher fürs Fernsehen genutzte Frequenzen frei, die künftig für mobile Internetdienste genutzt werden sollen. Quasi nebenbei spülte die Versteigerung der frei werdenden Frequenzen fünf Milliarden Euro in die Staatskasse.

Mobilfunkmast
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Was ist DVB-T2 HD?

Der Bezeichnung nach handelt es sich um die zweite Generation des digitalen Antennenfernsehens DVB-T. Technisch bietet DVB-T2 HD einige Vorteile gegenüber dem Vorgänger. So soll die neue Technik einen besseren Empfang ermöglichen und auch mobil gut funktionieren. Vor allem aber ermöglicht die neue Technik die Übertragung von TV-Programmen in Full-HD-Auflösung (1920 x 1080 Pixel) mit 50 Hz Bildwiederholfrequenz. Damit bietet der neue Standard ein potenziell besseres Bild als beispielsweise HD-Kabelfernsehen. Zudem unterstützt DVB-T2 HD den Hybrid-TV-Standard HbbTV, der TV-Programme mit Internetinhalten kombinieren kann.

Wann findet die Umstellung statt?

In vielen Ballungszentren findet die Umstellung in der Nacht vom 28. auf den 29. März statt. Mit dem Beginn des Regelbetriebs von DVB-T2 HD endet in den meisten Gegenden die TV-Ausstrahlung via DVB-T. Lediglich in einigen Bereichen des NDR-Sendegebiets soll ein Rumpfprogramm aus ARD, ZDF und NDR für weitere drei Monate empfangbar sein.

Einen groben Überblick über diese erste Ausbaustufe liefert diese Karte. Postleitzahlgenaue Informationen zum Ausbau kann man auf dieser Webseite abrufen. Bis Mitte 2019 soll DVB-T2 HD in ganz Deutschland empfangbar sein. Allerdings werden nicht in allen Regionen alle Sender verfügbar sein.

Die erste Ausbaustufe von DVB-T2 HD
freenet TV

Die erste Ausbaustufe von DVB-T2 HD

Brauche ich neue Geräte?

Wenn der Fernseher bereits ein zu DVB-T2 HD kompatibles Empfangsteil hat, braucht man keine weiteren Geräte, um zumindest die öffentlich-rechtlichen Sender empfangen zu können. Spätestens am Tag der Umstellung muss man einen neuen Sendersuchlauf starten, damit sollte der Umstieg erledigt sein.

Kann der Fernseher kein DVB-T2 HD empfangen, braucht man einen DVB-T2-HD-Receiver. Ob Receiver oder Fernseher das neuen Format beherrschen, signalisiert in der Regel ein grünes DVB-T2-HD-Logo auf der Verpackung. Ist die futsch, kann man in der Datenbank der Deutschen TV-Plattform nachschauen, die Geräte aufführt, die DVB-T2-Sender empfangen können. Findet man seinen Fernseher oder Receiver in dieser Datenbank nicht, muss man einen neuen Receiver anschaffen, der ab etwa 70 Euro zu bekommen ist.

Logo von DVB-T2 HD
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Logo von DVB-T2 HD

Was brauche ich, um die Programme der privaten TV-Sender empfangen zu können?

Anders als die öffentlich-rechtlichen Sender werden die Privatsender bei DVB-T2 HD verschlüsselt übertragen. Um sie sehen zu können, braucht man entweder einen Receiver, der das Entschlüsselungssystem bereits eingebaut hat, oder ein sogenanntes CI+-Modul von freenet TV. Letzteres wird in den DVB-T2-HD-tauglichen Fernseher oder Receiver eingesteckt. Zu den Kosten für das Modul - 80 Euro - kommen bei Interesse langfristig noch Monatsgebühren für die Privatsender hinzu. Wer nur die öffentlich-rechtlichen Sender empfangen will, braucht das CI+-Modul nicht.

freenet-TV-Modul
freenet

freenet-TV-Modul

Was hat es mit den Monatsgebühren auf sich?

Die öffentlich-rechtlichen Programme werden auch über DVB-T2 HD frei und kostenlos empfangbar sein. Dasselbe gilt für die als Internetstream angebotenen Programme. Für das Schauen der Privatsender über den neuen Standard - sie werden bei DVB-T2 HD nicht mehr in SD-Auflösung ausgestrahlt - werden Gebühren in Höhe von 5,75 Euro pro Monat, also 69 Euro pro Jahr, verlangt. Das ist neu.

Die Gebühren werden in Form eines Guthabens bezahlt, das man als Guthabenkarte im Handel kaufen kann. Alternativ kann ein solches Guthaben online oder per Telefon bei freenet TV erworben werden.

Für Neukunden beginnt mit dem ersten Anschauen eines Privatsenders eine dreimonatige kostenlose Testphase. Bis Juni 2017 ist das Angebot der Privatsender grundsätzlich kostenlos. Künftig will freenet TV die Privatsender auch im Abo, also etwa mit automatischer Abbuchung der Jahresgebühr, anbieten.

Welche Programme werden ausgestrahlt?

Die neue Technik ermöglicht es, mehr Programme als bisher in besserer Qualität als bisher zu senden. Insgesamt 21 öffentlich-rechtliche Sender und 14 Privatsender werden von freenet TV derzeit für DVB-T2 HD aufgeführt. Die genauen Zahlen können regional jedoch abweichen.

