DVD-Filmbeileger: Monstercocktail im Tiefschnee

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Eiskalte Horrorfilme, bitterböse Rachedramen und ein stylisches Science-Fiction-Märchen: Pünktlich zum ersten Schnee bieten die Filmbeileger der Publikumspresse Spannung fürs Heimkino und einen Zeichentrickklassiker fürs Kinderzimmer.

Computer Bild

"Zimmer 1408", USA 2007. Regie: Mikael Håfström. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 100 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,90 Euro.

Zur Musik des libanesischen Filmkomponisten Gabriel Yared ("Der englische Patient") folgen wir Mike Enslin (John Cusack), einem Autor zweitklassiger Grusel-Stadtführer, in ein New Yorker Hotelzimmer. Sein Vorhaben: einen angeblichen Spuk widerlegen. Und das, obwohl ihn der Hotelmanager (Samuel L. Jackson) eindringlich gewarnt hatte, denn in dem Zimmer hätten bereits 56 Menschen den Tod gefunden. Tatsächlich geschehen schon bald merkwürdige Dinge. Zunächst hält Enslin sie für Tricks, bis ihn plötzlich seine eigenen Ängste einholen. Als eine der erfolgreichsten Adaptionen einer Vorlage des Autors Stephen King ("Shining") überzeugt der Film Mikael Håfströms ("Evil") durch seine stimmige Atmosphäre. Auch King selbst war von dem Ergebnis angetan, was angesichts seiner eigenen Regie-Desaster nicht unbedingt Gutes erwarten lässt. Am Ende bleibt alles an John Cusack ("High Fidelity") hängen, der über die längste Zeit des Films allein gegen die Ereignisse im Horrorzimmer anspielt. Mit Erfolg: "Zimmer 1408" ist ein gelungener "surreal-kafkaesker Horrortrip" ("Cinema"), den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Bis 14. Dezember im Handel

Screen Magazin

"The Burrowers", USA 2008. Regie: J. T. Petty. Länge: 81 Min. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Preis 3,99 Euro.

Nordamerika, mitten im Dakota-Territorium des Jahres 1879: Zwei Siedlerfamilien werden grausam überfallen, die Männer getötet, die Frauen verschleppt. Eine von ihnen ist die Verlobte von Fergus Coffey (Karl Geary), der sich mit Freunden sofort auf die Suche begibt. Von einem Trupp Soldaten hoffen sie auf Unterstützung bei ihrer Jagd nach den vermeintlich schuldigen Sioux, doch die Spur führt in eine andere Richtung. Tief in der Wildnis stoßen sie auf etwas, das auch für die Indianer eine tödliche Bedrohung ist. J. T. Petty ("Mimic 3") führt uns in eine gnadenlose Welt des Wilden Westens, in der fast jeder bereit ist, den anderen zu töten. Trotzdem erschrecken diese hartgesottenen Menschen vor der Grausamkeit der Monster, die bis zum Finale unerkannt ihr Unwesen treiben. Durchsetzt von kurzen, fiesen Splatter-Szenen entwickelt sich ein ungemein packendes Drama, in dem keine der Figuren mehr sicher ist. Ein intelligent gemachter Mix aus Horrorfilm und Spät-Western, der Freunden beider Genres gefallen dürfte.

Bis 30. Januar im Handel

Super Illu

"Die Schneekönigin", SU 1957. Regie: Lev Atamanov. Länge: 89 Min. Format: 1,33:1 (4:3). FSK: 6 Jahre. Preis 2,99 Euro.

Märchenhaft gruseln lässt es sich mit dem berühmten Stück von Hans Christian Andersen, wenn die böse Schneekönigin ihre eiskalte Macht ausspielt. Erst verwandelt sie Kay, den warmherzigen Freund der kleinen Gerda, in einen Fiesling, dann lockt sie ihn in ihren Eispalast. Doch Gerda gibt nicht auf und macht sich auf den abenteuerlichen Weg zu den Toren der kalten Festung. Die Erstverfilmung des Märchenstoffs als russischer Zeichentrickfilm wurde international mit Preisen überhäuft. Stilistisch nah an den damaligen Disney-Produktionen, beeindrucken bis heute die natürlichen Bewegungen seiner Figuren. Kein Wunder, denn die Zeichner luden reale Schauspieler ein, ihnen die einzelnen Szenen vorzuspielen, projizierten ihre Schatten auf eine Bildleinwand und zeichneten dort die Konturen nach. Ein charmanter und facettenreicher Klassiker, der perfekt in die vorweihnachtliche Winterzeit passt.

