DVD-Filmbeileger: Jung-Mafioso auf Brautschau

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Sommerliche Bestseller-Verfilmungen, bewegende Kriegsdramen und federleichte Romantik-Komödien: Mit ihrem kleinen, abseitigen Programm sorgen die Filmbeileger der Publikumspresse für Abwechslung zwischen den Feiertagen.

Computer Bild

"Ein verhängnisvoller Sommer", USA 2008. Regie: Rawson Marshall Thurber. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 92 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,90 Euro.

Auf der Suche nach Abenteuern verliebt sich Art (Jon Foster), der Sohn des Mafiapaten Joe (Nick Nolte), in die Musikerin Jane (Sienna Miller). Die beiden kommen sich schnell näher, obwohl Jane bereits mit dem Draufgänger Cleveland (Peter Sarsgard) liiert ist. Doch der zeigt nicht nur Verständnis, sondern bandelt seinerseits mit Art an. Als sich gerade eine aufregende Dreiecksbeziehung anbahnt, verschwindet Cleveland spurlos. Nicht ohne Grund fürchtet Art, dass sein Vater etwas damit zu tun habe könnte.

Regisseur Rawson Marshall Thurber ("Voll auf die Nüsse") konnte den Erfolgsautor Michael Chabon 2006 davon überzeugen, dessen einstige Uni-Abschlussarbeit "Die Geheimnisse von Pittsburgh" verfilmen zu dürfen. Der Roman-Bestseller legte Ende der achtziger Jahre den Grundstein zur Karriere des späteren Pulitzer-Preisträgers Chabon, aus dessen Feder auch die Vorlage zu dem Film "Wonder Boys" (1995) stammt. In seiner Verfilmung lässt Thurber Teile der Vorlage aus, was ihm Kritik einbrachte, entwickelt aber auch eine berührende Geschichte, deren Ausgang bis zum Ende spannend bleibt. Klasse besetztes, unkonventionelles Charakterstück zwischen Thriller und Coming-of-Age-Drama.

Bis 1. Januar 2013 im Handel

SFT Magazin

"Triage", B/IRL/E/F 2009. Regie: Danis Tanovic. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 95 Min. FSK: 16.

Die Fotografen Mark (Colin Farrell) und David (Jamie Sives) dokumentieren seit Jahren gemeinsam Kriegsschauplätze rund um den Globus. Doch diesmal geht etwas schief. Bei einer Reportage an der türkisch-irakischen Grenze trennen die Freunde sich. Wenig später erwacht Mark in einem Lazarett. Nur knapp dem Tod entronnen kehrt er ohne Erinnerung an die Ereignisse, die zu seiner Verwundung führten, nach Irland zurück, David jedoch bleibt verschollen. Erst der Traumaspezialist Morales (Christopher Lee) kann ihm helfen, die wahre Geschichte zu erzählen.

Oscar-Preisträger Danis Tanovic, selbst Berichterstatter während des Bosnienkriegs 1993, versucht nach seinem Meisterwerk "No Man's Land" (2001) erneut auszuloten, was ein Kinofilm über den Krieg leisten kann. Vorsichtig skizziert er die Gefühlswelt des Traumatisierten, aber auch die Gnadenlosigkeit der Schlachtfelder, ohne dabei ins Melodramatische zu verfallen. Colin Farrell ("Alexander") beeindruckt auf ganzer Linie. Seine darstellerische Präsenz entfaltet sich besonders gut im Zusammenspiel mit dem hellwachen, damals bereits 87 Jahre alten Christopher Lee ("Dracula"). Ein bewegendes, authentisches Drama, das trotz seiner schweren moralischen Fragen nie hoffnungslos wirkt.

Und

"Dunkle Lust", MEX 2010. Regie: Walter Doehner. Format: 1,77:1 (16:9). Länge: 86 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 4,99 Euro.

In der Schönheitspraxis von Dr. Laura (Elisabeth Cervantes) laufen die Geschäfte prima. Nur ein Lebenspartner fehlt der Ärztin noch zu ihrem Glück. Geschmeichelt von den Avancen des jungen Medizinstudenten Gustavo (Julio Bekhor), lässt sich die Vierzigjährige auf eine Affäre mit ihm ein. Als er Laura jedoch immer mehr bedrängt und sie ihn rauswirft, zeigt Gustavo sein wahres Gesicht.

Der von Walter Doehner ("Teo's Voyage") für das mexikanische Fernsehen produzierte Erotik-Thriller bietet nur wenig von dem, was er verspricht. Erotisch geht er kaum über die Standards x-beliebiger Seifenopern hinaus, auf Seiten des Thrillers bleibt er vorhersehbar und harmlos. Besonders Szenen, in denen Julio Bekhor ("Sea of Dreams") versucht, den Psychopaten zu mimen, geben eher Anlass zur Erheiterung. Vielleicht hatten die Nutzer der Internationalen Filmdatenbank dieses Lächeln auf den Lippen, als sie ihre gnädigen 3,7 von möglichen 10 Punkten vergaben. Ein Retortenprodukt, das man sich getrost sparen kann.

Bis 29. Januar im Handel

TV Movie

"Kiss & Kill", USA 2010. Regie: Robert Luketic. Format: 2,35:1 (16:9/1080p). Länge: 96 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.

Während eines Auftrags in Nizza lernt Geheimagent Spencer Aimes (Ashton Kutcher) die zauberhafte Amerikanerin Jen Kornfeldt (Katherine Heigl) kennen und lieben. Trotz der Warnungen seines Auftraggebers nutzt er die Gelegenheit, aus seinem Job auszusteigen. Jen ahnt davon nichts, als sie mit ihm in die Kleinstadtidylle ihrer Heimatstadt zieht. Bis eines Tages jemand 20 Millionen Dollar auf Spencers Kopf aussetzt und beide zu Gejagten werden.

Die klinisch produzierte, ihr eigenes Genre parodierende Romantik-Komödie rief kaum positive Kritiken hervor. Kein Wunder, denn eine schnell erratene, hausbackene Handlung unterfordert nicht nur ihre Zuschauer. Selbst Entertainment-Urgestein Tom Selleck ("Magnum") wirkt als paranoider Vater gelangweilt, Kathrin Heigl ("Die nackte Wahrheit") kreischt immerhin gekonnt, während Ashton Kutcher ("Love Vegas") wie gewohnt die Rolle des Sunnyboys abspult. Sein Publikum fand dieser ins absurde reichende Film gleichwohl, spülte er doch einen schönen Gewinn von 23 Millionen Dollar in die Kinokassen. Federleichte Kost, die man problemlos auch häppchenweise zwischen die Festtagsmenüs schieben kann.

Bis 3. Januar im Handel

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