DVD-Filmbeileger: Hooligans im Märchenland

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Verzwickte Zombie-Kammerspiele, berührende Dramen und ein temporeicher Thriller: Die Filmbeilagen der Publikumspresse bieten ein starkes Programm für die nebeligen Tage in den Herbstferien.

Computer Bild

"Lauschangriff", D/USA 2008. Regie: George Gallo. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 93 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 3,70 Euro.

Nach mehrjährigem Einsatz kehrt FBI-Agent Henry Durand (Colin Hanks) nach Hause zurück und entdeckt, dass seine Mutter Martha (Meg Ryan) mit einem jungen Mann ausgeht, der ausgerechnet der Kunstdieb Tommy Lucero (Antonio Banderas) ist. Ein Straftäter, hinter dem das FBI schon lange her ist. Henry gerät in ein Zwickmühle: Er muss die eigene Mutter beschatten und zudem verhindern, dass seine Verlobte, die ebenfalls beim FBI ist, davon etwas mitbekommt. Eine witzarme Komödie mit Actioneinlagen, die besonders Fans von Mag Ryan zum Fremdschämen einlädt.

Bis 4. Oktober im Handel


Screen Magazin

"Pontypool", CDN 2008. Regie: Bruce McDonald. Länge: 92 Min. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis 3,99 Euro.

Moderator Grant (Stephen McHattie) sitzt im Studio eines Senders in der Provinz, als beunruhigende Nachrichten aus dem Kleinstadtkaff Pontypool eintreffen. Ein tödliches Virus geht um.

Der Kanadier Bruce McDonald hat sich einen Namen mit schrägen Dramen ("The Tracey Fragments") und Komödien ("Hard Core Logo") gemacht. Hier verlagert er den Horror in die Phantasie seiner Zuschauer, denn bis auf eine kurze Anfangsszene spielt die gesamte Handlung in den Kulissen des Radiostudios. Lange ahnt man nur durch Andeutungen und Einspielungen, was sich in der Außenwelt abspielen mag. Als das Grauen dann sichtbar wird, liefert McDonald eine Auflösung, die nur schwer nachvollziehbar ist, obwohl die Darsteller sich redlich Mühe geben. Ein kunstvolles, psychologisches Kammerspiel, dessen verstiegener Plot seinen Zuschauern aber einiges abverlangt.

Bis 31. Oktober im Handel


SFT Magazin

"Hooligans", GB/USA 2005. Regie: Lexi Alexander. Format: 1,85:1 (16:9). Länge: 104 Min. FSK: 16 Jahre.

und

"Tödliche Magie", AUS/GB 2007. Regie: Gillian Armstrong. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 92 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 4,99 Euro.

Soeben unschuldig von der Elite-Uni in Harvard geflogen, sucht der Journalismus-Student Matt (Elijah Wood) Trost bei seiner Schwester in England. Kurz nach seiner Ankunft begleitet er deren Schwager Pete (Charlie Hunnam) zu einem Fußballspiel des Clubs West Ham United. Was er nicht weiß: Pete ist ein Anführer von Hooligans. Matt findet Gefallen an den blutigen Schlägereien.

Ausgefeilte Charaktere, eine glaubwürdige Story und der kurze, ehrliche Blick in die Abgründe des englischen Fußballs machen diesen Film zu etwas Besonderem. Überdies darf Elijah Wood ("Herr der Ringe") einmal zeigen, dass er auch abseits seiner putzigen Hobbit-Rolle darstellerisch überzeugt. Angesicht subtiler Verherrlichung von Gewalt, die sich in der Läuterung des schwachen Studenten durch die harte Hooligan-Schule offenbart, bleibt aber auch ein bitterer Nachgeschmack. Ein sehenswertes, aber zwiespältiges Coming-of-Age-Drama.