Per DVB-T2 HD frei empfangbare TV-Sender
freenet TV

Per DVB-T2 HD frei empfangbare TV-Sender

Zusätzlich zu den terrestrisch ausgestrahlten Sendern können über den Dienst freenet TV connect online derzeit weitere 20 Sender via Internet empfangen werden. Diese können einfach über die Fernbedienung des Fernsehers aufgerufen werden - sie erscheinen in der Programmliste wie andere Programme auch. Für die Nutzung dieses Angebots ist ein gut funktionierender Internetanschluss nötig.

Brauche ich eine neue Antenne?

In der Regel kann man seine alte DVB-T Antenne auch mit DVB-T2 HD weiter benutzen. Im Zweifel sollte man sich auf der Informationsseite des Projektbüros DVB-T2 HD Deutschland informieren, welcher Antennentyp für den jeweiligen Wohnort empfohlen wird.

Kann ich das neue TV-Programm aufnehmen?

Während der Testphase ist das noch nicht möglich. Nach der offiziellen Umstellung am 29. März soll man das Programm jedoch mit entsprechenden Receivern und Fernsehern aufnehmen können. Bei den Privatsendern könnte es hier jedoch Einschränkungen geben. So wird man bei Aufnahmen dieser Programme die Werbeblöcke vermutlich nicht überspringen können. Auch wird es nicht möglich sein, eine Aufnahme auf einem anderen Gerät anzuschauen, etwa, indem man sie von der Festplatte des Receivers auf einen PC kopiert.

Welche Alternativen gibt es?

Wer sich nicht auf das neue Antennenfernsehen einlassen will, kann beispielsweise auf Kabelfernsehen umsteigen, sofern verfügbar. Auch hierfür fallen aber monatliche Kosten in zumindest ähnlicher Höhe an. Viele HD-Sender sind in den Kabelnetzen nur gegen Zusatzgebühren empfangbar.

Eine weitere Alternative ist der TV-Empfang per Satellit. Hier hat man meist die größte Auswahl an Sendern und muss für eine Grundversorgung - ein Mix aus öffentlich-rechtlichen Sendern und Privatsendern in SD - keine monatlichen Kosten fürchten. Für den Empfang von Privatsendern und Pay TV in HD-Auflösung muss eine sogenannte Servicepauschale von 60 Euro pro Jahr gezahlt werden. Hinzu kommen Anschaffungskosten für eine Satellitenschüssel und gegebenenfalls einen Receiver.

Montage eine Antenne für Satelliten-TV
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Montage eine Antenne für Satelliten-TV

Die modernste Alternative ist das Fernsehen via Internet. Die Telekom, Vodafone sowie 1&1 bieten solche Dienste in Kombination mit Internetzugang und Telefonanschluss zu Preisen ab 34 Euro monatlich an.

Alternativ kann man aber auch über seinen bestehenden Internetanschluss fernsehen. Bei vielen Fernsehern mit Smart-TV-Funktion ist das ohne Zusatzgeräte möglich. Einige Set-Top-Boxen wie Apple TV, Amazons Fire TV oder Nvidia Shield TV sowie einige Spielkonsolen bieten ähnliche Funktionen, sie sind technisch oft weiter entwickelt als die Fernseher.

Nvidia Shield TV
Nvidia

Nvidia Shield TV

Zum einen lassen sich so Bezahlangebote wie Netflix und Amazon Prime Video nutzen. Zum anderen ermöglichen Dienstleister wie Magine TV, Zattoo und TV Spielfilm über ihre Apps auch auf solchen Fernsehern und Geräten den Empfang von TV-Programmen via Internet. Viele Privatsender sind aber auch hier nur gegen Gebühr und nicht in HD empfangbar.



insgesamt 110 Beiträge
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santoku03 02.02.2017
1.
"Die gute Nachricht zuerst: Wenn Sie ihr TV-Programm per Satellit oder Kabel empfangen, sind Sie von dem Umstieg auf das neue digitale Antennenfernsehen DVB-T2 HD nicht betroffen." Die nächste gute Nachricht: Wenn Sie nur Fahrrad fahren, sind Sie von der Autobahnmaut nicht betroffen.
ziooyong 02.02.2017
2.
Da bin ich aber froh, dass ich die privaten Trashsender nicht mehr angeboten bekomme, für den Mist zahlen, nein.Die meisten Antennen tun es noch und ebenso alle neueren Fernseher. Keine Panik a'la vodafone.
ziooyong 02.02.2017
3.
Da bin ich aber froh, dass ich die privaten Trashsender nicht mehr angeboten bekomme, für den Mist zahlen, nein.Die meisten Antennen tun es noch und ebenso alle neueren Fernseher. Keine Panik a'la vodafone.
franxinatra 02.02.2017
4. Ich bin doch nicht blöde und zahle noch für Werbung in HD!!!
da sattel ich lieber auf SD um und schaue Netflix: keine Werbung, kein Keif-TV in endlos-Wiederholungsschleife, aber dafür sein Geld wert. Wenn die Privaten zu hohe Kosten beklagen, dann sollten sie lieber die Sender mit den Steinzeitserien eindampfen.
vantast64 02.02.2017
5. Die öffentlich rechtlichen sind weder frei noch kostenlos,
jeder Wohnungsinhaber ist verpflichtet, Kunde zu sein und hat ca. 18€/Monat zu zahlen oder es kommt der Gerichtsvollzieher. Wer dann nicht zahlt, kommt in den Knast.
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