DVD-Filmbeileger: Scheintote in der Lebenskrise

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Geschäftstüchtige Grabräuber, übersinnliche Bestatter, mordlustige Familienväter und geschwätzige Geister: Im Herbst geht es in den Beilegern der Publikumspresse hauptsächlich um den Tod und das Jenseits.

Computer Bild

"Der Andere", GB/USA 2008. Regie: Richard Eyre. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 84 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 3,70 Euro.

Als die Modedesignerin Lisa (Laura Linney) nach 25 Jahren Ehe spurlos verschwindet, entdeckt ihr Mann Peter (Liam Neeson), dass seine Frau schon lange ein Doppelleben führte. Dazu gehörte auch eine Affäre mit dem attraktiven Ralph (Antonio Banderas). Peter macht den Konkurrenten ausfindig und lässt sich mit ihm auf ein Duell beim Schach ein, das bald die Grenzen des Spiels überschreitet.

Der deutsche Autor Bernhard Schlink ("Der Vorleser") lieferte mit seiner Kurzgeschichte "Liebesfluchten" 2001 die Vorlage für dieses prominent besetzte Eifersuchtsdrama. Dem vorwiegend als Theaterregisseur arbeitenden Richard Eyre, der 2006 mit "Tagebuch eines Skandals" große Erfolge feierte, gelang mit seinem erneuten Ausflug ins Filmfach jedoch kein großer Wurf. Er inszenierte ein langatmiges Kammerspiel, das nur dank der tollen Darbietung von Antonio Banderas nicht vollends untergeht.

Bis 18. Oktober im Handel

PC Magazin

"I sell the Dead", USA 2008. Regie: Glenn McQuaid. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 81 Min. FSK: 16 Jahre. Preis: 7 Euro.

Das Leben im Irland des 18. Jahrhunderts bietet Arthur Blake (Dominic Monaghan) kaum Chancen. Schon als Kind verdient er deshalb seinen Lebensunterhalt, indem er zusammen mit seinem Kumpel Willie (Larry Fessenden) Leichen aus Gräbern raubt und verkauft. Doch eines Tages geht etwas schief, und die Sache fliegt auf. Die beiden werden zum Tode verurteilt. Während Arthur auf seine Hinrichtung wartet, beichtet er Pfarrer Duffy (Ron Perlman) sein ereignisreiches Leben.

Bereits 2005 hatte der Drehbuchautor, Cutter und Spezialeffekt-Designer Glenn McQuaid seine Grundidee in einem ersten Kurzfilm unter dem Titel "The Resurrection Apprentice" verwirklicht. Drei Jahre später sorgte sein Kinodebut für einen Achtungserfolg in der Fantasy-Film-Szene. Dabei halfen ihm einerseits die beiden solide agierenden Routiniers Dominic Monaghan ("Herr der Ringe") und Ron Perlman ("Hell-Boy") in den Hauptrollen. Um sie herum komponierte McQuaid eine interessante Mischung aus einem authentischen Setting, schwarzem Humor und blutigen Gore-Einlagen.

Bis 31. Oktober im Handel

TV direkt

"Scoop - Der Knüller", GB/USA 2006. Regie: Woody Allen. Format: 1,85:1 (16:9). Länge: 91 Min. FSK: 6 Jahre. Heftpreis: 2,50 Euro.

Auf seinem Weg ins Jenseits erhält der frisch verstorbene Reporter Joe Strombel (Ian McShane) einen Tipp über die Identität des lange gesuchten "Tarot"-Serienkillers. Da er auch im Tod keinen Knüller verkommen lässt, kontaktiert der Geist die Nachwuchsjournalistin Sondra Pransky (Scarlett Johansson). Gemeinsam mit dem Bühnenzauberer Sid Waterman (Woody Allen) nimmt sie die Spur des Verdächtigen Peter Lyman (Hugh Jackman) auf - doch erliegt dabei erst einmal dessen Charme.

In seinem 41. Film übernahm Woody Allen nach dreijähriger Pause zum ersten Mal wieder selbst eine Hauptrolle. Seit Mitte der sechziger Jahre dreht das Multitalent fast jedes Jahr einen neuen Film, viele davon wurden mit Preisen überhäuft, zuletzt "Midnight in Paris" (2011) mit einem Oscar und einem Golden Globe. Die Thriller-Komödie "Scoop" gehört zu seinem Spätwerk und erreichte mit nur vier Millionen Dollar Einsatz fast die zehnfache Menge an Einnahmen. Wie so oft setzt Allen mit Scarlett Johansson auf eine junge, vielseitige Darstellerin an seiner Seite. Sie stand bereits 2005 in seinem Film "Match Point" im Mittelpunkt und behauptet sich in "Scoop" leichtfüßig zwischen zwei glänzenden, männlichen Hauptdarstellern. Ein kurzweiliger Filmspaß des Großmeisters.

Bis 24. Oktober im Handel

TV Movie

"After.Life", USA 2009. Regie: Agnieszka Wojtowicz-Vosloo. Format: 2,40:1 (16:9). Länge: 98 Min. FSK: 16 Jahre

und

"Jobkiller", B/F/E 2005. Regie: Constantin Costa-Gavras. Format: 1,85:1 (16:9). Länge: 117 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.

Nach einem Streit mit ihrem Freund Paul (Justin Long) braust die Grundschullehrerin Anna (Christina Ricci) aufgebracht mit ihrem Auto davon. Wenig später erwacht sie auf dem Zinktisch des Bestatters Eliot Deacon (Liam Neeson). Er sagt, dass sie gestorben sei und er ihr nun den letzten Weg bereite. Anna versucht verzweifelt, ihren Freund zu erreichen, um die Wahrheit herauszufinden.

Christina Ricci war seit ihrer gefeierten Hauptrolle in dem Grusel-Thriller "Sleepy Hollow" (1999) nur noch sporadisch in diesem Genre zu sehen. In "After.Life" zeigt sie an der Seite eines düster aufspielenden Liam Neeson ("Batman Begins"), dass sie dort gut aufgehoben ist. Zwar macht die polnische Regisseurin Wojtowicz-Vosloo optisch alles richtig, aber sie lässt in ihrer Geschichte zu viele Fragen offen. So bleibt dieser kühle Mystery-Thriller nur Mittelmaß.

Der zweite Film auf dem Beileger der TV Movie zeigt das Schicksal des Ingenieurs Bruno Davert (José Davert), der nach seiner plötzlichen Entlassung trotz hoher Qualifizierung einfach keine Anstellung mehr findet. Als er nach zwei Jahren bemerkt, wie sich seine Persönlichkeit verändert und seine Familie zerbricht, fasst er den Entschluss, seine Konkurrenten einfach selbst aus dem Weg zu räumen.

Der Regisseur Constantin Costa-Gavras hat sich in sein Polit-Dramen "Z" (1969) und vor allem "Missing" (1982) beindruckend mit dem Schicksal der Verfolgten und Gescheiterten beschäftigt. Sein Sozialdrama "Jobkiller" präsentiert einen drastischen, an Wahnsinn grenzenden Ausweg aus der Lebenskrise eines bis dahin völlig harmlosen Bürgers. Trotz einiger gewollter Überzeichnungen verliert Costa-Gavras dabei nie die Bodenhaftung, was seine Inszenierung doppelt beklemmend macht. Ein subtiler, die Gesetze des freien Marktes entlarvender Film mit bitterbösem Finale.

Bis 24. Oktober im Handel

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