Für Entspannung sorgt im zweiten Film der weltberühmte Entfesselungs- und Zauberkünstler Harry Houdini (Guy Pearce). Er erreicht 1926 Edinburgh, wo die schöne, arme Mary McGarvie (Catherine Zeta-Jones) sich als trickreiche Wahrsagerin durchschlägt. Als sie von einem hohen Preisgeld erfährt, das Houdini demjenigen verspricht, der Kontakt zu seiner toten Mutter aufnimmt, bewirbt Mary sich für das Experiment. Der Star von ihr begeistert, doch sie ahnt nicht, dass er etwas völlig anderes mit ihr vorhat.

Gillian Armstrong ("Betty und ihre Schwestern") widmet sich in ihrem Film den letzten Wochen im Leben des legendären Harry Houdini (1874-1926), einem der schillerndsten Stars seiner Zeit. Mit Pearce ("Memento") und Zeta-Jones ("America's Sweathearts") fand sie zwei routinierte Darsteller, die hier aber nur wenig gefordert sind. Ein gediegenes Kostümdrama für den Pärchenabend.

Bis 30. Oktober im Handel


Super Illu

"Die Regentrude", DDR 1976. Regie: Ursula Schmanger. Format: 1,33:1 (4:3). Länge: 63 Min. FSK: 0 Jahre. Heftpreis: 2,99 Euro.

Als die Regentrude (Cox Habbema) in tiefen Schlaf fällt, leiden Menschen und Tiere unter der anhaltenden Dürre. Verzweifelt versucht die Mutter des Jungbauern Andrees (Ingolf Gorges), sich an den Spruch zu erinnern, mit dem ihre Ahnen die Naturgöttin schon einmal aufgeweckt hatten. Der neugläubige Wiesenbauer lacht nur darüber und wettet mit ihr um die Hand seiner Tochter Maren (Brigitte Heinrich). Sie soll Andrees gehören, wenn die versiegten Quellen binnen 48 Stunden wieder fließen. Doch dafür muss erst einmal der Feuermann überwunden wurden.

Nach der gleichnamigen Novelle von Theodor Storm produzierte die DEFA für das DDR-Fernsehen einen fantastischen Film, der auf vorchristliche Naturreligionen verweist. Dabei stehen die naturnahen Vertreter des alten Glaubens dem neugläubigen, naturfernen Geschäftsmann gegenüber, für den nur sein Profit zählt. Hübsch ausgestatteter, poetischer Märchenfilm über die Macht der Hoffnung in Krisenzeiten.

Vom 3. bis 9. Oktober bis im Handel


TV direkt

"Largo Winch", F 2008. Regie: Jérôme Salle. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 104 Min. FSK: 16 Jahre.

und

"Mojave Moon", USA 1996. Regie: Kevin Dowling. Format: 1,33:1 (4:3). Länge: 91 Min. FSK: 16 Jahre. Preis: 7 Euro. Heftpreis: 2,50 Euro.

Anfang der achtziger Jahre adoptiert der kinderlose Milliardär Nerio Winch (Miki Manojlovic) den Waisenjungen Largo, um ihn später als seinen Nachfolger einzusetzen. Doch der bei Pflegeeltern groß gewordene Junge zeigt nur wenig Interesse und reist lieber in der Welt umher. Als Nerio ermordet wird und der mittlerweile erwachsene Largo (Tomer Sisley) in seine Fußstapfen treten soll, bricht die kalte Geschäftswelt in das Leben des Abenteurers ein - mit all ihren bösen Facetten.

Die Figur des Largo Winch beruht auf einer harten Krimireihe des Belgiers Jean Van Hamme aus den siebziger Jahren. Vor dem Kinofilm diente sie bereits als Vorlage für eine TV-Serie (seit 2001) und einem Computerspiel (2002), aber vor allem für eine der kommerziell erfolgreichsten Comicserien im französischsprachigen Raum (seit 1991). Ihr erster Band wird vom deutschen Vertrieb komplett online zur Verfügung gestellt.