Bis 12. Dezember im Handel

TV Movie

"Frozen", USA 2010. Regie: Adam Green. Format: 2,35:1 (16:9/1080p). Länge: 89 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro (DVD), 5,99 Euro (Blu-ray).

Ein nettes Wochenende auf der Skipiste wird für Joe (Shawn Ashmore), Dan (Kevin Zegers) und dessen Freundin Parker (Emma Bell) zum Fiasko. Kurz vor Betriebsende überreden sie den Liftwart, sie noch einmal den Berg hinaufzubringen, um in der Dunkelheit abzufahren. Doch durch ein Missverständnis werden sie auf halber Strecke vergessen. Mehrere Meter über dem Boden im offenen Sessellift gefangen, erwartet sie der sichere Tod - wenn ihnen keine Lösung einfällt. Seit Chris Kentis' Film "Open Water" (2003) ein Rezept für effektiven Psychohorror mit Menschen in simplen, aber aussichtslosen Situationen lieferte, entstehen immer wieder ähnlich gestrickte Machwerke. Adam Green ("Hatchet") suchte sich für seine Version einen Ort aus, der zur Betriebszeit überlaufen ist, aber außerhalb davon ein gewisses Wildnispotential bietet. Leider übertreibt er es mit dem unglaubwürdigen Einsatz blutrünstiger Wölfe gewaltig. Zumindest bis dahin bietet der Film jedoch einige schöne, schaurigere Momente, gespielt von durchweg überzeugenden Darstellern. Kann man sich ansehen, muss man aber nicht.

Bis 20. Dezember im Handel

Widescreen

"44 Inch Chest", GB 2009. Regie: Malcolm Venville. Format: 1,85:1 (16:9). Länge: 91 Min. FSK: 16 Jahr

Die Handlung des britischen Dramas "44 Inch Chest" ist schlicht: Der Gangster Colin Diamond (Ray Winstone) wird nach jahrelanger Ehe von seiner Frau Liz (Joanne Whalley) betrogen. Aus Wut verprügelt er sie und versinkt danach in Depressionen. Für seine Freunde ist klar: Liz neuer Lover muss bluten, damit es Colin wieder gutgeht. Doch als sie ihn entführen, ist die Sache plötzlich gar nicht mehr so einfach. Vor diesem simplen Rahmen entwickelt Malcolm Venville in seinem Spielfilmdebüt ein tiefgründiges Kammerspiel. Gestandene Darsteller wie Ray Winstone ("Sexy Beast") oder Ian McShane ("Death Race") geben erstklassige Einzelvorstellungen, verzetteln sich jedoch in ihren vielen kleinen Geschichten. Souverän gespieltes, aber etwas langatmiges Psycho-Drama, das eigentlich auf eine Theaterbühne gehört.

"Renaissance", F 2006. Regie: Christian Volckmann. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 101 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 6,50 Euro.

Das stylische Science-Fiction-Märchen "Renaissance" führt uns in das Jahr 2045. In Paris wird die führende Wissenschaftlerin des Pharma-Großkonzerns Avalon entführt, als sie gerade einem Geheimnis auf der Spur war, das die Welt verändern sollte. Bei der Suche nach ihr entdeckt Polizist Karas zusammen mit der Schwester der Entführten eine gefährliche Verschwörung. Komplett animiert und durch eine spannend inszenierte Krimi-Geschichte ergänzt, wird daraus ein ausgefallener Film-Noir.


Bis 1. Januar im Handel

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Zensur
Peter Werner 12.12.2012
"The Burrowers" mag ein recht ansehnlicher Film sein, jedoch nicht in dieser Ausgabe. Die Normalfassung dieses Fillmes ist ab 18 freigegeben, die hier veröffentlichte Zensurfassung ab 16 ist - wie alle anderen Zensurfassungen - unbrauchbar.
2. Stimmt nicht...
kupferstein 13.12.2012
... der Film ist auch in der Originalfassung ab 16 - siehe FSK, OFDB oder IMDB - und diese Fassung hier demnach ungeschnitten.
3. Stimmt nicht...
kupferstein 13.12.2012
Zitat von Peter Werner"The Burrowers" mag ein recht ansehnlicher Film sein, jedoch nicht in dieser Ausgabe. Die Normalfassung dieses Fillmes ist ab 18 freigegeben, die hier veröffentlichte Zensurfassung ab 16 ist - wie alle anderen Zensurfassungen - unbrauchbar.
Der Film ist ungekürzt ab 16 freigegeben - siehe FSK.de - also nix mit "Zensur"
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