Bei so viel Kult ist es nicht verwunderlich, dass 2011 bereits ein zweiter Film produziert wurde. Tomer Sisley übernahm erneut die Hauptrolle - diesmal an der Seite von Sharon Stone ("Basic Instinct") und für eine Gage von immerhin 630.000 Dollar. Beide Adaptionen erreichten zwar nicht die Klasse ihrer Buch- und Comicquelle, dienen aber als actionreiche Vorspeise für weitere Expeditionen in den Kosmos des Largo Winch.

Im zweiten Film begegnen wir dem geschiedenen Al (Danny Aiello), der die verführerische Elie (Angelina Jolie) zu ihrer Mutter Julie (Anne Archer) fährt und nur Augen für seine überaus charmante Begleiterin hat. So bemerkt er nicht, wie jemand den blutüberströmten Körper eines jungen Rockers in seinem Kofferraum deponiert. Dann wird das Auto geklaut, Julies durchgeknallter Ex-Freund jagt Al, und irgendwann klärt sich alles in einem dramatischen Showdown auf. Herrlich sinnfreies Roadmovie mit skurrilen, kleinen Überraschungen.

Bis 10. Oktober im Handel


TV Movie

"Brothers", USA 2009. Regie: Jim Sheridan. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 100 Min. FSK: 16 Jahre.

und

"R.I.F.", F 2011. Regie: Franck Mancuso. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 84 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.

Die Brüder Sam (Tobey Maguire) und Tommy (Jake Gyllenhaal) könnten kaum unterschiedlicher sein. Während der eine als Soldat und liebevoller Familienvater ein vorbildliches Leben führt, wird der andere gerade mal wieder aus dem Gefängnis entlassen. Doch als Sams Hubschrauber bei einem Einsatz in Afghanistan abgeschossen wird, kümmert Tommy sich um seine trauernde Schwägerin Grace (Natalie Portman) und deren Kinder. Mit der Zeit kommen die beiden sich immer näher, doch da taucht Sam wieder auf, völlig verändert durch den Schrecken des Krieges.

Jim Sheridans ("Im Namen des Vaters") Drama ist das etwas weichgespülte Remake des preisgekrönten dänischen Originals, das 2004 zum ersten Mal in Europa den Kampfeinsatz von EU-Soldaten in Kriegsgebieten thematisierte. Sheridans Version spielt in den USA, wo Filme über traumatisierte Veteranen seit "Taxi Driver" (1976) eine lange Tradition haben. Die drei Hollywood-Stars machen ihre Sache klasse, erscheinen aber für eine durchschnittliche, amerikanische Mittelschichtfamilie eine Spur zu proper. Sehenswerte psychologische Fallstudie mit leichter Schlagseite zum Melodrama.

Ähnlich düsteren Stoff bietet auch der zweite Film: Auf dem Weg in den Urlaub muss der Pariser Polizeikommissar Stéphane Monnereau (Yvan Attal) wegen einer Autopanne seine Frau für kurze Zeit an einer Tankstelle zurücklassen. Als er zurückkehrt, ist sie verschwunden. Die Polizei vor Ort tippt auf eine Ehekrise und zeigt plötzlich Interesse an Stéphane selbst. Verzweifelt taucht er unter und ermittelt schließlich auf eigene Faust.

Yvan Attal ("München") ist nicht nur die französische Synchronstimme von Actionstar Tom Cruise, sondern überzeugt auch seit den achtziger Jahren als routinierter Darsteller quer durch alle Genres. In einer seiner seltenen Hauptrollen spielt er sich hier fast im Alleingang durch eine ausgefeilte Story voller falscher Fährten. Regisseur Franck Mancuso ("36"), der selbst einmal als Polizist arbeitete, kreiert eine authentische Atmosphäre für diesen fast dokumentarisch akribischen Polizeifilm.

Bis 10. Oktober im Handel

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